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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
22. Mittwoch, den 16. März 1898. 49. Jahrgang.
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Stellung nothwendig erwachsen, haben denn auch manche Städte richtig erkannt.
* — Die Kartenbriefe der Reichspost, die als Neuheit anfangs reißenden Absatz fanden, sind zur Zeit nur noch wenig begehrt und selten verirrt sich ein Kartenbrief in die Geschäfts-Korrespondenz. Bevor die Kartenbriefe sich -recht einbürgern, werden sie noch manche Reformen durchmachen müssen.
— Unter den beim Untergang des amerikanischen Kreuzers „Maine" ums Leben gekommenen Mannschaften befinden sich auch viele Deutsche und Deutsch-Amerikaner, unter Andern Fritz Boll aus Brandenburg, Jakob Becker aus Hessen-Nassau, Karl Eiermann aus Eberbach, Rudolf Falk aus Königsberg, Karl Franke aus Witzen- Hausen, Karl Janssen oder Johusen aus Friedrichstadt (Schleswig), Gustav Leupold aus Schleswig, F. B. Tigges aus Oelde, Preußen.
Auch in der freien Stadt Hamburg beschäftigt man sich eingehend mit den Verhältnissem der großen Bazare. Schon im Jahre 1895 war ein Ausschuß der Bürgerschaft eingesetzt worden, der einen Antrag auf Einführung einer Steuer für Konsum-Genossenschaften prüfen sollte. Dieser Ausschuß empfiehlt in seinem jetzt erstatteten Bericht einstimmig die Einführung einer solchen Steuer. Zur Zeit ist auch ein zweiter bürger- schaftlicher Ausschuß dabei, einen Antrag auf Einführung einer mit der Höhe des Umsatzes steigenden Umsatzsteuer ür Konsumgesellschaften und große Verkaufsbazare zu irüfen, die bei einem Jahresumsatz von 200,000 Mk. anheben soll. Kennzeichnend ist es, daß das Hamburger ozialdemoliatische Blatt in lebhafter Opposition gegen liefe sozialen Reformbestrebungen sich befindet.
Apenrade, 10. März. Eine heftige Explosion ereignete sich auf dem Staatsbahnhof Rothenkrug. Als nach der Ankunft des Zuges 26 vom Süden bte Packete mrch das Postpersonal ausgeladen wurden, explodirte, aut „Fl. N. Ztg.", Plötzlich ein auf den Bahnsteig ge- tellter Reisekorb. Patronenhülsen flogen nach allen Seiten, die Fenster in beiden Wartezimmern wurden zertrümmert. Dem die Ausladung überwachenden Be amten wurde die Uniform zerrissen, dem Postschaffner die Kleidung von unten bis oben abgerissen. Ersterer ilieb unverletzt, Letzterer erlitt im Gesicht erhebliche Verletzungen. Es wurde nunmehr der Reisekorb untcr- ucht. Dabei ergab sich, daß nicht dieser explodirt war, andern eine unter demselben stehende Kiste, die mit Korkpatronen, wie sie von Radfahrern zur Abwehr von Hunden benutzt werden, gefüllt und für eine Fahrrad- haudlung in Apenrade bestimmt war. Der entstandene Schaden ist nicht unerheblich.
Mettmann, 13. März. Durch falsch angebrachte Sparsamkeit haben die hiesigen Stadtväter mehr Schaden wie Nutzen gebracht. Vor einigen Jahren klagten die Lehrer an der katholischen Schule über einen Ofen, der absolut keine Hitze entwickelte, so daß die Kinder froren. Als die Klagen der Eltern kein Ende nahmen, sorgte man für einen anderen Ofen, setzte den unbrauchbaren aber in eine Klasse der evangelischen Schule. Aber auch hier brannte er nicht und es regnete nun wieder Beschwerden über Beschwerden. Ein Schuhmacher klagte die Stadt schließlich ein, weil sein Kind infolge der in dem Schulzimmer herrschenden Kälte krank geworden und gestorben sei. Der Schuhmacher verlor den Prozeß und zwar in zwei Instanzen, ist aber zahlungsunfähig, so daß die Stadt die nicht unbedeutenden Kosten für den Rechtsanwalt selbst bezahlen muß, und die sollen größer sein als die Kosten zweier neuer Oefen.
