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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

^N 5. Samstag, den 15. Januar 1898. 49. Jahrgang.

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Bt»k^^!!nHrN^ °uf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

-...... - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin, 12. Jan. Am Kaiserlichen Hofe wird ar Rücksicht auf die Gesundheit der Kaiserin in der Zeit d Ordensfest bis zum Geburtstage des Kaisers kein Fe stattfinden. Am Geburtstage des Kaisers werden ve^ schiedene deutsche Bundesfürsten in Berlin eintreffen, u, A. auch die Könige von Sachsen und Würtemberg.

11. Jan. Die Thronrede zur Eröffnung des preußischen Landtags. Die Thronrede kündigt auch für das laufende Rechnungsjahr einen erheblichen Ueber« schuß an. Der Gesetzentwurf betreffend den Staatshaus­halt werde die auf dem Boden der Verfassung stehende gesetzliche Festlegung der Grundsätze für die Veranschlag­ung und Führung der Kontrole des Staatshaushalts vorschlagen. Die Thronrede theilt mit, die Regierung beabsichtige die Aufhebung der Kautionspflicht der Be­amten, eine Neuregelung uud Verbesserung des Dienst­einkommens der Geistlichen beider Confessionen, die Regel­ung der Stellung der Privatdozenten an den Universi­täten. eine Erhöhung des Ansiedelungsfonds in Posen und Westpreußen, die Ausdehnung des gesetzlichen Anerben­rechts auf Westfalen und einige rheinische Kreise, die Bereitstellung weiterer Mittel zur Beseitigung derHoch- wasserverhcerungen und ihrer Folgen. Sie theilt ferner mit, daß Erörterungen eingeleitet seien über die Regu- lirung und planmäßige Unterhaltung der betreffenden Flußläufe.

DieNordd. Allg. Ztg " meldet: Wie wir hören, ist der Pachtvertrag zwischen dem deutschen Reiche und China überKiaotschau nach inzwischen hiereingetroffenen Nachrichten auf einen Zeitraum von 99 Jahren abge­schlossen worden.

Ueber die Entsendung von Frauen nach Deutsch- Südwestafrika ist nach eingehenden Verhandlungen zwischen dem Landeshauptmann Major Leutwein einerseits und der Deutschen Kolonialgesellschaft, sowie dem Evangelischen Afrikaverein andererseits Folgendes vereinbart worden: Mädchen, die zur Auswanderung nach der Kolonie ent­schlossen sind, haben ihre Anmeldungen an die Kolonial- abtheilnng des auswärtigen Amtes zu richten, worauf die Gesuche nach entsprechender Begutachtung an das Generalsekretariat der Kolonialgesellschaft zur Erledigung weitergegeben werden. Die Gesellschaft legt im Bedarfs­fälle die Kosten der Ueberfahrt aus und zur Ausnahme der Mädchen in der Kolonie trifft die Landeshauptmann­schaft die nöthigen Veranstaltungen. Die Ankommenden würden demnach unter dem Schutze der Kolonialverwal- tung vorläufig in einzelnen Ansiedlerfamilien untergebracht werden, von wo aus sie sich zunächst mit den dortigen Verhältnissen vertraut machen können. Der Plan zur Errichtung eines gesonderten Mädchenheims in Südwest­afrika ist vorläufig deshalb noch bei Seite gelassen worden, weil sich augenblicklich noch nicht übersetzen läßt, an welchem Orte der Kolonie die günstigsten Vorbeding­ungen für das wirthschaftliche Gedeihen einer derartigen Anstalt gegeben sind.

Dem Reichstage ist eine Petition zugegangen, in der die Postunterbeamten um Aufbesserung ihrer Lage ersuchen. Diese Petition hat 30 000 Unterschriften gefunden. Namentlich wird in der Petition gebeten um Gewährung eines Anfangsgehaltes von 1000 und eines Höchstgehaltes von 1800 Mk. für etatsmäßige Post­schaffner und Briefträger und von 1200 Mk. für Landbriefträger. Staatssekretär v. Podbielski ließ bei Antritt seines neuen Amtes als Leiter der Reichspost durch die Presse verkünden, daß er gesonnen sei, der Aufbesserung der Lage der Unterbeamten ein warmes Interesse entgegen zu bringen.

Infolge der hohen Fleischpreise machen sich be­reits Schwierigkeiten in der Truppenverpflegung be­merkbar. Die Forderungen der Schlächtermeister bei den diesmaligen LleferungSausschreibungen der Truppen- theile waren entsprechend der Lage des Marktes so hoch, daß die etatSmäßigen Verpflegungsgelder nicht aus­reichend erscheinen, und die Menageverwaltungen zum Nachtheil der Ernährung der Mannschaften sich bei der Zutheilung der Kost Beschränkungen auserlegen müssen.

Lokales ««Ä Provinzielles.

* Schlächtern, 14. Jan.

