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WichtemerMuilg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, den 27. November 1897.

48. Jahrgang.

Rostplilinaou auf dieSchlüchterner Zeitung" 5*v|uUUU|)(ll werden noch fortwährend von allen ......----:-........ ' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Berlin. Durch Kabinets-Befehl vom 23. November ist der Kontreadmiral v. Diedrichs unter Beförderung zum überzähligen Vizeadmiral zum Chef des Kreuzer- geschwaders in Ostasten, der Kontreadmiral Prinz Heinrich von Preußen zum Chef der 2. Division des Kreuzergeschwaders ernannt worden. Wenn auch die neu nach Ostasien beorderten Fahrzeuge dort angekommen sein werden, wird die deutsche Streitmacht daselbst mehr als 3500 Mann betragen. Sieht man von der That­sache ab, daß der einzige Bruder des deutschen Kaisers mit Flottenmacht nach China geht, so bleibt doch die That­sache bestehen, daß binnen Kurzem eine aus 8 Kreuzern bestehende Kriegsmacht mit über 3500 Mann, befehligt von 2 Contreadmiralen an der chinesischen Küste vereinigt sein wird. Die Auslandsreise des Flaggschiffe» des Prinzen Heinrich,Deutschland", nach Ostasien ist auf 18 Monate berechnet. Die Besatzungen des Panzer­schiffesSachsen" und des AvisoSZielen" gehen über- morgen nach WilhelmShaven ab, um sich aufDeutsch­land" einzuschiffen.

Hamburg. Die größte Mühle in Deutschland ist dieser Tage auf der Insel Wilhelmburg (durch die Firma Georg Plange) dem allgemeinen Verkehr über« geben worden. Etwa 1 % Jahre lang ist an dem Bau gearbeitet worden. Die Mühle, die mit den neuesten Maschinen ausgestattet ist, kann täglich 20 000 Zentner Korn vermahlen. Auch ist mit der Mühle, auf der augenblicklich rund 200 Arbeiter beschäftigt sind, eine Prybebäckerei verbunden, in der jede Sorte Mehl zu­nächst zu Probebrod verbacken wird.

Nordhausen, 23. November. Eine Stradivari-Geige aus dem Jahre 1718 wurde durch Zufall hier entdeckt. Ein junger Kaufmann erstand eine alte ramponirte Geige, die- mit Zithersaiten bezogen war, von einem Dorf- musikanten stammte und schon längere Zeit im Schau­fenster .eines hiesigen AlthändlerS ausgelegen hatte, für 12 Mark. Bei der Reparatur fand sich der Stempel Stradivarius fecit 1718. Sachverständige erklären den Ton des^estaurirten Instruments als einenhervorragenden und die Echtheit als- Stradivari. Der Werth der Geige, welch« somit aus den besten Zeiten des Meisters stammt, wird auf 6000 Mark beziffert.

Gilenburg, 23. November. Bei einer Revision der Sparkasse wurde, wie der Bürgermeister in der Stadt- verordchtenfitzung mittheilte, ein Defizit von 152 000 Mark entdeckt. Die Unterschleife datiren dreißig Jahre zurück.-

Mainz, 20. November. Wie gemeldet, soll an den hiesigen Volksschulen der Kochunterricht für Mädchen obligatorisch eingeführt werden. Eine unter den Lehrerinnen veranstaltete Umfrage hat nun aber ergeben, daß nicht eine einzige geneigt ist, den Kochlöffel zu schwingen, und das Küchenregiment zu führen. Obwohl noch Verhandlungen schweben, wird der Bürgermeisterei voraussichtlich nichts anderes übrig bleiben, als eine an der Kochschule zu Kassel ausgebildete Lehrerin zu berufen.

Bruchsal. Der 24 Jahre alte Sohn des Bezirks- thierarztcs Lydtin in Bruchsal, ebenfalls Veterinär, hatte sich vor einem halben Jahr bet der Behandlung eines HnndeS den Keim der Tollwuth geholt. Dieser Tage kam die Krankheit zum AuSbruch. Alle ärztliche Hilfe erwies sich als machtlos.

- Wörth. Der Kaiser hat der katholischen Gemeinde in Wörth a. S. die drei Glocken für die neue Kirche zum Geschenk gemacht. Der Pfarrer hatte drei Ent­würfe eingereicht, worauf sich der Kaiser für den theuersten entschied-

Ausland.

