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Samstag, den 28. Mai 1898.

49. Jahrgang.

des Monats Mai veröffentlicht derReichsanzeiger" ausführliche Angaben. Hervorzuheben ist, daß die für das Reich berechneten Saatenstands-Noten des Mai bie des April bei Winterweizen, Winterspelz, Klee und Wiesen übertreffen und auch beim Winterroggen die gün­stigen Aussichten, welche der April eröffnete, in gleicher Stärke weiter bestehen. Eine Vergleichung der Mai­noten des laufenden Jahres mit denen der vergangenen letzten 5 Jahre zeigt, daß der Saatenstand von Winter­weizen in dem genannten Zeitraume nie so günstig war wie in diesem Jahre, daß er für Sommerweizen, Hafer und Klee dem günstigsten der 5 Jahre gleichkommt, und daß er für Wmterspelz, Winterroggen, Sommerroggen, Sommergerste und Wiesen nur von je einem der 5 Jahre in den Aussichten, die er für eine gute Ernte bietet, übertroffen wird.

Ungewöhnliche Vorliebe für den Lehrerstand haben die Söhne der Einwohner des im höchsten Theile des Erzgebirges gelegenen Dorfes Grummbach bei Jöhstadt. Nicht weniger als 65 der gegenwärtig im Amte be­findlichen Lehrer des Königreichs Sachsen sind aus diesem Gebirgsdorfe gebürtig. Es dürfte kaum einen zweiten Ort in Deutschland geben, der einen gleich hohen Prozentsatz seiner Bewohner dem Lehrerberuf zuführt.

Strndal, 23. Mai. Ein entsetzlicher Vorgang spielte sich g-stern während des Exerzirens der fünften Schwadron des hiesigen Husarenregimentes auf dem Exerzirplatze ab. Drr Gefreite Blum ließ beim Jongliren mit der Lanze auf dahinstürmendem Pferde dieselbe fallen; mit der Spitze nach oben bohrte sie sich in den Sand und Blum stürzte vom Pferde mit dem Kopf in die Lanzenspitze hinein. Diese drang dem Unglücklichen in den Mund und kam an der oberen Stirnseite wieder zum Vorschein, nachdem sie die rechten Augenmuskel durchschnitten hatte. Mit Mühe nur konnte dem Besinnungslosen die Lanze aus dem Kopf gezogen werden. Der Verunglückte wurde in das Lazarcth geschafft, woselbst er hoffnungslos darniederliegt.

Gütersloh, 24. Mai. Ein Verbrecher, der nächt­licher Weise in das Haus einer Wittwe einge­brochen, deren Tochter geknebelt und schwer bedroht hat, ist in der Person eines noch nicht 18jährigen Primaners, eines Verwandten der Wittwe, ermittelt und in das Gefängniß zu Bielefeld abgeliefert worden. Sein eigener Vater hat erst kurz vorher die für die Ergreifung des Thäters ausgesetzte Belohnung von 500 Mark auf 1000 Mark erhöht.

Jserlohn, 24. Mai. Ein Kostgänger hatte bei seinem Fortzuge seinem Hausherrn einen Stiefelknecht mitge­nommen. Das Ersuchen um Zurückgabe desselben faßte der Kostgänger als Beleidigung auf, ging hin und klagte. Nach verschiedenen Terminen hat nun die Hagener Strafkammer als Berufungsinstanz den Kläger abge­wiesen und ihm die Kosten auferlegt, die nicht weniger als 180 Mark betrugen. Werth des Stiefelknechtes etwa 25 Pfg.

Koblenz, 26. Mai. Allen Ermahnungen und War­nungen in der Presse zum Trotz hört die Unsitte nicht auf, Petroleum in das Herdfeuer zu gießen, um einen schnelleren Brand zu erzeugen. Dieses gefährliche Ma­növer mußte die Dienstmagd eines Schuhwaarenhändlers mit dem Leben büßen. Wie gewöhnlich cxplodirte das Gefäß und übergoß den Körper des unvorsichtigen Mäd­chens, das brennend die Treppen herunterlief. Obgleich der Hausherr das Feuer durch Umwerfen von Decken usw. erstickte, war keine Rettung mehr möglich. Die Aermste war vollständig im Gesicht und anderen Körpertheilen verbrannt und hauchte bald nach dem schrecklichen Bor- all ihren Geist aus. Mögen sich alle, welche in gleicher Weise dem Feuer aufzuhelfen pflegen, diesen neuen von so vielen ähnlichen Fällen als abschreckendes Beispiel merken.

Dortmund, 26. Mai. Der schon gemeldete Gruben- brand auf der ZecheZollerN" brach in der Maschinen- kammer eines nach der tiefsten Sohle gehenden blinden Schachtes aus. Der Brand ist dadurch entstanden, daß ein offenes Licht in der Bremskammer ein herabhängen- des Stück Hanfseil ergriff. Das Feuer fand im Schmier­fett reichliche Nahrung und entwickelte furchtbaren Qualm. Die Belegschaft an der Unglücksstätte, 215 Mann stark, war der größten Gefahr ausgesetzt. Bisher konnten sich 170 mit größter Mühe retten. Dagegen gelang es 45 nicht, in gutes Wetter und zu Tage zu gelangen. Die­selben sind sämmtlich todt. Trotzdem, daß die Bergungs­arbeiten sehr erschwert sind, drangen die Kameraden der

fbftdhtttnotl aus dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ......- = Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Pfingsten.

