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WüchtemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, den 8. Januar 1898

R-st-ültNHsH aus dieSchlüchterner Zeitung« JpvpliuUliyi'll werden noch fortwährend von allen 1 - - - - - Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Aus Anlaß der bevorstehenden Krönungs­feier der Königin von Holland hat Amsterdamer Blättern zufolge die deutsche Gesandschaft ein großes Palais zum Preise von 16,000 Gulden gemiethet. Man glaubt daraus schließen zu müssen, daß Kaiser Wilhelm i der Krönungsfeier beizuwohnen gedenke.

DerMagd. Ztg.« wird aus Berlin geschrieben: Das Befinden der Kaiserin hat sich zwar gebessert, aber mindestens acht Tage muß die hohe Frau noch das Zimmer hüten. Es war eine sehr starke Grippe mit Halsaffektion. Die Prinzessin Viktoria Luise, die auch unter den Erscheinungen einer Influenza zu leiden hatte, ist jetzt wieder wohlauf und hat die alte Munterkeit ihres Wesens wieder erlangt. Der jüngste Sohn des Kaiserpaares, Prinz Joachim, hat jedoch mit allerlei -Indispositionen zu kämpfen.

Eine Frage von prinzipieller Bedeutung wurde dieser Tage von dem Schiedsgericht für die Unfallver­sicherung in Königsberg i. Pr. entschieden. Der Stein­sprenger S. hatte von einem Besitzer den Auftrag über­nommen, etwa 15 Kubikmeter große Feldsteine zu sprengen und für den Neubau eines Stallgebäudes baugerecht zu machen. Bei dieser Arbeit erlitt er infolge Explosion einer Pulverladung eine Zerreißung der linken Hand­wurzel. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Gewährung einer Unfallrente mit folgender Begründung ab:Die gesprengten Steine sollten erst nach Jahresfrist zu einem Neubau Verwendung finden. Deshalb könne die Spreng- arbeit nicht als vorbereitesde Thätigkeit einer Bauaus­führung angesehen werden, denn die Arbeiten müßten sich zeitlich an einander reihen, so daß der Neubau sich an die Steinezurichtung unmittelbar anschließe. S. sei lediglich ländlicher Arbeiter gewesen.« Gegen diese Ent­scheidung legte S. mit Erfolg bet dem Schiedsgerichte Berufung ein. Dieses erblickte in dem Sprengen der Steine für den Neubau des Stalles eine vorbereitende Handlung des Baues und verurtheilte die Berufsge- noffenschaft, dem Kläger eine Rente nach Maßgabe der erlittenen Einbuße an Erwerbsfähigkeit zu gewähren.

In der That ist nicht abzusehen, warum, de

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warten läßt. 'Aende längere P ®telefeih m «'ideckten Brudermord 'wi^ ^ Nach sieben gerichtet: Seit «ebener?6 ^'^feld (Wc^^e alte Sohn des ÄS ^de der damo^-nachbarten D°tt- S»«^ «-« «Ä er f« er. mordet und di? /^ Man <n. Die Nach­grabungen bab,» $e vergraben-rdung der Leiche geführt, welche im^"^ m Wohnhause einen Meter tief ? '^" hinterörder wird der vor fünf Safiren Vrft» ^ * des Aufgefundenen betrachtet $ der Erbschaft in Streit lebte. D». ^" rhm ermuthlicher Mitschuldiger verhaftet " wurde

Mainr 4 , hiesigen Bahnhofsgebiete sind in der Zeit »am in ^ber bis 19. Dezember nicht weniger als 4* ^ Kisten, Ballen und Fäffer mit einem Geka^dichte von über 12,000 Kilo ge­stohlen worden auch das Ausplündern der Kollis greift überhand-' "hielt dieser Tage ein Kaufmann eine Stifte, die ^ Theil bestohlen war. Um daS auf dem Frachtbr' angegebene Gewicht mit dem der Kiste übereinstinim ^ iu erhalten, hatten die Diebe an Stelle der geftohle-n Waaren Backsteine hineingesteckt.

Wor/«rg. Ein reiches HoSpital. DaS Vermögen des Wuzburger JuliuS-SpitalS beträgt nach dem soeben erschienen statistischen Bericht für 1896 neun Millionen 4887.50 Mark. Der berühmte Weinkeller enthält 3621 Hektoliter im Werthe von 272 300 Mark.