5 - Frankreich. Die - DreyfuS-Esterhazy-Angelegenheit beherrscht die -Situation vollständig. Man kann nicht einmal sagen, daß sie langweilig wird, denn immer sensationellere wahre oder erlogene Geschichten werden aufgetischt. Große» Aufsehen erregt die Beschuldigung desJntransigeant", daß ein General und zwei General- stabshäuptleutr, die. jedoch keine JSraeliten sind,

Spionage für deutsche Rechnung treiben. Die Regier­ung will Rochefort zwingen, deren Namen zu nennen. Einen weiteren Skandal bietet die Haltung des Majors Forzinetti, der offen die Regierung beschuldigt, daß sie die Unschuld von Dreyfus seit Jahren kenne. Forzinetti arbeitet gegenwärtig an einer Flugschrift, worin er das Vorgehen der Regierung zu beleuchten gedenkt. Die Zahl einflußreicher Parlamentarier, die in der Prozeß­revision das einzige Mittel erblicke», dem Chaos ein Ende zu machen, mehrt sich täglich.

Im Schatzamte zu Washington hat sich ein be­deutender Fehlbttrag herausgestellt, und es haben die Behörden sofort eine genaue Untersuchung angeordnet. Um den genauen Fehlbetrag feststellen zu könnnen, muß, derK. V.-Z." zufolge, der ganze Betrag von 100 000 000 Silberdollars Stück für Stück nachgezählt werden. Es sind eigens für diesen Zweck 50 Clcrks angestellt worden, die natürlich unter gehöriger Beauf­sichtigung das Geld zählen müssen. Da dieselben aber nur etwa 700 000 Dollars pro Tag zu zählen im Stande sind, so wird die Arbeit wenigstens fünf Monate in Anspruch nehmen und der Bundesregierung 25 000 Dollars kosten.

im Laufe des Winters zu wiederholen und gewährleistet dann Schutz vor Rost, sowie Erhaltung eines gefälligen Aussehens und stählener Farbe.

* Bei Abschluß von Miethsverträgen auf längere Zeit ist schon jetzt Rücksicht auf das im Jahre 1900 in Kraft tretende Bürgerliche Gesetzbuch zu nehmen. Nach demselben haftet nämlich nur der Miether mit seinem Mobiliar für die Miethsforderung, nicht aber die Ehefrau mit dem ihrigen. Um den sich hieraus er­gebenden Gefahren des Miethsverlustes zu entgehen, namentlich in den Fällen, wo die sämmtlichen Wirth- schaftssachen der Frau gehören, schließen die Vermiether in großen Städten den Vertrag mit den Eheleuten und lassen denselben auch von beiden Ehegatten unterschreiben. Dagegen bleibt dem Miether künftig der Einwand, daß die Wohnräume gesundheitsschädlich seien, gesichert; auf diesen Einwaud ist ein kontraktlicher Verzichts nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch unzulässig.

Jossa. Auf der Fahrt von Jossa nach Zeitlos» ge- riethen vier Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren im Coupee mit einander in Streit und griffen schließlich zum Messer. Einige trugen leichtere Stichwunden an der Brust und den Beinen davon. Die Burschen wurden festgenommen und in Zeitlofs der Gendarmerie übergeben, welche sie noch NachtS in das Amts­gerichtsgefängniß Brückenau hinter Schloß und Riegel brächte.

Orb, 22. November. Allenthalben neues Leben. Unsere alte unschöne katholische Kirche soll durch einen gründlichen Umbau vergrößert und sehenswürdig gemacht werden. Zu den auf etwa 100 000 Mk. veranschlagten Baukosten hat der Magistrat einen einmaligen Beitrag van 15 000 Mk. bewilligt. Die evangelische Gemeinde, welche bislang in einem Betsaal ihren Gottesdienst hält, gedenkt ebenfalls eine schöne, gothische Kirche, wenn möglich schon 1898 zu erbauen. Der Bauplatz ist bereitS gekauft.

Fulda, 14. November. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr ist in der Fuldaer Maschinen- und Werkzeug- Fabrik (Wilhelm Hartmann), Frankfurterstraße 10, ein junges Menschenleben auf entsetzliche Weise vernichtet worden. Der daselbst beschäftigte Dreherlehrltng Friedrich Hohmann von hier, 16 Jahre alt, kam in das Getriebe einer Transmission und wurde so furcht­bar verstümmelt, daß nur menschliche, zu einer un­kenntlichen Masse gewordene Fleischtheile in daS städtische Leichenhaus gebracht werden konnten. Der Tod bei Unglücklichen muß augenblicklich eingetreten sein, als er mit solcher Wucht an die Decke geschleudert wurde, daß der Kopf in Stücke ging. Die angestellten Ermittel­ungen haben indeß ergeben, daß das Unglück ein selbst­verschuldetes ist und nur durch Unvorsichtigkeit herbei- geführt wurde. Ein Verschulden Dritter liegt nicht vor.

