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Samstag, den 14. Mai 1898.
49. Jahrgang.
Wostsllu^su aus die „Schlüchterner Zeitung" iPvpliUUHyt H werden noch fortwährend von allen ......... - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar in Lothringen. Beide Majestäten besuchten Montag Nachmittag nach einem Exerzieren bei Frescati die Stadt Metz, vom Publikum jubelnd begrüßt. Abends wurde dem Kaiserpaar vor dem Bezirkspräsidium ein Fackelzug dargebracht, in welchem sich über 5000 Lampions und 12 Musikkorps befanden. Die Nationalhymne wurde gespielt und von der Menschenmenge mitgesungen. Die Majestäten dankten vom Balkon aus und kehrten dann nach Schloß Urville zurück, woselbst sie den Dienstag verlebten.
— Prinz Heinrich ist nun, wie bereits kurz mitgetheilt, mit den drei Schiffen seiner Kreuzer-Divifion-nach Taku und Peking abgefahren. Der Gcschwadeichef, Vizeadmiral v. Diederichs, hat für die von ihm angetretene Fahrt nach Nagasaki nur noch die „Prinzeß Wilhelm" zur Verfügung, da zwei weitere Schiffe zum Schutz der deutschen Interessen nach Manila beordert sind, wo sich nunmehr nicht weniger als vier deutsche Kriegsschiffe versammeln werden.
— Aus Kiautschau wird geschrieben, daß in der Nacht zum 29. März die Garnison allarmirt wurde, um nach einer Rotte von Chinesen zu fahnden, welche das Pulverdepot in die Luft zu sprengen suchte. Im Laufe des vorhergehenden Tages war eine Anzahl chinesischer Soldaten und verdächtiges Gesindel in einer Dschunke eingetroffen und hatten sich tagsüber verborgen. Der Wachtposten beim Pulverdepot überraschte sie während der Nacht, als sie schon im Begriff waren, mit Pulver gefüllte Bomben an das Depot zu legen. Zwei Ge- wehrschüffe alarmirten die Wache und es gelang dieser, fünf von den Uebelthätern gefangen zu nehmen. Sie werden auf das Schärfste bestraft.
—sJn Deutsch-Ostafrika gibt es, wie Professor R. Koch mittheilt, der bekanntlich in der jüngsten Zeit dort Untersuchungen vorgenommen hat, allem Anschein nach ausgedehnte Gebiete, welche geeignet sein dürften, einen Theil des Auswanderungsstroms, welcher alljährlich von Deutschland ins Ausland abfließt und für das Mutterland jetzt dauernd verloren geht, aufnehmen. Ueber die Gesund- Heitsverhältnisse in Westusambara, welches schon öfter zur Besetzung mit deutschen Ansiedlern vorgeschlagen wurde und das Professor Koch untersucht hat, macht dieser im „D. K.-Bl." Angaben. Das Klima ist angenehm, Morgens und Abends recht kühl, Nebelbildungen fehlen fast ganz, und daraufhin empfiehlt Koch das Land als gesundheitlich für die Besiedelung vorzüglich geeignet. Auch gegen die Begründung einer Heilstätte in Westusambara ließen sich Bedenken vom gesundheitlichen Standpunkt nicht geltend machen, sofern nicht andere Gründe, wie die Entfernung von der Küste und deswegen schwere Erreichbarkeit dagegen sprechen.
— Die Steigerung der Getreidepreise macht weitere Fortschritte. Die Berliner Landwirthschaftskammer notirt von Dienstag 257 Mk. für Weizen und 183 Mk. für Roggen. Das sind 8 Mark mehr für Weizen und 4.50 Mk. mehr für Roggen als am Tage vorher. Nach dem Bericht der „Nationalztg." vom Produktenmarkt ist der Preis für guten Weizen schon mit 268 Mk. angelangt und der Preis für solchen Roggen auf 180 bis 181 Mark. Auf dem Berliner Getreidemarkt sind auch die Lieferungspreise für Juli und September am Dienstag für Roggen und Weizen erheblich gestiegen.
— Am Produktenmarkt in Berlin ist die Preissteigerung am Mittwoch zum Stillstand gekommen unter der Einwirkung von Amerika. Dort hat zwar der Maitermin weitere Erhöhungen erfahren, aber für die übrigen LieferungSmonale von Juli an ist der Preis um 3 bis 6 Cents zurückgegangen. In Berlin ging der Weizenpreis für Juli um etwa 8 Mark, für Herbst um 4 Mk., der Roggenpreis für Juli um 3 Mk., für Herbst um 4 Mk. zurück.
— Die Seifenfabrikauten des südwestlichen Deutschlands haben sich in Folge der schlechten Geschäftslage und der Preissteigerung der Fabrikationsmaterialien zu einem Verbände angeschloffen, um Besserung zu schiffen. Die Fabrikanten wollen es sich zur Aufgaben, machen dem unlauteren Wettbewerb mit minderwerthigen Seifen, wenn nöthig unter Zuhilfenahme des Gesetzes gegen den un
Ausland.
