Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
<M 10. Mittwoch, den 2. Februar 1898. 49. Jahrgang.
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l^fMIittiAMt °"f ^e „Schlüchterner Zeitung" SztpttUUlly^H werden noch fortwährend von allen
-—...... ■' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser fuhr Sonnabend Mittag bei der französischen Botschaft in Berlin vor und verweilte längere Zeit bei dem Marquis de Noailles. Bekanntlich hat der Botschafter am Geburtstage des Kaisers das Großkreuz des Rothen Adlerordens erhalten. Von der Botschaft begab der Kaiser sich direkt zum Reichskanzler Fürsten Hohenlohe.
— Wegen des Abschlusses von Verträgen mit Unternehmern hat der preußische Kriegsminister bestimmt, daß in alle Verträge von Truppen und Kommandobehörden Angaben darüber aufzunehmen sind, ob die Lieferung bezw. Leistung dem Unternehmer freihändig oder auf Grund eines vorangegangenen öffentlichen oder beschränkten Verdingungsverfahrens übertragen wird und ob im letzteren der Unternehmer der Mindestfordernde war.
— Ueber die Ermordung des deutschen Matrosen Schulze tn Kiaotschau melden Londoner Blätter noch folgende Einzelheiten: Das Verbrechen wurde erst entdeckt, als drei Mann mit einem Korporal die Runde machten, um den Wachtposten abzulösen. Der Matrose lag enthauptet am Boden. Die Ablösungsmannschaft wurde bald darauf von etwa Hundert Eingeborenen angegriffen ; obwohl sie sich tapfer vertheidigten, sollen alle drei getödtet worden sein. Auf chinesischer Seite wurden 12 Mann getödet. Infolge dieser Ausschreitung herrscht große Aufregung in Kiaotschau. Soweit die Londoner Meldung. Wir hoffen zuversichtlich, daß sich dieselbe Nicht bestätigen wird, da andernfalls des tragischen Vorganges doch schon in der amtlichen Meldung des Admirals von Diedrichs an das Auswärtige Amt Erwähnung gethan worden wäre.
— Für die wissenschaftliche Erforschung der Maul- und Klauenseuche hatte der Reichstag im vergangenen Jahre 35000 Mk, der preußische Landtag 20000 Mk. bewilligt. Diese Summen wurden dem Gesundheitsamte, bezw. dem preußischen Institut für Infektionskrankheiten, überwiesen, sin denen mit den Arbeiten nach einem im Gesundheitsamt ausgestellten einheitlichen Plan sofort begonnen wurde. Daneben erschien es zweckmäßig, die praktischen Erfahrungen der Thierärzte über die Seuche in allen Theilen des Reiches zu sammeln, soweit sie nicht in den ärztlichen, amtlichen Viehseuchenberichten bereits mitgetheilt waren. Die Ergebnisse der bisherigen Forschungen sind einer am 14. Januar im Rcichs-Ge- sundheitSamt zusammengetretenen Kommission von Sachverständigen dargelegt worden.
— Pferdezucht. Während wir 1876 an Pferden 87071 Stück in Deutschland einführten und 51514 ausführten, betrug die Einfuhr 1896 103 260 und die AuSfuhr nur 9894. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und es ist Zeit, daß sich jeder pferdehaltende Landwirth an eine passende Pferdezucht heranmacht. Gute Gebrauchspferde werden in der Landwirthschaft und Industrie gut bezahlt und ihre Zucht bringt bei verständnißvoller Handhabung noch ein Stück Geld ein.
— Amerikanische Pferde - Einfuhr nach Europa. Der amerikanische Bundes-Ackerbausekretär Mr. Wilson wendet neuerdings seine Bemühungen zur Förderung der AuSfuhr von amerikanischen Erzeugnissen nach Europa auch dem Pferde-Exporte zu; er glaubt, daß sich tm Westen mit Erfolg Pferde züchten ließen, die sich für europäische Kavalleriezwecke eignen. Die Agenten des Bürcaus in den Hauptstädten Europas sind daher instruirt worden, über den dortigen Bedarf, die Preise, Anforderungen bezüglich der Armeepferde Erkundigungen einzu- ziehen und darüber Bericht zu erstatten. Auch ist Mr. StubbS, der Agent mehrerer amerikanischer Pferdezucht- vereine, im Anftrage deS Ackerbaubüreaus nach Europa gereist, um die dortigen Pferdemärkte, mit besonderer Berücksichtigung der Nachfrage nach Kavalleriepferden, kennen zu lernen. Der Ackcrbausckretär bezweckt damit amerikanische Züchter zu veranlassen, in daS Exportgeschäft nach Europa einzutreten.
