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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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^ 18. Mittwoch, den 2. März 1898. 49. Jahrgang.

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Deutsches Reich

Berlin. Mit der Reise nach Kiel und Wilhelms- Haven zur Vereidigung der Marine-Rekruten beabsichtigt der Kaiser einen kurzen Besuch am Hofe zu Oldenburg zu verbinden. Die Ankunft dort soll am Dienstag früh erfolgen. Der Kaiser hat dem französischen Botschafter in Berlin, Marquis dc Noailles, das Groß­kreuz des Rothen Adler-Ordens verliehen. Der Kronprinz hat sein Fähnrichs-Examen mit Auszeichnung bestanden. Er wurde von der mündlichen Prüfung entbunden.

Eine Schutztruppe für Kiautschau soll errichtet werden. Es sei zweifellos, daß von der Regierung die Gründung einer Schutztruppe für Kiautschau beabsichtigt wird und daß dann nur dir rein maritimen Verwaltungs- zweige dem Reichsmarineamt unterstellt bleiben. Ob diese Neuorganisirung bereits in diesem Herbst eintrifft, ist noch ungewiß.

Ein großes Hinderniß für die Hafcn-zUnd Küsten- bauten in Kiautschau bildet die unglaublich weit gehende Parzellirung des Grund und Bodens in die kleinsten Theile. Mit Hundertan von Besitzern muß verhandelt werden, ehe man über die nöthigen Grundflächen ver­fügen kann.

Zur Vermessung von Kiautschau wird in der nächsten Zeit eine besondere Abordnung der topographischen Abtheilung des großen Generalstabes dorthin gesandt werden, welcher sich noch ein aus chinesischen Diensten geschiedener Offizier anschließen wird. Die betreffenden Herren werden voraussichtlich im nächsten Monat nach Kiautschau abgehen.

Nach der dem Abgeordnetenhause vorliegenden Nachweisung betreffend die Betheiligung des Staates an dem Bau von Kleinbahnen beliefen sich die bisEnde 1897 bewilligten Staatsbeihilfen auf 8,152,222 Mark, die bis dahin in Aussicht gestellten Beihilfen auf 7,340,134 Mark. Außerdem liegen noch zwölf Anträge auf Gewährung von Staatsbeiträgen in Höhe von 7,584,500 Mark vor, so daß die gesammten Beihilfen den zu diesem Zweck bercitgestellten Fonds von 21 Millionen um 2,076,856 Mark übersteigen. Eine weitere Erhöhung des Fonds wird demnach nicht zu umgehen sein.

Ein abermaliger Erlaß des Ministers Thielen hat die Belohnung für Eiscnbahn-Bctnebsbeamten zum Gegenstände. Der Minister weist auf die Vcfugniß der Eisenbohndirektionen, für die Entdeckung bctricbs- gesährlicher Schäden an Gleisen oder Fahrzeugen rc. selbstständig Geldprämien zu bewilligen, hin und wünscht, daß von dieser Befugniß ein möglichst ausgiebiger Ge­brauch gemacht werde. Die Zuständigkeit der königl. Eisenbahndirektionen soll sich auf Prämien-Bewilligungen bis zum Betrage von 300 Mark erstrecken, sofern der den Schaden entdeckende Beamte oder Arbeiter durch seine Besonnenheit oder Umsicht, durch entschlossenes, zweckmäßiges Handeln eine drohende Betriebsgefahr rechtzeitig abgewendet oder vermindert hat.

Die Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen höheren Mädchenschulen in Preußen haben eine Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet, es möchten, wie bereits bei den höheren Schulen für die männliche Jugend und bei den Volksschulen geschehen, auch die Gehaltsverhältnisse an ihren Anstalten einer einheitlichen und gesetzlichen Regelung unterworfen werden.

Kiel. Wie aus Kiel gemeldet wird, sind große Quantitäten Stoffe und Tuche aus der Bekleidungs­kammer der kaiserlichen Marine gestohlen worden. Die Polizei entdeckte bei einer Haussuchung 18 Marine­kleidungssäcke mit entwendeten Sachen. Verschiedene Verhaftungen sind bereits vorgeuominen worden.

Dortmund. Ueber ein geplantes Verbrechen, einen Eiscübahnzug in die Luft zu sprengen, wird folgendes aus Dortmund berichtet: Ein Streckenwärter der Linie Köln-Minden fand zwischen Nauxel und Herne an den Schienen ein in eine Zeitung gewickeltes P -ckctchcu, daS er aufhob. Nachdem er das Papier entfernt und einen Lappen beseitigt hatte, fand er sechs Dynamit- patronen, die mit Zündschnur versehen waren. Die Schnur war angebrannt, jedoch wahrscheinlich in Folge des Regens oder des Windes eiloschen. Wären die Patronen zur Explosion gelangt, so würde unstreitig die Schiene zerstört werden und der folgende Zug unrettbar zur Entgleisung gekommen sein. Es mögen 6 Jahre

Ausland.

