Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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Mittwoch, den 12. Januar 1898. grasfeMflaftmBftw^
49. Jahrgang.
— Aus Thüringen wird berichtet: An vielen Stellen sieht man die Wiesen grünen und ohne große Mühe kann man jetzt in den Fluren bunte Blumensträußchen sammeln. Aus der Gegend von Koburg wird das Balzen der Auerhähne berichtet, aus Schleusingen der Fang einer Kreuzotter, aus Pößneck, Altenburg und anderen Orten das Erscheinen der Staare. In Altgersdorf machten sich am Sonntag einige dortige Einwohner das Vergnügen, Gras zu mähen. Zur Frühstückszeit erschien ein junger Bursche im Strohhut mit Eßwaaren und die Schn'tter ließen es sich im warmen Sonnenschein wohl schmecken. Aus Schleiz wird folgendes gemeldet: 1. Am Sylvester-Nachmittag wurden die Straße der Stadt gesprengt; 2. in der Nähe der Stadt hatten sich Staare gezeigt s 3. die Spaziergänger trugen Sommerkleider und Sonnenschirme; 4. die Wiesen fangen an zu grünen; ein geschützt stehender Apfelbaum in der Hofer-Straße hat grüne Blätter, und 5. am 2. Januar spielten in einem Garten der Heinrich-Straße die — Mücken! — Mehr kann man doch im Januar wahrlich nicht verlangen. — Der gänzliche Mangel an Schnee dürfte leider einen trockenen Sommer zur Folge haben.
Eisenach, 5. Januar. Die Krisis in unserer Wurstfabrikationsbranche infolge der diesjährigen hohenSchweine- preise wird immer bedenklicher. Nachdem erst vor einigen Wochen ein Wurstfabrikant insolvent wurde, ist jetzt die Wurstfabrik von Erich Fleischer und Co. demselben Schicksal verfallen. Der Inhaber Fleischer ist seit acht Tagen verschwunden und man nimmt an, daß derselbe unter Mitnahme bedeutender Geldsummen geflüchtet ist.
Aachen. Eine deutsche Expedition nach Klondike, dem Goldlande, wird von einem in Aachen gebildeten Syndikat vorbereitet. Unter Führung eines Herrn Gustav Neumann will die Expedition Ende Februar aufbrechen, in England ihre Rüstung vervollständigen, dann über New-Aork Mitte April Seattle oder Viktoria erreichen, um mit dem Anbruche des nördlichen Sommers nach Dawson City, dem kanadischen Johannesburg, aufzubrechen. Zu Weihnachten hoffen die Reisenden, mit Schätzen reich beladen, wieder in der Heimath zu sein. Die.Expedition soll mit Lebensmitteln und allem Zubehör reichlich versehen werden. Auch werden vorsichtigerweise für jeden Theilnehmer 300 Dollars bei der kanadischen Bank zur Rückkehr niedergelegt.
Gießen, 5. Januar. Von einer Ratte gebissen wurde in voriger Woche der Landwirth Hermann Achen- bach von Arfeld. Der Hund desselben hatte eine Ratte gefangen, welche sich ihm am Unterkiefer festbiß, sodaß er sie nicht loswerden konnte. Achenbach wollte nun dem Hunde zu Hilfe kommen und packte die Ratte, wobei sie ihn in einen Finger der linken Hand biß. Am anderen Morgen waren die Hand und der Arm des Achenbach bereits dick angeschwollen und derselbe mußte sich zur Heilung in das nächste Krankenhaus bege’ er.
Aus Württemberg Vom Scheintod kurz vor der Beerdigung erwacht ist in Vorbachzimmern, württemb. Franken, eine 47 Jahre alte Frau am 2. Weihnachtstage. Sie war nach kurzer Krankheit von 65 Stunden augenscheinlich gestorben. Als die Vorbereitungen zum Begräbniß getroffen und der Leichnam in den Sarg gelegt war, die Glocken erklangen, richtete sich zum Schrecken der Umstehenden die Todtgeglaubte auf. Die vor Entsetzen fast gelähmten Anverwandten brachten die Kranke sofort zu Bett, ärztlicher Beistand wurde geholt und steht nahe Genesung bevor.
LokalsS «ud Provinzielles.
* Schlüchtern, 11. Jan.
* — Herr Gerichts-Assessor Auth von Cassel ist für die Dauer der Theilnahme des Amtsrichters Herrn Zimmermann an den Sitzungen des Landtags mit Verwaltung der Richlerstelle bei dem Amtsgericht dahier beauf« tragt werden.
* — Der Musiklehrer Kahl am hiesigen Seminar ist in gleicher Eigenschaft an das Seminar zu Köpenick bei Berlin versetzt und der Lehrer F e r r a u von Breiten- bach mit der provisorischen Verwaltung der Musiklehrer- [teUe am hiesigen Seminar bis Ostern beauftragt worden.
