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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „K-eisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Mittwoch, den 6. April 1898. 49. Jahrgang.
— Dem Fürsten Bismarck, der am 1. April 83 Jahre alt wurde, widmet die „Nordd. Allg. Ztg." einen kurzen Artikel, dessen letzter Theil lautet: „Auch das jüngere Geschlecht, das sich, ohne eigene Erinnerungen an die Kämpfe für ein neues einiges Deutschland des reichen Nachlasses Wilhelms des Großen unter der lhatkräftigen Obhut seines Enkels erfreut, ist tief durchdrungen von den Verdiensten, die sich Fürst Bismarck für Kaiser und Reich erworben hat. So ziehen heute Millionen Deutsche, daheim und im Auslande, im Geiste hin, wo die Wipfel des Sachsenwaldes über dem Haupte rauschen, das so hell durch Rath und That den deutschnationalen Gedanken vor Europa leuchten ließ. — Indem wir dem Fürsten Bismarck heute unsere dankbarste Verehrung darbringen, wünschen wir von ganzem Herzen, daß ihm sein Alter gesegnet sein und er sich noch lange des Werkes freuen möge, mit dem sein Name untrennbar verbunden ist."
— Der neu gegründete Arbeitgeber-Bund für das Maurer- und Zimmerer-Gewerbe soll ein Schutzverband gegen das Vorgehen der Arbeiterorganisationen sein. Um zu verhindern, daß die Arbeiter einzelne Baugeschäfte boykottiren, sind in einem solchem Falle alle Mitglieder verpflichtet, sofort sämmtliche Arbeiter zu entlassen und nicht früher wieder einzustellen, als bis die Sperre über den betreffenden Bau aufgehoben ist. Jedes Mitglied des Bundes hat einen Wechsel in der Höhe des zehnfachen Jahresbeitrages hinterlegt. Der letztere wird nach der Summe der Lohnzahlungen während des letzten Jahres bestimmt. Der Wechsel wird eingezogen, wenn ein Mitglied den übernommen Verpflichtungen nicht nachkommt. Gegen die diesjährigen Forderungen der Arbeiter, 60 Pfg. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeitszeit, haben die Bundesmitglieder nichts einzu- wenden. 8stündigcn Arbeitstag und 70 Pfg. Stundenlohn würde der Bund jedoch nicht gewähren können ; trotzdem soll diese Forderung für das .nächste Jahr in Aussicht genommen worden sein.
Brauuschweig. Trichinen sind in einer Sendung amerikanischer Würste, welche eine Braunschweigerin über Hamburg bezogen hatte, bei der Untersuchung im Schlachthause gefunden worden. Dieser Vorfall hat die Schlachthausdirektion veranlaßt, die ganze Sendung von 25 Würste» mit Beschlag belegen zu lassen. Die Untersuchung hat schon jetzt das höchst bedenkliche Resultat ergeben, daß von zwölf bisher untersuchten Würsten 5 als trichinös befunden worden sind. Wie die „Br. Landcsztg." hört, hat diese Thatsache, die von Neuem beweist, daß die vorgeschriebene Untersuchung in Amerika eine Gewähr für Trichinenfreiheit nicht bietet, den Anstoß dazu gegeben, vorbereitende amtliche Schritte zu thun, um beim Bundesrath ein Einfuhrverbot amerikanischer Wurstwaaren zu erwirken.
Nordhansen, 28. März. Das „Nordhäuser Tageblatt" hatte die Zahl seiner Abonnenten in den eigenen Spalten auf über 6000, im Annoncen-Katalog von Haasenstein u. Vogler aus ca. 7000 angegeben und sich in letzterem Buche zugleich als das meistgelesene Blatt in Nordhausen, dem Südharz und der goldenen Aue bezeichnet. Diese Angaben entsprachen der Wahrheit nicht, denn die erste war z. B. noch'nicht 4000; auf Grund des Gesetzes, betreffend unlauteren Wettbewerb, ist deshalb daS Blatt bei Vermeidung von 100 Mk. Strafe verurtheilt worden, solche Angaben künftighin zu unterlassen. (Wir halten eine derartige Strafe noch für viel zu gering. Da der Schaden, den andere Zeitungen durch die schwindelhaften, betrügerischen Angaben der Konkurrenz erleiden, ein viel größerer ist. In einem solchen Falle, wo die Benachtheilkgung der Inserenten durch Betrug erwiesen ist, müßte außerdem — und wird auch wohl — die Staatsanwaltschaft einschreiten.)
