Einzelbild herunterladen
 

SchlWemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 27. April 1898.

49. Jahrgang.

gelingen sollte, in einer großen Seeschlacht Sieger zu bleiben, so steht ihnen doch die ungeheure Ueberlegenheit der Vereinigten Staaten an materiellen Gütern entgegen, so daß der Krieg wahrscheinlich, wenn sie nicht etwa in Mexiko und anderen ehemals spanischen Ländern Bun­desgenossen finden, am letzten Ende zum Nachtheile der Spanier ausgehen wird.

Präsident Mac Kinley erließ eine Proklamation, wo­nach die amerikanische Flotte die kubanische Küste zwi­schen Cardenas und Bahiafonda, sowie den Hafen Cen- suegas an der Südküste blockieren wird. Die ameri­kanische Kriegsflotte hat bereits vor Havanna Aufstellung genommen. Der amerikanische General Miles soll beab­sichtigen, die Landung auf Kuba zu bewerkstelligen, so bald es ausführbar sei. Es würde 6 Wochen bis 2 Monate (!) dauern, bis die Freiwilligen-Armee (125,000 Mann) ausgerüstet sei. Eine Proklamation Blancos fordert die Kubaner auf, die fremde Invasion mit Waffengewalt zurückzuweisen.

Deutsches Reich.

Berlin. Se. Majestät der Kaiser tra^, von Dresden kommend, am Sonnabend abend mit Extrazug in Sie­gersdorf (Kreis Bunzlau) ein und wurde von dem Gra­fen Solms-Baruth, dem Landrath von Rosenstiel und dem Baurath Hofmann empfangen. Nach der Begrüß­ung erfolgte die Abfahrt durch die prächtig illuminierten Siegersdorfer Werke und das Dorf nach Schloß Klitsch­dorf. Verschiedene Kriegervereine aus der Umgegend und die Feuerwehr der Siegersdorfer Werke bildeten Spalier. Se. Majestät der Kaiser beabsichtigt, dort der Auerhahn- jagd obzuliegen.

Die Wintersaaten sind nach dem ersten diesjäh­rigen amtlichen Berichte über den Saatenstand in Preu­ßen fast ausnahmslos ohne nennenswerthen Schaden durch den Winter gekommen. In vielen Gegenden sind die Felder so üppig bestanden, daß man Lagerung des Getreides befürchtet. Im Osten haben in den letzten Tagen Nachtfröste stattgefunden, von denen man Scha­den für die Saaten befürchtet. Fast aus dem gan­zen Staatsgebiet wird berichtet, daß es seit Wochen fast täglich regnet, so daß man befürchtet, daß den jungen Saaten die übergroße Nässe verderblich werden könne. Winterweizen stand zwischen Mittel und gut, ebenso der Roggen und die Kleefelder, die zu den besten Hoffnungen berechtigen. Ueber die Wiesen läßt sich noch kein Urtheil fallen. Die Bestellung der Aecker mit der Sommerfrucht ist wegen der Nässe gegen andere Jahre noch weit zurück.

Dresden. DieNordd. Allg. Ztg." bringt in einem Leilanikel eine warme Würdigung der Verdienste des Königs Albert von Sachsen um die sächsische und deutsche Armee: Wenn am 23. April König Albert auf 70 Jahre seines reichbelebten und segensreichen Wirkens zurückblickt, so kann der hohe ritterliche Herr, der letzte unter den Heerführern, der mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes geschmückt ist, auch mit gerechtem Stolze seiner militärischen Thätigkeit gedenken. Der Artikel schließt indem er feststellt, daß König Albert einer der treuesten und aufrichtigsten Freunde und eine der festesten Stützen von Kaiser und Reich ist. König Albert kann am 23. April, dem 25. Jahre seiner Re­gierung, nicht nur von sich sagen, daß sein Sachsenvolk und ganz Deutschland mit Liebe an ihm hängt und mit Verehrung zu ihm aufblickt, sondern daß er als tapferer Führer seiner Sachsen und als deutscher Feldherr sich um die Armee hochverdient gemacht hat.

Mühlberg a. E., 21. April. Das benachbarte Dorf Gohrisch dürfte in einigen Tagen für immer von der Erde verschwunden sein. Der Militärfiskus hat das­selbe zwecks Erweiterung des Truppenübungs- und Ar- tillerieschietzplatzes des 12. Armeekorps angekauft und mit kurzer Frist räumen lassen. Nachdem die leeren Gebäude bisher der Artillerie bei Schießübungen als Ziel gedient haben, hatte sich der Ort bald in eine große Ruinenstätte verwandelt. Nunmehr sollen auch die Ruinen verschwinden, und ist man gegenwärtig mit den umfangreichen Sprengungen derselben beschäftigt, so daß in Kürze von dem ehemaligen blühenden Dörfchen nichts mehr zu sehen sein wird.