* Der Stand der Holzpreise hat in diesem Winter eine auffallende Höhe erreicht. Die Nachfrage ist auf den öffentlichen Auktionen so stark, daß noch nie dagewesene Gebote abgegeben werden, oft bis 100 Proc. über die Taxe, so daß die fiskalischen und kommunalen Forstverwaltungen in diesem Jahre glänzende Geschäfte machen.

* Es sei daran erinnert daß das Schneiden der Hecken bei dem jetzigen gelinden Wetter sehr gut auszu- führen ist. Die Hecken dürfen bekanntlich nur bis zum 28. Februar geschnitten werden.

* Die Gefährlichkeit des Centrifugenschlammes für die Verbreitung von Viehseuchen, insbesondere der Tuberkulose, ist nach den Berichten der Landwirthschafs­kammern und landwirthschaftlichen Zentralvereine allge­mein anerkannt. Der Minister für Landwirthschaft hat daher die Regierungspräsidenten angewiesen, auf Grund des §. 20 Abs. 1 des Reichsgesetzes, betreffend die Ab­wehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894 die Vernichtung dieses zu wirth- schaflltchcn Zwecken wenig verwendbaren und verwendeten Molkereirückstandes durch Verbrennen polizeilich anzu- ordnen, und zwar mit Rücksicht auf die starke allge­meine Verbreitung der Tuberkulose unter dem Rind­vieh nicht nur für Sammel- und Genossenschaftsmolkereien, sondern auch für alle anderen Centrifugenbetriebe.

Hamburg. Eine furchtbare Mehlstaub-Explosion hat kürzlich im Hamburger Hafen stattgefunden. Mit kanonenschußartigem Krach explodierte am 5. d. M. Nachmittags der hintere Staubthurm des der Hamburg- Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft gehörenden Getreidehebers. Wie wenig eine solche Mehlstaub- Explosion einer Pulver-Explosion an zerstörender Wirkung nachsteht, zeigt diese Katastrophe. Der aus dicken Eisenplatten zusammengesetzte hohe Thurm wurde der Länge nach aufgerissen und einige Fuß weit von seiner urspünglichen Stelle gehoben. Die in der Nähe beschäftigten Leute taumelten zu Boden. Durch die auflodernde Feuersäule, welche ungefähr 12 Meter hoch I in die Luft ragte, erlitten zwei Männer erhebliche Brandwunden. Die Ursache der Explosion war, daß sich die Trommelwelle in Brand gelaufen hatte.

Ausland.

Wien, 11. Jan. Zur Feier des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers Franz Joseph, die am 28. November beginnen und mehrere Tage dauern soll, erwartet man hier auch den deutschen Kaiser. Von gut unterrichteter Seite wird gemeldet: Die Theilnahme des deutschen Kaisers, des Königs Albert von Sachsen, des Kronprinzen Viktor Emanuel und der Kronprinzessin Helena von Italien, sowie zahlreicher deutschen Prinzen gilt als sicher; dagegen ist noch nicht bestimmt, ob der Zar Nikolaus nach Wien kommen oder sich durch den Großfürsten Wladimir vertreten lassen wird.

Paris, 12. Jan. Esterhazy wurde gestern Abend vom Kriegsgerichte einstimmig freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen.

Rußland. Aus der Kalmückensteppe, so schreibt der Astr. Westnik, erhalten wir im höchsten Grade beun­ruhigende Nachrichten: den Kalmücken droht der endgültige Untergang. Der Hungertyphus nimmt immer mehr zu, die Kalmücken schwellen in Folge dessen auf und sterben. Mit jedem Tage vermehren sich die Todesfälle. Eine zweite Zeitung bringt die Erzählung eines Augenzeugen, der mit dem Arzte die Ortschaft Charazugla besucht hatte. Die Kalmücken sind so abgemagert, daß sie nur Haut und Knochen im wahren Sinne des Wortes vor­stellen. Es ist schrecklich, solche in Haut gehüllte Skelette anzusehen. Ihre einzige Nahrung ist noch Thee. Als die Hungersnoth in Indien wüthete, brachten russische Zeitungen nach englischen Blättern Beschreibungen und veranlaßten viele Hände zur Mildthätigkeit. Jetzt schweigen sie alle, klagt das Astrachanische Blatt.

Belgrad, 11. Jan. Verschiedenen Blättern wird von hier gemeldet, daß in den letzten Jahren der König Alexander geistig und körperlich zurückgegangen sei. Er falle zeitweise in Trübsinn und scheine nervengestört zu sein, auch lasse er sich oft überreden und zeige sich allen Einflüsterungen geneigt. Die Lage des Landes wie die des Königs sei sehr gefahrvoll.