* - - Die Termine für die Prüfungen an den Schullehrer- und Lehrerinnen-Seminanen m dem Jahre 1898 sind für den Regierungsbezirk Cassel wie folgt festgesetzt: Fulda: Aufnahmeprüfung 23. September,
$Ufh*lhtttAi>t1 ouf d" „Schlüchterner Zeitung" S^v^l'UUliytll werden noch fortwährend von allen — ~...... = Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Der Kaiser schreibt in seiner Erwiderung auf das Neujahrsglückwunschschreiben des Berliner Magistrats u. A.: Ich werde auch ferner bestrebt sein, der stetig fortschreitenden Entwickelung auf allen Gebieten des Volkslebens friedliche Bahnen zu weisen und das von dem hehren Begründer des deutschen Reiches überkommene Erbe meinem Volke fest und unverrückt zu erhalten. Ich rechne dabei auf die patriotische Unterstützung aller königstreuen Elemente des Vaterlandes.
— Die Kaiserin hat am Sonnabend eine kleine Ausfahrt im Garten des Neuen Palais bei Potsdam gemacht, -ein Zeichen, daß das Befinden der hohen Frau jetzt ein günstigeres ist.
— Ein Erlaß betr. die Abänderung der Beschreibung der preußischen Königskrone wird im Staatsanz. veröffentlicht. Danach besteht die Krone künftig aus einem goldenen, mit 13 Diamanten geschmückten Stirn- reifen. Dieser ist mit fünf, aus je drei größeren und einem kleineren Diamanten gebildeten Blättern und dazwischen mit vier Zinken besetzt, von denen jeder einen Diamanten und darüber eine große Perle trägt. Aus den Blättern geht eine gleiche Anzahl halbkreisförmiger, nach dem Scheitelpunkt zu sich verjüngender und dort vereinigender, mit je zehn Diamanten von abfallender Größe besetzter goldener Bürzel hervor. Auf dem Scheitelpunkt ruht ein Reichsapfel aus einem großen Saphir, über den sich ein diamantengeschmücktes Kreuz erhebt. Die Krone ist mit einer bis an den Bügel reichenden Füllung von Purpursammet gefüttert.
— Das Ereigniß des Tages ist das deutschchinesische Uebereinkommen über die Verpachtung der Kiantschau-Bucht an Deutschland. Man weiß zwar nicht, auf wie lange und um welchem Preis das übrigens nur wenige Quadratmeilen umfassende Gebiet verpachtet worden ist, aber man darf annehmen, daß es für die Dauer um einen nominellen Preis verpachtet worden ist, gleichviel, welche Anzahl von Jahren im Pachtverträge festgesetzt ist.
— Nach neuesten Meldungen aus dem deutschen Schutzgebiete in Südwestafrika über das Gefecht am 5. Dez. v. Js. zwischen einer Abtheilung der Schutz- truppe unter Hauptmann von Ertorff und Zwartboc Hottentotten ist bei diesem Gefecht ein Reiter der Schutztruppe gefallen und ein anderer leicht verwundet worden. Hauptmaun von Ertorff ist ebenfalls leicht verwundet worden, aber dienstfähig geblieben.
— Der Justizminister hat kürzlich darauf hingewiesen, daß noch mehr als bisher versucht werden müsse, die Gefangenen auch für land- und forstwirthschaftliche Arbeiten zu verwenden, z. B. zu Moor- und Wiesen- kulturey, Wegebaulen, Aufforstungen, Deicharbeiten und anderem. Die Justizverwaltung ist daher gern geneigt, Gefangene zu derartigen Zwecken zu überlassen.
— Eine Operation mit Röntgenstrahlen bildete dieser Tage den Gegenstand einer ärztlichen Besprechung in Königsberg i. Pr. Ein junger Mann hatte sich mit einer Revolverkugel am Kopfe verletzt. Nachdem die Wunde geheilt war, klagte er fortgesetzt über Kopfschmerzen und behauptete, er müsse die Kugel im Gehirn haben. Mit Hilfe der Röntgenstrahlen gelang es festzustellen, daß er Recht hatte, obwohl Schädelphotographien wegen der Konsistenz des Objektes nur schwer herzustellen sind. Der Kopf des jungen Mannes wurde daher mit dünnen Bleistücken gleich einem Netze umschlossen und dann von verschiedenen Seiten mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, bis man durch Dergleichung der einzelnen Aufnahmen mit Sicherheit den Sitz und die Tiefe des Bleigeschosses «ruirt hatte. Dann folgte eine Trepanation des Schädels. Die Kugel, welche ziemlich tief im Gehirn saß, wurde mittels einer stumpfen Pincette herausgeholt und darauf ging die Heilung sehr schnell von stakten. Der junge Mann konnte sich bei der erwähnten Zusammenkunft der Aerzte als vollständig genesen vorstellen.
Kreuzburg, 8. Jan. Der hiesige Seminar-Direktor Jänicke erschoß sich, seine Frau, sowie zwei Kinder wegen Mißlicher Bermögens-BerhAtnisse.
