ich die Erbschaft des Freiherr» Max, der sich nun kinderlos wähnte, hinnahm; die Macht der Hölle, deren Luft ich geathmet hatte, riß mich weiter, mit unerbittlicher Gewalt an sich! — „Alice, meine Tochter!" der Gutsherr rief es wie im Wahne — „flehe zu Gott, daß er meine Seele von der ewigen Verdammniß erlöse! Flehe zu Gott um Gnade, um Erbarmen, Alice I Ludwig von Erlenburg ist nicht gestorben, die Kunde von seinem Tode war Lüge! Betrug wae es, durch welchen ich für mich Besitzung und Reichthum erworben! Ludwig von Erlenburg ist nicht verunglückt, ist nicht gestorben, Alice, Ludwig von Erlenburg lebt!"
Alice durchrieselte es mit heißer Glut. Mit einem jähen Ruck hatte sie ihre Finger der Hand des Vaters entzogen; ein Schrei, den sie nicht zurückzuhalten imstande war, entrang sich ihrer Brust.
„Ja, Ludwig von Erlenburg lebt!" wiederholte Herr von Waldheim in wahnsinniger Erregung; „er lebt in Verzweiflung, im Elend, im Jammer seines Daseins! er lebt, um durch die Misere, die ich über ihn brächte, von meinem Frevel ohne Unterlaß der Gottheit Kunde zu geben, um durch die Klagen, welche er zum Himmel schickt,meine Seele für die Ewigkeit der Hölle zu weihen!"
Noch ein dumpfes Stöhnen, dann blieb Herr von Waldheim stumm; völlig kraftlos ruhte er im Lehnstuhl, den Blick mit dem Ausdruck wildester Verzweiflung nach oben gewandt. Er merkte nicht, wie Alice aufstand und sich langsam, ohne einen Moment das Auge von den Zügen des vielgeliebten Vaters zu verlieren, dem Ausgang des Gemachs zu bewegte.
Er sah nicht, daß Diener kamen, hörte nicht, daß seine Tochter Befehle ertheilte und Botschaft entsandte; er bemerkte nicht, daß der Arzt erschien, empfand es nicht, daß man seine Brust und Schläfen mit Aether benetzte; er wußte nichts davon, daß der Priester hereintrat, daß man Gebet um Gebet für ihn hersprach, er sah nicht, daß die Augen aller, die nun zugegen waren, sich mit Thränen angefüllt hatten, daß Alice schluchzend vor ihm auf den Knieen lag.
Eine bange, unheimliche Stunde verran. Nicht ein Laut, nicht die leiseste Bewegung verrieth, daß Herr von Waldheim noch dem Dasein gehörte; nur ein schwacher Hauch seines Athems bezeugte, daß der Geist dem matten Körper noch nicht entflohen war.
Plötzlich regte er sich. Nur ein schwaches Stöhnen war es, das über seine Lippen bebte, und nur eine unsichere Bewegung seiner Rechten, mit der er nach dem Haupte der vor ihm knieenden Tochter griff.
„Alice," flüsterte er kaum hörbar, „betest du zu Gott um Erlösung? flehst du zum Himmel, daß nicht der Last meiner Sünde durch die Verdammniß meiner Seele Vergeltung wird?"
„Ich bete, Vater," hauchte Alice. Sie war sich kaum bewußt, was sie sprach.
„Und flehst du," rief der Gutsherr lauter, „daß nicht der Geist des Freundes, den ich mordete, mich, ein Gespenst der Hölle, in das Jenseits begleite? flehst du —"
„O, Vater, —"
„daß nicht mein Name, der Name des Verbrechers, hier auf Erden geschändet sein möge, damit nicht der Fluch meiner Sünde das unschuldige Haupt meines Kindes trifft?"
Die Augen aller Anwesenden füllten sich.
„Fieberwahn," sprach der Arzt vor sich.
„Vertrauen Sie, Herr von Waldheim," besänftigte der Priester; „Gott wird vergeben; —"
Wie vom Dämon getrieben, fuhr der Gutsherr auf. Einem Gespenst nicht unähnlich starrte er um sich. Er sah den Arzt, im Hintergründe des Gemachs die Diener, er hörte den Priester, sah das Kruzifix mit brennenden Kerzen umgeben, und mit einem ächzend hervorgestoßenen „Mein Herrgott, erbarme dich!" schien ihm der Atem stille zu stehen.
