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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 11.

Samstag, den 5. Februar 1898.

49. Jahrgang.

®tlblhtttrt6»ti auf ^e „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen — . —!-!»!.-!!-!!.!- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Der „Deutsche Reichs- und Preußische Staatsanzeiger" veröffentlicht in seiner heutigen Nummer folgenden Dank-Erlaß des Kaisers:

Mit herzlicher Freude habe ich es auch bei der diesjährigen Wiederkehr Meines Geburtstages erfahren dürfen, wie festlich dieser Tag im ganzen Reiche und weit über seine Grenzen hinaus begangen ist, und welche treuen Wünsche und Fürbitten Mich in das neue Lebensjahr geleitet haben. Eine große Anzahl von schriftlichen und telegraphischen Kundgebungen gab Mir ein beredtes Zeugniß davon, daß das Band, welches Mich mit dem deutschen Bolke verbindet, auf treuer An­hänglichkeit und zuversichtlichem Vertrauen gegründet ist. Ich habe aus den begeisterten Huldigungen aber auch mit Befriedigung ersehen, welch freudigen Wiederhall die jüngsten Erfolge unserer Bemühungen, den deutschen Interessen auch im Auslande ausreichenden Schutz und eine gesunde Weiterentwickelung zu sichern, in den Herzen aller Patrioten, besonders auch bei den fern vom Baterlande lebenden Deutschen gefunden haben. Mein Sinnen und Denken wird im Ausblick zu Gott, dem Herrn, auch ferner darauf gerichtet sein, die Sicherheit und die Wohlfahrt des Reiches zu fördern und zu heben. Von dem Wunsche beseelt, Allen, welche Mich an Meinem Geburtstage durch freundliche Wünsche und sonstige Aufmerksamkeiten erfreut haben, Meinen wärmsten Dank zn erkennen zu geben, ersuche Ich Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, Schloß, den 31. Januar 1898.

Wilhelm, I.

An den Reichskanzler.

— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Beim auswärtigen Amt gehen fortgesetzt in großer Zahl Gesuche von Personen ein, welche nach dem deutschen Gebiet an der Kiaotschau-Bucht überzusiedeln wünschen, und um Auskunft über die dortigen Verhältnisse für die Errichtung eines Geschäftes oder den Betrieb eines Ge­werbes, oder auch um Anstellung in der Verwaltung des Gebietes bitten. Die Ordnung der Verhältnisse der neuen Besitzung ist zur Zeit noch nicht soweit vorge­schritten, daß eine Antwort auf dergleichen Gesuche er­theilt werden könnte. Alle bezüglichen Eingaben sind daher verfrüht!

— Sehr beunruhigende Nachrichten erhält das „Wests. Bolksblatt" in einem Briefe aus Südwestafrika. ES heißt daselbst: Ganz Swakopmund hat halbmast ge­flaggt. Es steht hier traurig. Malaria und Dysenterie fordern furchtbar viele Opfer, noch liegt eine Menge Leute krank. Dazu kommt Krieg. Zuerst brach der Aufruhr im südlichen Theile des Schutzgebietes aus. Die Buschmänner hatten den Adjutanten Hendrik WitbooiS und einen Offizier der Schutztruppe erschossen. Nach mehren Gefechten ist der Aufstand im Süden jetzt endlich unterdrückt. Jetzt aber ist es im Norden im Gange. Die Ovambos haben am Eunene fünfzig Portugiesen Nachts überfallen und niedergemetzelt. Man findet die Erklärung darin, daß die Portugiesen nicht genügend Wachen ausgestellt haben sollen. Die Ge- tödteten waren Dragoner. Darauf erfolgten Angriffe gegen unsere Schutztruppe. Der Hauptmann v. Estorff ' schlägt sich augenblicklich mit den Ovambos im nörd­lichen Theile, ungefähr zwischen der Elosa-Pfanne und Otgimbingwe. Wir erwarten hier in Swakopmund täglich ein Kriegsschiff, welches einen Theil der hiesigen Besatzung nach dem Kriegsfelde bringen soll. Soeben kommt die Nachricht, daß Hauptmann von Estorff verwundet und Lieutnant Franke im Guisebthale er­schaffen sei.

— Abänderungen des „Sonntagsruhe-GesetzeS" soll die Reichsregierung planen. Der „Voss. Ztg." zufolge sind die betreffenden Vorarbeiten schon so weit gefördert, daß deren Abschluß für nächste Zeit zu erwarten steht. Da die Abänderungen eines solches Gesetzes, wie es dasjenige über die Sonntagsruhe ist, welches ja seine Wirkungen über die weitesten Bevölkerungskreise erstreckt, begreiflicher Weise von allgemeinstem Interesse sind, so wäre es sehr erwünscht, wenn die Regierung diese Pläne baldigst bekannt gäbe.

