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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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«M 31. Samstag, den 16. April 1898. 49. Jahrgang.
W-Ü^ünna-M °^ die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen
- ........... - Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Beiden Majestäten bekommt der Aufenthalt in Homburg v. d. Höhe vortrefflich. Es werden fast täglich Ausflüge gemacht. Am Mittwoch arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Civilkabinetts und empfing den Kultusminister Bosse, den Professor Mommsen, den Baurath Jacobi, sowie den Abt Benzler. Am Donnerstag fuhr der Monarch nach Wiesbaden.
— Kioutichau ist dem „Reichsanzeiger" zufolge die richtige Schreibweise für den Namen unseres neuen Hafens an der chinesischen Küste. Der Name der im Gouvernement Kiautschau belegenen Post- und Telegraphenanstalt schreibt sich Tsintau.
— In verschiedenen Blättern lesen wir, daß bei den gegenwärtig stattfindenden Kontrollversammlungen Radfahrer, die geneigt sind, bei einer etwaigen Mobilmachung als „Radsoldaten" einzutreten, aufgefordert werden sich zu melden und ihre Rüder von einer Kommission untersuchen zu lassen. Tauglich befundene Räder werden, im Kriegsfalle militärfiskalisches Eigenthum und mit 250 Mark vergütet.
Unschuldig verurtheilt! Erhebliches Aufsehen macht in Thorn folgender Fall: Im Oktober 1896 wurden, der „Post" zufolge, vom dortigen Schwurgericht der Invalide Heinrich Ruetz und der Maurer Albert Stange aus Stewien wegen Sittlichkeitsverbrechens zu je sieben ^Fuhren Zuchthaus verurtheilt, und zwar auf Aussage einer Frau, an der das Verbrechen verübt sein sollte, trotzdem die Angeklagten ihre Unschuld betheuerten. Nachdem die Männer mehr als ein Jahr der Strafe verbüßt, hat die Frau, von Gewissensbissen getrieben, eingestandcn, daß ihre Aussage falsch sei; sie habe die Leute aus Rache vernichten wollen. Gegen die Ver- urtheilten, welche sofort in Freiheit gesetzt wurden, ist das Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet worden.
In Juowrazlaw verurtheilte die Strafkammer den Polizeisergeanten Rochaj, welcher, um ein Geständniß von drei Knaben zu erlangen, diese auf schändliche Weise mißhandelt hatte, bis sie einen Diebstahl gestanden, den sie überhaupt nicht begangen hatten, zu zwei Jahren Gefängniß.
Meiningen, 6. April. Der Aufsehen erregende Postdiebstahl auf dem Bahnhöfe Grimmenthal ist, wie der „Eis. Tagespost" geschrieben wird, nunmehr aufgeklärt. Bekanntlich war ein vom Postamte Suhl nach Hildburghausen abgegangenes Werthpacket, in welchen sich 5000 Mark in Hundertmarkscheinen und Gold befanden, in der Nacht vom 1. auf den 2. April verloren worden, ohne daß man zunächst irgend einen Anhaltepunkt über den Verbleib des Packeis hatte. Vorgestern fand man nun am Bahndamm in der Nähe von Grimmenthal lose dahin gestreutes Geld im Betrage von 3860 Mark. Der Verdacht, den Diebstahl ausgeführt zu haben, richtete sich gegen den Postschaffner Krämer von Grimmenthal. Krämer wurde verhaftet und gestand den Diebstahl. Die fehlenden 1040 Mark hatte der Dieb in freiem Felde versteckt.
Eisenach, 12. April. Die Explosion einer Kohlensäurestahlflasche hat dieser Tage ein blühendes Menschenleben vernichtet. Der etwa 26 Jahre alte Brauerei- arbeiter Reinhardt hier hatte den Auftrag erhalten, bei einem Gastwirthe eines benachbarten Dorfes eine mit Kohlensäure gefüllte Flasche abzuholen, weil sie nicht funktionirte. Er hatte sie auf dem Bierwagen hinter seinem Sitze liegen und den betreffenden Ort noch nicht weit hinter sich, als die Flasche, die jedenfalls etwas zu warm geworden war, mit einem furchtbaren Knalle zersprang und das Vordertheil des Wagens in Stücke riß. Eine starke eiserne Stange wurde dem R. in das Genick geschleudert, so daß er sofort todt war, der Körper zeigte außerdem noch eine Reihe weiterer gräßlichster Verstümmelungen. Das Geschick des Verunglückten wird hier umsomehr bedauert, weil er ein durchaus braver Arbeiter war. Heute wollte er seine Verlobung feiern.
Würzburg, 13. April. Schrecklich unreinliche Zustände herrschen in der Schlachthalle der hiesigen Synagoge. Federvieh liegt oft Tage lang gebunden dortselbst, ehe eS geschlachtet wird. In Folge dessen wurde gegen die
Ausland.