Der Priester betete laut.
„Alice," rief der Gutsherr plötzlich, ohne auf die Trostesworte des Geistlichen zu hören, „vergieb du mir meine Schuld, so wie der ewige Richter meine Sünde vergebe! Was auch die Zukunft bringen möge, fluche nicht meinem Leben, fluche nicht der Stunde, in welcher einst das Schicksal dich mir zur Tochter gab!"
In kindlicher Ehrfurcht neigte Alice das Haupt. (Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* — Ostereier zu färben, a) Roth: In einem irdenen Topf kocht man Fernambukholz, Essig und Alaun, bis sich die gewünschte rothe Flüssigkeit gebildet hat. Sind die Eier darin gekocht, so reibe man sie mit Butter ein und wischt sie dann rein, b) Gelb: Mit trockenen Zwtebelschaleu. c) Blau: In einer gekochten Mischung von Blauholz, Essig und wenig Alaun. Oder indem man Lackmus, dem man etwas Soda zugefügt, in das Wasser thut und die Eier 15 Min. kocht, d) Rosenfarbig: Indem mau Fernamabuk und Krapp eine Weile im Wasser kochen läßt und die Eier eine Viertelstunde im Wasser siedet, e) Grün: Indem man in das Wasser Salat oder frisches Gras legt. Oder man umwickle die Eier mit Blättern von Schafgarbe und lasse sie 20 Minuten kochen. Man marmorirt die Eier mit gelber und grüner Farbe, indem man allerlei aus
braunen Zwiebelschalen geschnittene Figuren auf das Ei klebt und an anderen Stellen Blättchen von dunkelrothen Pappelblumen. So kocht man sie. Dadurch wird gelbe und grüne Farbe hervorgebracht. — Blumen und Namen auf Eier zu zeichnen. Man thut es mit einer Feder, die in Scheidewasser getaucht ist, wodurch die Farbe zerstört wird und das Weiße des Eis wieder hervortritt. Man muß das ätzende Scheidewasser allerdings mit der größten Vorsicht gebrauchen. Auf den mit Lackmus blau gefärbten Eiern lassen sich durch stark verdünnten Essig purpurrothe Zeichnungen herstellen.
— Die Ziege verwerthet das Futter besser als bu Kuh. Eine mittelschwere Ziege braucht nämlich per Tag 1 Ve—2 Kilo Heu oder Grummt, eine mittelschwere Kuh aber 12—15 Kilo: somit könnte man mit dem Futter einer Kuh 7—8 Ziegen ernähren, welche bei richtiger Pflege und Fütterung täglich durchschnittlich 16 Liter Milch liefern und zwar 8—9 Monate lang. Um das nämliche Quatum Milch von ca. 4000 L. zu liefern, müßte eine Kuh täglich durchschnittlich 14 L. geben und das zwar fast 10 Monate lang, was doch selten der Fall ist. Zudem machen 8 Ziegen ein viel kleineres Kapital aus.
— Bei der letzten Volksabstimmung in der Schweiz über den Eisenbahn-Ankauf ereignete sich ein merkwürdiger Fall in einer kleinen Ortschaft des Kantons Aargau. Ein angesehener Einwohner, der für den An kauf begeistert war, versprach den Wählern ein Hektoliter Wein zu spenden, wenn sich kein abweichender Stimmzettel in der Urne befände. Darob große Freude unter den 108 Gemeindewählern, welche sich gleich das Wort gaben, „ja" auf den Zettel zu schreiben und schon im Vorgenusse des edlen Rebensaftes schwelgten. Aber wie groß war ihre Entäuschung, als das Ergebniß verkündet wurde: 107 Ja, 1 Nein. Der Versprecher des Freudentrunkes hatte mit „Nein" gestimmt, um sich die Ausgabe zu ersparen.