Wien, 12. Mai. Die Prinzessin Luise von Koburg wurde vom Bahnhof direkt in die Heilanstalt von Obersteiner in Döbling gebracht. Es wird versichert, daß die Prinzessin freiwillig in der Anstalt internirt wurde. Ihre finanziellen Angelegenheiten werden im Auftrag ihrer Familie durch den Advokaten Dr. Neuda angeordnet, und zahlt die Familie sowie der König von Belgien ihre sämmtlichen Verpflichtungen. Es verlautet, daß die Prinzessin unter Kuratel gestellt und der Präsident der Wiener Advokatenkammer ihr Kurator werden wird. Herzog Alfred von Sachsen-Koburg-Gotha wird die Scheidung der Ehe aussprechen.
— Der „Tribuna" zufolge wurden bis vorgestern in Mailand fünfhundert Leichen begraben, weitere 16 gestern. Alles bei den Straßenkämpfen in Mailand durch das Gewehrfeuer des Militärs Getödtete. Demnach ist der Aufstand doch weit umfassender gewesen, als zuerst verlautete.
Madrid, 12. Mai. Eine Feuersbrunst zerstörte eine Mehlfabrik und vernichtete 4000 Sack Mehl und 6000 Hektoliter Weizen. Das ist bei der jetzigen Zeit der Brodtheuerung ein schweres Unglück.
Amerika. Gerüchtweise verlautet, daß ein heftiger Kampf zwischen dem spanischen und amerikanischen Geschwader bei den Antillen stattgefunden habe. Einzelheiten fehlen. Zwei nordamerikanische Schiffe versuchten, den Kanal von Cardenas zu forciren, mußten sich aber vor drei spanischen Kanonenbooten zurückziehen. Aus Keywest wird gemeldet: Zwei amerikanische Kriegsschiffe kommen in Sicht; sie fahren langsam auf Keywest zu und sind anscheinend schwer beschädigt.
— In Keywest ist das gelbe Fieber ausgebrochen. — Der amerikanische Kreuzer Cincinnati scheint in den letzten Stürmen untergegangen zu sein.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 13. Mai.
* — Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die Zahlung der Staats-Einkommen- und Ergänzungssteuer bis spätestens Montag den 16. Mai d. J. erfolgt sein muß, da sonst zwangsweise Beitreibung erfolgt, welche mit Kosten verbunden ist.
* — Gewitter- und Hagelwetter dürften sich um den 17. Mai einstellen, denen vom 22. ab die diesjährige Nachtfrostperiode folgen wird.
* — Die diesjährige Aufnahme-Prüfung in dem Königlichen Schullehrer-Seminar zu Schlüchtern ist auf )en 9. September, an welchem Tage die mündliche Prüfung beginnt, angesetzt.
* — Für den Reiseverkehr um die Pfingstzeit werden Rückfahrkarten von 12tägiger Dauer ausgegeben.
lauteren Wettbewerb, entgegenzutreten; sie hoffen dadurch allmählich wieder auf einen normalen Preisstand ihres Fabrikats zu kommen.
— Im „Reichsanzeiger" wird bekannt gegeben, daß das Tetanus-(Wundstarrkrampf-)Heilserum mit der Konirolnummcr 13 von den Höchster Farbwerken wegen eiugetretener Verminderung seines Gehalts an Jmmuni- strungseinherten zur Einziehung bestimmt ist.
— Aus dem spanisch-amerikanischen Kriege lassen sich schon jetzt zwei Lehren ziehen: Niemals ist wohl mit solcher Klarheit der Nachweis erbracht worden, wie völlig werthlos gegenüber Schiffen vou moderner Bauart und moderner Bewaffnung Fahrzeuge älterer Construk- tion und Ausrüstung sind. Der glänzende Sieg, welchen die amerikanische Flotte über das spanische Philip- pinen-Geschwader erfochten hat, ist lediglich dem Umstände zuzuschreiben, daß die spanischen Schiffe durchweg veraltet waren, während wenigstens der größere Theil der amerikanischen Schiffe den Anforderungen der Seekriegskunst entsprach. Auch noch nach einer andern Richtung hin sind die Vorgänge der letzten Zeit lehrreich. Die hohen Getreidepreise zeigen, wie empfindlich für unsere Versorgung mit Brodfrucht selbst vorübergehende Störungen in dem Verkehr mit den Vereinigten Staaten sind und wie verhängnißvoll unter Umständen eine Blokade unserer Seehäfen für die Ernährung des deutschen Volkes werden könnte. Man kann wegen dieser Thatsachen nur bedauern, daß noch Jahre vergehen werden, bis die deutsche Flotte die zur Erfüllung ihrer Aufgaben unumgänglich nothwendige Stärke wirklich erreicht hat.
Rückfahrkarten, welche vom 26. d. Mis. ab gelöst werden, haben darnach Giltigkeit bis einschließlich den 6. Juni Nachts.