In Wörishofcu, dem durch Pfarrer Kneipp be­kannt gewordenen Kurort, kracht es in allen Fugen, die Konkurse folgen einer nach dem andern. Eine solche allgemeine Geschäftskrise ist übrigen- von einsichtigen Leuten und von Pfarrer Kneipp schon lange vorauSge- jagt worden,

Oppenheim, 31. Dez. Zur Warnung für diejenigen, welche es mit der Erfüllung übernommener Verpflicht- ungen nicht genau nehmen, sei mitgethcilt: Ein junger Mensch von hier wurde nach halbjährlicher Dienstzeit auf Reklamation entlassen, um seine Mutter, eine Wwe., in der Führung ihres Fuhrgeschäfts zu unterstützen. Der junge Mann kam seinen Pflichten nicht nach, statt die Mutter zu unterstützen, zog er von derselben weg und verheirathete sich. Daraufhin wurde er letzte Woche zum Bezirkskommando Worms vorgeladen und ihm er­öffnet, daß er am 27. d. M. beim 117. Regiment in Mainz einzurücken habe. Ein gleicher Fall kam in Dienheim vor. Die beiden einbcorderten Männer sind ohne Vermögen, so daß ihre armen Frauen mit den Kindern jetzt dasitzen und zusehen können, wie sie sich ernähren.

Ausland.

England. Wie der augenscheinlich gut unterrichtete Manchester Guardin" mittheilt, hat England China und die Mächte benachrichtigt, daß es keine speziellen Rechte anerkennen werde, die China in irgend einem chinesischen Hafen irgend einer Macht einräumen werde. Wenn Rußland daS Recht erhielte, in Port Arthur Schiffe überwintern zu lassen, würde England dies Recht

auch verlangen. Darum seien Jmmortalitc" undJphigenia" gelaufen. Wenn Deutschland Kiaotschau als Flottenstation zu

die englischen Schiffe bei Port Arthur ein- das Recht erhielte, benutzen, müßte dies

auch zugleich England gewährt werden. Sobald China Deutschland bezüglich Kiaotschau Konzessionen mache, würden auch dort englische Schiffe einlanfen. Bezüg­lich aller sonstigen Konzessionen verlange England eben­falls das Recht der meistbegünstigten Nation und werde dies eventuell mit Gewalt durchsetzen. Im Falle China Land abträte, würde England eine Kompensation ver­langen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nunmehr keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie bei einem etwaigen Einschreiten Englands in Ostafirn zu Rußland stehen werde. Damit verlieren die mannig­fachen Drohungen englischerseits einen erheblichen Theil ihres Gewichts.

Amerika. Ueber ein größeres Unglück wird aus London in Kanada gemeldet: Im Rathhause fand eine Volksversammlung statt, welcher etwa 2000 Personen beiwohnten. Infolge Nachgebens eines verfaulten Bal-, kcns brachen 400 Quadratfuß des Fußbodens so ein, daß eine trichterförmige Oeffnung entstand, in welche 200 Personen hinabstürzten. Ein sehr großer Geld- schrank und eine Menge Eisenwerk fiel noch auf dieselben herab; Feuerrufe brachten eine furchtbare Panik zum Ausbruch. Die Verunglückten waren 20 Fuß tief in das Amtsbureau des Bürgermeisters herabgestürzt; da­durch wurde auch der Fußboden dieses Zimmers durch­schlagen, so daß ein großer Menschenknäuel in den Keller hinabgerissen wurde. Die Zahl der Verunglückten ist bis jetzt auf 28 Todte und 100 Verwundete sestge- stellt; unter ihnen find viele der hervorragendsten Bürger der Stadt.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 7. Jan.

* Am 5. d. Mts., Abends gegen 8 Uhr wurde auf dem Bahnhof Elm Joseph Anton Sepp von Heideck in Bayern von dem Gemündener Zuge überfahren. Da er selbst in den Zug hineinlief, so hat er den Tod ge­sucht. Vorher hatte er zu einem Bahnbeamten, dem sein Benehmen ausfiel und diesen ihn nach seinem Reiseziel fragte, geäußert, er wollein die Ewigkeit fahren.« Man nimmt an, daß er geistesgestört gewesen ist.

Hintersteinau, 3. Jan. Gestern Mittag bewegte sich ein endloser Leichenzug durch die stillen Straßen unsereS Ortes, galt es doch, dem Förster Schneider die letzte Ehre zu erweisen. Daß derselbe überall beliebt und ge­achtet war, zeigt das große Gefolge der Leidtragenden. Lange Jahre hatte er in unserem Orte treulich seine« Amtes gewaltet. Auch der hiesige Kriegerverein hatte sich an dem Begräbniß betheiligt und marschirte mit seiner Fahne dem Sarge voraus. Schneider stand im 59. Lebensjahre und sollte in Pension gehen. Daß unser Bogelsberg so lange wie diesen Winter von S chnce verschont geblieben, dürfte zur Seltenheit gerechnet werden. Während in sonstigen Jahren bei uns der Schnee um Weihnachten meterhoch lag, herrscht diese- Jahr da-

, prächtigste Wetter. Täglich zieht der Schäfer mit seiner - Heerde auf die Weide. Gestern und vorgestern schien die Sonne wie im Frühjahr, auch hörte man das Pfeifen : der Staare. Aber die kalten Nächte können für die , Wintersaat schädlich sein, weil am Tage die Sonne warm scheint und die schützende Schneedecke fehlt.