Frankreich. Die Vorladung in der neuen Klagesache gegen Zola unterscheidet sich von der früheren. Die erste Klage war noch gegen fünfzehn Zeilen des Zola'schen Aufsatzes: „Ich klage an" erhoben worden, die zweite greift einzig folgende drittehalb Zeilen heraus: „Ein Kriegsgericht hat eben auf Befehl einen Esterhazy freizusprechen gewagt; ein äußerster Schlag ins Gesicht aller Wahrheit und Gerechtigkeit." Auf diese Weise hofft man jedes Zurückgreifen auf den Dreyfus-Fall verhindern zu können. Der Prozeß soll bekanntlich in Versailles stattfinden und zwar um nicht die Wahlen zu stören, erst am 22. Mai beginnen, d. h. an dem Tage, an welchem bereits die Stichwahlen stattfinden sollen.
England. General Kitchener hat über die Armee des Emirs Mahmud einen entscheidenden Sieg am Atbara errungen. Ungefähr viertausend Derwische wurden getödtet und viertausend gefangen. Von den Engländern sind drei Offiziere und 18 Mann gefallen, 88 verwundet, darunter vier Offiziere. Die Egypter hatten 51 Todte und 319 Verwundete, unter letztern 14 Offiziere.
Spanien. Die Konzession des Waffenstillstandes hat in Madrid zu regierungsfeindlichen Demonstrationen geführt. Es- wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Washington, 12. April. Der Generalkonsul Lee auf Cuba veranschlagt die Zahl der von der Landbevölkerung in den kubanischen Provinzen am Hungertode Gestorbenen auf 20000. Der Bericht schildert die Lage der Bewohner der Insel in düsteren Farben und beschreibt verschiedene gräßliche Szenen, z. B. sollen in der Stadt Havanna selbst etwa 460 sterbende Frauen und Kinder wie Thiere zusammengefercht mit bereits Gestorbenen zusammen auf der Erde liegen, ohne daß auf Reinlichkeit die geringste Rücksicht genommen und ohne daß ihnen die geringste Hülfe gewährt werde. Sie sollen nicht einmal Wasser erhalten können.
Lokales nud VroviuzielleS.
* Schlüchtern, 15. April.
* — Versetzt wurde Herr Postmeister Ritter von Treysa nach Schlüchtern.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Warnung: Ausländische Bankfirmen laden das deutsche
Lehrerswittwe Weißbarth wegen Thierquälerei seitens des Stadtmagistrates Klage und Strafantrag gestellt und an die israelitische Kultusgemeinde Auflage zur Beseitigung der Unreinlichkeiten erlassen. — Der Metzger Jsaak Fuldheim hatte in seiner Wurstküche große Wäsche gehalten und erhielt deshalb vom Schöffengerichte eine Geldstrafe von 20 Mark eventuell 4 Tage Gefängniß.
Aus Mittelfranken wird von einem schweren Unglück berichtet, das viele Schafhalter betroffen hat. Viele Schafe haben die Egelkrankheit. Ganze Herden sind vernichtet. Ein Landwirth büßte 2500 Mk. ein. Ein armer Schäfer hatte 80 Stück Schafe erworben, diese sind alle gestorben. Aus den geringen Fellen der Schafe löste er nur 70 Mark.
Hageuau. Verbesserung unseres neuen Schnellfeuergeschützes. Von einem jungen Manne, der bei dem Fußartillerieregiment Nr. 31 in Hagenau seine Dienstpflicht ableistet, wird dem „Elsässer" erzählt, daß er eine wichtige Erfindung gemacht habe, welche eine wesentliche Verbesserung des neuen deutschen Schnellfeuergeschützes bedeute. Der strebsame Soldat soll jeden freien Augenblick zur Aufstellung und Beschreibung seiner Zeichnung benutzt und oft die ganze Nacht hindurch gearbeitet haben, so daß er öfters von seinen Stubenkameraden wegen des starken Petroleumsverbrauchs gescholten und auch „geknufft" wurde. Doch ließ er sich dadurch nicht stören und arbeitete fort, bis er Alles zu seiner Zufriedenheit fertiggestellt hatte. Die Zeichnungen und Beschreibungen soll er dann an den Kaiser übersandt haben, von welchem der Befehl gegeben worden sei, daß der Soldat wegen Nichteinhaltung des Instanzenweges nicht bestraft, daß aber die Erfindung genau geprüft und geeignetenfalls verwerthet werden soll. Die Ausführung des kaiserlichen Befehls soll bereits im Gange sein. Der junge Erfinder hat früher als Schlossergeselle gearbeitet. Ueber die Einzelheiten der Erfindung wird strengstes Geheimniß bewahrt.