Goldne Pracht liegt ausgegoffen über Berg und über Thal Längst ist ja nunmehr vergessen Winters lange schwere Qual, Und in herrlich bunte Farben sind gekleidet Hain und Au Kosend über üpp'ge Saaten streichen Lüfte wonnig-lau.

Fülle, Kraft und künft'gen Segen zeiget ringsum die Natur, Und von vielbewegtem Leben sind Erfüllet Wald und Flur; Jubilierend steigt die Lerche auf zum blauen Himmelszelt Hörst Du sie nicht jauchzend rufen:O, wie schön ist diese Welt?" Und in diese Jubeltöne, Menschenkind, stimm' freudig ein, Laß zum Fest in Deinem Herzen alles licht und fröhlich sein Grüßt und winkt doch Dir entgegen ringsum sommerliche Pracht, Die au- tausend Blutenkelchen duftend Dir entgegen lacht.

Grüne Maien vor den Thüren Maien drinnen auch im Haus Fliederbüsche in den Ecken, auf dem Tisch ein frischer Strauß Festesfreude auf den Mienen, Festesglanz allüberall: Sei gegrüßt, o lieblich Pfingsten, mit der Sonne erstem Strahl! Drum hinweg heut mit den Sorgen, drum hinweg mit Noth und Pein

In die Häuser, in die Herzen zieh' das Fest der Maien ein Gruß dir nochmals, lieblich Pfingsten, sei willkommen tausend Mal, Gieße deinen heitern Schimmer über Berg und über Thal!

War uns der Osterglocken feierlicher Schall, die uns das Auferstehen der Natur einläuteten, noch gedämpft durch der wallenden Nebel dichten Flor, so ertönen uns am heiligen Pfingstfeste die hehren Glockenklänge um so reiner, heller, Herz und Sinn mit Wonne und Andacht erfüllend. Welch' prächtiges Bckd ist es, das uns die Natur in ihrer jetzigen Erscheinung bietet! Goldener Sonnenschein flutet über Thal und Höhen, in üppigem Grün prangt Feld und Flur, und herrlicher Vogelgesang durchtönt die Wälder. Alles regt sich in frischem neuen Leben. Und wenn wir hinauswandeln in Feld und Flur, in Wiese nud Wald, wo uns ringsum des Frühlings duftiger Odem umweht, wo uns prangende Blütenpracht umdustet, dann wird uns unser Herz gar seltsam bewegt und dankbar schauen wir empor auch am heutigen Tag zum ewigen Schöpfer.

Gar viele unter unseren Lesern werden beim An­schauen der Herlichkeiten in Gottes freier Natur alle die Schönheiten dieser Welt als gläubige Christen empfinden; mögen sie hinaus wandern in Gottes freie Natur und sich berauschen in dem lebendigen Odem der frühlings- duftigen Gefilde. Möge ihnen allen das liebe Pfingst- fest ein frohes, schönes, liebliches sein und mögen allen Lesern dieses Blattes die Tage des Festes das werden, was wir ihnen aus vollem Herzen wünschen:

Recht frohe, vergnügte Feiertage!

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai. Am Mittwoch Nachmittag empfing der Kaiser auf dem Anhalter Bahnhof das aus Kron- berg eingetroffene griechische Kronprinzenpaar. Auf dem Bahnsteig hatte eine Ehrenkompagnie des 2. Garde- Regiments z. Fuß mit Fahne, Spielleuten und Regi- mentsmusik im Paradeanzug Aufftellnng genommen. Unter den Klängen der griechischen Hymne lief der Zug in die Bahnhofshalle ein; sofort nach dem Halten ent­stiegen ihm Kronprinz Konstantin und Kronprinzessin Sophie. Der Kaiser begrüßte seinen Schwager und seine Schwester in herzlichster Weise.

Sommeraufenthalt der kaiserlichen Familie. Da die ungünstigen Grundwafferverhältnisse im Neuen Palais bet PotSdam dem Kaiserpaar den Aufenthalt daselbst unmöglich machen^ wird dasselbe, wie aus Hof­kreisen verlautet, schon in nächster Zeit? nach Wilhelms­höhe bei Caffel mit den kaiserlichen Kindern übersiedeln, um dort längeren Aufenthalt zu nehmen, der für den Kaiser nur durch die NordlandSreise unterbrochen werden dürfte.

, DaS BureauReuter" meldet aus Tientsin: Prinz Heinrich reiste von Peking ab und hielt sich län­gere Zeit in Tientsin auf, frühstückte bei dem deutschen Konsul, während das Gefolge einer Einladung des Deutschen Clubs folgte. Der Prinz reiste Abends nach Taku, besuchte Port Arthur und sodann den Admiral Seymour. Der Besuch des Prinzen fördert zweifellos das Ansehen Deutschlands und rief in ganz China großen Eindruck durch die Zerstörung der Vorurtheile der chinesischen Hosetiquette hervor.