* Die ungewöhnliche Witterung und der Mangel an Schnee und Eis haben zwar das Gute, daß die Kohlenvorräthe geschont werden, dochdas dicke Ende kommt nach", und schon jetzt werden Befürchtungen laut, daß im Frühjahr und Sommer bedenkliche Trockenheit die Folge dieses abnormen Winters sein werden. Aus vielen Flußgebieten wird schon über den Rückgang des Wasserstandes berichtet. Falls nicht bald größere Schneefälle eintreten, die namentlich in höheren Gebirgslagen bis tief in das Frühjahr hinein für die Quellgebiete unserer Flüsse die beste und nachhaltigste Reserve bilden, dann dürfte man bei den an Wasser­läufen gelegenen und auf Wasserbetrieb angewiesenen Anlagen bei Zeiten mit übelen Verhältnissen zu rechnen bekommen, ja selbst Störung des Industriebetriebes zu er­warten haben. Auch anderwärts wird bei fernerem Fortbestand trockener Witterung sich bald fühlbarer Rück­gang der Wassermittel geltend machen.

Fulda. Die anhaltend hohen Preise für fette Schweine in hiesiger Gegend veranlaßten fremde Händler, seit 14 Tagen größere Transporte fetter Schweine hier einzu- führen. Auch in nächster Woche trifft wiederum eine Waggonladung hier ein.

Mansbach, 11. Jan. Auch hier hat man mit den Rentengütern keine gute Erfahrungen gemacht. Von den drei Besitzern, welche die Güter vor etwa 2 Jahren übernommen hatten, hat der letzte vor einigen Tagen den hiesigen Ort wieder verlassen.

Bebra, 11. Jan. Das Reineinkommen unserer Station für das Jahr 1897|98 beträgt 472,768 Mark, während das vorige Jahr 1896|97 nur 415,185 Mark brächte. Da diese Summen auch das in unserer Ge­meinde zu versteuernde Einkommen bilden, so ist die Steig jng doppelt erfreulich. Nach den letzten Bränden herrscht hier noch immer große Aufregung. Schrecken- erregend sind ja auch die nach allgemeinem Urtheil auf Brandstiftung zurückzuführenden Feuersbrünste. Bei dem letzten Brande hat sich schon wieder einmal der schon so viel beklagte Wassermangel geltend gemacht. Käme doch endlich einmal die Gemeindevehörde zu dem Entschluß, die schon lange gewünschte und hier so nöthige Wasserleitung anzulegen, die nicht nur jeden Haushalt mit gutem Trinkwasser beglücken, sondern die auch bei Brandfällen sich bewähren würde. Bei den reichen Ein­nahmen, die Bebra hat, wäre es doch eine Kleinigkeit, die erforderlichen Mittel zu beschaffen.

Rotenburg, 10. Jan. In einzelnen Theilen unseres Kreises treten die Wildschweine in solchen Mengen auf, daß den Landwirthen nicht unerheblicher Schaden erwächst. Unsere Jagdjünger warten schon den ganzen Winter auf Schneefall, um die Schwarzkittel aufspüren zu können, aber er bleibt aus, und die Borstenthiere wühlen ruhig weiter. Die Behörde hat sich nun entschlossen, im Laufe dieses Winters eine sogenannte Polizeijagd vorzunehmen.

Waldkappel, 12. Jan. In einer der letzten Nächte wurde in der Stallung des Herrn Bäckermeisters Heine­mann hierselbst ein skandalöser Streich verübt, der leicht zu traurigen Folgen führen konnte. In den Gängen waren mit Nägeln durchschlagene Bretter aufgelegt und in den Thüren und Wänden waren Stallgabeln mit den Stielen derartig befestigt, daß die stählernen Spitzen einem Nähertretenden in Brust oder Unterleib eindringen mußten. Auch waren sämmtliche Kühe losge­bunden. Zum Glück ist die ruchlose That ohne böse Folgen geblieben.

Kaffel, 10. Januar. Die Gesammt-Synode deS Consistorialbezirks Kassel ist auf den 18. Januar laufen­den Jahres zwecks Berathung des Besoldungsgesetzes für die evangelischen Geistlichen nach Kaffel berufen worden.

Kaffel, 12. Jan. Der Superintendent Pfeiffer in Hanau wurde zum Generalsuperintendenten für die unirte Kirchengemeinschaft des Konsistorialbezirks Kaffel und zum Mitgliede des königlichen Konsistoriums in Kasse ernannt.

Kaffel. Die Sozialdemokraten sind mit ihrer Reichs- tags-Kandidatenliste für Hessen und Waldeck schon fertig. Sie stellen auf: 1. in Rinteln-Hofgeismar-Wolfhagen: Cigarrenhäudler Garbe Casse. 2. in Caffel-Melsungen: Redakteur Thiel-Cassel, 3. in Fritzlar-Homberg-Ziegcn« Hain: Kassierer August Jordan-Cassel, 4. in Eschwege- Witzenhausen - Schmalkalden: Cigarrenmacher Wilhelm Hugo-Eschwege, 5. in Marburg-Kirchhain-Frankenberg- Vöhl: Redakteur P. John-Caffel, 6. in Hersfeld-Roten,