SchlWernerZeitung
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49. Jahrgang
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser wird, wie die „Münch. Allg. Ztg." jetzt meldet, wegen der am 22. März in der Siegesallce zu Berlin stattfindenden Enthüllungsfeier an der Enthüllungsfeier in Regensburg nicht theilnehmen. — Die diesjährige Erholungsreise des Kaisers dürfte nicht nach dem Nordland, wenigstens nicht nach den norwegischen Fjorden führen. Dagegen will der Kaiser eine längst gehegte Absicht ausführen, nämlich eine Seereise yach Schottland unternehmen. Den Gipfelpunkt dieser Reise soll eine Jagd im schottischen Hochlande bilden.
— Prinz Heinrich von Preußen wird 4 Wochen in Hongkong (China) verweilen, während die „Deutschland" in Dock geht. Prinz Heinrich ist während dieser Zeit der Gast des Gouverneurs. Die Rückkehr des Prinzen aus den chinesischen Gewässern in die Heimath wird erst im Herbst 1899 erfolgen. Nach den früheren Angaben war das Kommando nur auf ein Jahr bemessen und die Rückkehr schon für Ende September dß. Js. in Aussicht genommen.
Saarbrücken, 13. März. Von den erkrankten Soldaten des 70. Infanterieregiments ist im Hilfslazareth des Kasernements des 3. Bataillons gestern wieder ein
Soldat seinen Leiden erlegen. Ein Vizefeldwebel desselben Bataillons ist gleichfalls unter den Erscheinungen des Typhus erkrankt. Mehrere Unteroffiziere, die leichte Anfälle hatten, sind wieder hergestellt. Die Zahl der Gestorbenen beträgt jetzt, der „N.Saarbr.Ztg." zufolge, 28. Unter ihnen befindet sich auch ein Jsraelit Namens Alfons Dreyfus. Zwei Lazarethgehilfen siud gleichfalls erkrankt. Das gesammte Wärterpersonal beträgt 60 Personen. Wie man miltheilt, ist es dem Wirklichen Geheimen Obermedizinalrath v. Coler, Generalstabsarzt der Armee, der sich mit Professor Gerhardt, Generalarzt Dr. Lenze aus Berlin und 4 anderen Aerzten nach Saarbrücken begeben hatte, um die Untersuchung zu leiten, gelungen, nunmehr die Ursache der Typhus- epidemie beim dortigen dritten Bataillon des 70. Regiments mit Sicherheit festzustellen. Herr v. Coler ging bei seiner Untersuchung von der Zeitdauer aus, den der Typhusbazillus zu seiner Entwickelung gebraucht, und konnte so konstatiren, daß die Erkrankungen der Mannschaften auf einen an Kaisers Geburtstag genossenen Kartoffelsalat zurückzuführen sind. Die Zubereitung dieses Salates lag einem Soldaten ob, der kurz vorher mit der Reinigung einer Kloake zu thun gehabt hatte. Infolge ungenügender Säuberung der Hände übertrug sich der KrankheitSstoff auf die Kartoffeln, die, wie Herr v. Coler betont, einen ganz besonders geeigneten Nährboden für den Typhusbazillus abgeben, und verursachte so die Epidemie. Sämmtliche Mannschaften, die von dem Kartoffelsalat genossen, etwa 300 Mann, erkrankten. Die Unteroffiziere und die beurlaubten Leute, die an der Mahlzeit nicht theilgenommen hatten, sind vollständig verschont geblieben.
Bamberg, 14, März. 25 Pferde des Remonte- bestandes vom 1. Ulanenregiment sind des Nachts ohne Halfter durchgegangen. 13 davon konnten des Morgens gegen 4 Uhr bei Güßbach aufgefangen werden, während die übrigen die Flucht fortsetzten.
Bad Brückenau, 15. März. Für die Kaiserin von Oesterreich ist bei dem Pächter des kgl. Kurhauses, Herrn Kommerzienrath Roth, im sog. Neubau eine Etage für den monatlichen Preis von 4000 M. vom 15. Mai ab gemiethet worden.
Ausland.
Nord-Amerika. Ein Zwischenfall in Alaska. Gegenüber Gerüchten über anarchistische Zustände in dem Goldbezirk des Yukon erklärt die kanadische Regierung, daß dort ein durchaus ruhiger und gesetzlicher Zustand herrscht. Dagegen waren die Behörden des zu Nord-
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 18. März.