Freiensteinan. Wenn das Wetter so fort macht in diesem Jahr, wie es einen Anfang hat, so wird eS ein gutes Jahr geben. Heute den 3. Januar halten wir 120 Wärme. Die Bienen haben so luftig geflogen wie im Mai. Ein großes Vergnügen für die Schlitt- schuhläufer bietet der Niedermooser Teich; derselbe ist 76 Morgen groß und spiegelglatt zugefroren. Nur schade, daß er nicht in der Nähe einer Stadt liegt, da könnten sich die Städter, welchen ein solches Vergnügen sonst doch nicht zu Theil wird, recht amüsiren.

Fulda, 3. Jan. In der Neujahrsnacht wurde in Hamerz der 17 Jahre alte Wilhelm Möller im Dienste des Bauern Thaddäus Vogel auf der Straße von zwei Arbeitern, welche auf der Domäne Johannesberg be­schäftigt sein sollen, durch zahlreiche Messerstiche in den Rücken und in die rechte Seite erheblich verletzt, so daß seine Aufnahme im hiesigen Landkrankenhause erfolgen mußte. Diese rohe That ist zwischen 3 und 4 Uhr Morgens verübt worden und der Verletzte hat danach im Dittmar'schen Wirthshause so lange Unterkunft ge­funden, bis er gegen 9 Uhr Morgens nach erheblichem Blutverlust ins Landkrankenhaus verbracht werden konnte.

Eine für unseren Kreis erfreuliche Entdeckung wurde gemacht, indem man bei Pilgerzell auf Steinkohlenlager gestoßen sein will. Obwohl die Nachricht aus ganz guter Quelle stammt, so begegnet ihre Richtigkeit doch nielfadjer Anzweiflung und auch wir geben die Meldung nur unter aller Reserve wieder.

Fulda, 4. Jan. Der in Bebra stationiere Lokomotiv­führer Döttger zog sich gestern Abend auf der Fahrt von Elm nach Fulda eine sehr schwere Verletzung an der Hand zu. Nachdem Herr Dr. Gesang ein Verband angelegt hatte, wurde der Verletzte in das Landkranken« haus verbracht. Wie es heißt, soll daS Unglück durch einen Sturz von der Maschine herbeigeführt worden sein.

Fulda. Bei der Anlegung eines Brunnens im Fuldathale wurde ein recht interessanter Fund gemacht. Man stieß in einer Tiefe von 3 bis 4 Meter im Moor­boden auf eine Reihe eingerammter Pfähle, in deren j unmittelbarer Nähe sich ein ganzes Lager von Knochen, Geweihen, Hörnern und Zähnen vorfand, meistens von Thieren, die seit langer Zeit in unserer Gegend nicht mehr vorkommen. So fand man den gut erhaltenen Oberkiefer eines Bibers, viele Kiefer und Zähne von Wildschweinen, Kiefer und Geweihstücke, zum Theil mit Zeichen der Bearbeitung u. dgl. Der Fund soll dem städtischen Museum überwiesen werden.

Neutershauseu. Herr Bergwerkbesitzer Krumhoff schenkte am Weihnacht-heiligabend den Arbeitern seine- hiesigen Werkes 10 000 Mark, bestehend in Sparkassen- büchern und einer Stiftung von 3000 Mark, deren Zinsen jährlich zur Bekleidung von Confirmanden seiner Arbeiter dienen sollen. Eine schöne WeihnachtSgabe! Wie wir nachträglich erfahren, hat Herr K. auch 300 Mark für Anschaffung von Arbeitskitteln bewilligt und seine Arbeiter am Freitag Nachmittag in der Krauß'schen Gastwirtschaft bewirthet, wobei der hochherzige Geber selbst zugegen war.

Caffel, 2. Jan. Gestern Abend hat im benachbarten Dorfe Uschlag ein Sohn seinen eigenen Vater erstochen. Mutter und Sohn halten sich dem Tmnke ergeben und der Sohn soll von seiner Mutter zu der schrecklichen That verleitet worden sein. Zu diesem Vatermorde ist noch mitzutheilen, daß derermordete Vater mit einem Hammer bewaffnet dem Sohne entgegen getretensein soll, worauf der Sohn sein Taschenmesser zog und dasselbe dem Vater zwischen Arm und Hals ein stieg, wodurch eine Arterie und die Lunge veletzt wurden.

Arolse«, 4. Jan. In der letzten Woche wurde hier einem Brauer von Kindern ein recht empfindlicher Streich gespielt, Während man in der Brauerei dabei war, mehrere Hektoliter Weißbier aus dem Kühlschiffe in ein Transportfaß, in welchem das Bier in den Lagerkeller geschafft wird, mittelst eines Schlauches zu leiten, hatten Linder aus Spielerei den Krähn umgedreht und hatten, als das Bier herauSzulaufen anfing, AuSreiß genommen. Als man die Füllung beendet glaubte und da- Spund