WchternttMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
auf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Der Bund der Landwirthe hat am Montag in Berlin seine 5. Generalversammlung abgehalten. Anwesend waren etwa 4500 Personen. Nach dem Bericht des ersten Direktors des Bundes, Dr. Hahn, zählt der Bund 187,000 Mitglieder, 3000 mehr als im vorigen
V Jahre. In der Resolution werden die Anhänger auf- - gefordert, die bevorstehenden Wahlen nicht durch übertriebene Betonung parteipolitischer Gegensätze und durch unberechtigten Einbruch in solche Wahlkreise nahestehender Parteien zu gefährden, welche z. Z. im Sinne des Bundes der Landwirthe wirthschaftspolitisch gut vertreten sind.
— Der Zudraug zur juristischen Laufbahn ist trotz der großen Zahl der auf Anstellung Wartenden in Preußen und in fast allen übrigen deutschen Staaten immer noch im Steigen begriffen. Die Zahl der Ende September 1897 im Deutschen Reiche ausschl. Bayern ohne feste Anstellung im Justizdienst befindlichen Rechtskundigen, die die erste Prüfung bestanden haben (Referendare rc.) betrug 5546 gegen 5241 im September 1896 und 4858 im September 1895. Rechtskundige, die die zweite Prüfung erledigt hatten (Assessoren rc.), waren 2388 vorhanden gegen 2221 im Jahre 1896 und 2166 im Jahre 1895. Die Steigerung betrug also im letzten Jahre 167 Personen oder 7,6 v. H. Von allen vorhandenen Assessoren sind im Deutschen Reich 1299 oder 54 v. H. gegen Vergütung beschäftigt. In Preußen beträgt die Zahl der gegen Vergütung beschäftigten Assessoren 809 oder 46 v. H. Auffällig sind die Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Ober- landesgerichtsbezirken. Im Oberlandesgerichtsbezirk Köln sind von 362 Assessoren 290 oder 80 v. H. gegen Vergütung thätig, im Oberlandesgerichtsbezirk Naumburg sogar von 193 nur 11 oder noch nicht 6 v. H. Daß übrigens der Andrang zur juristischeu Laufbahn noch jahrelang weiter andauern wird, ergiebt die starke Zunahme der Jura-Studirenden auf den deutschen Universitäten. Im Laufe des Jahres ist die Zahl der Jura- Studirenden um fast 2000 gestiegen und in den letzten
drei Jahren betrug die Steigerung 12 v. H.
— An der Berliner Universität Halbjahr 1897|98 nicht weniger als Besuche von Vorlesungen zugelassen;
allein 949 oder
sind
188 die
im Winter- Damen zum Höhe dieser
Zahl dürfte allgemein überraschen. Darunter sind auch solche, welche für das höhere Lehramt oder den ärztlichen Beruf sich vorbereiten. Die meisten dieser Damen sind natürlich unverheirathet (167); doch sind auch 18 vcr- Heirathete und drei Wittwen unter ihnen. Dem Glaubensbekenntniß nach sind 6 katholisch, 120 protestantisch, 48 jüdisch, 8 griechisch-katholisch, 3 anglikanisch. 1 freireligiös und 2 konfessionslos. Die jüngste dieser Damen, ein bulgarisches Mädchen, ist 17 Jahre alt, die älteste- 62 Jahre. Die meisten dieser studirenden Damen sind natürlich Deutsche, nämlich 107, 5 stammen aus Oesterreich - Ungarn, 37 aus Rußland, 26 aus Amerika, 7 auS England, 2 aus Frankreich, je 1 aus Bulgarien, Finnland, Holland und der Schweiz.
— Die Sammlungen für die streikenden englischen Maschinenbauer sind in Deutschland von den Gewerkschaften jetzt eingestellt worden. Die Generalgewerkschaftskommission hat allein 117,000 Mark (!) zur Unterstützung der Ausständigen nach England eingesandt. Nach Angaben englischer Autoritäten übersteigt der Verlust, der infolge dieses neunmonatlichen Ausstandes dem englischen Nationalvermögen zugefügt worden, 200 Millionen Mark.
Köln. Bei dem Frühstück, das vor einigen Tagen in Köln im Anschluß an die Handelskammerverhandlungen zu Ehren des Staatssekretärs v. Podbielski stattfand, antwortete derselbe auf ihm geltende Reden des Präsidenten der Handelskammer Geh. Rath Michels und des Oberbürgermeisters Becker in längerer Ansprache, worin er u. A. auSführte: „Noch vor wenigen Jahren standen wir im Welthandel an vierter Stelle. Frankreich und die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika haben wir überwunden und jetzt stehen wir hinter England an zweiter Stelle. England ist uns noch mit 4 Milli
Samstag, den 19. Februar 1898
arden überlegen, aber wir wollen nicht rasten, bis wir an erster Stelle stehen; dies muß unser Streben sein.