Ueber den Saatenstand im Reiche um die Mitte

Verunglückten alsbald todesmuthig vor, sodaß eine An­zahl von ihnen selbst in Lebensgefahr gerieth; 12 davon mußten in das Krankenhaus gebracht werden. Das Feuer hat sich auch dem Schachte mitgetheilt. Die Unter­suchung wird festzustellen haben, ob Fahrlässigkeit die Ursache der Katastrophe gewesen ist.

Ausland.

Amsterdam, 24. Mai. Obwohl die Königin Wilhel- mine am 31. August ihr 18. Lebensjahr vollendet und der Verfassung gemäß an diesem Tage zur Uebernahme der Regierung berufen erscheint, wird ihre Eidesleistung auf die Verfassung und Krönung erst am 6. September stattfinden. Da die Königin jedoch vor der Eidesleistung keine Regierungshandlung vornehmen kann, so liegt hier der Fall einer stillschweigenden, in der Verfassung nicht vorgesehenen Verlängerung der Regentschaft vor.

Washington, 24. Mai. Einer Meldung des Reulerschen Bureaus" zufolge hat der amerikanische Oberkommandeur General Milis die Ansicht ausge­sprochen, daß für die kriegerischen Operationen auf Cuba 85 000 Mann amerikanischer Truppen erforderlich seien. Man erwartet nicht viel Hilfe von Seiten der cubanischen Aufständischen. Die Regierung erwägt den den Aufruf von noch wenigstens 50000, vielleicht sogar 100 000 Freiwilligen zu den Waffen. Denn trotz aller Prahlereien der Iankee-Presse wird es von Woche zu Woche klarer, daß es mit den nordamerikanischen Land­truppen recht jammervoll bestellt ist. Wie kann es auch anders sein in einem Lande, wo man für die frei­willigen Miliztruppen die Offiziere bestellt je nach dem Vermögen, das sie besitzen: wohlhabende Leute werden Lieutenants, Hauptleute und Rittmeister, reichere werden Majore und Obersten, und aus den Millionären werden die Generäle gemacht. Wenn aber der gecken­hafte Sohn eines Börsenmatadors mit seiner Wäscherin in New-Iork eine Konferenz abhalten will über die Be­handlung seiner feinen Wäsche, so bekommt er einige Tage Urlaub für eine Reise von seinem Garnisonsorte nach New-Iork! Das sind keine schlechten Witze, sondern Thatsachen. Solche Dinge sind auch als Ausnahmen für die Europäer unbegreiflich und auf jeden Fall ein sehr schlechtes Zeugniß für den Geist, der in den ameri­kanischen freiwilligen Milizheeren steckt. Mindestens wird es sehr lange Zeit erfordern, bis die Amerikaner es wagen können, mit solchen Truppen dem Feinde auf den Leib zu rücken.

Cuba. Ueber das für die Amerikaner unglückliche Gefecht bei Cardenas liegen Einzelheiten vor. Das amerikanische KriegsschiffWinslow" erhielt von einer der spanischen Batterien einen Granatschuß, der ihn sofort manövrirunfähig machte. Das Geschoß drang durch die Panzerverkleidung und brächte den Kessel zum Bersten, zugleich die Maschine zerstörend. DerWinslow" wurde hierauf bis an die Batterien getrieben und mußte um Hilfe signalistren. DerHudson" kam herbei, um denWinslow" ins Schlepptau zu nehmen und beide Schiffe erhielten hierbei mehrfache Treffer von den spanischen Batterien. Endlich glückte es demHudson" ein Kabel an denWinslow" zu bringen, auf dem kaum noch drei Mann dienstfähig waren. Eine spanische Granate tödtete den Fähnrich Bagley, drei Artilleristen und einen Matrosen, während der Kommandant und ein Matrose verwundet wurden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 27. Mai.

* Bei der am vorigen Mittwoch stattgehabten Er­satzwahl der Schöffen wurden gewählt in der zweiten Abtheilung: Karl Freund und Leonhard Schäfer; in der dritten Abtheilung: Johannes Kohlhepp. Bei der Stichwahl zwischen W. Thaler und H. Bey, wurde Letz­terer gewählt.

* Um bei künftigen Wasserkatastrophen nicht un­vorbereitet zu sein, sind in den bedrohten Landestheilen von den oberen Behörden Maßregeln in Aussicht ge­nommen, die ein sofortiges Eingreifen ermöglichen sollen. So werden jetzt Ermittelungen darüber angestellt, ob aus den fast allenthalben bestünden Feuerwehren Wasserwehren gebildet werden können. Sie sollen zu diesem Zweck mit dem zur Hilfeleistung erforderlichen Handwerkszeug, z. B. auch mit kleinen Pontons, ausgerüstet werden und in jedem Jahre mehrere Uebungen abhalten. Es sind StaatSunterstützungen in Aussicht gestellt,