Aus Thüringen, 10. März. In Heselrieth bei Hildburghausen, einem meiningenschen Dorfe werden 178 Kinder von zwei Lehrern unterrichtet. Davon entfallen auf den Lehrer, welcher die älteren Kinder unterrichtet, 77, auf den jüngeren Lehrer 101 Kinder. Drei Wochen
Deutsches Reich
Berlin. Am Sonnabend Abend machte de Kaiser dem Herzog zu Sagan einen Gratulations' uch zu dessen 87. Geburtstage. Später wohnte de» Ronarch der Vorstellung von „Figaros Hochzeit" ... königl. Opernhause bei. Gestern Morgen besuchte der Kaiser den Gottesdienst in der Dom-Jnterimskirche.
— Eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern durfte demnächst, wie aus München gemeldet wird, in Regensburg stattfinden. Der Prinzregent hat den Kaiser eingeladen, der EnthüllungSfeier der Büste Kaiser Wilhelms I. in der Walhalla beizuwohnen. Die Enthüllung findet am 22. d. M. statt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Endlich ist von der venezolanischen Regierung die Begnadigung und Freilassung des deutschen Reichsangehörigen, welcher in der Nothwehr einen Venezolaner tödtete, erreicht worden. Derselbe, Zahnarzt Warnekros, war in Marakaibo vor einem Kaffeehaus von einem ihm unbekannten Venezolaner mit einem Schlagring auf den Kopf geschlagen worden, worauf er den Angreifer in den Unterleib schoß, sodaß dieser am andern Tage starb. Warnekros wurde am 20. Sept. v. I. wegen Todtschlags zu 6 Jahren Kerkers verurtheilt, legte Berufung ein und wurde am 18. Dez. v. Js auf Veranlassung des Auswärtigen AmtS nur zu 1 Jahr Verbannung verurtheilt. Auch hiergegen wurde Berufung eingelegt, worauf am 19. Februar d. J. das Urtheil von der obersten Instanz bestätigt wurde. Hierauf wurde die Gnade des Präsidenten angerufe», worauf Warnekros die Strafe erlassen wurde. Nun mußte Warnekros vor den Verfolgungen der Familie seines Gegners geschützt und aus dem Lande gebracht werden. Dies geschah auf Verwendung des deutschen Gesandten durch ein venezolanisches Kriegsschiff, das den Unglücklichen nach La Guoyrd an Bord des deutschen Kriegsschiffes „Geier", und von dort auf dessen Wunsch nach Curracao gebracht hat. — Hierzu bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.": Der befriedigende Abschluß, den diese Angelegenheit nunmehr gesunden hat, ist ein erfreulicher Beweis dafür, daß die venezolanische Regierung aufrichtig bemüht ist, die zwischen dem deutschen Reiche und der Republik bestehenden guten Beziehungen aufrecht zu erhalten und die freundliche Erledigung aller Angelegenheiten herbeizuführen, bet denen Deutsche betheiligt sind.
* — Am Schlüsse des vorigen Monats herrschte die Maul- und Klauenseuche in Preußen in 643 Gemeinden und Gutsbezirken, während die Zahl der verseuchten Ortschaften am Ende des Januar 852 betrug. Frei von der Seuche waren die Regiernngsbezirke Stralsund, Stade, Aurich und Osnabrück. Je eine verseuchte Gemeinde fand sich in den Regierungsbezirken Gumbinnen, Hannover, Lüneburg und Köslin, zwei bis fünf waren in Königsberg, Frankfurt, Stettin, Oppeln, Erfurt und Schleswig vorhanden. Die größte Zahl der verseuchten Gemeinden, nämlich 70, 68 und 66, wurde in den Regierungsbezirken Magdeburg, Posen und Breslau ermittelt.
* — Nach der nunmehrigen Regelung des Gehalts der Volksschullehrer zeigt sich jetzt ein Mißverhältniß zwischen diesen und dem Gehalte der seminaristisch gebildeten Lehrer an höhern Schulen. Ein Vergleich ergibt nämlich, daß die seminaristisch gebildeten Lehrer an höhern Schulen den Volksschullehrern selbst in vielen kleinen Orten um 400 Mk. und mehr nachstehen, tun Rektoren und Hauptlehr rn sogar um mehr als 1000 Mark. Daß ihnen aber ein höheres Gehalt gebührt, schon in Fo'ge der unab- weisdartn Mehrausgaben, die ihnen aus ihrer
lang wären nun beide Lehrer erkrankt; während dieser Zeit fiel der Unterricht einfach aus. Seit dem 2. März ist der zweite Lehrer wieder gesund und unterrichtet derselbe jetzt sämmtliche 178 Kinder! (Eis. Tgpst.)