Mühlhausen i. Thür., 1. April. Die hiesigen Maurer, welche nach Scheitern der Einigungsverhandlungen vor dem Gewerbegericht auf ihren danach wieder erhöhten Forderungen bestehen, suchen die vereinigten Meister mit allen Kampfmitteln zu zwinge». So sind in den letzten Tagen Trupps von ca. 20 und 30 italienischen Maurern, die von einzelnen Meistern engagirt waren, zum sofortigen Verlassen der Stadt bewogen worden, indem man ihnen die Reise- und Zchr- mittel nach anderen Städten (Dresden rc.), in einzelnen Fällen pro Mann über 20 Mark aus der Streikkasse gewährte. Die Streikkasse soll für diesen Zweck bisher schon nahezu 1700 Mark aufgewendet haben I
^^IhtMrt^M auf bie »Schlüchterner Zeitung" 3?l-piLUUUy&5& werden noch fortwährend von allen —........- = ' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 1279. K. A. Auf Sonnabend, den 16. April er., Vormittags 11 Uhr habe ich im Saale des Gasthauses „Zum Stern" hierselbst einen Kreistag anberaumt.
Schlüchtern, den 25. März 1898.
Der Königliche Landrath: Roth.
J.-Nr. 1327 K. A. Sonnabend den 16. April 1898 Nachmittags 3 Uhr findet im Gasthaus „Zum Stern" in Schlüchtern eine Generalversammlung des hiesigen Zweigvereins vom Rothen Kreuz statt zu welcher die Herrn Mitglieder hierdurch ergebenst eingeladen werden.
Schlüchtern, den 1. April 1898.
Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz zu Schlüchtern.
Roth.
Die diesjährigen Frühjahrs-Kontrolversamm- lungen finden wie folgt statt:
1. Oberkalbach.
Mittwo ch, den 13. April 1898,
Vormittags 11 Uhr für die Ortschaften: Oberkalbach, Uttrichshausen, Heubach, Gundhelm und Hütten des Kreises Schlüchtern, und Döllbach, Büchenberg, Eichenried, Veitsteinbach und Zillbach des Kreises Fulda.
2. in Hauswurz.
Donnerstag, den 14. April 1898,
Vormittags 11 Uhr für die Ortschaften: Hintersteinau und Reinhards des Kreises Schlüchtern, Brandlos, Buchenrod, Giesel, Hauswurz, Höf und Haid, Hosenfeld, Jossa, Kauppen, Magdlos, Pfaffenrod, Poppenrod, Schletzenhausen, Stock, Weidenau des Kreises Fulda.
Zum Erscheinen bei den Kontrolversammlung sind verpflichtet:
1. sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots, mit Ausnahme derjenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom
1. April bis 30. September 1886 in den aktiven Militärdienst eingetreten sind,
2. sämmtliche Reservisten,
3. die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten,
4. die vor beendeter Dienstzeit wegen Dienstuntaug- lichkeit oder auf Reklamation und aus anderen Gründen zur Disposition der Ersatzbehörden ent- lassenen Mannschaften.
5. die Halbinvaliden,
6. sämmtliche Ersatz-Reservisten.
Die Militärpapiere sind mitzubriugeu.
Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Controlversammlung verhindert ist, muß so rechtzeitig ein ärztliches Attest bezw. eine Bescheinigung der Otsbehörde bei dem Hauptmelde-Amt Fnlda einzureichen, daß die Entscheidung des Bezirks- Kommandos noch vor der Kontrolversammlung eingeholt und mitgetheilt werden kann.
Nur wer durch plötzliche Erkrankung oder ganz unvorhergesehene dringende Fälle abgehalten ist, der Kontrolversammlung beizuwohnen, kann an dem betreffenden Kontrolplatz mit Ueberreichnng eines ärztlichen bezw. amtlichen Zeugnisses entschuldigt werden.
Unentschuldigtes Ausbleiben oder nicht pünktliches Erscheinen wird mit Arrest bestraft.
Die Mannschaften haben, behufs Vornahme von Kußmessungen, mit reingewaschenen Füßen zu erscheinen.
Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden ersucht, dies in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Fulda, den 28. März 1898.
Königliches Hauptmelde-Amt.
Hallwachs, Hauptmann z. D. und Bezirks-Offizier.