— Ein echt amerikanisches Mittel, um ihre Schul- schwänze zu kuriren, haben sich die New-Aorker Schul- behörden ausgesonnen. Für alle diejenigen Schüler, deren Schulbesuch an Regelmäßigkeit zu wünschen übrig läßt, hat nach der „Deutschen Zeitschrift für ausländisch. Unterrichtswesen" die Stadt New-Uork eine eigene Schule eingerichtet. Für jeden Knaben, der dieser Schule übergeben wird, wird eine bestimmte Summe festgesetzt, die er verdienen muß, ehe er entlassen werden kann. Die Summe wird so niedrig gegriffen, daß ein Knabe, der einigermaßen arbeitsam ist, sie binnen 2—3 Monaten in der Schule ganz gut erwerben kann. Es wird für Alles bezahlt, was er arbeitet; wenn er aber faul und ungezogen ist, oder sich sonst etwas zu Schulden kommen läßt, so wird er in Geldstrafen genommen. Natürlich muß er seine Kost selbst bezahlen, aber trotzdem kann er, wenn er sich einigermaßen gut führt, in der angegebenen Zeit das zu seiner Freilassung nöthige Geld erübrigen. Auf diese Weise hofft man die Knaben dahin zu bringen, daß sie sich an ernste und geregelte Beschäftigung gewöhnen, so daß sie dann am Schul- schwänzen kein Geschmack mehr finden. Das verdiente Geld wird ihnen in Zinnstücken ausgezahlt, die je nachdem für 1, 2, 5, 10, 25 oder 50 Cents gelten. Auf einer eigenen Sparbank können die Knaben dann das verdiente Geld auf Zinsen anlegen.
— Kaum möglicher Wunsch. In dem Mausoleum des bekannten Millionärs John W. Mackay auf dem Greenwood-Friedhof ist jetzt die aus einem einzigen Stück Granit bestehende fünfzig Tonnen schwere Deckplatte eingesetzt worden. „Leicht sei Dir die Erde!"
— In Zürich wurde jüngst, nach der „Str. Post.", eine 74jährige Wittwe, Rosine Huber, wegen betrügerischen Bettels zu einem Monat Gefängniß verurtheilt. Beider Haussuchung fand man insder Höhle der Bettlerin folgende Gegenstände vor: 1109 Wecken, 348 Stück Brot, 293 Stück Torten, 140 Würste, 177 Fleischstückc im Gewicht von 50 Kilo, 14 Kilo gesottenes Fett, 5 Kilo Butter, 14 Kilo Kaffee, 7 Kilo Käse, 14 Kilo Kartoffeln, 11 Kilo gedörrtes Obst, 10 Kilo Zucker, 27 „Schabziegerstückke", 15 Eier, 263 Jacken, 219 Röcke, 300 Schürzen, 170 wollene Halstücher, 3 Regenmäntel, 45 Paar Schuhe, 536 Paar Strümpfe, 50 Paar Handschuhe, 22 Hüte, 533 Frauenhemden, 58 Herrenhemden, 91 Frauenhosen, 29 Leintücher, 22 Bettüberzüge, 60 Handtücher, 155 Schnupftücher, eine Menge Bettzeug und Tuchreste, 98 Tassen und Teller, 65 Medizinflaschen, eine Partie Seife, 10 Brillen, 10 verrostete Scheren und 150 Franken bares Geld in allen möglichen Münzsorten. Um die (zum großen Theil verdorbenen) Lebensmittel wegzuschaffen, brauchte man vier große Wagen; die Ausräumung der Wohnung nahm zwei Tage in Anspruch.
— Professor: „Ich sagte Ihnen in der letzten Stunde, meine Damen, daß das Gehirn beim Mann größer ist als bei der Frau; was schließen Sie daraus, Fräulein Anna?" — Backfisch: „Beim Gehirn kommt es nicht auf die Qnantität, sondern auf die Qualität an.
— Die verschleuderte Mitgift. Ein angehender Advokat kommt zu seinem Vater und erzählt diesem voller Freude, daß der schon seit einem Jahrhundert obschwebende und sehr verwickelte Konkursprozeß contra N. N. durch seine Bemühungen endlich beendigt worden sei. Der Vater, ebenfalls Advokat gewesen, fährt er
schrocken einen Schritt zurück und als der Sohn darüber erstaunt, nach der Ursache fragt, entgegnele der Alte: „Mit diesem Prozesse, den Du Dich rühmst, beendigt zu haben, habe ich meine Praxis begonnen, darauf gestützt Deine selige Mutter geheirathet, Dich studiren lassen, und jetzt quasi als Mitgift in Deinen neuen Haushalt d. i. Praxis mitgegeben. Nun verschleuderst Du binnen wenigen Monaten ein Gut, wovon noch Deine Kinder und Kindeskinder zehren sollen."