Entlassungsprüfung 30. August, zweite Volksschullehrer« Prüfung 24. Oktober; Homberg: Aufnahmeprüfung 17. März, Entlassungsprüfung 26. Febrnar, zweite Lehrerprüfung 7. November; Schlüchtern: Aufnahmeprüfung 5. September, Entlassungsprüfung 29. August, zweite Lehrerprüfung 20. Juni; Cassel lisrael.): Aufnahmeprüfung 28. März, Entlassungsprüfung 21. März, zweite Lehrerprüfung 24. Oktober. Die Prüfungen der Lehrer für Mittelschulen finden statt am 27. Juni und 25. November, für Rektoren am 23. Juni und 1. Dezember in Cassel. Die Lehrerinnenprüfung in Cassel findet am 1. März statt. Die Prüfung der Taub- stummenlchrer findet am 8. August in Homberg statt. Für die Abhaltung des sechswöchigen Seminarkursus seitens der Kandidaten des eoang- Predigtamtes sind festgesetzt für Homberg Montag nach dem 1. August, für Schlüchtern Montag nach dem 15. Januar.
* — Bei Bezahlung herrscht vielfach die Unsitte, Geschäftsleute und Handwerker mit Koupons von Werthpapieren zu bezahlen, anstatt daß sich die Eigenthümer der Werthpapiere die kleine Mühe machen, ihre Koupons beim Bankier gegen baares Geld umznwechseln, was fast in allen Bankhäusern spesenfrei meist schon einige Zeit vor Verfall geschieht. Da nun viele 4prozentige Werthpapiere durch Abstempelung in 3'fiproz. umge- wandelt werden, so ist es für den Nrchtbankier sehr schwer, zu wissen, ob ein Koupon noch voll bezahlt oder wegen erfolgter Abstempelung des Werthpapiers an den Einlösungskassen zurückgewiesen wird. Also Vorsicht beim Einnehmen von Koupons, besonders bei den am 1. Jan. 1898 fälligen Zinscoupons der 4 pCt. preußischen Konsols, falls solche noch nicht auf3'/r pCt. abgestempelt ind. Diese Koupons werden nämlich, falls sie lauten: iber 100 Mark nur mit 93.75 Mark, über 40 Mark rtstr mit 37.50 Mk., über 20 Mk. nur mit 18.75 Mk., über 12 Mk. nur mit 11.25 Mk., über 10 Mk. nur mit 9.38 Mk., über 6 Mk. nur mit 5.63 Mk., über 4 Mk. nur mit 3.75 Mk., über 3 Mk. nur mit 2.81 Mk. vom 1. Januar 1898 ab von den Kassen eingelöst.
* — Achtung! Im allgemeinen Jntereffe theilen wir mit, daß in Deutschland silberne Rubelstücke im Umlauf sind, welche in ihren Größenverhältnissen den Thalerstücken so ähnlich sind, daß Verwechselungen sehr leicht vorkommen können. Schon find Fälle bekannt geworden, in denen in zweifellos betrügerischer Weise Rubelstücke für Thaler in Zahlung gegeben worden sind. Vorsicht erscheint mithin empfehlenswerth, denn die Rubelstücke haben nur einen Werth von 2.16 Mk.
* — Oesterreichische Guldenstücke werden jetzt wieder vielfach an Stelle von Zweimarkstücken ausgegeben; viele davon sind obendrein noch gewaltsam beschädigt. Die Ausgabe von solchen Stücken ist in Deutschland nicht gestattet, im klebrigen haben sie auch nur einen Kurswerth von 1,60—1,70 Mk. Die öffentlichen Kassen haben derartige Geldstücke anzuhalten und durch Zerschlagen unbrauchbar zu machen. Also Vorsicht!
Salmünster, 5. Januar. Gestern Abend kurz vor acht Uhr wurden die Bewohner unserer Stadt in einigen Schrecken versetzt. Vor dem Hause des Kaufmanns M. Neudaus war ein Feuerwerkskörper, sogen. Kanone, gelegt worden, welche mit einem starken Knall explodirte, ohne weiteren Schaden anzurichten. Von dem Thäter fehlt jede Spur. Heute wurde bekannt gemacht, daß derjenige, welcher den Thäter namhaft macht, 10 Mk. Belohnung erhält. — Herr Lehrer Melzer, bis vor kurzem im Kreise Rawitsch, Prov. Posen, thätig, wurde vom 10. d. Mts. ab zum Lehrer in Kath. Wlllen- roth, ernannt.
Reinhards, Kreis Schlüchtern, 8. Jan. Da sich die Maulwürfe in der hiesigen Gegend sehr stark vermehrt haben und bei dem gelinden Winter alles verwüsten, o ist seitens der Gemeinde eine Fangprämie von 10 Pfg. ür das Stück ausgesetzt worden.
Cassel, 8. Januar. Am 1. Januar ist der Geheime Regierungsrath Althaus von der Königlichen Regierung zu Cassel in den wohlverdienten Ruhestand ge- reten. Derselbe zählte zu den althessischcu Beamten und ist stets bemüht gewesen, in den neuen Verhältnissen en hessischen Gewohnheiten und Einrichtungen möglichst Rechnung zu tragen. Hierin bot sich ihm vielfach Gelegenheit bei Bearbeitung der zu seinem Dezernat ge- körenden kommunalen Angelegenheiten. Niemand konnte über diese aber auch besser unterrichtet sein, als der Mann, welcher durch die Herausgabe der kurhessischen