Samter, 20. April. In einer heute hierselbst statt- gehabten Versammlung von etwa 80 Großgrundbesitzern und Pächtern, von den Vertretern der Städte Samter, Pinne, Neustadt b. P., Wronke, Obersitzko und Schar-

Bofblhtttrtsm ouf dieSchlüchterner Zeitung" t-pltuimyl-li werden noch fortwährend von allen ----------. . . - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Reichstagswahl.

J.-Nr. 2881. Durch Erlaß des Herrn Ressort­ministers ist angeordnet worden, daß mit den Vorarbeiten zur Reichstagswahl für die nächste Legislaturperiode unverzüglich vorgegangen werden soll.

Indem ich die Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher des Kreises auf das Wahlgesetz vom 31. Mai 1869 Bundesgesetzblatt Seiten 145 bis 148 und das hierzu erlassene Reglement vom 28. Mai 1870 Bundesgesetzblatt Seiten 275 bis 310 Hinweise, veranlasse ich dieselben, alsbald mit der Aufstellung der Wählerlisten vorzugehen, zu welchen das Formular Seite 283 des Bundesgesetzblattes de 1870 vorgeschrieben ist.

Die Formulare zu den Wählerlisten, welche in duplo aufzustellen sind, werden in der Buchdruckerei von Hohmeister hier vorräthig gehalten und sind von dort zu beziehen.

Sobald der Termin der Auslegung der Wählerlisten bestimmt sein wird, werden weitere Anordnungen ge­troffen werden.

Schlächtern, den 25. April 1898.

Der Königliche Landrath: i. B: G oerz.

Der spanisch-amerikanische Krieg.

' Der erste Schuß ist zwar cm Samstag gefallen, beide Staaten befinden sich damit nun im Kriegs­zustande. Nach heftigen Scenen in beiden Häusern des amerikanischen Kongresses war beschlossen worden, daß der Präsident die unverzügliche Räumung Kuba's von spanischen Truppen fordern sollte. Mc. Kinley hat den Beschluß genehmigt und gleichzeitig ein Ultimatum unter­zeichnet, das der spanischen Regierung eine Frist bis Sonnabend den 23. April stellte, innerhalb der die ge­forderte Räumung vollzogen sein sollte. Damit ist der Krieg nicht ausdrücklich, aber praktisch erklärt; denn Spanien würde sich, wenn es die Zumuthung erfüllte, selbst eine heillose Demüthigung zufügen, die in Spanien selbst heftige Umwälzungen herauf beschwören würde. Vor die Wahl zwischen Bürgerkrieg und patriotischen Kampf um einen alten Kolonialbesitz gestellt, muß sich die Regierung der Königin-Regentin Christine für den Krieg mit den Vereinigten Staaten entscheiden. Republi­kaner und Konservative haben bereits erklärt, daß sie einmüthig mit dem liberalen Ministerium für die Ehre Spaniens fechten wollen.

Mittlerweile sind die Kriegsvorbereitungen auf beiden Seiten mit fieberhafter Hast betrieben worden. Die Union -hat zwei Geschwader gebildet, von denen das eine Ha- vannah und andere kubanische Häfen blockieren soll. Ein Milizheer ist nach Florida unterwegs, von wo es nach Kuba übergesetzt und dort womöglich mit den Insur­genten gemeinsame Sache machen soll. Wie diese sich verhalten werden, ist noch unklar; es ist nicht unmög­lich, daß wenigstens ein Theil die amerikanischen Er­oberer nicht als Retter begrüßen würde. Die spanischen Truppen auf Kuba find an Zahl und Tüchtigkeit den amerikanischen Söldnern bedeutend überlegen, so daß sich diese, wenn der Einbruch gelingt, kaum zu offener Feldschlacht stellen, sondern den Bandenkrieg der Insur­genten fortsetzen werden. Der größte Theil der spani­schen Kriegsschiffe war bis Donnerstag noch im Hafen von Cadix, 3500 englische Meilen von Havannah ent­fernt, versammelt, eine Torpedo-Flottille befand sich bei den Kap Verdischen Inseln. Auf beiden Seiten sind Schnelldampfer erworben, und zu Hilfskreuzern einge­richtet worden. Beide Staaten sind auch den Beschlüssen der Pariser Konvention gegen den Kaperkrieg nicht bei- getreten und könnten daher Kaperbriefe zur gegenseitigen Schädigung des Handels ausstellen. Von Washington wird jedoch offiziell gemeldet, daß man keine Kaperbriefe verleihen und feindliches Hab und Gut unter neutraler Flagge und ebenso auch neutrales Gut unter feindlicher Flagge achten wolle. Das erklärt sich daraus, daß der amerikanische Handel feindlicher Kaperei eine viel drei tere Angriffsfläche bietet, als der viel geringere spanische.

