SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
^Z 17.
Samstag, den 26. Februar 1898.
49. Jahrgang.
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sowie von der Expedition entgegen genommen.
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Deutsches Weich
Berlin. Der Kaiser wird, wie es heißt, im Laufe dieses Frühjahrs auf seinem Schlosse Urville in Lothringen für einige Zeit Aufenthalt nehmen und ferner auf der Wartburg Eintreffen, zur Theilnahme an den Auerhahnjagden.
— Eine Verlängerung der Militärdienstzeit beim Train ist eingetreten. Früher dienten die für den Train ausgehobenen Mannschaften nur sechs Monate, die Freiwilligen dagegen zwei Jahre. Künftighin bleibt auch die erstere Gattung zwei Jahre im Dienst. Am 3. Mai d. I. kommen die letzten Sechsmonat-Soldaten zur Entlassung.
— Bezüglich des Tragens der Kaiser-Wilhelm- Erinnerungs-Medaille bestanden Zweifel darüber, ob die Medaille in der Reihe der Kriegsdenkmünzen zu tragen sei. Diese Zweifel sind nunmehr gehoben durch einen auf eine entsprechende Anfrage au maßgebender Stelle ergangenen Bescheid. Nach diesem wird die Erinnerungsmedaille in der Reihe der Kriegsdcnkmüuzcn getragen, und zwar in folgender Reihenfolge: Kricgsdeukmünze 1870/71, Kriegsdenkmünze 1866, Kriegsdenkmünze 1864, Erinnerungsmedaille. Vereins-, Vorstands« und sonstige Abzeichen und Auszeichnungen dürfen nur in zweiter Reihe darunter getragen werden.
Spandau. Der „alte ehrliche Krieger", der falsche Ordensritter Arbeiter Nietke, der eine Zeitlang in der königlichen Munitionsfabrik in Spandau beschäftigt war und dort, weil er das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse trug, von den Vorgesetzten Offizieren mit Auszeichnung behandelt wurde, stand dieser Tage vor dem Schöffengericht wegen unberechtigten Tragens dieser Ehrenzeichen Seine Personalien wiesen ein langes Strafregister auf, er hat ungefähr 15 Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern zugebracht und ist wegen solcher Ordens- schwindeleicn auch schon mehrmals bestraft. Soldat ist er gar nicht gewesen. Sein Bildniß ziert auch daS Berliner Verbrecheralbum, da er in Berlin verschiedene Verbrechen begangen hat. Diesmal wurde er zu der höchsten zulässigen Strafe, 6 Wochen Haft, verurtheilt.
Barby a. Elbe, 22. Febr. In der Nachbarortschaft Breitenhagen (Kreis Calbe) hielt am Sonntag in der erst vor kurzer Zeit neuerbauten und mit Koksheizung versehenen Kirche der neueinzuführende Prediger vor zahlreich versammelter Gemeinde seine Probepredigt. Als der Gottesdienst beendet war, erhob sich auch nicht ein Andächtiger, um die Kirche zu verlassen, und nur mit großer Anstrengung gelang es dem Geistlichen, das Freie zu gewinnen, wo er dann in besinnungslosem Zustande gegen die Kirchenmauer taumelte. Bald teufte die gefährliche Situation, in der sich die in der Kirche versammelten Andächtigen befanden, im ganzen Dorfe bekannt und jedermann beeilte sich, zum Gottes- Hause zu gelangen, um die Unglücklichen vom sicheren Tode zu retten. Männer, Frauen und Kinder wurden in erbarmnngswürdigem Zustande ins Freie und nach ihren Wohnungen getragen, wo sie sich erst nach langer Zeit von der Betäubung erholten. Diejenigen, welche versuchten, allein ihre Behausung zu erreichen, fielen ohnmächtig zur Erde nieder. Das Unglück soll dadurch herbeigeführt worden sein, daß durch ein Versehen bei der Handhabung der Koksheizung die betäubenden Gase sich in das Innere der Kirche verbreitet hatten.
Sorau, 20. Februar. Der Quosschacht in Kunzen- dorf, in welchem vor längerer Zeit eine große Brand« katastrophe stattfand, ist vor einigen Tagen von dem Bergmeister Baselt-Kottbus einer sehr eingehenden Untersuchung unterzogen worden. Dieselbe hat ergeben, daß an eine Wiederaufnahme der Bergungsarbeiten deshalb nicht zu denken ist, weil das Wasser noch nicht bis in in die Strecken gestiegen ist, in denen das Feuer unvermindert weiterbrennt. Der Beamte ist sogar der Ansicht, daß die Gewalt des Brandes zugenommen hat, weil aus den zugeschütteten Schächten fortwährend dichter Qualm emporsteigt. Aus diesem Grunde hat eine neue Zuschüttung zu erfolgen.
Bonn. Ein Goldfeld in Deutschland. Vor einiger Zeit wurde in Deutschland ein Goldfeld aufgefunden »nd zwar in einer Gegend, die zu den ärmsten und
Lokales «ud KroviNzielles.