— Die Zahl der Invalidenrenten übersteigt die der Altersrenten bereits um über 7000. In stetiger Steigerung befindet sich auch die Zahl der Beitrags­erstattungen. Die Zahl der laufenden Invalidenrenten ist im vergangenen Jahre erheblich und ziemlich gleich­mäßig gestiegen, von 161,670 auf 210,858. Die Zahl der Altersrenten ist von 203,955 mit kleinen Schwank­ungen auf 203,644 gesunken und scheint den Zustand der Beharrung erreicht zu haben. Beitragserstatlungen sind bewilligt worden an weibliche Versicherte, die in die Ehe getreten sind, 171,392, an die Hinterbliebenen von Versicherten 41,591.

— Wie mitgetheilt wird, haben sich sämmtliche maß­gebende Fabriken der Gummi-Industrie dahin geeinigt, mit Beginn dieses Jahres eine allgemeine procentuale Erhöhung der Verkaufspreise aller ihrer Erzeugnisse durchzuführen.

Schlesien. Infolge tagelanger Regengüsse ist leider wiederum eine ernste Hochwassergefahr, veranlaßt durch das Steigen des Bober eingetreten. Aus dem Quell­gebiete dieses Flusses wird immer weiteres starkes Steigen gemeldet, und aus dem Rlesengebirge trifft die Hiobspost ein, daß im Zackengebiet ein furchtbarer Wolkenbruch niedergegangen sei. Auch der Queis und die Neiße sind in rapidem Steigen begriffen.

— Leipzig. Welchem Umfang der sozialdemokratische Terrorismus gegen Arbeitswillige erreicht hat, zeigt die von den „N. N." berichtete Thatsache, daß in Leipzig während und nach dem letzten Maurerausstand 80 Per­sonen wegen ungesetzlicher Ausschreitungen gegen Arbeits­willige zu rund 6 Jahren Gefängniß und 350 Mark Geldstrafe verurtheilt sind. Da ein Theil der Straf­anzeigen noch der Erledigung harrt, wird die Zahl der Bestraften voraussichtlich 100 oder noch mehr erreichen. Wie aus Leipzig gemeldet wird, hat eine Abordnung des Börsenoerems deutscher Buchhändler wegen der preußischen Ministerialverfügung betreffend das Verbot der Drahtheftung für Schulbücher, welches den Verlags­buchhandel und die Buchbinderei in lebhafte Beunruhig­ung versetzt hat, dem Kultusminister Dr Bosse persönlich eine Eingabe überreicht, in welcher darum gebeten wird, die Verordnung, wenn sie nicht ganz zurückgezogen werden kann, darin zu ergänzen, daß neu erscheinende Schulbücher von Ostern 1900 an, andere Schulbücher von 1903 an, nur mit Fadenheftung auszugeben sind und erst von Ostern 1908 ab Lehrer- und Schul bibliotheken mit Draht geheftete Bücher sollen zurück­weisen dürfen. Der Minister sagte eine erneute Prüfung der ganzen Frage zu und stellte, falls dieselbe für die Drahtheftung ungünstig ansfallen solle, den Erlaß von Übergangsbestimmungen in Aussicht, um eine wirlh- schaftliche Schädigung der Bctheiligten zu verhüten.

Mühlhausen, 31. Jan. Um sich zu rächen, hatte ein Mann einen Knaben veranlaßt, während des Gottes dienstes bei einem Uhrmacher eine Schnur zu kaufen und sodann die Uebertretung sofort angezeigt. Das Genchi verurtheilte nun den Uhrmacher wegen Uebertretung zu 5 Mark Geldstrafe, den rachsüchtigen Feind aber wegen Anstiftung zur Uebertretung zu 60 Mark Geldstrafe, wobei es bedauerte, daß es für eine so gemeine und niederträchtige Gesinnung keine Freiheitsstrafe gebe.

Bom Eichsselde, 2. Februar. Das Rittergut Gleichenstein, welches seiner Zeit von einem Kaufmann aus Berlin Namens Jsaaksohn behufs Parzellirung er­worben worden war, ist von diesem wieder im Ganzen verkauft worden, und zwar zum Preise von 300 000 Mk. Der Herr hat es verstanden, bei diesem Verkaufe 80 000 Mark zu verdienen. Fürwahr ein nettes Ge­schäft, das allein schon ein ansehnliches Vermögen ausmacht.

— Ein ganz unerwarteter Fund wurde in Olden­burg gemacht, als man an dem Postgebäude einen alten Briefkasten beseitigte, um ihn durch einen neuen zu er­setzen. Zwischen dem Kasten und der Mauer fand man eine Anzahl Briefe aus den 50er Jahren, die dorthin gerathen waren beim Hineinstecken in den Kasten. Verschiedene der Briefe konnten nicht mehr bestellt werden, da die Adressaten schon verstorben waren. Diese Briefe, die die werthvollen oldenburger Briefmarken trugen, sind dem Berliner Postmuseum für seine Briefmarken­sammlung überwiesen.