Deutsches Reich
Berliu. Kaiser Wilhelm hat dem Fürsten Bismarck zum 83. Geburtstag einen kostbaren Krückstock als Geschenk übersandt. Der Stock ist von dunkelrothbraunem Spanischem Rohr mit massiv goldener, reich verzierter
Krücke und Zwinge, |
Vom Rhein. In einer größeren rheinischen Stadt erhielt der „Köln. Volksztg." zu Folge eines Morgens ein Philologe, Dr. usw. ein großes Packct. Voll Freude wird es geöffnet und es enthält — sechs Klstchen Cigarren mit folgendem Brief: „Sehr geehrter H^rr! Wir erlauben uns, Ihnen anbei sechs Kistchen unserer anerkannt guten Cigarren zu schicken. Wir zweifeln nicht, daß sie Ihnen gefallen werden, und bitten Sie, uns auch in Ihrem Bekanntenkreise zu empfehlen! — (Den Betrag — 6 Mark die Kiste — erbitten wir mit Postanweisung) Hochachtungsvoll......Cigarren- Versandthaus." Postwendend geht an die Firma folgender Brief des Philologen ab: „Sehr geehrter Herr! Ich erlaube mir, Ihnen anbei zwölf Stück meiner an- kannt guten Doktor-Dissertation zu senden. Ich zweifle nicht, daß sie Ihnen gefallen wird; sollte in Ihrem Bekanntenkreise sich Jemand dafür interessiren, so bin ich gern bereit, Ihnen weitere Exemplare zu liefern. (Den Betrag, 3 Mark das Stück, bitte ich mir gut zu schreiben.) Hochachtend . . ." Umgehend traf ein Schreiben des Cigarren-Versandthauies ein: „Wir ersuchen Sie höflichst, uns die betreff. Cigarren zurückzu- senden. Anbei die Gebühren für Porto und Verpackung. Ihre Dissertation senden wir heute noch zurück. Hochachtungsvollst . . . ."
Kaiserslautern, 24. März. Das Ehepaar Schwarzen- bach, das unter dem Verdacht der Ermordung seiner eigenen Kinder durch Gift in vorläufige Haft genommen war, ist nunmehr auf Grund des Ergebnisses der Unter- snchung wieder in Freiheit gesetzt worden. Es ist festgestellt, daß in dem Fall es sich um eine Kohlenoxydgas- vergiftung in Folge schlechter Oseneinrichtung handelt.
Ausland.
Paris. Ueber den Fall Zola wurde am Donnerstag vor dem Pariser Kassattonshos verhandelt. Das auf sieben wichtige Punkte gestützte Kaffationsbegehren begründete der Advokat Mornhardt, dem Labori und Llemencean zur Seite standen. Nachdem am Beginn der Kassationsverhandlung der offizielle Referent am Ende seiner langen Rede selbst die Kassation des Urtheils im Zola-Prozeß beantragt hat, hält man die Kassation für gewiß. Der Referent führte aus, daß der Kriegsminister nicht berechtigt gewesen sei, sich dem Kriegsgericht zu substituieren und für dieses die Klage gegen Zola einzureicheu. Die Klageerhebung durch den Kriegsminister für das Kriegsgericht für eine Unmöglichkeit, daher sei das Urtheil nicht nur zu kassieren, sondern der Prozeß könne auch nicht von neuem angefangen werden. Es sprachen noch der Anwalt Zolas, Mornhardt, und der ,Generalprokurator. Das Urtheil gegen Zola ist denn auch kassirt und Zola außer Verfolgung gesetzt worden.
England. In englischen Rhederkreisen wird jetzt viel die Frage erörtert, welchen Schutz die Marine der britischen Kauffahrts-Flotte im Falle eines KriegeS gewähren könne. Die britischen Marinebehörden sind der Ansicht, daß die Zahl der zu schützenden Schiffe zu groß und die Routen zu lang seien, als daß das bisherige System noch wirksam sein könnte. In einem großen Seekriege würden die Segelschiffe vom Ozean verschwinden, und die Dampfer würden fich größtentheils auf ihre eigene Geschwindigkeit verlassen müssen. Die britische Admiralität würde sich allerdings bemühen, die großen Handelsrouten zu schützen und fortwährend Kreuzer zwischen den großen HandelSrouten fahren lassen. Die Linien nach Amerika, Australien und Ost- asien würden aber große Schwierigkeiten machen. — Die gesammte britische Flotte ist mit versiegelter Ordre abgedampft, das Reiseziel ist unbekannt. Loch scheint der Zweck darin zu liegen, daß das Geschwader die chinesische Tsungming-Jnsel auf der Höhe der Mündung des Aantsekiang besetzen und befestigen werde. Auf dem Festlande Chinas einen neuen geeigneten Besitz zu erwerben, wäre den Engländern gewiß lieber gewesen; um einen solchen zu erlangen, sind sie aber zu spät gekommen, nun müssen sie sich mit einer Insel, deren Lage freilich nicht übel ist, begnügen.
Die „Daily Mail" meldet aus Ncw-Aork unterm 30. v. Mls.: Wie verlautet, ließ Sagasta durch Woodford den Präsidenten fragen, ob die Unabhängigkeit Cubas die Vorbedingung für eine friedliche Lösung des Streites bilde. Mc Kinley erwiederte unverzüglich ja; keine Verständigung sei ohne diese möglich. Spanien