SchlWernerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
19. Samstag, den 5. März 1898. 49. Jahrgang.
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jahr. Welche kolossalen Wassermengen in einem derartigen künstlich abgesperrten Thal gesammelt werden können, geht daraus hervor, daß das geplante Sperr- becken am Heffgesberge über 20 Millionen Kubikmeter fassen kann. Ein 3500 Meter langer Stollen soll durch den Heffgesberg getrieben werden, um das im Becken aufgestaute Wasser der großen Turbinenanlage zuzusühren, die in Heimbach errichtet wird. Das großartige Werk wird allerdings auch, je nach dem Wasserstande im Staubecken 6000 — 10,000Pferdestärken liefern, die in elektrischen Strom verwandelt, bis nach dem 10 Kilometer entfernten Düren uud dem 30 Kilometer entfernten Aachen geliefert werden sollen, um für Be- leuchtungs- und Kraftzwecke verwendet zu werden.
Naumburg a. S., 24. Februar. Einem Heiraths- schwindler aus Berlin ist eine hiesige Familie zum Opfer gefallen. Der Gauner hatte die Bekanntschaft eines jungen Mädchens gemacht und sich schließlich mit ihr verlobt. Unter dem Vorwande sich in Berlin sclbst- ständig machen zu wollen, ließ er sich von dem Vater des Mädchens für die erforderliche Werkstatteinrichtung eine größere Summe geben und reiste mit dem Gelde und der Braut nach Berlin ab. Die Braut kehrte jedoch bald allein zurück, denn sie hatte unterwegs erfahren, daß der saubere Bräutigam in Berlin bereits eine Frau und zwei Kinder hatte.
— Aus Jarotschin (Provinz Posen) wird geschrieben: Bei dem Begräbnisse eines Veteranen von 1870/71, welches der hiesige Landwehrverein veranstaltete, sollten seitens des letzteren auch die üblichen drei Gewehrsalven über das Grab geschossen werden, was aber der hiesige Probst N. nicht ohne Weiteres zulassen wollte, so daß man vom Erzbischof in Posen v. Stalewski auf telegraphischem Wege die Erlaubniß hierzu einholen mußte, die selbstverständlich auch anstandslos ertheilt wurde. Bei der Feier am Grabe fiel aber kein deutsches Wort. Selbst die Aufforderung des Probstes am Schlüsse der in lateinischer Sprache erfolgten Einsegnung, für den Verstorbenen auch ein Vaterunser zu beten, geschah in polnischer Sprache! Bei der Beerdigung eines Veteranen der preußischen bezw. deutschen Armee hörte man also nur lateinisch, polnisch und das griechische „Krie eleison“, aber kein deutsches Wort, obwohl das Trauer- gesolge sich größentheils aus Deutschen zusammensetzte. So folgten u. A. viele höhere Beamte und namentlich auch Gerichtsbeamte, da der Verstorbene als Beamter dem Gerichte angehört hatte. Allgemein hatte man erwartet, wenigstens zum Schluß des Traucraktes noch eine kurze deutsche Ansprache seitens des Probstes an die Versammlung zu vernehmen. Sie erfolgte aber nicht, und dadurch wurde aufs Neue bewiesen, daß der Fanatismus einiger polnischen Geistlichen der Förderung des Deutschthums am meisten hindernd in den Weg tritt.
Ausland.
Rußland. Ueber einen großartigen Betrugsskandal in der russischen Flotte berichtet das Kopenhagener Blatt Vort Land (Unser Land) aus Odessa: In Odessa und Sebastopol erregt die Entdeckung großer Betrügereien, die bei der Kohlenlieferung an der russischen Schwarzen- Meer-Flotte und an der Freiwilligen-Flotte begangen wurden, Aufsehen. Der reiche Odessaer Kaufmann Sbolianskl sowie mehrere höhere Beamte der Admiralität wurden verhaftet. Sbolianski wurde später gegen 360,000 Rubel Kaution aus der Haft entlassen, zugleich aber sein ganzes Eigenthum beschlagnahmt. Vorläufig ist festgestellt, daß die Admiralität allein um mehr als 50,000 Tonnen Kohlen betrogen wurde. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein Admiral, der genau über alle empfangenen Bestechungen Buch führte.
Lokales uud Provinzielles.
* Schlüchtern, 4. März.
* — Nach §. 1 des Krankmverstcherungsgcsetzes sind alle Personen, welche gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt sind: in Bergwerken, Brüchen, Gruben, in Fabriken und Hüttenwerken, im Handelsgewerbe, im Handwerk und in sonstigen stehenden Gewerbebetrieben, bei Rechtsanwälten rc. zur Krankenkasse anzumelden. Demnächst soll von Amtswegen nachgeforscht werden, ob alle versicherungspflichtigen Personen Mitglieder der Ortskrankenkasse sind. Es ist Sache der lrbeitgeber, die Pflichtigen anzumelden; wer also Sersäumles nachzuholen hat, thue es, um sich vor Strafe u schützen.