Aus Darmstadt meldet man folgenden Vorfall, der zweifellos großes Aussehen erregen wird: Die 12jährige Thusnelde Henkel, Tochter des Handelsgärtners Henkel in Auerbach an der Bergstraße, welche vor Jahresfrist aus dem Elternhause verschwand, und trotz der Aussetzung einer namhaften Belohnung durch den Vater bisher unauffindbar geblieben war, wurde Hente Morgen im benachbarten Griesheim bei einer herumziehenden Zigeunerbande durch einen früheren Angestellten ihres Vaters entdeckt. Gendarmen nahmen den Zigeunern das Kind ab, das seine Identität mit der gesuchten Thusnelde Henkel ohne Weiteres zugestand.
Gießen, 10. März. Der Taglöhner Conrad aus Romrod bei Schotten wurde heute wegen Mordes vom hiesigen Schwurgerichte zum Tode verurtheilt. Er hatte seinen Arbeitgeber, der beim Bäcker für Brod gutgesagt, dann aber die Bürgschaft zurückgezogen hatte, im Walde erschlagen.
Corbach, 10. März. (Dioisions- Manöver.) Die diesjährigen Herbstmanöver der 22. Infanterie-Division (Kassel) werden voraussichtlich im nördlichen Theile des Fürstenthums Waldeck und in den angrenzenden Hessischen und westfälischen Bezirken abgehalten werden. Die Hauptmanövertage werden dem Vernehmen nach in der Umgegend von Corbach stattfinden.
Ausland.
Australien. In Südaustralien herrschte bei Jahresanfang eine Trockenheit und Hitze, wie sie seit 1880 nicht erlebt worden ist. Am 1. Januar süeg das Thermometer in Adclaide auf 113‘/a Grad F. im Schatten und 165 Grad in der Sonne — das find 502/a und 73s/9 Grad Celsius! Quellen, die nie versiegt sind, hören auf, zu fließen. Wie immer stellen sich mit der anhaltenden Hitze die Buschfeuer ein. In Gippsland, einem der furchtbarsten Striche Südaustraliens, wird der angerichtete Schaden allein auf 6 Millionen Mark geschätzt; erbarmungslos schritt hier das Feuer über Farmen und Ortschaften, nur Trümmerhaufen hinter sich lassend. Manche der Bewohner (auch viele Deutsche sind darunter) haben nur das nackte Leben gerettet, Reiter mußten im stärksten Galopp einsetzen, um den hinterher jagenden Flammen zu entrinnen.
Lokales und Provinzielles. * Schlüchteru, 15. März.
* — Rückfahrkarten. Gemäß neuerer Bestimmungen wird die Geltungsdauer der gewöhnlichen Rückfahrkarten zu dem Öfter-, Pfingst- und Weihnachtsseste auf den Strecken der vormaligen Hessischen Ludwigsbahn, der Main-Neckar-Bahn sowie auf den Preußischen Staatsbahnen bis auf Weiteres, wie folgt, festgesetzt: a) zu dem Osterfeste von einschließlich dem zwölften Tag vor bis zu dem zwölften Tag einschließlich nach dem ersten Feiertag (für 1898 vom 29. März bis einschließlich den 22. April); b) zu dem Pfingstfeste von einschließlich dem dritten Tage vor bis zu dem achten Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage (für 1898 vom 26. Mai bis einschließlich 6. Juni); c) zu dem Weih- nachlsfeste von einschließlich dem siebenten Tage vor bis zu dem vierzehnten Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage (für 1898 vom 18. December bis einschließlich 8. Januar 1899). Die Rückfahrt muß spätestens am letzten Giltigkeitstage bis um 12 Uhr Mitternacht angetreten sein und darf nach Ablauf dieses Tages nicht mehr unterbrochen werden.
Steinau, 13. März. Bei der hiesigen Stadtverordnetenwahl wurden in der ersten Abtheilung gewählt: W. Romeiser, Heinrich Eckart, Gast- und Landwirth, Friedrich Buß, Kaufmann, Nicolaus Euler, Kaufmann, in der zweiten Abtheilung: Johannes Denhard, Weiß- gerber, Wilhelm Euler L, Bäcker, Heinrich Sraut, Schmied. Stichwahl zwischen Peter Klöber, Kaufmann, und Peter Schultheiß, Barbier; in der dritten Abtheilung : Christoph Bellinger, Töpfer, Joh. Euler, Conrad Merz, Buchbinder, Peter Fink, Bäcker.
Fulda, 10. März. Welche Vorsicht man gegen Langfinger üben muß, zeigt folgender Fall, der andern zur Warnung dienen mag. Ein in Miethe wohnender