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SchWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps.

M 42.

Mittwoch, den 25. Mai 1898.

49. Jahrgang.

üofldhtttJWtt auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -..............= Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, der Freitag Nachmittag allein arbeitete und später im Grunewald spaziere« ritt, hörte Sonnabend morgen die Vorträge des Generalstabschefs und des Chefs des Militärkabinets. Um 10 Uhr fand vor dem Kaiserpaare die Prüfung des Kronprinzen und seines Bruders statt. Am Sonntag Vormittag wohnten beide Majestäten in der Friedenskirche zu Potsdam der Einsegnung ihrer ältesten Söhne bei, worauf im Stadt­schloß eine Frühstückstafel folgte.

Für die Förderung der Uebersiedelung deutscher Frauen und Mädchen nach Südwestafrika hat die deutsche Kolonialgesellschaft 5000 Mk. zur Verfügung gestellt. Es sollen Beihilfen an solche Mädchen u. s. w. gewährt werden, welche Bräute von in Südwestafrika weilenden Männern sind oder hinsichtlich welcher die Unterbringung im Schutzgebiet in einer von der Landes­hauptmannschaft nachgewiesenen Stellung gesichert ist. Vor der Hand ist allerdings keine Aussicht, eine erheb­liche Anzahl von Bewerberinnen unterzubringen, da die Anzahl der Deutschen im Schutzgebiet noch gering ist. Dagegen reisen am 25. Mai die Ehefrau eines Hand­werkers mit zwei Kindern und die Bräute von zwei ehemaligen Angehörigen der Schutztruppe nach Swakopo- mund.

Bom Südharze, 20. Mai. Die Bestrebungen unserer Zeit, Kornlagerhäuser zu errichten, geben Anlaß, auf eine Einrichtung dieser Art aufmerksam zu machen, welche seit dem Jahre 1722 auf unserem Südharze besteht, und zwar in der Kreishauptstadt Osterrode, und welche seit­dem bis auf den heutigen Tag im Betriebe ist. Es ist dies das 70 Meter lange, 17,50 Meter breite und 23 Meter hohe, in sieben Schüttböden abgetheilte dortige Harzkornhaus, welch.s von 1718 bis 1722 unter Georg I. gebaut wurde. Dasselbe trägt die Inschrift: Utilitati Hercyniae sowie das englisch-hannoversche Wappen mit Devise des HosenbandordensHanny soit qui mal y pense, und den Wahlspruch der englischen Krone:Dieu et mon droit. Das Lagerhaus, welches circa 45,000 Hektoliter Korn fassen kann, hatte den Zweck, in theuren Jahren die Bergleute des hannover- schen Oberharzes mit billigem Getreide zu versehen. In solchen Zeiten erhielt jeder Verheiratete monatlich zwei Scheffel zum Preise von je 28 Mariengroschen oder 20 Groschen preußisch Kourant, jeder Unverhetrathete, Invalide u. s. w. die Hälfte. Den Schaden, der dabe entstand, und der in den ersten 40 Jahren 83,000 Thaler betrug, trugen der König mit zwei Dritteln, sowie die Gruben und Hütten mit einem Drittel. Bis auf Oker, Goslar und St. Andreasberg erhalten alle Berg- und Hüttenleute des Oberharzes das alte Quantum zum alten Preise. Es wird aber fast nie mehr von ihnen abgehoben, sondern die Anweisungen wandern statt baaren Geldes in die Hände der Kauf­leute usw., die dann dafür das Korn in Empfang nehmen.

Vom Rhein. Die Kölner Stadtverordneten be­schlossen, für die Erhaltung des Siebengebirges 100,000 Mark beizusteuern, nachdem das Staatsministerium die Veranstaltung einer Lotterie mit einem Reingewinn von 1,500,000 Mk. davon abhängig gemacht hat, daß die Städte Bonn 50,000 Mk., Köln 100,000 Mk. und die Rheinprovinz 200,000 Mk. dazu zahlen. Bonn und die Provinz haben gleichfalls die genannten Summen be­willigt.

Dnisburg, 22. Mai. Eine vierfache Hinrichtung vollzog am Samstag hier der Scharfrichter Reindel. Die Delinquenten waren die 20#, 22- und 25jährigen Fabrikarbeiter Theodor Graat, Franz Sauter und Anton Schmitz und die 28jährige Bergmanns-Wittwe Karolina Schula aus Meiderich. Die drei jungen Leute hatten auf Anstiften der Schula deren Mann ermordet. Alle vier gingen reumüthig in den Tod.

Dortmund, 22. Mai. Auf der ZecheZollern" brach ein Grubenbrand aus. Man befürchtet, daß alle in dem betreffenden Flötz beschäftigten Bergleute, 45 an der Zahl, verunglückt sind. Ueber die Ursache des Brandes ist bis jetzt nichts bekannt. Bis 11 Uhr Abends wurden 30 Leichen zu Tage befördert.

Wittenberge, 20. Mai. In Lenzen ist man.durch

Ausland.