* Schlächtern, 25. Febr.
— Wie in dem „Reichsanzeiger" gewarnt wird, beabsichtigt der Inhaber der „Bank-Commanditgesellschaf! Merkur" in Amsterdam, vor der zuletzt in der Nummer des „Reichsanzeigers" vom 6 Februar 1896 gewarnt worden war, Holland zu verlassen und nach Amerika anszuwandern. Um sich die hierzu erforderlichen Geldmitte zu beschaffen, soll er die Serienloosfpieler aufgefordert haben, möglichst bald weitere Theilzahlungen auf ihre Antheilscheine zu leisten. Es kann nur nachdrücklich davor gewarnt werden, dieser Aufforderung nachzu- kommen, da das eingesandte Geld unwiderbringlich verloren ist.
* — Nach einer kürzlich erlassenen ministeriellen Verfügung ist den Fußgendarmen die lange Zeit angestrebte Gleichstellung mit den berittenen Gendarmen zu Theil geworden. Dieselben können nunmehr ebenfalls zu „Oberwachtmeistern" befördert werden. Die aus den Fußgendarmen hervorgehenden Oberwachtmeister erhalten nun zur dienstlichen Verwendung das Fahrrad.
* — Schwurgericht. (Sitzung vom 21. Februar.) Anklagesache gegen den Stationsaspiranten H. Schmidt von Oberzwehren auf Station Wächtersbach, wegen Unterschlagung im Amte. Der EröffnungSbeschluß legt dem Beklagten zur Last: 1. Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen, unterschlagen und 2. die in Beziehung auf die Unterschlagung zur Eintragung und Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben bestimmten Bücher unrichtig geführt zu haben. Sch. diente als Tambour in Kassel, wurde sodann dort Schutzmann und trat später in den Eisenbahndienst. Nach Station Wächtersbach commandirt, wurde er im Frühjahr 1896 für den preußischen Staatsdienst vereidigt und war in den letzten Monaten des vergangenen Jahres an dem Fahrkartenschalter beschäftigt. Hier ließ er sich Unregelmäßigkeiten zu Schuld kommen, indem er sich durch betiügerische Manipulationen in der Absicht Geld verschaffte, dasselbe wieder zu ersetzen. Anstatt bei der Fahrkarten-Ausgabe die Billets in vorgeschriebener Weise der Reihe und den Nummern nach zu entnehmen, zog
l von der Natur am ungünstigsten behandelten gehört, i nämlich in der Eifel. Das Oberbergamt zu Bonn hat das Bergwerkseigenthum auf Gold zunächst für ein Feld von etwas mehr als 2 Millionen Quadratmeter Größe verliehen, während für nicht weniger als 14 weitere Muthungen die bergamtliche Eutfch idung noch aussteht. Das verliehene Feld liegt an der von Aachen nach St. Bieth führenden Eisenbahnstrecke in den Gemarkungen Born und Deibenberg des Kreises Malmedy. Dort gewinnen zwei Arbeiter mittelst einer etwa vier Meter langen Rinne, über deren Kopfende sich ein Sieb mit Löchern von der Größe von 3 Millimeter befindet, täglich 80—100 Goldkörnchen, deren Größen allerdings sehr verschieden sind. Einzelne sind mit dem bloßen Auge kaum wahrzunehmen, andere dagegen sind so groß wie Stecknadelknöpfe und Linsen.
Worms. Gegen die wegen Milchpantscherei angeklagten Landwirth Schilling und Helfershelfer von Rheindürkheim wurde vorigen Donnerstag am Schöffengericht in Osthofcn verhandelt. Schilling war durch das Polizeiamt in Worms angeklagt, seine nach Worms gelieferte Milch in großem Maßstab verfälscht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab, daß Schilling die Abendmilch am anderen Morgen durch die Centrifuge entrahmte, diese Magermilch nebst einem größeren Quantum Wasser mit der Morgenmilch vermischte, diese Mischung dann durch einen besonderen Apparat zu fterilisirter Kindermilch verarbeitete und in Worms verkaufte. Nach dem Gutachten des Chemikers beantragte der Großh. Amtsanwalt Klietsch für Schilling und Frau je 3 Monate, für den Meier 2 Monate, für Sohn und Knechte geringere Gefängnißstrafen. Das Urtheil lautete für Schilling und Frau je 600 Mk., dem Meier 400 Mark, dem Sohn 60 Mk., den beiden Knechten je 40 Mark Geldstrafe.
Asskand.
