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MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

^2 37. Samstag, den 7. Mai 1898. 49. Jahrgang.

°uf dieSchlüchterner Zeitung" llUllye/H werden noch fortwährend von allen - - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Mai. Der Reichstag wird voraussichtlich am nächsten Freitage geschlossen werden. Außerdem beab­sichtigt der Kaiser, die Reichstags-Mitglieder Freitag Abend zu einer Festlichkeit im Schlosse zu versammeln. Es besteht die Absicht, den preußischen Landtag ebenfalls vor Pfingsten zu schließen.

Die Kaiserin hat Homburg v. d. Höhe wieder verlassen und ist in Plön eingetroffen, woselbst sie bis zum Freitag bei ihren Söhnen verbleiben wird, um so­dann die Reise nach Urville anzutreten. In Sachsen­hausen wird die Kaiserin mit ihrem Gemahl zusammen­treffen.

Charlottenburg. EinScherz" und seine Folgen. Der Sohn und Geschäftsführer des Schlächtermeisters Gustav Eichler, welchem im Juni v. I. das Unglück passirte, gelegentlich eines Scherzes denEngros-Schlächter- meister Edwin Schulz in derFlora" zu Charlottenburg zu erschießen, und der dieserhalb zu einer Gefängniß­strafe von neun Monaten verurtheilt worden war, hat im Gnadenwege eine Ermäßigung der Strafe auf drei Monate erwirkt. Von der Wittwe und den Kindern des Verstorbenen auf Schadenersatz verklagt, ist Paul Eichler, wie dieAllg. Fl.-Z." mittheilt, verurtheilt worden, an die Wittwe eine jährliche Rente von 1500 Mark, an die beiden ältesten, 11 und 13 Jahre alten Kinder bis zum 14 Lebensjahre derselben je eine Rente von 900 Mark jährlich und vom 14. bis 21 Jahre der­selben je eine Rente von 1000 Mark jährlich zu zahlen. Ferner ist er verurtheilt, für das dritte, gegenwärtig drei Jahre alte Kind, bis zu dessen 10. Lebensjahre eine solche von 700 Mark, für die Zeit vom 10. bis 14. Lebensjahre eine solche von 900 Mark und von da bis zum 21. Lebensjahre eine solche von 1000 Mark zu zahlen.

Göttingen, 3. Mai. Eine fast unglaubliche Geschichte ist derGött. und Grubenh. Ztg." aus der Pauliner- straße zu berichten. Dort sollte etwa vor einem halben Jahre ein Schreiber Namens F. verschwunden sein und Frau und Kinder in den allerdürftigsten Verhältuissen zurückgelassen haben. Mitleidige Herzen nahmen sich seit der Zeit der ihres Ernährers beraubten Familie an und sandten alle möglichen Lebensmittel in die Wohnung der Armen. Auffälliger Weise fertigte die Frau des Schreibers die Ueberbringer von Gaben immer kurz an der Thür ab. Nunmehr stellte sich heraus, daß der Verschwundene" gar nicht verschwunden war, sondern volle fünf Monate im Hause gewohnt hat, ohne daß eine Menschenseele von seinem Daisein eine Ahnung hatte. Offenbar wollte er mal gehörig ausruhen; er hat es sich bei Speise und Trank wohl sein lassen und würde sein Eremitenleben noch weiter fortgesetzt haben, wenn sein Vater nicht endlich Gewissensbisse bekommen und die Sache ans Licht gebracht hätte.

Rudolstadt. Das Auftreten der Tuberkulose bei den Porzellanarbeitern auf dem Thüringer Walde bezeichnet der Fabrikinspektor für das Fürstenthum Schwarzburg- Rudolstadt in seinem Bericht für 1897 als geradezu besorgnißerregend. Da sich die Krankheit aber nur in Ortschaften mit älteren Fabriken auffallend bemerklich mache, so lasse sich annehmen, daß Familien und deren Abkömmlinge, die seit fünfzig und mehr Jahren in der Porzellanindustrie beschäftigt sind, schwächlich geworden, zur Lungenerkrankung neigen, und daß die in einzelnen Theilen des Landes, namentlich in den Gebirgsdörfern, befindlichen kümmerlichen Wohnungen infolge der wieder­holten Ansteckungen der Tuberkulösen vollständig ver­seucht worden find.

In Saalfeld theilte der erste Bürgermeister in der letzten Gemeinderathssitzung mit, daß demnächst 9000 Mark für die Stadtkasse eingehen würden als nachträglich gezahlte Steuern, die von einigen Steuer­zahlern hinterzogen wären, und daß noch weitere Be­träge dieser Art fällig werden würden.

Aus Kaufbeuren berichten dieM. N. N." eine schier unglaubliche Geschichte. Die Gerichte beschäf­tigen sich danach mit einem Fall, in dem eine Frau einer Familie 8000 Mk. nach und nach abschwindelte,

Lokales mit Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Mai.