Prag, 19. Mai. Heute früh explodierte an Bord eines zur Abfahrt bereiten Dampfers der Moldaudampf- schiffahrt-Gesellschaft der Kessel. Ein Kind wurde bis zum zweiten Stockwerk eines Hauses emporgeschleudert und getödtet. Außerdem wurden bisher zwei Leichen von Verunglückten aufgefunden. Man glaubt, daß die auf dem Verdeck befindlichen Personen, ungefähr zwanzig, gerettet wurden. Das Schiff ist zertrümmert.

Die Furchtbarkeit der blutigen Vorgänge in Mailand wird erst jetzt bekannt. Bei dem radikalen Abgeordneten De Andreis, der in der Redaktion der republikanischen Jtalia de Popolo" verhaftet wurde, fand man ein revolutionäres Manifest, das den Beginn der Revolution für den 9. Mai verkündet. Die Zahl der Aufrührer soll mindestens 30,000 betragen haben. 500 wurden getödtet, über 1000 verhaftet. Aus der Umgegend Mai- lands kamen fortgesetzt mit Sensen und Dreschflegeln bewaffnete Bauern nach der Stadt gezogen, um die Rebellen zu unterstützen. Die Nothwendigkeit, mit Ge­schützen vorzugehen, läßt den Ernst und den Umfang der Bewegung deutlich erkennen. Nur dem entschlos­senen und muthvollen Vorgehen des Militärs ist es zu verdanken, daß die wichtigste Handelsstadt Italiens nicht der Raserei der aufgelegten Klassen zum Opfer gefallen ist.

Konstantinopel, 18. Mai. Die Pforte hat dem Doyen der Bolschafter erklärt, daß 25 Transportschiffe nach Volo beordert seien; 60000 bis 70000 Mann und 9000 Pferde würden Thessalien auf dem Seewege, die übrigen auf dem Landwege verlassen.

den Diebstahl an einer für den Kaiserlichen Hof bestimm­ten Weinsendung einer großartigen Spitzbüberei auf die Spur gekommen. Die Ladungen der ankernden Fahr­zeuge, aus Wein, Zucker und Kaffee und sonstigen Materialwaaren bestehend, sind seit einiger Zeit von den auf den Schiffen bediensteten Schiffern systematisch be- stohlen und das Gestohleredann an Kaufleute u. Gastwirthe in Lenzen verkauft worden. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, daß die betreffenden Abnehmer den Ur­sprungsort der ihnen angebotenen Waaren genau kannten, weshalb vier Kaufleute und ein Gastwrrth verhaftet wurden. Zwei der ersteren sind vorläufig aus der Haft entlassen, auch verschiedene Schiffersknechte sitzen hinter Schloß und Riegel. Dieselben hatten, wie sich heraus- stellt, die Diebeswaare des Abends von den Schiffen zu den Abnehmern gebracht. An der kaiserlichen Sendung fehlten etwa 60 Flaschen Wein, die bei einem Kaufmann vorgefunden wurden. Eine umfangreiche weitere Unter­suchung ist eingeleitet worden.

Aus Pose«, 21. Mai. Der Südwesten der Provinz Posen und die angrenzenden Theile Schlesiens wurden gestern durch Gewitter, die mit Woklenbrüchen und Hagelwettern verbunden waren, schwer heimgesucht.

Aus Baden, 21. Mai. Der Bahnhof in Zimmern wurde gestern Nachmittag durch einen Wolkenbruch der­art überschwemmt, daß ein Geleise bis heute Morgen unbefahrbar war. Die Gemeinde Großrinderfeld, Amt Tauberbischofsheim, wurde gestern durch ein schreck­liches Gewitter mit Hagelschlag heimgesucht, unter dem auch die Nachbargemarkungen stark litten. Besonders im Höhrgau und in Schönau bei Hetdelburg wurden die Obstbäume, Roggen- und Kleeäcker zusammengeschlagen.

Bad Brückenau, 19. Mai. Zum 151. Male sieht heuer unser Bad im lichtgrünen Frühlingskleide seiner uralten Buchen und Eichen den kommenden Gästen ent­gegen. Wer je dies waldumrauschte Thal in seiner ersten Frühlingspracht gesehen, vergißt es nie wieder. Der bayerische Staat sorgt eifrig in richtiger Erkenntniß als Besitzer für sein Gut. Eine Wandelbahn und eine Halle über den Wernarzer Brunnen soll erstehen, ebenso ein neues königliches Kurhaus mit allem Komfort. Getreu den geschmackvollen, äußeren Barok-Formen des alten Langbaues aus der Fürstbischofszeit, soll das neue Gebäude als Gegenstück zum monumentalen Kur­saalbau König Ludwigs I. eine unvergleichliche Zierde des Bades werden und eine neue Aera desselben ein­leiten. Aber nicht ein Weltbad will Brückenau werden mit dem nervusen Treiben solcher Orte, es behält un­bedingt seine vornehme Ruhe, seine idyllische Zurückge- zogenheit, aber in diesem Rahmen bietet es eben allen Komfort vom einfachsten bis vornehmsten Bedürfniß. Die Kaiserin von Oesterreich hat sich von Kissingen zur Nachkur nach Bad Brückenau begeben.

