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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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«M 38. Mittwoch, den 11. Mai 1898. 49. Jahrgang.

NpH^IINsrpll °us bie »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

-^..... ! Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen._______

Ausruf.

Mit der erfolgten Wahl des Festortes Niederwald- Rüdesheim sind die ersten Vorarbeiten zur Einrichtung der Deutschen Nationalfeste beendigt; wir treten in der Zuversicht, daß die an den Festort gestellten Bedingungen demnächst ihre weitere Erfüllung finden werden, jetzt an die Durchführung des vaterländischen Unternehmens heran.

Hoch über den Fluthen des Rheins, dort, wo die Germania stolz und fricdensstark die Kaiserkrone über die deutschen Lande emporhebt; an den Ufern des Stro­mes, um den das deutsche Volk gelitten und gestritten hat, seitdem es in die Weltgeschichte eingetreten ist; an der Stelle, wo der erste Kaiser inmitten seines Volkes dessen siegreich erstrittene Einheit feierte: Dort, auf dem Riede rwalde, soll die Feststätte geschaffen werden, welche dereinst zum Weiheplatz der Ration, ja, des gesammten deutschen Volksthums werden möge!"

Was wollen die Deutschen Nationalfeste?

Sie wollen den Reichsgedanken und vaterländisches Empfinden festigen, deutschen Bürgersinn stärken, ein Vorbild der Einfachheit der Sitte im Festesleben schaffen und Volksgesundheit wie Volkskraft heben. Dies unter der lebendigen Mitwirkung deutscher Kunst im Wettstreite der Besten zum schönen Ausdruck zu bringen, und diese Aufgaben auf alle unsere Volksfeste zu ihrer Läuterung und Veredlung zu übertragen: das betrachten wir als die großen Ziele der in vier- oder fünfjährigen Zwischen- räumen zu feiernden Deutschen Nationalfeste. Für diese hohen vaterländischen Ideale muß das ganze deutsche Volk gewonnen werden!

Diese Aufgabe fällt vor Allem den Orts-Ausschüssen zu, die sich über die deutschen Lande und über die Fremde, wo Deutsche wohnen, verbreiten sollen. Damit werden die Orts-Ausschüsse zu den wichtigsten Trägern deutschen Volksthums! Von ihnen geht die Arbeit un­mittelbar im Volke aus, und auf ihrer Thatkraft und hingebenden Mitarbeit beruht das Deutsche Nationalfest jetzt und für alle Zeiten, beruht besonders die Wachhal tung eines mächtigen Nationalgefühls in allen Kreisen des Volkes.

Darum richten wir an alle, die für solche Ziele wirken wollen, die Bitte, nunmehr in ihren Kreisen die Bildung von Orls-Ausschüssen in die Hand zu nehmen. Unsere Reichsabtheilung, Vorsitzender Bürgermeister Heyne in Görlitz, wird den im Reichsgebiete wohnenden, und unsere Alldeutsche Abtheilung, Vorsitzender Reichstags- Abgeordneter Professor Dr. Hasse in Leipzig, den außer­halb der Reichsgrenze ansässigen Deutschen mit Rath und That, besonders auch mit den erforderlichen Schriften zur Seite stehen. Aber auch an alle Diejenigen, die sich nur für ihre Person, als Förderer des Unterneh­mens, in dessen Dienst stellen wollen, richten wir die Bitte, ihren Namen dem mitunterzeichneten 1. Geschäfts­führer Hofrath Dr. Rolfs in München, mittheilen zu wollen.

Hand in Hand mit diesem auf die Erreichung idealer Güter im Volke gerichteten Streben muß aber, wo wir jetzt an die Durchführung des vaterländischen Planes herantreten, auch die Beschaffung der nothwendigen Mittel gehen.

Groß ist unsere Arbeit und groß sind naturgemäß auch die Mittel, deren wir bedürfen, um selbst bei be­scheidenem Beginn eine des deutschen Volkes würdige Ein­richtung schon für 1900 schaffen zu können.

Wir haben die feste Zuversicht, daß unser deutsches Volk gern bereit sein wird, diese Mittel in zureichendem Maße für ein solches Werk aufzubringen. Denn wenn im Jahre 1900 das erste Deutsche Nationalfest gefeiert wird, dann muß es ein würdiges, ein stolzes Bild sein, das von den Höhen des Rheines herab in die deutschen Lande schaut. Das Fest muß Zeugniß dafür ablegen, daß wir Deutsche es endlich gelernt haben, mit großem Sinn uns zur Ausführung eines großen nationalen Gedankens zusammenzufinden. Denn ein Werk gilt es zu fördern, mit dessen Vollendung deutsche Vaterlands­liebe, deutsche Volkskraft und deutscher Bürgersinn zu, neuer kräftiger Blüthe sich entfalten werden!