Publikum durch Prospekte und Zeitungsinserate häufig zur Theilnahme an sog. Serienloosgesellschaften ein, indem sie den Theilnehmern einen reichen und sicheren Gewinn in Aussicht stellen. In der Mehrzahl solcher Fälle handelt es sich aber um Schwindelunternehmungen, und der Theilnehmer an diesen Serienloosgeschäften kann meistentheils zufrieden sein, wenn er überhaupt einen Theil seines Einsatzes zurückbekommt; meist wird er ganz leer ausgehcn. Versuche, das Geld durch Ver- Mittelung der Polizei oder anderer Behörden des Auslandes wieder zu erlangen, pflegen erfolglos zu sein. Unter diesen Umständen kann nur eindringlich davor gewarnt werden, den Aufforderungen ausländischer Firmen zur Betheiligung an Serienloosgeschäften Folge zu leisten.
* — Nach der Viehzählung im vorigen Jahre gab es in der Provinz Hessen-Nassau 227 152 Gänse, 31 268 Enten, 1621161 Hühner, im Ganzen also 1 879 58 t Stück Federvieh. Auf den Regierungsbezirk Cassel entfallen davon 192 204 Gänse, 20275 Enten, 975 762 Hühner, im Ganzen 1 182 541 Stück Federvieh.
* — Eine wichtige Entscheidung hinsichtlich der Jagdschein-Kontrolle hat kürzlich das Kammergericht in Berlin gefällt: „Die Jagd übt nur derjenige aus, der jagdbaren Thieren nachstellt, um sie todt oder lebendig in Besitz zu nehmen. Wenn aber ein Jagdberechtigter, nachdem er auf seinem Jagdgebiete die Jagd ausgeübt hat, es verläßt und sich außerhalb desselben auch noch mit Gewehr und Jagdgeräthschaften versehen und seine Jagdbeute tragend auf dem Heimwege befindet, so übt er nicht mehr die Jagd aus, denn er stellt nicht mehr jagdbaren Thieren nach. Die gleiche Rechtsauffassung muß selbstredend für den Hinweg gültig sein." — Somit hat der kontrollierende Beamte nicht das Recht, die Jäger vor oder nach der Jagd nach dem Jagdschein zu fragen. Diese Entscheidung wird in Jägerkreisen lebhafte Befriedigung hervorrufen und den mancherlei Unzuträg- lichkeiten ein Ende machen.
Dörningheim, 12. April. Im hiesigen Gemeindewald brannte es in den letzten acht Tagen 5 Mal, immer in der Nähe der ihn durchziehenden Eisenbahnschienen. Als den Brandstifter einen vorüberfahrenden Eisenbahnzug zu suchen, liegt somit sehr nahe. Den größten Schaden richtete das Feuer am Samstag Mittag an, wo es über 50 Morgen des schönsten Eichen- und Buchenbestandes zerstörte. Dadurch sah sich auch die Eisen- bahnoerwaltung gezwungen, während der Feiertage Wachmannschaften dahin zu beordern. Trotzdem es am ersten Feiertage ^sehr stark geregnet $at, mußten dieselben gestern gegen das verheerende Element thätig sein.
Homberg, 13. April. Voraussichtlich wird noch im Laufe dieses Monats ein ständiger Geistlicher die Seelsorge der hiesigen katholischen Gemeinde übernehmen, wodurch ein dringender Wunsch in Erfüllung geht. Seither hatte die Gemeinde jeden Monat nur einmal Gottesdienst. Auch wird der schon längst beabsichtigte Bau einer katholischen Kirche wohl in Kürze in Angriff genommen werden.
Frankfurt a. M., 13. April. Eine Frau aus Wiesbaden hatte gestern in der Umgegend ein Kapital von 3000 Mt., das ihr als Erbschaft zugefallen war, gehoben. Auf dem hiesigen Hauptbahnhofe gab sie ein Telegramm an ihren Mann auf und als sie die Telegrammgebühr aus dem Täschchen, in welchem auch die 3000 Mk. tn Banknoten enthalten waren, entnommen hatte, stellte sie das Täschchen neben sich auf den Schreibpult. Als sie jedoch im nächsten Augenblick um« wendete, um das Täschchen wieder an sich zu nehmen, war es verschwunden. Auf das Jammern der Frau eilte sofort Polizei herbei, da sie aber auch nicht die mindeste Angabe über den Dieb machen konnte, so war die Polizei auch nicht im Stande, nach irgend einer Seile sofort zu recherchiren. Mitleidige Reisende sammelten schließlich unter sich für die bedauernswerlhe Frau einen Betrag, um ihr die Heimreise zu ermöglichen.
Die Erbin von Wallrrsbrnn«.
Originalroman von Marie Romany.
(Fortsetzung )
Sobald die ersten beiden Wochen vorüber waren, störte sie auch nichts mehr, sich ihren Thränen zu weihen. Ein Testament hatte sich in dem Nachlasse des Gutsherrn nicht gefunden; somit auch dem vielfach auSge-