Athen, 26. Febr. Aks König Georg heute Nach­mittag gegen 5 Uhr in einem Landauer mit drr Prin­zessin Marie von Phaleron hierher zuruckkehrte, feuerten 2 Individuen, welche sich in. einem Graben neben der Straße versteckt hatten, aus Gras-Gewehren auf den königlichen Wagen. Der erste Schuß ging fehl; der zweite traf den königlichen Leibjäger am Bein. Die Equipage fuhr in Galopp davon. Es wurden hinter­einander noch 4 Schüsse hinter dein Wagen her abgc- feuert, die aber alle nicht trafen. Der König und die Prinzessin trafen wohlbehalten im königliche Schlosse ein. Die Nachricht hat unter den Personen, welche bisher Kenntniß von dem Attentat haben, ungeheure Aufregung hervorgerufen. Der eine der Angreifer trug graue Kleidung; der König erklärte, er werde ihn leicht wiedererkennen können. Die Attautäter sind entflohen.

her sein, da wurde wenige hundert Meter von jener Stelle entfernt ein gleiches Verbrechen ausgeführt; es war auch gelungen, ein etwa 1/a Meter langes Stück aus einer Schiene zu sprengen, doch wurde ein Unglück verhütet, da der Schnellzug über die schienenlose Stelle hinwegraste. Damals hat man den Thäter nicht .entdeckt.

Eberswalde, 24. Febr. Auf dem Gute des Amt­manns Dcye in Galzow erschien am Mittwoch Mittag gegen 1 Uhr dir erste Inspektor in der Wohnung seiner Arbeiter mit der Weisung, sie sollten ihrer Arbeit nach gehen. Einer der Arbeiter, Tetzlaff, übrigens ein roher und sittenloser Patron, dem der Dienst und zugleich die Wohnung gekündigt war, erwiederte, er stehe nur im Begriffe, seine Sachen zu verkaufen. Es kam zn einem heftigen Streit, in dem sich unbefugterweise auch der zweite Inspektor, ein junger 18jähriger Mensch, ein- mischte, indem er mit einem sechsläufigen Revolver herbeieilte und denselben blindlings auf die Arbeiter a'o- feuerte. Die Kugel sauste dem Oberinspektor dicht am Kopfe vorbei und verletzte einen Arbeiter, der Tetzlaff vom Oberinspektor zurückhalten wollte, an der Hand. Dann gab er noch einen zweiten Schuß ab, der eine Frau an der Stirn verwundete. Die Wunden sind glücklicherweise nicht gefährlich.

Liegnitz, 22. Februar. Bei der Anlegung des Truppenübungsplatzes Mallwitz muß das in der Mall- witzer Haide gelegene Dorf Koberbrunn vom Militär- fiskus angekauft und kassirt werden. Das General­kommando des sechsten Armeekorps hat dabei eine dankenSwerthe Unterstützung seitens des Generalköm- missionSpräfidcnten Schwarz insofern gefunden, als dieser die Einwohner des Dörfchens, etwa 140 Seelen, in der Umgegend des Uebungsplatzes wieder ansicdeln wird.

Apolda. Zum Kapitel der Submissionsunterbietungen wurde in der Versammlung desStädtischen Benins" zu Apolda mitgetheilt, daß die Maurerarbeiten für die Friedhofshalle mit 18,645 Mk. veranschlagt, aber zu 8500 Mk. vergeben worden sind, die mit 6000 Mk. veran­schlagten Zimmerarbeiten sind mit 3000 Mk. vergeben worden.

Weimar i. Thür, 21. Febr. Die Königliche Eisen- direktion Erfurt versendet folgendes Rundschreiben: Seit der im vergangenen Herbste erfolgten Eröffnung des BahnhofesWeimar bei Kassel", der an der Linie von Cassel über Obervollmar nach Volkmarsen liegt, werden häufig Post- oder Bahnsendungen nach der einen ober anderen Station Weimar verschleppt. Dadurch entstehen unliebsame Verzögerungen und Geschäftsverluste. Gleich­wie wir Blankenburg, Blankenhain, Sonneberg i. Thür, schreiben, versäume man nicht, seinen Verwandten und GcschäftsfrcmdenWeimar i. Thür." als seinen Wohn­ort anzugeben. Das Reichskursbuch vom Oktober 1897 nennt unsere Stadt bereits Weimar i. Thür. Bemerkt sei noch, daß es ferner ein Weimar in Kaltformen, tn Texas und in Minnesota giebt.

Augsburg. Die Gebeine Tilly's, des Feldmarschalls der katholischen Liga im 30jährigen Kriege, ruhten bis­her in der Tilly-Kapelle zu Altötting (Oberbayern) in einem ganz einfachen Zinnsarge. Da dieser vielfach be­schädigt war und seit Langem der Luft Zutritt gestattete, so daß der Verfall der ohnehin geringen Ueberreste be­schleunigt wurde, ist ein neuer Uebersarg, in Kupfer ge­trieben, hergestellt und seiner Bestimmung zugeführt worden.

