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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 7.

Samstag, des 22. Januar 1898.

49. Jahrgang.

R-st-l!ltNa§,1 °"k btcSchlüchterner Zeitung" öPvplUUUljUl werden noch fortwährend von allen

- ' - - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Spedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Für die Einweihung der protestantischen Kirche in Jerusalem, der das Kaiserpaar beiwohnen will, ist nach wie vor der 31. Oktober als Jahrestag der Grundsteinlegung durch Kaiser Friedrich in Aussicht genommen. Wenn an die Meldung, daß die Jacht Hohenzollern" im Mai und Juni im Mittelmeer zur Verfügung des Kaisers liegen solle, die Folgerung ge­knüpft wird, die Jacht solle zur Fahrt nach Jerusalem verwendet werden, so entspricht dies nicht den Thatsachen; denn einmal ist bis dahin an eine Fertigstellung der Kirche nicht zu denken, und dann wäre diese Zeit die denkbar ungünstigste zu einer Reise ins gelobte Land.

Gegenüber den englischen Meldungen, daß der Kiaotschauvertrag noch nicht definitiv unterzeichnet sei, wird von guter Seite gemeldet, der Kaiser von China habe den Vertrag nach Abschluß der Unterhandlungen mit dem Thungli-Iamen bereits ratifiziert, wenngleich die offizielle Veröffentlichung von chinesischer Seite aus formellen Gründen bisher noch nicht erfolgte.

Ueber die Bodenbeschaffenheit der deutschen Besitz­ung Kiaotschau werden jetzt Einzelheiten bekannt, aus denen heroorgcht, daß das neu erworbene Gebiet wohl des Besitzes werth ist. An Wald fehlt es der Landschaft freilich vollständig, dagegen ist das Gebiet reich an Wasser und besitzt eine erfolgreiche Getreide« uud Obst­kultur. Die Gefahr der Versandung des Hafens ist vor der Hand ausgeschlossen. Deutschland hat das ausschließliche Recht erhalten, in der ganzen Provinz- Shanlung Kohlenminen zu eröffnen, auch soll demselben in Bezug auf den Eisendahnbau in Shanlung das Vor­recht eingeräumt werden.

Zwilchen dem Grafen Villeneuve, dem Besitzer der Villa Zirio in San Remo, in der Kaiser Friedrich gewohnt, und dem Verband der deutschen Kriegervereine sind Verhandlungen wegen Ankaufs der Villa angeknüpft worden. Die Vereine beabsichtigen, im Garten ein Denkmal zu errichten und die Villa zu einem deutschen Hospital auszubauen.

Eine außerordentlich große Lohnbewegung ist in diesem Jahre im Baugewerbe zu erwarten. Es wird mttgetheilt, daß in wenigstens 250 Orten Lohnerhöhungen von den Arbeitern werden gefordert werden. Mit der Aufbringung von Streikgeldern sollen die unbeteiligten Maurer spätestens am 1. März beginnen.

Erfurt. Ein Riesenpferd von wirklich gigantischen Formen war in den letzten Tagen im GasthausZum Regenbogen" in Erfurt zur Besichtigung ausgestellt. Das gewaltige, erst 4 Jahre alte Thier, das an Größe dem Elephanten gleicht, wiegt bei einer Höhe von 2,4 Metern und einer Länge von 3 Meter die Kleinigkeit von 24 Centner.

Ausland.

New Iork. sKlondikes Goldquelle.j Von Damson City kommt die Mittheilung, daß es endlich geglückt ist, das goldhaltige Quarzlager, aus dem das Alluvialgold herausgefchwemmt wird, ausfindig zu machen. Das Lager soll überaus goldreich sein. Nach Briefen von Klondyke werden Tonnen Gold von dort verschifft werden, werden, sobald die Schiffe fahren können. Die Zahl der Goldgräber, welche schon jetzt die Reise nach dem neuen Eldorado antritt, ist größer als die derjenigen, welche nach Südafrika oder Californien zog, als das Goldfiebcr dort herrschte. Fünf Eisenbahngesellschaften haben schon 45,000 Fahrkarten an die Goldsucher ver­kauft. Zwei Pacific-Dampsschifffahrtsgesellschaften haben sich verbindlich gemacht, 20,000 Fahrgäste zu befördern. Jeder Winkel der Welt liefert die Goldfieber-Kranken. Die Transport-Gesellschaften erhalten Briefe von Süd­amerika, Rußland, Jerusalem, Skandinavien und Italien. Ein Bergmann, der von Klondyke nach den Vereinigten Staaten kommt, ist bald von einer Menschenmenge um­geben. als ob er ein berühmter Faustkämpfer wäre. Er kann sich vor Besuchern und Briefen nicht retten. Die amcrikani chen Eisenbahngesellschaften thun auch noch ihr Bestes, das Goldfieber zu verstärken. Ganze Züge voll Flugschriften über die Herrlichkeiten

Lokales «ud Provinzielles.

* Schlüchtern, 21. Jan.

* Vom 1. April ab treten mit Pension in den Ruhestand: Herr Forstmeister C ö st e r zu Niedei kalbach und Herr Postmeister S t e i n b a ch zu Schlüchtern.