Herr Referendar H adermann von hier ist zum Gerichtsassessor ernannt worden.

* Bei der in Fulda stattgchabteu Prüfung der Schmiede an der Lehrschmiede erhielt auch der Schmied Konrad Zeller aus Altengronau das Zeugnißgut".

* In welcher Weise die Getreidepreise im Laufe der letzten 6 Monate gestiegen sind, zeigt ein Vergleich der Getreidepreise vom 15. November v. I. und jetzt. Nach einem Weimarer Bericht wurden für 7000 kg jetzt bezahlt (die eingeklammerten Zahlen sind die Preise vom 15. Novbr.): Weizen 220240 (170182) Mk., Roggen 160180 (142162) Mk., Gerste 175 195 (156178) Mk., Hafer 174180 (130142) Mark. Am größten ist die Steigerung beim Weizen uud Hafer. Auch die Brodpreise sind in letzter Zeit fast überall in die Höhe gegangen, ebenso verschiedene Kolonialwaaren und zwar hauptsächlich infolge des spanisch-amerikanischen Krieges,

indem sie vorgab, in Briefverkehr mit dem Himmel zu stehen und Briefe der Mutter Gottes und der verstor­benen Tochter der Familie vorwies, die ihr aus dem Himmel zugekommen und worin die Mutter Gottes und die Tochter erklären, Geld zu brauchen!

Ausland.

Rußland. Ueber ein rechtzeitig verhindertes Atten­tat auf den Zaren wird aus Petersburg berichtet: Unter dem Fußboden der neuen Kathedrale in Zarkskoje Selo sei von der Baukommission eine Minenanlage ent­deckt worden. Da der Zar der Einweihung der Kirche beiwohnen wollte, so ist jedenfalls ein Attentat auf sein Leben verhindert worden.

Aus Odessa wird gemeldet: Die russische Regierung verbot die Ausfuhr von Weizen, und vergeblich wartet eine große Anzahl britischer Schiffe auf Retourfracht.

Rom, 3. Mai. Die Neapeler Blauer bringen haarsträubende Details über die Unruhen in Süditalien In Minervino plünderte das wüthende Volk die Hause« der Reichen und zündete die städtischen Aemter an und befreite die Gefangenen. Zwei reiche Einwohner wurden erschlagen und grauenhafte Schreckensthaten verübt. Du Truppen vermochten nichts auszurichten. Erst um zehn Uhr Nachts kamen Verstärkungen. Die Menge besaß vorzügliche Waffen, auch Revolver. Vom Rathhaus, den verschiedenen Steuerkassenzollbüreaus, der Bank und den Bürgerkasinos stehen nur noch Trümmer. Auch der Telegraph ist zerschnitten. Aehnliche Plünderungs­szenen spielten sich in Molfetta ab. Hier gab das Militär Feuer. Fünf Aufrührer wurden getödtet, zehn verwundet. Die Aufrührer trugen Sensen, Messer und Stöcke. Auch aus der Romagna laufen ungünstige Nachrichten ein, die aber noch unkontrolirbar sind. In­dessen ist bestimmt zu erwarten, daß die umfassenden militärischen Maßregeln der Regierung in Bälde überall die Ordnung wieder herstellen werden. General Merri erhielt Ordre, das Kommando in der Romagna zu über­nehmen. Zunächst geht der General aber nach Parma, um die Ordnung völlig herzustellen. Die Unruhen in Parma scheinen ernster Natur gewesen zu sein.

Madrid, 3. Mai. Die Regierung befürchtet den Ausbruch von Unruhen im Lande und traf darum um­fassende militärische Maßregeln. Die Aufregung im Volke ist ungeheuer. Man findet es unverzeihlich, daß die Philippinen so mangelhaft vertheidigt waren, und beschuldigt die Regierung der Pflichtvergessenheit. Die Minister zeigen sich bloß unter starker Escorte. Die extremen Parteien regen sich bedenklich. Heute Nacht wurden Kundgebungen unter Zuhilfenahme von Reiterei unterdrückt. Pereatrufe auf die Regierung werden in allen Gassen laut. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die wirthschaftliche Lage wird in­zwischen immer trostloser. Die Kohleneinfuhr ist infolge des enormen Goldagios unmöglich. Viele Fabriken sind geschlossen. Brot nnd andere Lebensmittel stehen in hohem Preise. Die armen Klassen befinden sich in der traurigsten Lage.

China. Hof und Regierung von China werden jedenfalls von Pecking nach dem im Innern Chinas ge­legenen Singan verlegt werden, da in ganz China Un­zufriedenheit herrscht und die Gefahr für die Dynastie im Wachsen begriffen ist.

* Ueber den Fahrradverkehr steht in Preußen der Erlaß einer einheitlichen Polizeiverordnung unmittelbar bevor. Das Ministerium des Innern hat dem deutschen Radfahrerbund den Entwurf dieser Verordnung zuge­sandt mit der Aufforderung, sich über sie zu äußern. Gleichzeitig ist dieser Entwurf den Oberpräsidenten zur gutachtlichen Aeußerung zugefertigt.