Düsseldorf, 31. Jan. Das hiesige Schöffengericht fällte dieser Tage ein salomonisches Urtheil. Einige Zeitungen hatten laut „N. B." das „Volta-Kreuz" als Geheimmittel annoncirt, der KreisphysikuS erklärte be­

sagtes Kreuz als Heilmittel und die Annoncen-Redakleure wurden von der Polizei wegen Anpreisung von Geheim- mitfeln in eine Geldstrafe von 15 Mark genommen. Das Schöffengericht sprach sie frei, denn ein Stück Blech sei kein G-Heimmittel. Das Volta-Kreuz ist aber Blech in jeder Beziehung und doch gibt es immer noch Leute, sie auf den Schwindel hereinfallen und ihr gnles Geld dafür wegwerten.

— Der Anzug eines Urgermanen. Aus Stade schreibt man: Eine große Sehenswürdigkeit besitzt das hiesige Museum. Es ist der vollständige, gut erhaltene Anzug eines Germanen etwa aus dem sechsten Jahrhundert nach Christi. Der Anzug ist von dem Konservator Lindenschmitt am Römisch-Germanischen Centralmuseum in Mainz wieder zusammengefügt w. 'en. Die aden Germanen hüllten sich bekanntlich in eine große wollene Decke, welche sie auf der rechten Schütter mittels eines Dorns oder mit einer bronzenen Nadel zusammenhefteien. Von den Nadeln sind in den ^useen -

Den Mantel selbst weit über 1U00 Ja^ '^-zeit in el^ wäre wohl nicht möglich gewesen, wenn m * hneude stoff des Moores ihn konserviert hätte. Der wurde nämlich im Moore bei Oberaltendorf aufgefunden. Sämmtliche Theile des Fundes zeigen eine braune Tabaksfarbe. Der Mantel hat eine dunkle, fingerbreite Borte und etwa zwei Zoll lange Fransen. Die Länge beträgt 2,40 Meter. Der Stoff besteht aus Wolle und die Fäden haben etwa die Stärke des Segeltuch­gespinstes. Außerdem wurden zwei feinere wollene Binden gefunden, welche mit ledernen Riemen kreuzweis um die Waden gewickelt wurden. Von den beiden ledernen Bindschuhen, die über besonders für diesen Zweck ange­fertigte Gypsschuhe gezogen sind, ist einer 2?, der andere 30 Centimeter lang. Der Fund wird vervollständigt durch einen Skalp mit röthlichen Haaren, ein Stück menschlicher Haut und zwei Stück silberner Hängezierate des Halsschmuckes. Außerdem noch gefundene leinene Kleidungsstücke, die bei den Arbeiten im Moore schon zerschnitten wurden, sind wieder zusammengesetzt worden.

Airstaud.

Paris. Die so oft schon dementirten Gerüchte, daß Dreyfuß im Solde Rußlands gestanden habe, tauchen immer wieder auf. Eine neue Variante dieses Gerüchts bringt jetzt ein Berliner Brief des „Stuttgarter Beo­bachters". Der Gewährsmann des Blattes will die Mittheilung aus Kreisen haben, die mit der hohen Diplo­matie in Beziehung stehen. Er berichtet: DreyfuS habe thatsächlich mit Deutschland nicht die geringste Fühlung gehabt, aber er habe in bester Absicht dem verbündeten Rußland mitgeiheilt, daß die militärische Stärke Frank­reichs dem nicht entspreche, was nach Petersburg gemeldet wurde. Vor allem habe er die durch die Bewaffnung der deutschen Artillerie erwachsene Ueberlegenheit Deutsch­lands Mittheilen können. Dreyfuß habe mit seinen Mittheilungen beabsichtigt, durch Rußland einen Druck auf Frankreich auszuüben, zunächst aber erwirkt, daß man in Petersburg mißtrauisch geworden sei, und daß Mohrenheim abberufen wurde. Die französische Regier­ung aber wolle sich heute nicht dazu bequemen, einzuge- stehen, daß Frankreichs Schwäche und ihre eigene Unfähig­keit an den besten Freund verrathen worden sei.

New-Aork, 1. Febr. Ein entsetzlicher Schneesturm, der dem orkanartigen Schneesturm vom 12. März 1888 außerordentlich ähnlich war, hauste in New-Dork und New-England und deckte die Straßen und die Bahnlinien zu, begrub Elsenbahnzüge, und war ganz besonders heftig in Boston, das vollständig von allem Verkehr abge­schnitten ist. Die Straßen sind vom Schnee gesperrt. 200 Pferde kamen in der letzten Nacht um, indem sie über die Leitungsdrähte der Straßenbahn strauchelten und niederstürzten. Die Kadaver find noch unverscharrt.

Lokales rrud Provinzielles.

* Schlüchter«, 4. Febr.

* — Im Jahre 1897 sind nach Ausweis der amt­lichen Fleischschauregister in der Stadt Schlüchter» ge- schlachtet worden:

Rindvieh 421 Stück gegen 355 im Vorjahr Kälber 365 „ „ 429 „ „ Schweine 1546 „ „ 1511 „ „ Schafe 217 „ „ 198 „ „ Ziegen 41 „ „ 32 „ „

Vorstehende Zahlen zeigen zur Genüge, daß ein öffent-