Nach in Amsterdam von den Sunda-Jnseln ein­gegangenen Privat-Telegramm richtete ein Wirbelsturm auf bir Insel Timor und in Bima auf der Insel Sun- bawa furchtbare Verheerungen an. Hunderte von Menschen find umgekommen, die Bai von Bima ist mit Leichen und Trümmern angefüllt. Viele Häuser find völlig zerstört worden. Bei dem Wirbelsturm auf der Insel Timor sind über 2000 Menschen umgekommen; die Bucht von Bima ist mit Leichen angefüllt.

England. Der Rest der chinesischen Kriegs-Ent- schädigung nebst den Kosten der Besetzung von Wei-Hat- Wai für ein Jahr ist in der Bank von England den japanischen Vertretern mit einem Check von elf Millionen Pfund Sterling ausgezahlt worden.

London, 19. Mai. Gladstone, der frühere englische Ministerpräsident, ist heute gestorben. Gladstone ver­schied ruhig um 5 Uhr morgens, er schlief von 1 Uhr bis zum Eintritt des Todes. Seine Gemahlin und andere Familieumitglieder weilten am Sterbebette. Der Tod Gladstones wird im ganzen Lande als nationaler Verlust angesehen. Alle Blätter erscheinen mit Trauer­rand und widmen dem Staatsmanne eingehende Nach­rufe. Allgemein wird der Wunsch ausgesprochen, daß die Leiche in der Westminster-Abtei beigesetzt werde. Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser haben die Flaggen auf Halbmast gehißt, Der Wittwe Glad­stones sind von der Königin, dem Prinzen von Wales und den übrigen Mitgliedern des Königshauses warm gehaltene Beileidsschreiben zugegangen.

Newyork, 22. Mai. Bei heftigen Wirbelstürmen, welche am letzten Mittwoch in Iowa, Illinois und Wisconsin herrschten, sollen 70 Personen umgekommen sein. Fest steht bis jetzt, daß wenigstens 42 Personen getödtet wurden.

In Newyork zittert man vor einer neuen, im Norden aufgetauchten spanischen Flotte. S£J$iLii.öbnW neun Kriegsschiffe unbekannter Nationalität in der Nähe von Neufundland gesehen wurden, die in südlicher Richtung weiter fuhren. Die neun Kriegsschiffe, von denen man glaubt, daß sie spanische seien, passirten die Küste von Neu-Schottland. Die Ansicht, daß diese Schiffe spanische seien, scheint eine Privatdepesche, nach welcher von Cadix kommende spanische Kohlenschiffe aus der Höhe von Miquelon und St. Pierre angekommen sind, zu bestätigen. Man glaubt, daß die Schiffe die Städte und Häfen der atlantischen Küste Amerikas an­greifen werden. Aus bester Quelle verlautet, daß Präsident Mac Kinley keinen längeren Aufschub der Invasion Cuba gestatten will. 100,000 Mann sollen sofort abgesandt werden, ohne eine vorherige Seeschlacht abzuwarten. Der Präsident betrachtet eine schnelle Aktion als unumgänglich nothwendig, um den verhungernden Cubanern Hilfe zu bringen. Lieutenant Roman, welcher von Cuba zurückkam, wo er mit den Insurgenten sich in Verbindung gesetzt hatte, berichtet, daß die Insurgenten nur aus wenigen Guerillabanden bestehen.

Aus der Kolonie des bekannten Baron Hirsch in Argentinien sind 136 Jsraeliten wieder in ihre rus­sische Heimath zurückgekehrt. Die von dem Baron mit einem großen Kostenaufwand ins Leben gerufene Kolonie muß den gehegten Erwartungen also doch wohl nicht entsprechen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 24. Mai.

* Das Wetter soll, dem hundertjährigen Kalender nach, nächstens schlimmer werden. In demselben heißt es: Am 24. Mai früh Eis; 27. schön ; 28. und 29. kalt und Regen; am 30. und 31. Reif, Regen und Schnee.

* Schlimmes Hageljahr in Sicht. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Herr von Debschitz-Raudten in derAllg. Vers.-Presse" eine Mahnung an die Land- Wirthe, die Versicherung ihrer Feldfrüchte, sofern es noch nicht geschehen, baldigst zu besorgen, denn es stehe zwar ein fruchtbarer, aber auch ein sehr Hagelreicher Sommer bevor. Er stützt sich hierbei auf die Erfahrung, daß ein hoher Grundwasserstand während des Sommers in der Regel mit einem schweren Hageljahre zusammenfällt und thatsächlich haben wir jetzt einen so hohen Grundwaffer- stand, wie er seit 6 Jahren nicht gewesen ist. Auch aus einem anderen Grunde ist anzunehmen, daß der Sommer 1898 viele und schwere Hagelschläge bringen wird. Es ist eine Thatsache, daß auf einen übermäßig