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser besichtigte in Wilhelmshaven im Laufe im Laufe des heutigen Vormittags zu Fuß die Forts und die Haubitzenbatterie und begab sich nach 12 Uhr Mittags an Bord des Panzerschiffes „Kurfürst Friedrich Wilhelm" zurück. — Da der Kaiser infolge niedrigen Wasserstandes mit dem Panzer „Kurfürst Friedrich Wilhelm" heute von Wilhelmshaven nicht auslanfen konnte, wird er erst morgen die geplante Seefahrt nach Bremerhaven antreten; von dort wird der Kaiser am Nachmittag zu zweistündigem Aufenthalt sich nach Bremen begeben. — Bei der Rekruten- vereidigung in Kiel hat der Kaiser in der Ansprache auch auf die Erwerbung von Kiaotschau Hingewiesen. Er erinnert daran, daß viele brave Seeleute mit dem Gedanken an das teure Vaterland und an die Flagge, zu welcher sie den Eid der Treue geschworen hatten, den Tod in den Wellen gefunden hätten. Viele seien hinaus- gezogen, um die Interessen des Vaterlandes zu schützen. Denn wo der deutsche Aar Besitz ergriffen und seine Krallen in ein Land hineingesetzt habe, das sei deutsch und werde deutsch bleiben.
— Zur Gewinnung von Postbeamten für den Kolonialdienst hat das Reichspostamt neuerdings die 40 Oberpostdirektionen des Reichspostamts veranlaßt, Ermittelungen darüber anzustellen, welche Beamte aus den verschiedenen Rangklassen geeignet und bereit sind, in den deutschen Schutzgebieten thätig zu sein.
— Die kurze und knappe Schreibweise, welche für den Geschäftsverkehr der preußischen Staats« und Kommunalbehörden angeordnet ist, soll nach einem Erlaß des Finanzministers von Miquel auch für die Reichsbehörden Anwendung finden und, soweit nicht im Einzelfalle Bedenken gegenüberstehen, auch bei den Behörden der übrigen deutschen Bundesstaaten.
— Infolge der zahlreichen Eisenbahnunfälle der letzten Zeit hat die preußische Staatsbahnverwaltung die Anordnung getroffen, daß die-Hauptbahnen von den Wärtern fortan binnen 24 Stunden sechs Mal (bisher nur drei Mal) zu revidiren sind. Dafür ist die von jedem Bahnwärter zu begehende Strecke von 4,5 auf 3 Kilometer verkürzt worden.
München, 1. März. In hiesigen Hofkreisen taucht von neuem die Nachricht auf, daß das Befinden des Königs Otto sehr ungünstig sei. Das Gerücht tritt mit großer Bestimmtheit auf.
Aus Westfalen. Schwere Beschuldigugen gegen die Betriebsleitung der Zeche Karolinenglück bei Bochum erhebt anläßlich des großen Grubenunglücks die deutsche Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung. Das Blatt hat zwei Fachmänner beauftragt mit einzufahren und an den Rettungsarbeiten theilzunehmcn. Was sie dabei sahen, wird nun in der Zeitung mitgetheilt und diese ist er- bötig, den Beweis für ihre Behauptungen vor Gericht zu erbringen. Es wird namentlich auf die Unmasse von Kohlenstaub hingewiesen, der sich überall vorfand; auch sei die Berieselung des Kohlenstaubes nicht vorschriftsmäßig erfolgt. Die Oerter, voller Wetter, seien nicht abgesperrt gewesen. Eine Revision habe nicht statt- gefunden. Es bleibt abzuwarten, wieweit diese Behauptungen zutreffen. Inzwischen hat, der „Frkft. Ztg." zufolge, eine Revision der Grubenlampen stattgefunden auf der Zeche „Marianne und Steinbank" und ist eine neue Bergpolizeiverordnung für den Oberbergamtsbezirk Dortmund erlassen worden, die anordnet, daß sämmtliche Oerter, Ueberhauen rc. in den Gruben mit mechanischen Ventilations-Borrichtungen versehen werden. Ueber die gegenwärtig bestehenden Einrichtungen zur Erneuerung der Luft in den Gruben und zur Beseitigung der schädlichen Wetteransammlungen soll ungesäumt Bericht erstattet werden.