* — Bei der Hessen-Nassauischen Bcrufsgenoffenschaft gelangten im März in den verschiedenen Sektionen 145 Unfälle zur Anzeige. Bei 37 Unfällen wurde die Entschädigungspflicht anerkannt und Festsetzung der gesetzlichen Entschädigungen veranlaßt.
* — In der Verleihung der Kaiser Wilhelm-Medaille wird fortan auf kaiserlichen Befehl eine Neuerung cin- treten. In geeigneten Fällen soll ausnahmsweise und anf besonderen Antrag der Behörde auch solchen Veteranen die Medaille verliehen werden, die nach den bisher getroffenen Bestimmungen von der Verleihung der Medaille ausgeschlossen sind, d. h. den Veteranen, die mit dem Militärstrafgesetz in Konflikt gerathen waren.
* — „G. m. b. H." Nach dem Reichsgesetz vom 20. April 1892 muß die Firma der Gesellschaften mit beschränkter Haftung die zusätzliche Bezeichnung enthalten „mit beschränkter Haftung". Es ist bemerkt worden, daß von einzelnen Gesellschaften dieses Gesetzeswort dadurch erfüllt werden soll, daß der Firma die Buchstaben: „G. m. b. H." angefügt werden. Da hiermit der Zweck des Gesetzes nicht erreicht wird, so soll darauf geachtet werden, daß die Gesellschaftsform dem Gesetz gemäß kündbar gemacht wird. Es wird sich empfehlen, daß die Gesellschaften ohne Weiteres die Buchstaben zu Worten ergänzen.
* — (Aus der Strafkammersitzung vom 9. Mai.) Jü einem durch die Stadt Schlüchtern gegen den in ihren Diensten stehenden Förster Schmidt, zwei Oberholzhauern und 17 Holzhauer angängig gemachten Betrugsprozesse hatten sich letztere vor der hiesigen Straf- - immer I zu verantworten. Soweit die durch die Renitenz einiger Angeklagten bis zu später Abendstunde hinausgezögerte Beweiserhebung, welch' letztere als noch nicht vollendet heute ihren Fortgang fand, ein Bild zu- läßt, handelt es sich um folgende Sachlage; Die Stadt Schlüchtern ist im Besitze von 460 Hektar Waldungen, deren Verwaltung der Oberförstern in Steinau übertragen ist. Sch. ist als pensionsberechtigter auf das Forstdieb/tahlsgesetz vereidigter Gemeindebeamter angestellt. Letzterer, welcher die Einstellung der Holzhauer veranlaßte. hatte als besondere Vergünstigung das Recht, sich aus dem aufgearbeiteten Holze, das er außerdem zu einer niederen Taxe erhielt, die ihm genehmen Haufen auszusuchen, worauf ihm diese nach diesbezüglichem Vermerk in der Abzählungstabelle verabfolgt wurden. Für die Aufarbeitung des Holzes war Bestimmung dahin getroffen, daß die bis zu 7 Cenlimeter dicken Stücke zum Reisig, die 7—14 Centimeter dicken Stücke zum Knüppel-, und diejenigen mit größerem Durchmesser zum Scheitholz gehören, und demgemäß zusammengesetzt werden. Im Jahre 1897 lief nun bei dem Bürgermeisteramt in Schlüchtern ein anonymes Schreiben ein, welches die Thatsache eines bei der Holzzusammensetzung vorgekommenen Betruges insofern feststellte, als in den beiden Haufen Reisig, welche sich der Förster Sch. ausgesucht habe, größere Stämme Buchen- und Eichenröller verborgen sein sollten. Die angeftellten Recherchen ergaben, daß die Behauptung sich als richtig erwies; es wurden in den fraglichen Reifighaufen etwa 14—20 größere Stämme, nach Angabe des Herrn Bürgermeisters ca. 8 Raummeter, vorgefunden. Der Verlust, der eventuell eingetreten wäre, würde sich für die Stadt pro Haufen auf circa Mk. 12 berechnet haben. Den gleichen Betrug und der Beihülfe hierzu im Laufe der Jahre fortgesetzt verübt zu haben, sind die Angeklagten beschuldigt und namentlich soll der Beweis hinsichtlich^ der begangenen Unredlichkeit für die Jahre 1893—1897 erbracht werden. Die Aussagen der Mehrzahl der Angeklagten lauten für den beklagten Förster sehr beschwerend und wenn auch eine gewisse Animosität in diesen Bekundungen nicht zu verkennen ist, verdienen dieselben dadurch um so mehr Glaubwürdigkeit, als die Betreffenden damit das Rechtswidrige und zwar das bewußte Rechtswidrige, ihrer Handlungsweise zugcben, für welche sichere Strafe ihnen in Aussicht steht. Aus den verschiedenen Aussagen geht hervor, daß im Jahre 1893/94 auf Ansuchen des Försters bei Aufarbeiten des Holzes das Verwenden unvorschrifts- mäßiger Stücke, also Knüppel- und Scheitholz, in den Reifighaufen unterlassen werden sollte. 1894/95 soll er dagegen bemerkt haben: „Jetzt macht ihr meine Haufen aber etwas besser, als im Vorjahre." Dies sei denn