— Mit dem Plane einer Ablösung der Apotheken- wrrthe geht die preußische Regierung jetzt ernstlich um: Die „Pharmaceutische Zeitung" erfährt, daß sämmtlichen preußischen Apothekern durch die Regierungsmedizinal-
Ausland.
Oesterreich. Aus dem Briefe eines Präger Deutschen an seine Verwandten in Graz werden folgende Stellen, die charakteristisch für die unhaltbaren Zustände in Prag sind, mitgetheilt: „Es geht hier zu, als ob der Deutsche vogelfrei wäre. Die Tschechen sind von einer unglaublichen Roheit, selbst Frauen und Kindern gegen über, zumal sie durch die Hilflosigkeit und Furchtsamkeit der Regierungsorgane unterstützt werden. Seit den November- und Dezemberunruhen bin ich noch keinen Schritt ohne geladenen Revolver ausgegangen. Nachts muß man alle Thüren fest verschließen. Der Revolver liegt neben meinem Bett aus einem Tischchen und der frisch geschliffene Säbel lehnt daneben. Licht, Kleidung rc. muß man zum schleunigsten Gebrauche stets bereit halten. Während der drei furchtbarsten Tage bin ich nicht aus den Kleidern gekommen, da fortwährend, selbst am helllichten Tage und in Anwesenheit von Polizei und Militär die Wohnungen der Deutschen gestürmt, geplündert und in Brand gesetzt wurden. Das Gefühl der Sicherheit ist bei den Deutschen auch bis heute noch nicht zurückgekehrt, da das Vertrauen zur Regierung fehlt und nach ihrem Verhalten wirksamer Schutz nicht zu erwarten steht. Mit welcher Erbitterung wir Präger Deutschen den gegenwärtigen Verhältnissen gegenüber- stehen, läßt sich gar nicht in Worte kleiden." Der Brief schließt mit den Worten: „Aushalten müssen wir bis zum letzten Blutstropfen, nicht nur wegen des DeutschthumS in Prag, sondern um des Deulschihums in Oesterreich willen, damit man uns nicht nachsagen kann, daß wir uns den nationalen Pflichten auch nur auf einen Moment entzogen hätten I“
räthe Ablösungsoorschläze, wie sie seitens des Ministerums geplant sind, zur Meinungsäußerung unterbreitet werden sollen. Das Fachorgan spricht von einem Ankauf der Apotheken mittelst vierprozentiger Papiere, wovon drei Prozent für Verzinsung und ein Prozent für Amortisation gerechnet werden sollen. In einem Zeitraum von 50 Jahren soll alles abgelöst sein. Die „Pharm. Ztg " fügt hinzu, daß ihre Mittheilung vollkommen zuverlä'sig sei.
Prenzlau. Ein ganz Schlauer. Um seinen Bedarf an Roheis billig zu decken, trug ein Bierverleger in Prenzlau seinen Keller voll — Wasser, in der frohen Erwartung, daß recht bald Frostwetter eintreten und sein Eiskeller dann fertig sein werde. Aber, was er erhoffte, trat leider nicht ein, und Wasser bleibt Wasser. Es suchte sich weitere Bahn, drang in die Nachbarkeller ein, wo die Kartoffeln, leere Fastagen und was sonst schwimmfähig war, sich lustig auf den Wellen zu schaukeln begannen. Schluß: Großer Skandal im Hause, Zuhilfnahme des Gerichts wegen Regreßansprüche. Zum Patent dürfte Herr X. seinen Eiskeller, obwohl dieser neu und eigenthümlich ist, kaum anmelden.
Aus Thüringen. Ein Arbeiteraufruhr ereignete sich 'dieser Tage in der an der Bahnlinie Leinefelde-Mühl- Hausen gelegenen königlichen Domäne Kloster Reifenstein. Das schon seit längerer Zeit bestehende ungünstige Verhältniß zwischen dem Domänenpächter und seinen Leuten, das hauptsächlich von zwei im Dienste befindlichen Schweizern herbeigeführt worden sein soll, artete letzter Tage in einen offenen Aufruhr aus, bei dem arge Verwüstungen angerichtet wurden. Der Domänenpächter mußte sich in seine Wohnung, das feste Priorhaus des ehemaligen Cisterzienserklosters, zurückziehen und be- waffncle dort sich und einige zu ihm stehende Leute mit Gewehren.' Der Gutsverwalter, der in diesem Augenblick noch den Hof überschritt, wurde, der „Frauk- furter Ztg." zufolge thätlich angegriffen, schoß aber mit dem Revolver einen der Schweizer nieder, der kurz darauf starb. Jetzt ist der Gutshof stark von Gendarmerie besetz.
