SchlüchternerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
38 36. Mittwoch, den 4. Mai 1898. 49. Jahrgang.
Spftollltttflttl °"f die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen — - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 1231. K. A. Diejenigen Herrn Bürger- meister der Landgemeinden, welche meiner Verfügung vom 28. März 1898 J.-Nr 1231 K. A. (Kreisblatt Nr. 13) betr. Einreichung des Voranschlags 1898/1901 noch nicht nachgekommen sind, werden binnen 8 Tagen an deren Erledigung erinnert.
Schlüchtern, den 26. April 1898.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird nunmehr bestimmt am 18. Juni der Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals in Altona beiwohnen. Ob auch die Kaiserin an der Feier theilnehmen wird, steht noch nicht fest. Nach der Enthüllungsfeier wird der Kaiser das neue Rathhaus besuchen. Sodann wird der Kaiser zum Hasen fahren und dort sich auf einem Aviso der kaiserlichen Marine einschiffen, um längst der Elbufer elbadwärts und nach Cuxhaven zu fahren.
— Die Abreise der Kaiserin aus Homburg vor der Höhe ist für den 16. Mai in Aussicht genommen.
— Militärische Telegraphen- und Telephondienst- Übungen finden gegenwärtig in der Umgebung Berlins statt. Es find hierzu aus allen Theilen des Reiches von verschiedenen Kavallerie-Regimentern 84 Unleroffi- ziere sowie eine größere Anzahl Offiziere kommandiert. PUt welcher Schnelligkeit eine solche Feldtelephonleituug auf weite Strecken angebracht werden kann, beweist die Thatsache, daß zur Legung des Drahtes von Johannrs- Ihal bis Südende nicht mehr als eine Stunde gebraucht wird. An den betreffenden Enden wird an irgend einem Baumstamm, im Nothfall selbst auf freien Felde an dem in die Erde gesteckten Säbel der Apparat angehängt, der Draht in Verbindung gebracht, und die Verständigung über Truppenbewegungen rc. ist ermöglicht. Die Uebungen dauern bis Ende Juni.
— Socialdemokratische Kandidaten für den Reichstag sind nach dem „Vorwärts" bis jetzt in 310 von den 399 Wahlkreisen ausgestellt worden. Dann wird man sich nicht zu wundern brauchen, wenn die socialdemokratische Stimmenzahl im allgemeinen groß wird. Auf eine große Anzahl Kandidaten, die absolut keine Aussicht haben, gewählt zu werden, entfallen doch Stimmen und diese werden dann dazu mitbenutzt, das „gewaltige" Anwachsen der Socialdemokratie nachzuweisen.
- - An frischem Obst wurden im Vorjahre für 30,500.000 Mark in Deutschland eingeführt und fast ebensoviel an getrocknetem. Es ist dies abermals eine Mahnung zu vermehrter Pflege der Obstbaumzucht, um das Geld im Lande zu behalten.
— Wie Mannheimer Blätter mittheilen, fuhren die ersten von den Amerikanern ausgegnffenen Dampfer, nämlich „Buenaventura" und „Pedro" für Rechnung zweier Mannheimer Firmen. Der erstere, mit einer Holzladung nach Rotterdam bestimmt, für das Hobelmerk Emrich ^tnd Köhler, der letztere, von Havana nach Pascagoula unterwegs, um für das Hobelwerk Dreyfus und Mayer-Dinkel eine Ladung Pitch-Pine einzunehmen.
— Aus Baden. Die 50. Wiederkehr des Tages, an dem sie im Jahre 1848 erschossen werden sollten, feierten jüngst zwei Bürger in Engen (Baden). Die Beiden waren nach dem „Höhg. Erz." im Gefecht bei Kandern gefangen genommen worden und wurden vor die Leiche des erschossenen Generals v. Gagern geführt, woselbst sie auf Befehl des Obersten von Hinkeldcy erschossen werden sollten. Im letzten Augenblick erschien noch Oberstlieutenant Glorrer vom 2. Jnf.-Regiment und bat um Pardon für die Beiden, der auch gewährt wurde. AIs Kriegsgefangene behandelt, sollten sie nun nach der Festung Rastatt verbracht werden. Auf dem Transport, in Müllheim, wurden die Gefangenen, deren Zahl erheblich gestiegen war, durch die ausständige Bürgerschaft während der Nacht befreit.
