Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 27. Samstag, den 2. April 1898. 49. Jahrgang.

8?ffblhtt1flttt auf dieSchlüchterner Zeir jPvpliUUliyvll werden noch fortwährend von

Leitung" Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin auf der

allen

.....- ---------- ' Postanstalten und Landbrichträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Die Kaiserin wird, nach einer Meldung der ZeitungTruth", höchstwahrscheinlich im Mai zur Luftkur nach Schottland gehen, wo die Königin Viktoria ihr Aberfeldy Castle oder Birchall House zur Verfügung gestellt hat. Die Luft an dem oberen Der sei außer­ordentlich kräftigend. Nach demKonf." wird das Kaiserpaar auch in diesem Jahre während des Sommer- Aufenthalt in Wilhelmshöhe bei Cassel nehmen.

München. In Pasing verunglückte ein Maler auf eine sehr ungewöhnliche Weise. Er stieg aus Muth­willen auf ein Fensterbrett, von dem aus er die Drähte einer elektrischen Leitung fassen konnte, um sich elktrisiren zu lassen. Er konnte aber nicht mehr von den Drähten loSkommen und hing fast drei Minuten in der Luft, bis ihm Hilfe wurde. Er liegt in schrecklichen Konvulsionen im Krankenhause; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der von ihm empfangene Strom soll eine Stärke von 120 Volt gehabt haben.

Welch freches Benehmen mitunter von den soge­nannten armen Reisenden an den Tag gelegt wird, be­weist der folgende Vorfall. Am Sonnabend sprach ein Handwerksbursche bei einem Schieferdeckermeister in Lobensteiu um Arbeit an. Da er nicht eingestellt werden konnte, erhielt er als Geschenk einen Nickelfüufer. Dies mochte dem Burschen zu wenig sein. Er nahm daS Geldstück und warf es der ihn abfertigenden Frau an den Kopf, worauf er sich schimpfend entfernte. Der Bursche wurde verhaftet. L

Bacha, 29. März. Ein Tagelöhner hatte das Aus- streuen künstlichen Düngers auf einem großen Felde übernommen und streute bei windigen Wetter Chlli- salpeter mit der Hand aus. Durch den Wind flog ihm davon in die Augen, und die Folge davon war, daß eS den Aerzten erst nach vierteljähriger Behandlung gelang, wenigstens das eine Auge zu retten, während daS andere ganz erblindet ist. Also Vorsicht bei der Arbeit mit Chilisalpeter!

Durchreise nach Homburg auf Bahnhof Elm den Morgen­kaffee einnahmen, fand das dabei von Frau Trömel servierte Gebäck derart den Beifall der Allerhöchsten Herrschaften, daß andern Morgens in Homburg die Anordnung er­lassen wurde, die Bahnhofsrestauration Elm solle bis auf Weiteres täglich früh Morgens mit dem v Zuge um 5,19 Uhr eine Sendung Bretzeln, Hörnchen und Brödchen in das Schloß zu Homburg an die Kaiserliche Frühstückstafel liefern. Selbstredent wird es auch besorgt. Der Bäcker dieser Bretzeln rc. ist Herr Wilhelm Weitzel jr. in Schlüchtern, der nun jeden Morgen früh um 4 Uhr seine Backwaaren nach Bahnhof Elm zu liefern hat.

* Auf der Geflügelausstellung zu Hanau am 25., 26. und 27. März erhielt Herr L. H'ldebrand von hier auf Tauben einen 2. Preis, auf Hühner einen 2. und 3. Preis, auf Gänse einen 1. Preis. Außer­dem hat Herr Hildebrand in Marburg auf der dortigen Geflügelausstellung eine Collektion abgerichteter Dom­pfaffen, seine bekannte Specität, ausgestellt; von ihm daselbst ferner ausgestellte Tauben trugen einen 1. Preis davon.