Wir wenden uns an alle Deutschen im Reiche undj

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin sind in Ur- ville eingetroffen. Es ist aufgefallen, daß der Kaiser neulich im Schlosse, als er nach dem Festmahle zu Ehren des Reichstags Cercle abhielt, sich über eine halbe Stunde mit dem Grafen Herbert Bismarck unterhielt.

Prinz Heinrich, der vor nun bald fünf Monaten unter den herzlichsten Segenswünschen des deutschen Volkes die Reise nach den ostasiatischen Gewässern an- trat, um der deutschen Kultur-Arbeit an der chinesischen Küste die Wege zu ebnen, ist mit dem ihm anvertrauten Geschwader nach langer Fahrt auf dem Flaggschiff Deutschland", begleitet von den KreuzernGefion" undKaiserin Augusta", in Kiautschau eingetroffen Der Aufenthalt des Prinzen ist nur auf kurze Zeit be­rechnet. Die Abreise nach Peking erfolgt am 10. Mai.

Wegen einer stärkeren Besteuerung der großen Bazare wird demnächst vom preußischen Finanzminister eine Konferenz aus den Kreisen der Kommunalbeamten und der betheiligten Kaufleute berufen werden. Dr. von Miquel empfing bereits eine Deputation der Berliner Handel- und Gewerbetreibenden. Die Mitglieder der Deputation erklärten eine Reform der kommunalen Be­steuerung der Großbetriebe für den gangbarsten Weg und besprachen im übrigen alle in Betracht kommenden Fragen eingehend mit dem Minister.

Köln, 6. Mai. Die ersten Kirschen werden seit gestern auf den Markt gebracht. Sechs Stück an einem Stöckcken kosten 10 Pfg.; sie sind also noch recht theuer.

In Duisburg wurde bei der Ausgabe nachge­machter Fünfmarkscheine ein angeblicher Kaufmann Stein- fartz aus Krefeld verhaftet. Ju seinem Besitz fand man über 100 der Falsifikate, die echten Banknoten täuschend ähnlich sind.

im Auslande, auf daß jeder Einzelne sein Schcrflein, sei es als einmalige, sei es als laufende Beihilfe hierzu beitrage. Wir wenden uns insbesondere an alle Vereine, die der Volksgesundheit und der Pflege der Leibesüb­ungen dienen, wie auch an alle anderen Vereine Deutsch­lands, die von nationalem Geiste und von deutschem Bürgersinne getragen werden, damit ihre Mitglieder in freiwilliger Selbstbesteuerung wöchentliche oder monat­liche, den Verhältnisfen des Einzelnen angepaßte größere, kleinere oder auch ganz kleine Beiträge für dieses vater­ländische Werk opfern. Wir wenden uns endlich auch an die Wohlhabenden unseres Volkes, auf daß sie es als eine Ehrenpflicht erachten, für die minder Begüterten einzutreten zur Förderung eines Werkes, das dem ganzen Volke zum Segen gereichen soll. Und gelingt es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, das deutsche Volksgemüth für unsere vaterländische Sache zu begeistern und zu thätiger Mithilfe anzuregen, so dürfen wir in einer spä­teren Entwicklung der Dinge mit vollem Recht auch an die Gemeinden, an die deutschen Staaten und an das Reich herantreten.

Möchten jetzt zahlreiche freiwillige Sammelstellen in allen Landestheilen durch Einzelne, Gemeinschaften und durch Zeitungen geschaffen werden und sich dem Dienst der giren Sache widmen. Ihre Sammelbeträge, wie auch alle unmittelbar gespendeten Beihilfen werden ange­nommen von der Deposttenkasse der Deutschen Bank in Berlin W., Mauerstraße, sowie von ihren Filialen in in München, Frankfurt a. M., Hamburg, Bremen, Dresden und London.

Und nun mit frohem und festem Muthe vorwärts! An jedem Orte, wo deutscher Sinn wach ist, trete man zusammen und nehme den Gedanken auf. In jedem Gaue unseres geliebten Vaterlandes vereinige man die vaterländisch gesinnten Kräfte zur Erreichung des Zieles der Deutschen Nationalfeste. Möchten deutsche Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen einmüthig und thatkräftig für dieses hohe Ziel eintreten und mithelfen, daß das deutsche Volk das anbrechende Jahrhundert mit einer Weihefeier beginnen kann, welche dies bedeutungs­volle vaterländische Werk einleiten und hierdurch für Jahrhunderte hinaus segensreich auf unser Volk zurück- wirken wird!

Im April 1898.

Der Arbeils-Ausschuß für die Deutschen Nationalfeste, v. Schenckendorff, Görlitz,

Mitglied des Hauses der Abgeordneten, I. Vorsitzender. D r. Rolfs, München, Pros. Raydt, Leipzig,

Hofrath, I. Geschäftsführer. II. Geschäftsführer.