Mainz. Der internationale Hochstapler Adrianus Gärtner aus Helder (Holland) alias Paul Francis de Rohren und Paul van der Hcyden, der von 1871 ab in europäischen und außereuropäischen Staaten in der Verkleidung als Bischof, Geistlicher oder einfacher Ordensbruder die schlimmsten Betrügereien begangen hat, nahm gestern vor der Strafkammer in Mainz das ausgesetzt gewesene Urtheil entgegen. Das Gericht verurtheilte ihn wegen Urkundenfälschung, Betrug, Führung eines falschen Namens und Landstreicherei zu 3 Jahren einem Monat Zuchthaus, 6 Wochen Haft, 10 Jahren Ehrverlust und Landesverweisung. Gorter wird sich noch vor anderen Gerichtshöfen zu verantworten haben. Zunächst wird er in Feldkirch in Oesterreich abgeurtheilt werden.
Bochum, 17. Febr. Auf der Zeche „Carolinenglück" entzündeten sich schlagende Wetter. 20 Todte sind bereits zu Tage gefördert, man glaubt, daß noch 40 unten liegen. Die beiden Steiger Reuter und Adami sind mit verunglückt. Das Unglück ereignete sich auf dem Flötz Präsident in der fünften Sohle. 30—40 Arbeiter befinden sich noch in der Grube. Sie gelten für verloren, da die Nachschwaden die Arbeit sehr erschweren. Die Rettungs-Mannschaften kehren alle betäubt aus der Grube zurück.
Altona. Ein Zahnarzt in Altona erstand dieser Tage in einer Auktion eine dem Scheine nach wenig werthvolle alte Pendule für den Preis von 25 Mark. Als er die recht unsaubere Pendule bei einem Uhrmacher reinigen lassen wollte, kam es zu mehreren angenehmen Ueberraschungen für den neuen Besitzer. Zunächst stellte sich heraus, daß die Uhr einen Geldwerth von über 500 Mark besitze, dann aber hatte der Uhrmacher auf der Rückseite eine Widmung gefunden, die darauf schließen läßt, daß die Pendule ein Geschenk für Goethe gewesen, denn die eingravirte Inschrift lautete: „Dem Dichterfürsten I. W. Goethe gewidmet." Es ist bisher noch völlig unaufgeklärt, wie die Pendule nach Altona und hier zur Versteigerung gelangte.
Verwundeten und die übrigen Geretteten befinden sich an Bord eines spanischen Kriegsschiffes und eines amerikanischen Dampfers. Nach der Aeußerung eines Matrosen der „Maine" soll die Explosion in dem zur Aufbewahrung von Schießbaumwolle für Torpedos benutzten Magazin stattgefunden haben. Andere nehmen an, einer der an Bord befindlichen Torpedos sei ex- plodirt. — Der Kreuzer „Maine" gehörte zu den neueren Schiffen der Vereinigten Staaten-Marine. Die „Maine" wurde am 18. November 1890 vom Stapel gelassen. Das Schiff hat eine Wasserverdrängnng von 6648 Tons und 9000 Pferdekräfte, ist 310 Fuß lang und 57 Fuß breit; es hat einen 6—11 Zoll dicken Panzer, ein geschütztes Deck und einen Panzerthurm, 4 zehnzöllige, 6 sechszöllige Hinterlader- und 16 Schnellfeuer-Geschütze, 4 Gatling-Kanonen und 7 Torpedos. Die Mannschaft bestand aus 421 Personen.
Ausland.
Budapest, 15. Februar. Gestern und vorgestern kam es, wie der „Budapesti Hirlap" meldet, in Kiswarda, Mandok und in anderen Gemeinden der Theißniederun; zu Kämpfen zwischen sozialistischen Bauern und der Gendarmerie. — Während eines kolossalen Tumultes in Czigand und bei Zemplin bräunte eine Scheune ab, wobei 8 Arbeiter schwer verwundet wurden. Die Un-
Lokales nud Provinzielles.
* Schlächtern, 18. Febr.
* — Ernannt wurde der Forstassessor Busse zu Diepholz zum Oberförster zu Niederkalbach.
* — Bei der am 15. d. Mts. Hier stattgehabten Wahl zu Handelskammer wurden die seitherigen Mitglieder, die Herren I. M. Walter und Ferd. Fenner wiedergewählt.
* — Von Seiten der Handelskammer ist wiederholt die Einlegung eines weiteren FrühzugeS von Elm nach Frankfurt beantragt worden, in Anschluß an den ersten Frühzug der Strecke Elm Gemünden. ES würde hierdurch den berechtigten Klagen der Bewohner von Sterbfritz, Schwarzenfels und Umgegend etwas abgeholfen werden. — Auf einen von einer Firma in Schlächtern geäußerten Wunsch, die Handelskammer möge auf eine Verlegung der Sonntags-Berkaufsstunde» hlnwirken,^und zwar für die Zeit von 11 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags, beschloß die Handelskammer, hierauf bei Gelegenheit zurückzukommen. Eine weitere Beschwerde aus Schlächtern, belr. die Wandergewerbe- schein-Steuerpflichtigkeit für Detailreisende, soll im zweiten Theil des Jahresberichtes vermerkt werden.