Aachen. Eine großartige Thalsperre zum Betriebe einer elektrischen Zentralstation wird in der Rheinprovinz im Thale der Urst, einem Nebenfluß der Roer, geplant. Die Absperrstelle für das große Sammelbecken soll am Heffgesberge errichtet werden, wo die Verhältnisse außerordentlich günstig sind, sodaß nur verhältnißmäßig geringe Maurerarbeiten erforderlich sein würden. Die Idee der Thalsperre, durch die künstlich große Wasserreservoire geschaffen werden, ist in doppelter Hinsicht von großem praktischen Werth, weil nicht nur die sonst nutzlos abfließende Wassermenge gesammelt und in Arbeit umgesetzt wird, sondern auch wegen der dadurch herbei- geMrien Sicherheit vor der Hochwassergefahr im Früh
— Vom Detailreisen. Ein Kaufmann Weiß, aus der Gegend von Frankfurt a. M., der mit Mehl, Kunstdünger :c. Handel treibt, war beschuldigt worden, sich gegen die Novelle betreffend das Detailreisen vergangen zu haben. Weiß traf vor einiger Zeit mit zwei Landleuten auf der Landstraße zusammen und theilte ihnen mit, daß er binnen kurzer Zeit wieder Kunstdünger erhalten werde; sie könnten daher von ihm wieder Kunstdünger bekommen. Die Behörde erhob Anklage, da es sich hier um einen unbefugten Hausirhandel mit Kunstdünger handle. Das Schöffengericht sowohl wie die Strafkammer erkannten aber zu Gunsten des Ange- ktagten und sprachen ihn gänzlich frei. Gegen diese Entscheidung ergriff die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Revision an das Kammergericht und beantragte Aufhebung der Vorentscheidung und die Ver- urtheilung des Angeklagten. Das Kammergericht wies indessen die Revision der Staatsanwaltschaft zurück und machte u. A. Folgendes geltend: Das Auskaufen soll nach der Novelle nur bei Kaufleuten oder solchen Personen, welche die Waaren produziren u. s. w., erfolgen. Jngleichen soll das Aufsuchen von Bestellungen auf Waaren, mit Ausnahme von Druckschriften rc., ohne vorgängige ausdrückliche Aufforderung nur bei Kaufleuten in deren Geschäftsräumen oder bei solchen Personen geschehen, in deren Geschäftsbetriebe Waaren der angebotenen Art Verwendung finden. Auch der Betrieb der Landwirthschaft gehöre zu den erwähnten Geschäftsbetrieben der Novelle; demnach habe sich der Angeklagte nicht strafbar gemacht, wenn er Landwirthe zur Entgegennahme von Bestellungen auf Waaren aussuchte, welche die Landwirthe in ihrem Geschäftsbetriebe brauchten.
* — Hier ereignete sich in voriger Woche ein trauriger Fall, aus dem Mancher eine Lehre ziehen kann. Eine sonst völlig gesunde Frau, Mitte der Vierziger, utt an einer Entzündung des Nagelfalzes. Statt ärztliche Hilfe zu suchen, bearbeitete sie die kranke Partie mittels ihrer Nähscheere. Sehr bald zeigten sich Symptome des Wundstarrkrampfes, welcher binnen zwei Tagen den Tod zur Folge hatte.
Fulda, 1. März. Zu der Versammlung preußischer Bischöfe, welche heute hier stattfand, waren erschienen: Cardinal Fürstbischof Dr. Kopp-Breslau, Erzbischof Dr. v. Stablewsky, Posen-Gnesen, Bischof Redner- Kulm, Bischof Dingelstädt - Münster, Bischof Simar- Paderborn, Verweser des Bisthums Limburg Eiffler. Nicht vertreten waren die Bisthümer Köln, Hrldesheim, Osnabrück und Ermland, auch Feldprobst Dr. Aßmann- Berlin, war nicht erschienen.
Lauterbach, 22. Febr. Im Freiherrlich Riedesel'- schen Revier Elsenbach, Distrikt Brandstätte, waren in einer Kiefern-Deckung 3 Hirsche eingespürt worden, worauf Jagd gemacht wurde. Herr Forstwart Eiche- nauer von Stockhausen erlegte einen schönen 8-Ender im Gewicht von 180 Pfund. Der Hirsch hatte eine Drahtschlinge um den Kopf, dieselbe war bis zum Geweih zurück und fest bis in den Kopf eingezogen, so daß 'auch schon viel Eiter vorhanden war. Die Schlinge wird von frevelhafter Hand gestellt worden sein. Die beiden anderen Hirsche gingen wieder in die Dickung zurück und durch.
Meerholz. Ein bedauerlicher Unglücksfall traf dieser Tage den Streckenarbeiter Lösfler in Meerholz. Einer seiner Collegen hatte einige Patronen mitgebracht und suchten sie nun diese zu sprengen. Hierbei flog Lösfler eine Ladung so unglücklich in's Gesicht, daß er iu's hiesige Diakonissenhaus verbracht und ihm daselbst das eine Auge entfernt werden mußte.
Fritzlar, 1. März. Herr Gutsbesitzer Günther zu Zennern schlachtete kürzlich ein Schwein, welches das respektable Gewicht von 530 Pfund hatte. Der Speck war 13 cm hoch und das Schmalz wog 60 Pfund. Das Thier war von der deutschen Landrasse.
Niedenstein, 26. Februar. Eine höchst leichtsinnige Wette ist anfangs dieser Woche in der hiesigen Gast- wirthschaft „Zum Sladtkeller" geschloffen worden, die noch einen bitteren Nachgeschmack im Gefolge haben wird. Ein Großviehhändler und ein Landwirth, beide von hier, stritten darüber, ob ein in einem Nachbarorte stehender Fahrochse schon abgezahnt d. h. sämmtliche Milchzähne gegen Dauerzähne gewechselt habe oder nicht. Endlich kam folgende Wette zu Stande: Hat der Fahrochse abgezahnt, so zahlt der Großvichhändler dem Landwirth