Der Strafsenat des Kammergerichts fällte am Montag eine für Konsumvereine grundsätzlich wichtige Entscheidung. Der Gerichtshof berieth die Revision von fünf Vorstandsmitgliedern eines Konsumsvereins, die zu je 400 Mark verurtheilt waren. Das Kammergericht wies die Revision als unbegründet zurück, indem es aus- sührte, daß Konsumvereine mit offenem Laden, welche den Kleinhandel mit Bran. twein betreiben, außer der Gewerbesteuer auch Betriebssteuer zu entrichten haben und den Betrieb auch zur Betriebssteuer anmelden müssen, was die Angeklagien unterlassen halten.

* Wie schwer dar, ein einfacher Brief sein? Diese streitige Frage hat jetzt eine neue amtliche Beant­wortung erhalten. Der Empfänger eines genau 25,5 Gramm wiegenden Brieses wurde zur Zahlung des Strafportos herangezogen, weil der Brief schon zu den Doppelten" rechne. Auf seine Beschwerde bei derPost- direltion wurde ihm der amtliche Bescheid zu Theil, daß nur ein Mehrgewicht von 0,4 Gramm über 15 Gramm straffrei bleibe, ein Mehrgewicht von 0,5 Gramm in­dessen dem Strafporto unterliege.

* Den Vogelstellern und allen Personen, die in Verkennung der Nützlichkeit der gefiederten Welt sich Vergehen gegen den Vogelschutz immer noch zu schulden kommen lassen, wird jetzt etwas mehr auf die Finger gesehen werden. Um auch die Gesammtheit des Publi­kums mehr zu einer solchen lleberwachung anzuregen, hat der Magistrat von Pößneck eine Belohnung von 10 Mark jedem zugesichert, dessen Anzeige die Strafe von Leuten herbeisührt, die sich im städtischen Gebiet gegen den Vogelschutz versündigt haben; der Gemeinde­rath zu Schweina zahlt in gleicher Weise je 6 Mark Belohnung.

r. Elm, 4. Mai. Der hiesige Postverwalter Herr Keil ist vom 1. Juli d. I. ab aus seinen Wunsch nach Spangenberg versetzt worden.

m. Zoffa, 4. Mai. Eine in unserem engeren Vater­lande sonst kaum vorkommende und dabei wunderbar schön blühende Pflanze, die sogenannte Schachblume, weil die Blütenblätter kleine, braun und rothweißliche Quadrate zeigen (fritillaria meleagris, L.) von der Größe und Gestalt unserer Gartentulpe, bedeckt jetzt hier die unmittelbar unter dem hiesigen Bahnhöfe an der Sinn liegenden Wiesen, sodaß man ganze Sträuße von ihr winden kann. Nur rechts und links des ge­nannten Flusses und ^war von Altengronau bis Ober­sinn und sonderbar, nicht auf den anliegenden Wiesen der Jossa, kann man dieselbe finden. Alljährlich haben schon bedeutende Botaniker und Sammler aus Nah und Fern, z. B. Schlüchtern, Gemünden, Würzburg, Frank­furt rc. tc. eigens die Reise nach hier unternommen, um sich in den Besitz dieser seltenen und dabei hübschen Pflanze, deren Blüthezeit in die erste Hälfte des Monats Mai fällt, zu setzen.

Kassel, 27. April. Ein Schulgebäude allerersten Ranges besitzt unsere Stadt in ihrer Oberrealschule. In herrlicher Lage im Westen der Stadt erhebt sich der stattliche Bau, in dessen Innern die Errungenschaften moderner Technik eine so geschickte Verwendung gefunden haben. Neben der Luftheizung und dem elektrischen Licht, das in allen Räumen angebracht ist, bedeutet die elektrische Uhr, welche alle Zifferblätter in den »erschte- denen Räumen der Anstalt reguliert und zugleich daS Abschellen der Stunden pünklich besorgt, einen wesent­lichen Fortschritt. Die Aula, welche für 750 Menschen bequemen Raum bietet, ist mit viel Geschmack aus- gestattet und mit einem Flügel und einer Orgel ver­sehen. Die für den physikalischen und naturwissenschaft­lichen Unterricht bestimmten Zimmer erfreuen sich einer ganz hervorragend sinnreich ausgedachten Einrichtung. An dem Tisch, auf welchem die Versuche gemacht werden, befindet sich Wasser-, Gas- und elektrische Leitung. Ferner ist eine absolute Verdunkelung, die für manche Versuche nothwendig ist, durch eine besondere Vorrich­tung leicht zu bewerkstelligen, die augenblicklich, dank dem elektrischen Licht, wieder aufgehoben sein kann. DaS naturwissenschaftliche und physikalische Zimmer sind durch