[ feststen zu wollen. Die Antwort nämlich, welche Ruß- f land der chinesischen Regierung auf ihr Ersuchen cr- ; theilt hat, Rußland möge die Versicherung erneuern, daß es sich nach Ablauf des Winters aus Port Arthur znrückzieheu werde, lautet nicht sehr beruhigend. Ruß« land bemerkt darin, seine Schiffe würden länger, als ursprünglich geplant war, in Port Arthur verbleiben, i ba die Zurückziehung den Interessen Chinas und Koreas i zuwieder wäre. Diese Antwort betrachtet die chinesische Regierung sehr richtig als eine Andeutung, daß aus der zeitweise« Ueberwintrrung der Flotte eine dauernde Be­setzung werden wird.

Wieder ist ein wichtiger Schritt zur Erschließung Chinas für den europäischen Handel erfolgt. Die-Times melden aus Peking, die chinesische Regierung habe die Oeffnung aller Binnengewässer für Dampfschiffe, gleich­viel ob Ausländern ober Einheimischen gehörig, zuge­standen, unter Anwendung von Verordnungen, welche späterhin festgesetzt werden sollen. Wenn dieses Zuge- ständuiß nicht durch die späteren Verordnungen beschränkt werde, könnte es zufriedenstellend sein und verspreche eine weite Ausdehnung des ausländischen Handels. Das Zugcständniß trete binnen vier Monaten in Kraft. China habe sich auch darauf eingelassen, einen Vertragshafen in Hunau innerhalb zweier Jahre zu öffnen, und zwar Dulschau nahe dem Jangtseliang.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 1. März.

* Der heutige Viehmarkt der sogen,große Vichmarkt" war recht gut beschickt. Es wurden ca. 500 Ochsen, 1Q00 Kühe und 200 Kälber gezählt. Der Handel war ziemlich gut und wurden gute Preise erzielt. Es wurden gezahlt: für Ochsen 600900 Mk., für Kühe 300 Mk., für Rinder 200 Mk. und Kälber 30 bh> 32 Mk. Besonders viele auswärtige Händler waren am Platze erschienen. Das Wetter war regnerisch

* Die sogen. Genickstarre, diese mit Recht ge- fürchtete Krankheit, ist in den letzten Tagen auch hier am Orte aufgetreten. Bis jetzt ist nur ein Todesfall zu beklagen; hoffen wir, daß es damit sein Bewenden hat. Den Zeitungsberichten zufolge tritt diese bösartige Erkrankung an vielen anderen Orten stark auf und fordert unter Kindern und jungen Leuten viele Opfer. So mußten in Hassclfclde am Harz des starken Auf­tretens der Genickstarre halber sämmtliche Schulen ge­schlossen werden.

* Die Berichtizungspflicht aus Z. 11 des Preß- gesctzes besteht nicht für den Jnseratentheil einer Zeitung. So hat zutreffend das Schöffengericht in Breslau ent­schieden. DieBresl. Zig." hatte ein Inserat gebracht, zu dem ein Interessent eine Berichtigung verlangte. Aus prinzipiellen Gründen wurde der Berichtigung die Aufnahme versagt. Vor dem Schöffengericht verlangte der Amtsanwalt die Verurteilung des Blattes. Der Vertheidiger machte geltend, daß sich die Berichtiguugs- pflicht auf den Jnseratentheil überhaupt nicht bezieht, wie Wortlaut und Tendenz des Preßgesetzes ergebe; der Vertheidiger wies insbesondere auf die ungeheuren Konsequenzen hin, die erwachsen könnten, wenn die Presse Jedem, der sich, sei es mit Recht, sei es mit Unrecht, gegen die Angabe eines Inserates wende, kosten­los ihre Jnserlionsspalten zur Verfügung stellen müßte. Das Schöffengericht trat den prinzipiellen Kröterungen des Vertheidigers bei und erkannte auf kostenlose Frei- spreckung.

* Eine einheitliche Uniform für alle deutschen Turner wird einzmühren beabsichtigt. In derDeutschen Turnerztg." schlägt Dr. Götze eine solche Uniform vor. Dieselbe besteht aus blauer Jacke und grauen Bein- kleidern und erregte bei dem letzten schweizerischen Turnerfest allgemeine Bewunderung. Man hofft, die Frage bald zu lösen, so daß beim nächsten deutschen Turnerfest die einheitliche Uniform bereits cinge ührt ein dürfte.

Gelnhanscu, 24. Februar. Wachtel sbachBirstciuer Bahn. Infolge der nassen Witterung haben die Erd- arbeiten imBirstcincr Walde vorläufig eingestellt werden müssen. Es soll indeß, nachdem für Entwässerung be­sonders nasser Stellen durch Drainage Sorge getragen ist, in 14 Tagen mit den Krbaibeitcn fortgefahren weiden. Gegebenenfalls wird eine provisorische betriebs­sichere Fertigstellung der Bahn zum Juni behufs Kr= des Betriebes bewirkt und die weiter elforder-

China. In Port Arthur scheinen sich die Russen dauernd s öffnung