Kulmbach. Ein Diebstahl seltener Art beschäftigt zur Zeit die Kulmbacher Polizei. In einem Stadttheile daselbst kamen nach und nach alle Katzen abhanden, so daß zur Zeit nur noch ein Katzenbesitzer dort zu verzeichnen ist. Die große Aufregung, welche die Sache hervorrief, veranlaßte eine polizeiliche Haussuchung und seltsam: man fand in der Kochröhre eines Haushaltes ein Stück Katzenbraten mit Klößen. Ebenfalls wurden dort mehrere Katzenfelle vorgefunden, welche von den Eigenthümern der verschwundenen Katzen wieder erkannt wurden.
Kreta. Aus Kandia bringt das „N. Wien. Tgbl.", sehr düstere Nachrichten über die Lage auf der Insel Kreta. In Kandia selbst befinden sich gegenwärtig 45 000 Mohamedaner, darunter 30 000 Flüchtlinge aus dem Innern der Insel. Die aus Engländern bestehende Garnison ist viel zu schwach, um die Ausschreitungen der Mohamedaner zurückzuhalteu Die Moslems plünderten in den letzten Tagen die christlichen Magazine und unternahmen Streifzüge, wobei blutige Zusammenstöße stattfanden. Auf dem orthodoxen Friedhofe rissen sie die Gräber auf und trugen die Gebeine aus dem Beinhause fort. Im Innern der Insel herrscht volle Anarchie. Dort wüthen die christlichen Insurgenten womöglich noch schlimmer als die Mohamedaner in Kandia und zerstören alles mohamcdanische Eigenthum sowie die Kulturen.
Amerika. Der Münzamtsdirektor Dreston in Washington schätzt die Goldausbeute der ganzen Erde während deS Jahres 1897 auf 240 Millionen Doll., eine Zunahme von etwa 20 Proz. gegen das Jahr 1896. Die Ausbeute der Vereinigten Staaten beträgt 61 Millionen, diejenige Afrikas gegen 58, Australiens 51, Mexikos 10, Kanadas 7'^, Indiens 7 ‘fa, Rußlands 25 Mill. Doll. In den Vereinigten Staaten steht der frühere Silberstaat Kolorado unter den golderzeugenden Staaten nnnmehr obenan; dort wird die Ausbeute auf rund 22 Mill. Doll. veranschlagt, während sie in Kalifornien nicht ganz 18 Mill. betrug.
Buenos Ayres, 27. Januar. Die Pulverfabrik in Forens ist in die Luft geflogen. Ungefähr 110 Personen sind dabei getödtet worden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 1. Febr.
* — Jnvaliditats- u. Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Dezember 1897 sind von versicherten Personen des Kreises Schlächtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 159 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Dezember 1897 zur Erledigung: 94 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 63 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens ein- getretenen Tod der Antragsteller rc. Die bewilligten Altersrenten betrugen: für 68 männliche und 26 weibliche Personen zusammen jährlich 11,276 Mk. 30 Pfg. Von den 94 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 52 in der Land- und Forstwirthschast, 8 in der Industrie, — im Handel und Verkehr, 13 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 13 im Staats- rc. Dienste, 8 im Gesindedienste. Ende Dezember 1897 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 59 Altersrenten mit zusammen 7,300 Mk. 80 Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Dezember 1897 durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 140. Davon kamen bis Ende Dezember 1897 zur Erledigung: 85 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 41 durch Ablehnung, 14 auf sonstige Weise. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 66 männliche und 19 weibliche Personen im Ganzen jährlich 10,498 Mk. 20 Pfg. Von diesen Personen waren beschäftigt: 39 in der Land- und Forstwirthschaft, 20 in der Industrie, 2 im Handel und Verkehr, 9 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 5 im Staats- rc. Dienste, 10 im Gesindedienste. Nachdem 27 Invalidenrenten durch den Tod der Empfänger und — durch Wiedergewinnung der Erwerbsfähigkeit der Empfänger rc. in Abzug gekommen waren, blieben Ende Dezember 1897 noch 58 Invalidenrenten im Gejammtbetrage von jährlich 7,203 Mk. 60 Pfg. zu zahlen.
* — Morgen, Mittwoch, sind die StaatS- steuern zu zahlen, worauf wir hiermit aufmerksam machen.
* — Die Anzahl der Darlehnsvereine nach System Raiffeisen im Regierungsbezirk Cassel beträgt zur Zeit 300. ES stehen nur noch einige Ortschaften außerhalb der Bewegung; höchstens 30 Vereine können noch gegründet werden.
* — Muß man Mahngebühren bezahlen, wenn die Mahnung erst zur Zustellung gelangt, nachdem man