* 1. April. Im jetzigen Zeitalter der Er­findungen und Entdeckungen, wo Tag für Tag irgend etwas Neues auf jedem Gebiete der staunenden Mit­welt geboten wird und fast jeder irgendwie ansehnliche Ort die Geburtsstätte eines ingeniösen Mannes ist, wird es wohl Niemand besonders mehr berühren, zu vernehmen, daß auch unser Städtlein einen oder find

es mehrere ? Erfinder beherbergt, der eine gloriose Entdeckung gemacht hat. Veranlaßt durch den infolge des milden Winters heroorgerusenen großen Mangel an Eis und die deshalb dafür gezahlten hohen Preise von feiten der Brauereien rc. verfiel der Pfiffikus darauf, darüber zu sinnen, wie man auf die einfachste und für den Großbetrieb geeigneteste Art Eis herstellen könne. Er versprach sich einen enormen Profit von der Lösung dieses Problems. Das Resultat seiner Experimente war denn auch sehr überraschend. Der Herr Physiker nahm unserer Information zufolge ein gewiffes Quantum trockenes Wasser und that es in eine achteckige Kugel,

ArrSland.

Newyork. Achtundvierzig Robenfahrer erfroren.

die aus eisernem Zinn bestand. Hierauf stellte er Apparat über gedörrten Schnee und erhitzte ihn minus dreißig Grad Celsius bis zur Temperatur des kalten Feuers. Was dabei herauskam, war seinem großen Staunen heißes Eis. Patente sind

den bei des

zu für

Der RobbenfischdampferGrennland" ist am Sonnabend alle Staaten angemeldet und will eine Gesellschaft ohne

in Saint Johns, Neufundland, eingetroffen. Er hatte die Leichen von 25 Mann seiner Besatzung an Bord. Die Leichen von weiteren 23 Mann hatte er zurück- lassen müssen. Die noch übrigen Mitglieder der Be­satzung waren fast erfroren. Am 21. Mär; war die 54 Mann zählende Besatzung ausgesandt, um auf einem Eisfelde Robben zu jagen. Sie war indessen von einem Schneesturm überrascht worden, der das Eis auseinander trieb. Nur sechs Mann konnten sich retten. An diesen mußten, wie eine weitere Meldung besagt, Amputationen vorgenommen werden. Auf der Rückkehr von Klondyke wurden, wie der von Skagway in Viktoria (Britisch- Kolumbien) eingetroffene DampferIsländer" meldet, zwei Bergleute in dem Skagwaypaffe erfroren aufge­funden. Wer sie sind, weiß man nicht. Der eine hatte 90 000 Dollar- und der Andere 70000 Dollars in Banknoten und Goldstaub bei sich. Das Wetter ist in jenen Gegenden in der letzten Zeit äußerst rauh und stürmisch gewesen.

Lokale- rrrrd Provinzielles.

* Schlüchtern, 1. April.

Die Schalter der Postämter und Eisenbahn- Güterabfertigungsstellen sind vom Freitag, 1. April ab um sieben Uhr Morgens geöffnet.

Im Amtsblatt der Kgl. Regierung zu Cassel werden die Dienstanweisung für die Gemeinderechner der Landgemeinden und die Vorschriften für die Ge- meindevorstände-derselben zur Beaufsichtung des Rechnungs­und Kastenwesens, welche mit dem 1. April d. J. an Stelle der jetzt bestehenden Dienstanweisungen und Vor­schriften in Kraft treten, veröffentlicht.

* Dre Schlüchterner Bäcker können auf einen neuen Erfolg ihrer Backwaaren stolz sein.Schlüchterner Brod" wird bekanntlich schon lange nach Frankfurt, Wiesbaden rc. täglich geliefert und findet stetig zu- vehmrudm Absatz. Am Dienstag Morgen nun, als

Haftung die Fabrikation in Verbindung mit der Her­stellung ungemolkener Milch in die Hand nehmen. Die Fabrik soll neben der Molkerei errichtet werden.