Hildburghansen. An einem Stammtisch einer hiesigen WirthschM^rörterte man die Frage, daß fast alle MMMG^erbindmkpe deutsche Sprache Handwerker be-
JLlldwig ZWabtN „er" auslaufen. Es wurde
beschlossen, einen Preis von 10 Mk. auszusetzen für den, der zuerst vier Handwerker mit guten deutschen Worten ohne die Endbuchstaben „er" zu verzeichnen vermöge. Aus 142 Orten liefen 324 Lösungen bei der Redaktion der „Dorfzeitung" ein; es wurden darin 82 verschiedene sogenannte Handwerker namhaft gemacht. Für die Lösung der Preisfrage blieben aber nur: Schmied, Steinmetz, Zimmermann und als zweifelhaft Bergmann und Koch übrig. Wegen der beiden letztgenannten wurde an amtlichen Stellen Erkundigungen eingezogen, wobei sich herausstellte, daß weder der Bergmann noch der Koch als Handwerker gelten können. Es waren daher von keinem der Einsender vier Handwerker ohne „er" genannt worden.
Ausland.
Spanien. Recht trostlos für die Aussichten Spaniens klingt eine Nachricht, welche ein Dampfer von den Kap Berdischen Inseln nach London brächte. Derselbe berichtet, daß die Spanier noch nicht die Hälfte der nöthigen Kohlen für ihre Schiffe haben und daher dort still liegen müssen. In einer anderen Meldung, welche allerdings berichtet, daß das spanische Geschwader von den Kap Berdischen Inseln bereits abgefahren ist, wird dies bestätigt, dieselbe lautee: Das Geschwader hat Kap Verde mit versiegelten Ordres verlassen, die dem befehlenden Admiral noch am 23. April von dem in Madrid abgehaltenen Kriegsrath übermittelt worden sind. Die beiden Panzerschiffe der Flotte führen für achtzehn Tage Kohlen, was für größere Expeditionen nicht aus- reichen dürfte. Ob die Flotte in der Lage wäre, unterwegs neue Kohlen einzunehmen, ist schwer zu sagen.
— Nach den vorliegenden Privatberichten ist die Situation für die Spanier eine höchst ungünstige. Ein Sieg derselben würde den Kneg nur unnütz in die Länge ziehen, da die Amerikaner sehr schnell auf der ganzen Linie die Oberhand gewinnen würden. Amerka nischerseits nimmt man an, daß einer kräftigen Niederlage der Spanier der Friedensschluß auf dem Fuße folgen würde, da die Spanier alsdann die Intervention der Mächte anrufen und die Autonomie Cubas anerkennen würden. Ganz so schlimm, wie man sich in Washington einbildet, liegen die Dinge für Spanien nun doch wohl nicht, immerhin kann das Endergebniß des Kricges schon jetzt kaum noch als zweifelhaftes angesehen werden.
Madrid, 28. April. Entgegen den von amerika- kanischer Seite verbreiten Gerüchten wird hier festgestellt, die Forts von Havanna hätten kein Feuer auf das amerikanische Geschwader gegeben, denn letzteres sei niemals auf Kanonenschußweite herangekommen. Nach einer Depesche des „Jmparcial" aus Washington haben die Rheder des Dampfers „Pedro", welche Engländer sind, eine Beschwerde wegen der Fortnahme des Dampfers an das Auswärtige Amt gerichtet. — Die Amerikaner haben das Kabel zwischen Havanna und Key West noch nicht durchschnitten, aber sie halten chiffrirte Depeschen oder solche, welche von Krieg sprechen an. Die Depeschen aus Havanna treffen über Halifax, Bermondas und Jamaica ein, ohne das Gebiet der Vereinigten Staaten zu berühren.
Madrid, 2. Mai. Die Marinebüreaus auf Manila haben folgenden Bericht des Contre-Admirals Montojo mitgetheilt: Um Mitternacht gelang es dem amerikanischen Geschwader, die Einfahrt in den Hafen zu erzwingen. Vor Tagesanbruch wurden vom Fort Cavite 8 Schiffe in einer Linie gesichtet. Um 8 ’/s Uhr fing der vordere Theil des „Reina-Christina" Feuer. Bald darauf brannte auch das Hintertheil. Ich begab mich mit meinem Stäbe und 8 Mann an Bord der „Jsla de Cuba" (Panzerkreuzer). Die „Reina Christina" und der Kreuzer „Castillo" sind vollständig verbrannt. Die anderen Schiffe welche Beschädigungen erlitten, zogen sich in die Baccollo-Bucht zurück. Mehrere von ihnen mußten in Grund gebohrt werden, damit sie nicht dem Feinde in die Hände fielen. Unsere Verluste sind erheblich, darunter befinden sich ein Capitän und ein Schiffsgeistlicher.