* Die neue Städteordnung, die mit dem ersten April d. J. in Kraft tritt, enthält in ihren Be­stimmungen ein neues Wahlverfahren: das Dreiklassen- wahlsystem. Im Gegensatz zur früheren Bürgergemeinde wird nunmehr die Einwohnergemeinde zur Wahl schreiten, an der jeder Einwohner, welcher das 24. Lebens­jahr zurückgelegt, theilnehmen kann. Vorausgesetzt wird dabei, daß die Bestimmungen des §. 5 her neuen Städte- ordnung erfüllt werden.

* Nunmehr liegen die Listen der wahlberechtigten Bürger auf dem Rathhause zur Einsicht aus. Demnach scheint es, als ob der Stadtrath vom 1. April ab ein etwas anderes Gesicht bekäme. In der l. Klasse wählen 21, und zwar 7 Christen und 14 Juden. Unter diesen find nur 2 Beamte (Notar Henrichs und Rentmeister Schnegelsberg), die übrigen sind Gewerbetreibende. In der zweiten Abtheilung sind 59 Wähler eingeschrieben, darunter 10 Beamte und ein Lehrer a. D. Unter den Gewerbetreibenden dieser Abtheilung befinden sich 41 Christen und 18 Juden. Man sieht also, die neue Gemeinde-Ordnung wird erhebliche Verschiebungen in den bisherigen Verhältnissen herbei führen.

* Zu der am 7. Februar in Hanau unter dem Vorsitze des Herrn LandgerichtSdireccors Hellbach be­ginnenden I. diesjährigen Schwurgerichtsperiode sind folgende Herren aus dem Kreise Schlüchtern ausgelooft worden: Nikolaus H i l d e b r a n d, Wuth m Steinau. Adam Lenz, Bauer in Röhrigs und Alexander Boes, Wirth in Sarrod.

Die Mehrzahl der Oberförster- und Försterstellen ist mit Dieustland ausgestattet. Ein Theil von diesem hat in neuerer Zeit durch Moordammkulturen, Dränierung, Anwendung künstlichen Düngers rc. wesentliche Verbesser­ungen erfahren, die nicht ohne günstige vorbildliche Ein­wirkung auf die Bewirthschaftung benachbarter bäuerlicher Grundstücke geblieben sind. Es ist indessen erwünscht, dieser Einwirkung einen größeren Umfang zu geben und die Bewirthschaftung der hierzu geeigneten Forstbeamten- Dienstländereien so zu gestalten, daß sie nach den ver­schiedensten Richtungen als Muster dienen können. Dies gilt insbesondere in Betreff einer zweckmäßigen Frucht- folge, der Verwendung vortheilhafter Düngungsarten (Gründüngung, Benutzung verschiedener Arten künstlichen Düngers rc), Verwendung besseren, auch für die lokalen Verhältnisse sich besonders eignenden Saatguts, der Steigerung der Erträge aus der Viehhaltung (Geflügel zucht, Beschaffung von Zuchtebern, Bullen rc), für Bienenzucht, für Obstzucht, Gartenbau und dergleichen. Auch werden behufs Lösung der Frage über den zweck mäßigsten Betrieb kleiner Landwirthschaften die Dienst- ländereien mit Vortheil zur Ausführung von landwirth- schaftlichen Versuchen benutzt werden können. Soweit den Forstbeamten hierdurch Ausgaben erwachsen, welche nicht unmittelbar durch erhöhte Erträge Deckung finden, hat sich der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten bereit erklärt, aus Mitteln der Landwirthschaft- lichen Verwaltung Beihülfen zu gewähren oder die aufge­wendeten Kosten zu ersetzen, für besonders hervorragende Leistungen auf dem bargelegten Gebiet auch die Gewähr­ung von Prämien in Erwägung zu nehmen. Auch wird Sorge getragen werden, daß durch landwirthschaftlich technisch geschulte Beamte eine örtliche Unterweisung ber Forstbeamten und die Ertheilung von Rathschlägen erfolgt.

Der Abg. Müller-Fulda, einer der Finanzautori­täten des Centrums, hat soeben eine Schrift erscheinen lassen:Kann die Marinevorlage vom Reichstage ange­

von Klondyke werden durch das Land geschickt und ver­breiten die Kunde in das kleinste Dorf. Man schätzt die Zahl der Goldsucher, welche im Frühjahr durch die Vereinigten Staaten nach Klondyke fahren wollen, auf 200,000.

Canton, 18. Januar Bei dem Orte Langthen ist der deutsche Missionar Homeyer, von der Station Namjung der Berliner Mission, beraubt und verwundet worden. Auf Intervention des hiesigen deutschen Konsuls hat der Generalgouverneur sofort telegraphisch die nöthigen Maßnahmen zur Sühnung des Vorfalles getroffen.

nommen worden?" In seinen Erörterungen kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß diese Möglichkeit ausge­schlossen ist.