8. — Am 9. März cr. fand in Kassel auf Anregung des Vorstandes der Landwirthschastskammer eine Versammlung derjenigen Interessenten statt, welche sich eventl. bei der 1899 in Frankfurt a. M. stattfindenden Ausstellung der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft zu betheiligen beabsichtigen. An dieser Versammlung nahm als Vertreter der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft Herr Ockonomierath Wölbling aus Berlin theil, welcher in seinem einleitenden Vortrag folgendes hervorhob: Die Ausstellungen der Deutschen Landwirth- schaftsgesellschast bezwecken in erster Linie die Hebung der Viehzucht und deßhalb empfehle es sich vor Allem, nur selbst gezogenes Vieh auszustellen. Es könne ausgestellt werden von Emzelzüchtern und von Zuchtgenossen- jchaften, letztere können aber unter ihre Firma nur dann, ausstellen, wenn sie von der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft anerkannt worden sind. (Es sei hierbei bemerkt, daß unter den in der Versammlung bekannt gegebenen anerkannten Rindvieh-Zuchtgenossenschaften die unseres Kreises noch nicht enthalten war.) Der Herr Vortragende führte dann weiter aus, daß aus unserer Provinz bisher mit wenigeu Ausnahmen nur Rindvieh ausgestellt worden ist, die Schweinezucht in der Provinz sei auf den Ausstellungen bisher garnicht vertreten gewesen, Pferdezucht, Schafvieh und Geflügel in geringem Umfange. Bei der letzten Ausstellung in Frankfurt a. M. sei aus der Provinz für Rindvieh Simmenthaler Race kein Preis, für Rindvieh Vogcls- berger Race einige Preise gewährt worden. Das nicht Prämiiren dürfe aber niemand abhalten, die Ausstellungen zu beschicken, im Gegentheil, es muß ein Sporn sein, besseres Vieh zu züchten, das auf den Ausstellungen konkurrenzfähig ist, erst damit sei der Zweck der Aus- stellungen, die Viehzucht zu heben, erreicht; es sei deshalb erforderlich, daß man regelmäßig ausstelle und nicht veremzelt, um das Verständniß für die Zucht zu erhalten bezw. zn fördern. Nach diesen allgemeinen Ausführungen ging tue Versammlung zu einer Besprechung über die Beschickung der Ausstellung im Jahre 1899 über. Es wurde bekannt gegeben, daß für die Beschickung dieser Ausstellung dieselben Grundsätze maß- i
amerika gehörigen Küstengebiets zwischen Juneau und Skagway, von wo aus bisher der Durchmarsch nach den Goldfeldern über den Weißen Paß stattfand, nicht in der Lage, gesetzliche Zustände aufrecht zu erhalten. In den genannten Küstcnorten haben sich viele Tausend Personen angesammelt, die von derUeberschreitung der Pässe abstchen mußten und bei der Theuerung völlig mittellos geworden sind. Diese Elemente verüben fortdauernd Gewaltthaten, denen die amerikanischen Behörden machtlos gegenüberstehen. Um ein Uebergreifen der Unruhen auf kanadisches Gebiet zu verhüten, wurden von einem englischem Kriegsschiff 50 Marmesoldaten in Skagway gelandet, welche die 6 englische Meilen breite Küstenzone des zu dem Vereinigten Staaten gehörenden Gebiets durchschritten und auf kanadischem Gebiet ein Lager bezogen.
Washington, 15. März. Die Vereinigten Staaten haben von der brasilianischen Regierung 2 Kriegsschiffe angekauft. Außerdem wurde ein Sonder-Ausschuß nach New-Iork gesandt, um die dortigen Rheder einzuladen, Vorschläge zu machen über die Abtretung von Schiffen an die Marine, welche zur Umwandelung in Kriegsschiffe geeignet sind. 40 Schiffe sind bereits eingeschrieben. Auch in St. Paul und St. Louis werden ähnliche Vorkehrungen getroffen. Die Geschützgießeret in Washington beschleunigt ihre Arbeit zur Ablieferung von 150 Kanonen. Aus Key-West wird gemeldet, daß 67 Torpedos zur Legung von unterseeischen Minen am Samstag dort angekommen seien.