Dortmund. Der seltene Fall der Wiederaufnahme des Verfahrens zu Ungunsten einer Angeklagten beschäf­tigte das Dortmunder Schwurgericht. Bekanntlich ist das nur möglich, wenn der rechtskräftig Freigesprochene ein Geständniß ablegt. Die Ehefrau Bergmann Ludwig Haseneck aus Oespel im dortigen Landkreise stand im Juli 1896 vor dem dortigen Schwurgericht unter der Anklage, ein Wohnhaus in Brand gesetzt zu haben, in der Absicht, die Feuerversicherungsgesellschaft, bei der ihre Mobilien versichert waren, zu betrügen. Damals verneinten die Geschworenen die Schuldfragen, und die Frau wurde freigesprochen. Nachträglich gestand sie im Kreise ihrer Bekannten, daß sie das Feuer angelegt habe. Die Frau verfeindete sich dann mit ihren Freun­den, und diese machten nun dem Gendarmen Anzeige von dem Gehörten. Die Staatsanwaltschaft beantragte darauf die Wiederaufnahme des Verfahrens zu Ungun­sten der Angeklagten und die Frau wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt.

In Leutschan haben zwei Kinder eine furchtbare That verübt. Der 10jährigen Marie Wenglavisik und der 11jährigen Katharina Panvik war ein Säugling zur Beaufsichtigung anvertraut worden, während dessen die Mutter ihrer Beschäftigung nachging. Die Mädchen gössen dem Kindchen solange Branntwein in den Mund, bis es betäubt da lag; dann erstickten sie es mittels eines Polsters. Die beiden Mörderinnen haben ihre bestialische That eingestanden, ohne eine Spur von Reue zu bekunden.

Augsburg, 6. Mai. Eine Doppelhinrichtung fand vergangenen Donnerstag im Untersuchungsgefängniß statt. Das Todesurtheil wurde an dem Raubmörder Geiger von Wörishofen und an dem Lustmörder Wegele von Ambach vollzogen.

Ausland.

Madrid. Ueber die Vernichtung der spanischen Flotte bei den Philippinen liegt jetzt folgende Meldung vor: Die Nachricht von der Vernichtung des spanischen Ge­schwaders bei den Philippinen verursachte hier furchtbare Niedergeschlagenheit. Die Kampfschiffe waren auf amerikanischer Seite die armirten KreuzerBoston" (3189 Tonnen),Boucard" (1700),Olympia" (5870) Raleigh" (3183),Petrel" (1890), derMonacas" (1370);' auf spanischer Seite dieReina Cristina" (3500),Don Juan d'Austria" (1100),Ulloa" (1000) Jsla de Cuba" (1030),Jsla de Luzon" (1030), Cartilla" (3334),Mindanao" und ein Kanonenboot, sämmtlich unarmirt und mit schwachen Geschützen. Montag gegen Mitternacht rückte das amerikanische Ge­schwader in den Hafen ein, ohne daß die Landbatterien mit Hilfe des elektrischen Scheinwerfers es verhindern konnten. Gegen 8 Uhr früh fand die erste Seeschlacht statt, in dieReina Cristina", von vielen feindlichen Granaten getroffen, in Brand geneth und sank. Ihr Kapitän starb auf Deck. Admiral Montojo, der^ auf derReina Cristina" war begab sich mit seinem Stäbe an Bord derJsla de Cuba". Bald darauf sank auch dieCastilla". Gegen 11 Uhr erfolgte ein zweites Treffen, wobeiMinadanao" undJuan d'Austria" in den Grund gebohrt wurden. Die übrig gebliebenen spanischen Schiffe sind schwer beschädigt und flüchteten zum Kanal Balcolor. Keines der spanischen Schiffe hat sich ergeben; sie zogen es vor, aufzufliegen oder zu sinken. Zwei Schiffskommandanten find gefallen, während sie bis zum letzten Augenblicke kämpften. Die Mann­schaft des KanonbootesMindanao" konnte gerettet werden. An Todten verloren die Spanier über 600 Mann.

Die Schlacht bei Manila begann, wie daS Reutersche Büreau" aus Hongkong meldet, um 5'/, Uhr 'rüh und endete Mittags, zu welcher Zeit die ganze panische Flotte vernichtet war. Im Arsenal fand eine Explosion statt, durch welche viele Personen getödtet wurden. Der Gesammtverlust der Spanier soll mehr als 1000 Todte und Verwundete betragen. Fünfmal passirte Admiral Dewey die spanische Schiffe. Die Ver- nste der Amerikaner waren nicht nennenswerth, aber die Zahl der Schüsse, welche die amerikanischen Schiffe er- stellen, beweist wie tapfer und muthig die Veriheldigung )cr Spanier war. Nichts hinderte die Einfahrt der >lmerikaner in die Bai. DieOlympia", welche an der Spitze fuhr, hatte die Insel Corregidor eine Meile hinter sich, als der erste Schuß fiel. Die Schiffe