Eisenbahnlöhne. Im Jahre 1896(97 wurde an Löhnen für ein Tagewerk nach der dem Abgeordneten­hause zugegangenen Uebersicht im Durchschnitt gezahlt: Bauaufseher 5,70 (1895(96 5,29) Mk, Zeichnergehilfen 4,13 (3,88), Statwnsgehilfen 2,68 (2,59), HilsSlade- meister 2,68 (2,66), Hilfsbahnsteigschaffner 2,34 (2,35), Hilfsbahnwärter 1,65 (1,61), Hilfs-Lokomotivheizer 2,52 (2.35), Hilfsbremser 1,97 (1,92), Bahnhofs-Güterboden- arbeiter und Gepäckträger 2,25 (2,24), Streckenarbeiter 1,99 (1,97), Telegraphenarbeiter 3,33 (3,31), Werk- stätten-Vorarbeiter 4,13 (4,06), Werkstättenhandwerker im Tagelohn 3,14 (2,99), desgl. im Stücklohn 3,53 (3,49) Mark. Die Löhne sind in den westlichen Pro­vinzen meist höher als in den östlichen, außer Berlin und Oberschlesien.

Salmünster, 18. Januar. Das Bürgerrechtgeld ist in unserer Stadt auf I I Mark 38 Psg. festgesetzt worden. Wie viele Einwohner das Bürgerrecht erwerben wollen, bleibt abzuwarlen.

Fulda. Dienstag früh hat auf dem hiesigen Bahn­hof ein junges Menschenleben ein entsetzliches, jähes Ende gefunden. Der Bremserdienste verrichtende Rottenarbeiter Gottfried Göb von Hornwieden, geboren am 23. März 1872 zu Rex, bediente auf einem Güter­wagen die offene Bremse, als er durch den heftigen Anprall zweier im Rangiren begriffener Zugtheile vom Trittbrett herabgeschleudert wurde und darauf in eine so unglückliche Lage kam, daß ihm daS Rad den Kopf vollständig zermalmte und der Tod auf der Stelle eintrat.

Bom Lande, 18. Januar. Ist es schon bedauerlich, daß trotz Mahnung und Abrathen der rechtlich denkenden Bevölkerung, insbesondere der Geistlichen und Lehrer, Mütter ihre Mädchen ohne Noth mit ins Land gehen lassen, von wo sie zwar Geld mitbringen, aber anderes Wichtigeres verlieren, so ist es noch schlimmer, daß so viele Mütter ihre Mädchen, jung und alt, in die Groß­städte in Dienst gehen lassen, in einzelnen Fällen förmlich dazu nöthigen.Wir brauchen Geld und deffen bekommt man in der Stadt mehr wie auf dem Lande." Und doch ist dies nicht so allgemein der Fall. Bei Bauersleuten bekommen Mädchen, die arbeiten wollen, ebenso hohen Lohn, wie in den Großstädten, wo die meisten Landmädchen, die noch nicht angelernt sind, Arbeiten verrichten müssen, die sie im Elternhause nicht so thun. Junge Mädchen können höchstens Kinder­mädchen werden bei geringen Lohn und viel aus den Straßen ohne Aufsicht mit dem Wagen herumlungern. Mädchen, die noch nicht so angelernt sind, um in besseren Häusern mit tüchtigem Personal Stellung zu finden, kommen vielfach in große Miethskasernen mit 8 und mehr Familien. Da ist die Hauptarbeit, die Kohlen aus den Kellern viele Stockwerke hinauf zu tragen rc.

Lauterbach, 17. Jan. Am Samstag Abend entstand plötzlich an der Eisenbahn zwischen hier und Wallenrod eine große Dammrutschung, so daß das ganze Geleise der Bahn mit Erde hoch bedeckt war. Infolge deffen mußte der um 10 Uhr 25 Min. hier fällige Personen- zug von Gießen an der gefährdeten Stelle halten. Die Passagiere konnten erst nach dreistündigem Aufenthalt die Fahrt nach Fulda fortsetzen. Ebenso erlitt der um dieselbe Zeit von Fulda kommende letzte Personenzug einen unfreiwilligen Aufenthalt von fast fünf Stunden. Im Großherzogthum Hessen giebt es zur Zeit noch 93 Gemeinden, welche keine Schulden haben. Bor nahezu zwanzig Jahren gab es noch 133 Gemeinden in der glücklichen Lage, nicht nur schuldenfrei zu sein, sondern Vermögen zu besitzen. Von den schuldenfreien Gemeinden kommen 47 auf Starkenburg, 30 auf Ober­hessen und 16 auf Rheinhessen.

Kirchhasel bei Hünfeld, 17. Januar. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde ein hiesiger Bauer Namens Rübsam arg bestohlen. Um einige aUsstehende Rechnungen zu begleichen, hatte er einige Stück Vieh verkauft und den Erlös, etwa 700 Mk., in einer Kom­mode derOberstube" aufbewahrt. Die Diebe haben einen Theil der Wand eingedrückt und dann leichte Ar­beit gehabt, denn unvorsichtiger Weise hatte der Bauer das Geld in das mittlere Fach der Kommode gelegt und dieses Fach verschlossen, während da- obere Fach