* Aus der Sitzung der Hanaucr Strafkammer vom 28. März. Wie singt der bekannte Humorist Wilhelm Busch in seinemJulchen": . . . . Ja, das war 'mal eine schöne, rührende Familienscene!" Daran wird man unwillkürlich erinnert bei der Schilderung jenesPfingstvergnügens", das sich am Abend des ersten Pfingsttages vorigen Jahres auf dem Wege von Steinau nach dem Bahnhof dorten abspielte und dessen Schluß­akt nunmehr vor der Strafkammer erfolgt. Auf der Anklagebank erscheinen 1. der 55jährige Zimmermann Joh. Sch. von Steinau, 2. der 23jährige Taglöhner Heinrich Sch. zu Rödelheim, 3. der 15jährige Taglöhner Johann Sch. jr. von Steinau, 4. der 30jährige Fabrik­arbeiter Heinrich D. von Steinau, 5. der 30jährige Taglöhner Magnus Hch. H. von Rödelheim, 6. der 21jährige Fabrikarbeiter Fr. Schdt. von Steinau. Nr. 1. ist der Vater von 2 und 3 und der Schwieger­vater von 5; Nr. 4 und 6 sind Schwäger. Nr. 1 ist wegen der mannigfachsten Delicte vielfach, Nr. 4 mehr­fach, Nr. 5 und 6 ebenfalls vorbestraft. Der Eröffnungs­beschluß legt den Angeklagten 16 zur Last, sich am 26. Juni v. I. zu Steinau gemeinschaftlich gegenseitiger Körperverletzung schuldig gemacht zu haben und zwar indem I. Nr. 2, a) Nr. 6 mit einem Stock über das Gesicht schlug, b) ihm mit einem Messer eine Wunde beibrachte. II. Nr. 2, 3 und 5 Nr. 4 gemeinschaftlich mit Stockschlägen mißhandelten. III. Nr. 1. Nr. 4 mit einem Stocke auf den Kopf fdblug. IV. Nr. 4 und 6 Nr. 2 gemeinschaftlich mit Messern mißhandelten und ihm Stiche in Rücken, Gesicht und Hand im Ganzen 9 Wunden beibrachten. Der Hergang ist folgender:

gegnete ihnen Friedrich Schdt., der den Erstgenannten ohne weitere momentane Ursache Vagabund titulirte und ihm ein weiteres ehrenrühriges Schimpfwort zurief, ohne deshalb von dem Beleidigten Antwort zu erhalten. Am Abend desselben Tages begab sich nun die Familie Sch. Nr. 1, 2, 3 und 5 mit den Frauen nach dem Bahnhöfe oberhalb Steinau, um dort ein Glas Bier zu trinken. Auf dem Hinwege begegnete dem Voraus­gehenden Heinrich Sch, (2) der Beleidiger vom Nach­mittage Friedr. Schdt. (6). Von ersterem wegen seiner Schimpfreden zur Rede gestellt, schlug er diesem mit einem Baumzweige ins Gesicht, worauf sich dieser mit einigen kräftigen Stockhieben revanchirte. Der Ge­schlagene soll darauf nach der einen Version sein Messer gezogen, den Angreifer zuerst und dann dessen weiter hinten gehenden Vater Johann Sch. bedroht haben und von diesem in den Graben geworfen worden sein. Dies war der erste Akt. Die Gesellschaft begab sich darnach auf den Bahnhof, trank Bier und machte sich gegen 8 Uhr auf den Heimweg. Auf der Straße vor Steinau kam ihnen nun eine Schaar anscheinend rauflustiger Genossen Friedr. Schdt. (6), dessen Bruder der Musketier Sch. D. (4) und mehrere Andere entgegen, denn als die Familie Sch. an letzteren vorüber­gehen wollte, wurde dieselbe an der äußersten Flanke mittelst Gewalt in Bewegung gesetzt und auf letztere ge­stoßen. Dieser Provokation folgten dann auch sofort die Thätlichkeiten. D. wurde angegriffen, entriß dem Musketier sein Seitengewehr, fuchtelte damit in der