Sachkenner schätzen die Seekraft beider Staaten < ungefähr gleich. Wenn es aber auch den Spanier«

fenort sowie einem Vertreter der Eleklnzitätsaktiengesell- schaftHelios" zu Köln wurde die Errichtung einer elektrischen Centrale für den Kreis Samter auf der Bahnstation Polka beschlossen und eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht unter dem NamenElektra" gegründet. Die elektrische Centrale soll im Umkreise von 20 Kilometer die Kraft zu Beleuchtungszwecken, zu Motorenbetrieb und zum Pflügen der Aecker abgeben.

Münster. Edelsteine und Röntgenstrahlen. Eine auswärtige Dame ließ sich kürzlich in Münster in einem Röntgen-Laboratorium wegen einer Erkrankung der Hand eine Röntgenstrahlen-Aufnahme machen. Diese führte nebenbei zu einer für die Dame überraschenden Ent­deckung. Die Dame trug nämlich einen mit Smaragden durchbrochen gefaßten Ring. Nach Fertigstellung des Photogramms fiel es am, daß von den Smaragden ein Stein einen dunklen Schatten gab, während die übrigen Steine einen Hellen Schatten gaben. Hierdurch mißtrauisch auf die Echtheit der Steine geworden, stellte man vergleichende Versuche mit echten und unechten Edelsteinen in Bezug auf die Durchlässigkeit für X« Strahlen an. Es stellte sich heraus, daß die Röntgen­strahlen Edelsteine durchdringen, die somit im Röntgen- bilde einen Hellen Schatten geben, nicht aber die aus Glas bestehenden Nachahmungen, die einen dunklen Schatten geben. Durchleuchtung von Perlen ergab das umgekehrte Verhältniß, echte Perlen geben im Röntgengebilde einen dunklen, unechte einen hellen Schatten. 'Der den dunklen Schotten gebende Smaragd­stein im Ringe der Dame war also falsch. Die Dame hatte vor Kurzem nach dem Verluste eines Steines aus dem Ringe einen neuen einsügen lassen. Der neu eingefügte Stein gab im Röntgenbild einen dunklen Schatten. Es war statt eines bestellten echten StemS ein unechter eingefügt worden. Der betreffende Juwelier ist übrigens nicht aus Münster.

Ausland.

Spanien. Im PariserGaulois" führte ein spani­scher General aus, die Amerikaner könnten auf Kuba sofort höchstens 25 000 Mann in kleinen Abtheilungen landen, die gegen die hunderttausend Liniensoldaten und siebzigtausend Freiwilligen Spaniens gar nicht in Be­tracht kämen. Um das amerikanische Einbruchsheer auf hunderttausend Mann zu bringen, würden Monate er­forderlich sein und auch dieser Macht wären die Spanier vollkommen gewachsen. Man irre übrigens, wenn man glaube, Amerika könne für einen Kubafeldzug so ohne weiteres Heere von hunderttausend Mann aufbringen. Fünfzig bis Sechzigtausend könnten auf einen Wink versammelt werden, dann aber seien alle Bestände von Abenteurern, Landstreichern, Bettlern, Verbrechern, Ar­beitslosen rc. erschöpft, und jeder einzelne Mann über diese ersten Freiwilligen hinaus würde überaus große Geldopfer erfordern. Die Finanzpreffe vertritt die An­sicht, der Krieg sei gar kein Unglück für Spanien, er werde kaum mehr kosten als der Aufstand, bald beendet sein, Spanien von Kuda befreien und die Wunde schlie­ßen, an der Spanien andernfalls noch unabsehbar lange geblutet und sich endlich verblutet hätte. Nach dem Kriege sei eine Gesundung der spanischen Staatswirth- schaft denkbar.

Liverpool. Ein spanisches Kriegsschiff kaperte den nach Liverpool bestimmten, mit 60,000 Hektoliter Weizen beladenen amerikanischen KauffahrerShenandoa" im Allandlschen Ocean. Bei dem plötzlichen Steigen aller Lebensrnittel, namentlich des Brodes, in England be­fürchtet man hier aufs ernsteste, daß die gewohnte Zu- fuhr abgeschnitten werden wird. Ferner herrscht große Besorgniß in den Büreaus der Amerikalinie wegen deS Schicksals des DampfersPariS". Der Kapitän er­hielt die Weisung, sich in der Nähe der Küste zu halten und sofort den nächsten Hafen anzulaufen, wenn ein Kriegsschiff in Sicht käme. Dennoch fürchtet man daS Abfangen des Dampfers in der Nähe von Kap Reach, wo ein spanisches Kriegsschiff auf der Lauer liegen soll. Eine große Anzahl von Dachten amerikanischer NabobS liegt im Mittelmeer, ohne nach Amerika zurück zu können. Hier verlautet, drei spanische Kreuzer halten im Aermel- kanal einen großen amerikanischen DampferSaint Louis" gekapert. Falls die Nachricht sich bestätigt, wäre der Fang sehr wichtig, da dieSaint LouiS" eine Ladung von fünf Millionen Dollars führt.

New-Dork, 22. April. Das atlantische Geschwader