* — Für unbemittelte Kranke. Von der Direktion
ruhen wiederholten sich heute Militär verstärkte Gendarmerie von denen 27 in ihrem Blute Kaschau, Erlau und anderen
in Czigand. Die durch schoß auf die Bauern, zusammenbrachen. Von oberungarischen Städten
sind 3 Regimenter Infanterie nach den Orten des Aufstandes dirigirt worden.
Schweden. Ein entsetzliches Unglück wird aus Helsingfors telegraphisch gemeldet: Mittwoch Nachmittags brach bei Schneesturm an der Ostküste im Finnischen Meerbusen plötzlich das Eis, nnd 240 Fischer sowie mehrere Pferde wurden auf Eisschollen ins Meer hinausgetrieben. Wie aus Wiborg gemeldet wird, wurden 40 der Fischer gerettet; das Schicksal der übrigen ist noch nicht bekannt.
Bombay, 11. Februar. Die Bculenpest nimmt im Pandschab in bedenklicher Weise zu. In den Districten von Hoshiarpur und Jalandhae sind bereits 8 Dörfer von der Pest ergriffen. Die Todesfälle an der Pest betrugen in der vorigen Woche 1113, die Gesammt- sterblichkeit 2067.
Aus Havana kommt die Meldung, daß am Dienstag Abend das im Hafen dortselbst ankernde Nordamerikanische Kriegsschiff „Maine" durch eine Explosion zerstört sei. Die Explosion zerriß das Schiff, dasselbe gerieth in Brand und ging unter. Es werden etwa 200 Mann, Soldaten, Matrosen und Officiere vermißt. Ueber die Ursache der Explosion ist nichts bekannt. — Neueren Mittheilungen zufolge soll die Zahl der Getödteten etwa 270 Mann betragen. Die Katastrophe erfolgte Nachts, als alles schlief. Was sich von lebenden Wesen an Bord befand, wurde entweder durch die Explosion ge- tödtet oder versank im Kampfe mit den Wellen, nur der Kapitän, 12 Offiziere und 16 Matrosen retteten sich durch Schwimmen. 50 Matrosen hatten Nacht- urlaub, wodurch sie der Katastrophe entgingen. Die
des städtischen Krankenhauses in Wiesbaden , geht der D. Med. Wchschr. die Mittheilung zu, daß für das dortige städtische Armenbad etwa 100 ganz freie und eine größere Anzahl thellweise freier Aufnahmen zur Verfügung stehen. Das Bad ist vom 1. April bis zum 1. Oktober geöffnet. Aufnahmegesuche, die von einem ärztlichen Attest begleitet sein müssen, find an die Direktion des Krankenhauses zu richten.
* — Um der Gefahr zur Uebertragung der Maul- und Klauenseuche zu begegnen, empfiehlt es sich, fremde Personen vor dem Betreten der Viehställe mit eigens dazu bestimmten Holzschuhen zu versehen. Diese Holzschuhe bedürfen der öfteren Steinigung mittels KarbolwafserS. Bei Anwendung dieser Vorsichtsmaßregel ist es gelungen, den Vichstand frei von der Seuche zu halten.
* — Der preußische Handelsminister hat im Interesse der Fortbildungsschulen angeregt, die Verpflichtung zum Besuche der Fortbildungsschule überall bis zum vollendeten 18. Lebensjahre auszudehnen. Die Magistrate sind angewiesen, sofort einen entsprechenden Beschluß der Körperschaften herbeizuführen.
* — Der Gemeinde Niederkalbach bei Neuhof ist zum Neubau eines zweiklassigen katholischen SchulhauseS mit Lehrerwohnungen, sowie eiucs Wirthschafts- und AbortgebäudeS eine StaatSbeihilfe von 19,000 Mark Allerhöchst bewilligt worden.
* — In Nr. 8 brachten wir eine Mittheilnng über die sogen. Baptisten im östlichen Theile des KreiseS Schlüchtern. Es geht uns nun folgende Richtigstellung zu: Herr Franz ist nicht Baptist, auch kein Schuhmacher, andern ist bis zum 24. Lebensjahre Erziehungsgehilfe in Waisenhause und dann vier Jahre Zögling im Missionshause gewesen.
Wächtersbach, 16. Februar. Nach Mittheilung der Firma Bering und Wächter soll der Betrieb der Wächtersbach.Birsteiner Bahn bestimmt im Juni eröffnet verden. Um dies zu ermöglichen, will die Firma den Oberbau in Regie ausführen und hat zu diesem Behufe bereits das Nöthige veranlaßt. Gegenwärtig wird im Birsteiner Walde gegenüber dem Sägewerk an den Erdarbeiten gearbeitet. Die bei dem Bau beschäftigten Arbeiter stammen fast alle aus den benachbarten Ort-