gebend seien, wie für die diesjährige Ausstellung in Dresden. (Dieselben können beim Vorstand unseres . landwirthschaftlichen Kreisvereins eingesehen werden.) : Es würde zu weit führen, hier im Einzelnen auf die verschiedenen Ausstellungsgegenstände einzugehen und sei i nur Folgendes hervorgehoben: Für die Rindviehaus- stellungen empfiehlt es sich, sowohl von Einzelzüchtern I als besonders von Zuchtgenossenschaften Sammlungen zusammen zu stellen und zwar bestehend aus mindestens 2—4 Bullen und 13- -15 Kühen, denn - es würden Preise ausgesetzt für Einzelthiere und für 1 Sammlungen. Da kleinbäuerliche Betriebe selbstverständlich nicht in der Lage sind, Sammlungen auszu- ' stellen, so empfiehlt sich dringend die Gründung von Zuchtgenossenschaften, welche gut geeignet find, in kleinbäuerlichen Betrieben gezüchtete Thiere zusammen zu stellen und nach der Ausstellung zu entsenden, wodurch das Interesse an der Viehzucht gerade in den kleinbäuerlichen Betrieben wesentlich gefördert werden würde. Bezüglich der Kosten für die Beschickung der Ausstellung mit Rindvieh wurde ausgeführt, daß die Kosten pro Stück durchschnittlich sich auf 100 Mark belaufen, der Herr Vorsitzende der Landwirthschastskammer gab aber die Erklärung ab, daß seitens der Landwirthschastskammer in Aussicht genommen sei, auf die Kasse der Kammer die Hinfracht, das Standgeld und die Versicherung des Viehes zu übernehmen, so daß, da die Rückfracht frei sei, den Ausstellern nur die Kosten für das Futter und Warten des Viehes erwachsen würden; sollten es die verfügbaren Mittel gestatten, so würden eventl. seitens der Kammer auch noch die Futterkasten übernommen werden. In der Versammlung wurde dann beschlossen, für den Bezirk der Laudwirthschaftskammer Kommissionen für die verschiedenen Thiergattungen, die zur Ausstellung angemeldet würden, zu wählen. Diese Kommissionen sollten eine Besichtigung der auszustellenden Thiere in den einzelnen Kreisen vornehmen und wurde es aber als dringend wünschenswerth bezeichnet, daß Diejenigen, welche ausstellen wollen, bald sich schlüssig machen und anmelden, was, und wieviel Stück sie aus- zustellen beabsichtigen. Die Auswahl der Kommisfions« Mitglieder wurde dem Vorstand überlassen. Von den übrigen Ausstellungsgeständen, die vielleicht für unsere Gegend von Interesse sein könnten, sei erwähnt, daß für Geflügel nur Preise für Nutzgeflügel, aber nicht für Luxusgeflügel ausgesetzt werden, und daß Molkereien nur Butterproben zu entsenden brauchen, da die Molkereiausstellung von dem Ausstellungsvorstand selbst eingerichtet und verwaltet wird. Diejenigen, welche sich über die Ausstellungsbedingungen näher informiren wollen, erhalten weitere Auskunft bei dem Vorstand des landw. Vereins, Sekretär Kreisrentmeister Pfalzgraf.
* — Zu Cincinatti, Ohio, starb vor kurzem Peter Romeis er aus Steinau, im Alter von 63 Jahren. Derselbe, Sohn eines Schmiedes, wanderte vor 45 Jahren nach Amerika aus, und betrieb anfangs ein Hutgeschäft, dann einen Cigarrenladen und zuletzt eine kleine
I Wirthschaft.
Vom Bogelsberg, 16. März. Infolge des großen Eismangels kaufen nunmehr die Gießener Brauereien aus dem Vogelsberg Schnee in Waggonladungen an. So ging dieser Tage von Station Mücke ein Waggon Schnee nach Gießen ab. Von Schotten ab geht allerdings die Versendung von Schnee leichter von statten, weil hier der Schnee in nächster Nähe zu haben ist, während er im nordwestlichen Vogelsberg bis nach Ulrichstein zurückgewichen ist. Auch aus dem Wester- walde, wo noch hoher Schnee liegt, wird Schnee bezogen und zwar der Centner Schnee zu 25 Pfg. bis nach Herborn. Außer Herborn beziehen auch die Städte Wetzlar und Gießen aus dem Westerwald Schnee.
Butzbach, 13. März. Gestern Nachmittag zwischen 12 und 1 Uhr wurde auf der Straße Butzbach-Pohl- göns eine Frau von Kirchgöns, die in Butzbach einige Geschäfte besorgen wollte, von einem Handwerksburschen angefallen. Die sehr kräftige Frau konnte den Angreifer, der sie mit einem Stocke schlug, einigermaßen über- wältigen. Zwei im Felde beschäftigte Männer hörten das Hilferufen der Frau und ergriffen den Reißaus nehmenden Burschen, den sie dann nach Butzbach transportierten und der Gendarmerie überlieferten. Die Frau hat einige Verletzungen am Kopfe erlitten.
Hanau, 16. März. Von der Königlichen Polizei- direktion ist die Abhaltung der Hanauer Biehmärkte nach