London. Die Brodpreise steigen in London infolge des Krieges rapide. Auch die anderen Lebensmittel steigen stetig. Weizen steht bereits
50 Schilling per Quarter, ein seit 24 Jahren nicht dagewesener Preis. Man befürchtet ein Steigen bis auf 60 Schilling. Sowohl im deutsch-
französischen wie im russisch-lüiklichen Kriege stieg der Preis um 10 Schilling per Quarter. Und damals wurde mehr Weizen in England gebaut als gegenwärtig. Die Weizenvorräihe England sind nicht mehr sehr bedeutend. In Odessa mindern sich die Vorräthe schnell. Mehrere britische Dampfer können dort keine Weizenladung bekommen. Für den Pud Mehl wird in Odeffa gegenwärtig 3 Rubel mehr bezahlt als vor wenigen Wochen.
New Aork, 30. April. Die amerikanische Miliz zeigt sich während der jetzigen Kriegsvorberettungen in ihrer ganzen Herrlichkeit. Die Schwierigkeiten bei der Organisation derselben dauern fort. Das 13. Regiment (Brook- lyn) weigerte sich, den Befehlen des KriegsminifterS zu gehorchen. Oberst Eddy, Kommandeur des 47. Regiments (Brooklvn), reichte seine Entlassung ein, da „Geschäftsinteressen" seine Anwesenheit in New-Aork erheischten. Ueber dieses tapfere Regiment wird weiter gemeldet, daß es überhaupt streikt. Es besteht in seinem Hauptkern aus Millionär-Söhnen und heißt im Volke längst das Gigerlregiment, da die jungen Herren ihre starke Seite vor Allem in Modethorheiten suchen.
Caston (Pennsylvamen-, 28. April. Drei große Magazine, welche Sprengstoffe für die Regierung enthielten, sind Nachmittags in die Luft geflogen. Zwei Personen wurden geiödlet, eine Anzahl verwundet und mehrere vermißt. Es wird angenommen, daß die Explosion von spanischen Spionen veranlaßt worden ist, da in der letzten Zeit Verdächtige in der Umgebung des Magazins beobachtet wurden.
Rom, 28. April. Wegen der hohen Brotpreise begingen gestern in Bari Volkshaufen ernste Ausschreitungen und richteten namentlich in dem Polizei-Bureau und in,dem Bureau der städtischen Grundsteuer-Abtheilung Verwüstungen an. Die Banken wurden von Truppen bewacht, die auch die Hauptpunkte besetzt halten. Fünfzig Personen wurden verhaftet. Der Abend verlief ruhig. Die Truppen wurden verstärkt. Ungefähr 2000 Per« Ionen haben an den Kundgebungen lheitgenommen, unter denen sich auch Frauen uud Kinder befanden. Die Manifestanten fegten die Zollhäuser in Brand, drangen in das städtische Steuerbureau ein und verbrannten die Papiere. Sie verwüsteten die öffentlichen Gärten und zertrümmerten die Laternen. Die Versuche, in die Wohnung des Bürgermeisters und in das Gefängniß einzudringen, wurden von den Truppen vereitelt. Auch haben gestern in Faenza Unruhen wegen der Brodpreise stattgefunden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 3. Mai.
* — Auf die morgen fällige Zahlung der Staats- steuern pro I. Quartal 1898 wird hiermit aufmerksam gemacht.
* — Heinrich Creß, Nikolaus Creß' Sohn zu Hinter« steinau, Kreis Schlächtern, hat nach Absolvierung eines CursuS an der Fuldaer Lehrschmiede am 29. April d. I. vor der Hufschmledeprüfungskommission zu Fulda die Prüfung behufs Erlangung der Befähigung zur selbst- ständigen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes mit „sehr gut" bestanden und hat als Bester von den Zöglingen die Prämie des CuratoriumS in der Höhe von 50 Mk. erhalten.
* — Mit der heutigen Ausgabe erhalten die verehr- lichen Leser als Gratisbeilage den Sommerfahrplan 1898 )er Frankfurt-Bebraer, der Oberhessischen Bahn Fulda- Gießen, der Rhönbahnen :c.
* — Die Vögel beginnen jetzt zu nisten und eS ist deshalb am Platze, daran zu erinnern, daß bestraft wird, wer unbefugt Eier oder Junge von jagdbarem Federwild, oder von Singvögeln ausnimmt. Um einen in jeder Beziehung wirksamen Schutz der kleinen gefiederten Sänger, welche gerade jetzt eifrig bei dem Bau ihrer Nestchcn beschäftigt sind, zu bewerkstelligen, wird es jedoch erforderlich sein, daß Schule und Haus, owie überhaupt jeder Erwachsene dieselben unter seine Obhut nimmt.
* — Ueber strafweise Entlassung von Seminaristen hat >er Unterrichtsminister in einer Entscheidung an.die Provinzialschulkollegien Folgendes verfügt: „ ... Ich will aber nicht unbemerkt lassen, daß die Verweisung eines Seminaristen nur dann gerechtfertigt ist, wenn sich derselbe durch sein Betragen der Aufnahme in den Lehrer- land unwürdig gezeigt hat. Wenn bei einem geringeren