Paris, 23. Febr. 10 Uhr. Zola wurde zu einem Jahr Gefängniß und 3000 Francs Geldstrafe, der Herausgeber der Zeitung „Aurore", zu vier Monaten Gefängniß und ebenfalls 3000 Francs Geldstrafe verurtheilt.
er solche aus der Mitte der aufgestapelten Karten und steckte die vereinnahmten Beträge in die Tasche, indem er unterließ jene zu buchen. So unterschlug er etwa M. 40, die er thellweise dazu verwendete, seiner Frau zu Weihnachten eine Cape zu kaufen. Bei der Spar- und Darlehnskasse in Oberzwehren hatte seine Frau ein kleines Kapital von M. 2000 stehen, von dessen Zinsen er die veruntreute Summe Anfang Januar wieder ersetzen wollte. Die Zinsen kamen jedoch nicht und so wendete er sich am 3. Januar an einen Freund, der ihm auch aushalf. Inzwischen war die Sache durch Zufall vom Stationsvorsteher entdeckt worden, es erfolgte Anzeige, am 7. Januar Revision und die Verhaftung des Sch. Letzterer ist geständig. Die unrichtige Buchführung soll darin gefunden werden, daß er unterließ, nach Abschluß des Verkaufes die Karten im Fahrkarten-Ausgabe-Buch der Route nach auszuthun und die Beträge in die Einnahme zu stellen. Die M. 40 sind von dem Angeklagten wieder ersetzt. Die Geschworenen erkennen ihn nur wegen der Unterschlagung schuldig und lautet demgemäß das Urtheil auf 5 Monate Gemngniß. — Mit Aburtheilung vorliegenden Falles hat die diesjährige I Schwurgerichtsperiode ihr Ende erreicht; die Herren Geschworenen wurden seitens des Vorsitzenden Herrn LandesgerichtsdirektorHellbach mit einigen warmempfundenen Worten entlassen.
Fulda, 22. Febr. Die Commission zur Prüfung der Pläne und Kostenanschläge betreffend den Ausbau der Orangeriesäle hat nach eingehenden Berathungen festgestellt, daß der Saalbau je nach Ausführung 75—90,000 Mark kostet. Letztere Summe wird erfordert, wenn die Saaldecke in reichster Slakaturarbeit ausgeführt wird. Die Commission hat einstimmig be- schlofsen, zu beantragen, den Saalbau nach den vorliegenden Plänen in schönster Ausführung zu errichten, und hierfür die Summe von 90,000 Mk. zu bewilligen. In der gestrigen Stadtrathssitzung wurde der Antrag der Commission ebenfalls einstimmig genehmigt.
Unterbimbach (Kr. Fulda), 17. Februar. Als gestern Nachmittag der Müller Anton Brähler von der Menzelsmühle und sein Knecht von einem beladenen Wagen die unterhalb des Dorfes Unterbimbach belegene Lüderbrücke passierten, welche von dem Hochange- schwollenen Flusse vollständig unter Wasser stand, stürzte das Fuhrwerk mitsammt seinen zwei Begleitern die Brücke hinab in den Fluß. Dem Knecht gelang es, sich am Ufer des Flusses an einem Strauche festzuhalten, von wo er durch des Weges kommende Holzhauer aus dem nassen Elemente befreit wurde; dagegen wurde sein Dienstherr von den Fluten fortgerissen, konnte aber schließlich doch, als er schon dem Tode nahe war, von den Holzhauern aufgefangen und herausgezogen werden. Die Pferde und der Wagen waren bis gestern Abend noch nicht aufgefunden worden. Der Zustand des Müllers soll sehr bedenklich sein.
Nenkirchen (Kreis Hünfeld), 21. Februar. Gestern sind hier ein Ingenieur und eine Anzahl Bergleute ein- getreffen, um Bohrversuche nach Kali anzustellen. Dieselben sollen von derselben Gesellschaft ausgehen, die s. Z. bei Himboldshausen Kali gefunden hat, und man vermuthet nun, daß die betr. Ader sich bis hierher erstreckt. Die Stelle, wo zunächst gebohrt werden soll, liegt am Stoppelsberge und zwar dort, wo sich die alte Straße von der neuen abzweigt. Hier wünscht man den Versuchen den besten Erfolg, da dies für unsere Gegend nur von Vortheil sein könnte.
Allendorf a. W., 22. Febr. In Folge mangelhafter Beleuchtung war ein hiesiger Handelsmann auf einer Geschäftsreise beim Jassiren eines von einem Orte in der Provinz Hannover nach dem Bahnhof ührenden Weges in einen frisch ausgeschachteten Graben zestürzt und hatte sich dadurch verletzt, weshalb er eine Zeit lang arbeitsunfähig war und ärztlich behandelt wurde. Der Verletzte machte die betreffende Gemeinde deshalb regreßpflichtig, die jedoch negativ ihm entgegen trat. Der Handelsmann übergab daher einem Rechts- anwalt die Sache, jetzt hat die Gemeinde ihm bereits die Hälfte seiner Forderung geboten und wird nun ein Zugleich zu Stande kommen.
Eschwege. Ueber ein sogenanntes Alpenglühen auf dem Meißner, dem Könige der hessischen Berge, berichtet ein Augenzeuge in der Zeitung „Eichsfeldia" wie folgt r