Luft umher, erhielt von Sch. sen. einen Hieb über den Kopf und schließlich lag die ganze Gesellschaft bunt und quer durcheinander auf der Landstraße und im Straßen­graben, sich stoßend, schlagend und schimpfend. D. flog zuerst in dew-Straßengraben, und dann folgten ihm noch eine ganze' Reihe der Raufenden nach. Schichten- weise lagen sie übereinander, der ganze Graben voll. In der Gesellschaft des Schdt. befanden sich zwei auf Urlaub befindliche Soldaten. Der eine zog sein Seiten­gewehr und mit diesem, sowie mit Messern und Stöcken wurde tüchtig gearbeitet. D, hatte einem Soldaten das Seitengewehr entrissen, angeblich nur auf kurze Zeit um sich zu wehren, es wäre ihm dies sogleich wieder abgenommen worden. Fr. Schdt. wurde von dem H. Sch. die Hand durchstochen und letzterem wurde wieder­um von Schdt. 9 Suche beigebracht, 7 auf dem Rücken, 1 auf der Hand und 1 im Gesicht. Dem alten Sch. wurde ebenfalls übel mitgespielt. Er erhielt Verletzungen auf den Kopf und in die Schultergegend. H. Sch. mußte noch am selben Abend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Sechs von den an dieser Schlägerei be- theiligten sitzen heute auf der Anklagebank. Die ver­worrene Geschichte löste das Gericht nunmehr durch folgendes Urtheil; Joh. Sch. jr. (3) wird neben Hein. D. (4) und Magn. H. (5) freigesprochen. Ersterem und Letzterem ist eine Mitthäterschaft nicht nachzuweiseu. Heinrich Sch. (2) wird wegen gefährlicher Körperver­letzung, begangen an Friedrich ^chdt. (6), 1. mittelst Stockes, 2. mittelst Messers, zu 3 Monaten 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Johann Sch. (1) erhält wegen gefährlicher Körperverletzung 6 Wochen Gefängniß, Friedrich Schdt. (6) wegen gleichen Delictes, begangen durch Stechen mit einem Messer, 8 Monate Gefängniß. Bezüglich des Letzteren wird sofortige Verhaftung ver­fügt. Damit hat das Pfingstvcrgnügen nun seinen Ab- schluß gefunden.

Vom Lande, 29. März. Ein recht großer Krebs- schaden ist leider bei vielen Landwirthen die Prozeßsucht. So entstehen vielfach um Kleinigkeiten, etwa um eine zweifelhafte Fahrgerechtigkeit, jahrelange Prozesse; alle Instanzen werden durchlaufen, bis schließlich ein Ver­gleich zwischen den Streitenden zu Stande kommen muß und die Kosten den Werth des Grundstückes bei weitem überschreiten. So stritten unlängst zwei Bauern im Dorfe L. um die Fahrt über eine Wiese, der Prozeß zog sich jahrelang hin und kam bis in die höchsten Instanzen, und das Ende war: die Betreffenden mußten sich ver-

gleichen, die Kosten des Verfahrens aber hatten den Werth der Wiese weit überschritten. Ein ähnlicher Fall ereignete sich ebenfalls in jüngster Zeit im Dorfe Y. Zwei Bauern waren streitig über die Fuhrgerechtsame einer Waldfläche; die Sache zog sich Wochen und Monate lang hin, das Gericht mußte einigemal an Ort tage mit seiner Schwester, der Frau des Mitangeklagten! und Stelle die zweifelhafte» Uege ansehen, - - - Dort be- j eine Menge Zeugen mußten vernommen werden und

Hch. Sch. ging am 26. Juni dem ersten Pfingstfeier-

H. auf der Steinauer Chaussee spazieren.