— Im Eifer. Geheimpolizist: „Ihr Verdacht gegen Ihren Kassierer ist nicht gerechtfertigt, er lebt bescheiden und anständig ..." — Chef: „Herr, von dem Gehalt, welches ich ihm gebe, kann er aber absolut nicht anständig leben."
— Aus einer Dorfschule. Der Lehrer hat den Kleinen die Geschichte von David und Goliath erzählt und fragt nun nach dem Inhalte der Geschichte. Auf die Frage: „Was rief Goliath aus, als er den Hirtenknaben kommen sah?" weiß jedoch der Gefragte keine Antwort zu geben. Der Lehrer ergreift nun den Stock und geht mit drohender Miene auf den Gefragten zu. Da fällt diesem die biblische Stelle wieder ein, und er ruft: „Denkst Du denn, ich bin ein Hund, daß du mit dem Stecken zu mir kommst?"
H — Im Modegeschäft. Frau: „Ich werde diesen Hut zu fünfundzwanzig Mark nehmen!" — Mann (leise): „Du, ich habe aber nur'zwanzig Mark bei mir! — Frau: „Ach, das ist etwas anderes: wenn Du doch schuldig bleiben mußt, dann nehme ich den zu dreißig!"
— Vorsichtig. Goldstein (vor der automatischen Wage): „Sarah, halt mer das Portemonnai, sonst zerbricht de Wag'!"
— Bei Schorfs. Mrs. Scharf (beim Lesen eines „Magazin"-Artikels): „Hier wird sehr interessant auseinander gesetzt, daß Wittwen die allerbesten Frauen werden." —Mr. Scharf: „Aber, Herzchen, Du kannst doch nicht verlangen, daß ich mich hinlege und sterbe, — bloß aus dem Grunde, daß Du eine gute Frau wirst?!"
— Unnöthige Warnung. „Nun Karlchen, wohin willst Du denn so früh?" — Zum Kaufmann, ich soll etwas holen! — „So, das ist hübsch von Dir! Verlier' nur nicht das Geld!" — „O nein ... wir pumpen."
— Im Vertrauen. Mitglieder einer PrüfungS- kommiffion (beim Verlassen des Lokals, in welchem soeben zwei Kandidaten durchgefallen sind): „Herr Kollege! Ich bin froh, daß wir schon Professoren sind. Heutzutage brächten wir's auch kaum mehr dazu!"
— Beweis. Arzt: „Ihr Sohn leidet an Schwäche des Erinnerungsvermögens!" Frau: „Dat isch Se ns^ - möglich! He het je bei de Soldaten de Erinnerung», medalj kriegt I"
— Es ist große Gesellschaft im Salon. Der sieben« jährige Sohn der Dame des Hauses stürzt athemloS herein: „Mamachen, Mamachen, der Herr hier hat mir ein Mikroskop mitgebracht. Hast Du vielleicht einen Floh bei Dir?"
— Liebenswürdig. A.: „Darf ich Ihnen eine Cigarre anbieten?" — B.: „Ich rauche nur selten." — A.: „Na, greifen Sie nur zu; mit der können Sie sich's vollends abgewöhnen!"
— Vererbung. Frau: „Ich weiß gar nicht, wo unser Fritz das liebenswürdige Wesen her hat!" — Mann: „Na, doch nur von Dir---ich bin ja noch im Besitz des meinigen!"
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchteru. 1. hl. Osterfeiertag, 10. April. Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck. 2. hl. Osterfeiertag, 11. April. Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hat tendorff. Wochendienst: Herr Pfarrer Hattendorff.
Katholischer Gottesdienst.
1. hl. Osterfeiertag, 10. April.
Vorm. 97a Uhr Herr Caplan Nüdling, Sannerz. 2. hl. Osterfeiertag, 11. April.
Vorm. 972 Uhr, Herr Capl. Nüdling, Sannerz. Wochendienst: Herr Pfarrer Ort h, Herolz. Kath. Gottesdienst in Steinau.
1. hl. Osterfeiertag, 10. April. Vorm. 101|a Uhr Herr Caplan Richter.