Schmalkalden, 20 November. Der Bruch eine# Schleifsteines hat bei Schmalkalden ein furchtbare» Un­glück angerichtet, das leider ein Menschenleben ver­nichtet hat. In der bei Sternbach belegenen, durch Wasserkraft betriebenen Schleiferei war unlängst ein 70 Zentner schwerer Schleifstein eingesetzt worden, der zum Schleifen benutzt wurde. Der Riesenstein war bisher gut gelaufen und oft bis 24 Stunden in Thätig­keit ohne daß irgend etwas vorgefallen wäre. Jetzt war ein 28jähriger Arbeiter damit beschäftigt, auf diesem Steine Sägebogen zu schleifen, als der Stein mitten im chnellen Drehen plötzlich zersprang. Ein etwa zehn Zentner schweres Stück des Schleifsteine» riß dem un­glücklichen Mann mit einer furchtbaren Gewalt Beine und Unterleib vom Körper. Der Tod trat auf der Stelle ein. Ein zweites großes Stück deS Schleifsteine» riß ein gewaltiges Loch in die Decke und warf in der oberen Wohnung ein Sopha um, auf welchem zwei kleine Kinder saßen. Ein Kind flog dabei in ein in der Nähe letzendes Bette, das andere unter dasselbe; beide blieben ndeß unverletzt, ebenso die Mutter der Kinder, welche ich in der Stube aufhielt.

Vacha, 20. November. Zwischen Gehau» und ^ohenwart wurde am Sonnabend den 13. d. M. in 'er Nähe einer Feldscheune die 49 Jahre alte Ehefrau des Dienstknechts Kurz aus Gehaus todt aufgefunden. Wie die Sektion der Leiche ergab, ist die Frau er- mordet worden. Der grausigen That verdächtig ist ihr Ehemann.

Lokales und Provinzielles.

* Schlichtern, 26. Nov.

* Die Geschäfte dürfen an den letzten vier Sonntagen vor Weihnachten auch Nachmittags von 2 bis 6 Uhr zum Verkauf von Waaren geöffnet sein. In diesem Jahre gilt die Bestimmung also schon vom nächsten Sonntag, den 28. November an.

* Wie verlautet, werden zur Zeit angeblich billige" kanadische Goldgruben-Aktien zum Kauf ange­boten. Es ist kaum glaublich, daß sich hier noch welche vondenen, die nicht alle werden", finden sollen, die ihr gutes Geld nach den Erfahrungen mit argen­tinischen, griechischen Papieren rc. auf derlei An­gebote hergeben. Jedenfalls warnen wir hiermit davor, sein gutes Geld aufs Unsichere dem Auslande anzu- vertrauen.

-P- * Landwirthe, düngt euere Wiesen! Wer seine Wiesen-Erträge und namentlich seine Heuernte verdoppeln will, der dünge seine Wiesen. Da nun der Stalldünger für das Ackerland kaum aus- reicht, so muß für die Wiesen künstlicher Dünger ange­wandt werden und zwar pro Morgen gut gemengt: 3 bis 4 Centner Kainit a 1,25 Mark, 2 bis 3 Centner Thomasmehl a 2 Mark. Es macht dieses eine Ausgabe von 10 Mk. pro Morgen, aber wie gesagt, der Ertrag an Heu wird doppelt so groß wie ohne Düngung, auch die Qualität des Heues wird eine bessere. Die Düngung muß aber bis spätestens Mitte Dezember beendet sein, dann im Frühjahr die Wiesenegge darüber gehen lassen und der Erfolg wird nicht ausbleiben.Ich kann keine 10, 20, 30 und mehr Mark für Wiescndüngung aus­geben'", wird mir gesagt,Versuche es mit weniger, merkst Du dann, daß sich diese Ausgabe doppelt bezahlt macht, kommst Du schon dahinter, wo Barthel den Most freihält. Hast Du reiche und gute Futterernte, dann folgt auch bald ein entsprechender Viehstand, pflegst Du diesen, wie es sich gehört, so schaffst Du Dir eine nie versiegbare Einnahmequelle für Milch, Butter rc. pro- ducirst mehr Mist, kannst Dein Land besser düngen, wirst bessere Ernten machen und Deine Einnahmen werden mit jedem Jahre steigen."

* Uebewinterung der Ackergeräthe. Die derzeitige Lage der Landwirthschaft legt ihren Angehörigen die Pflicht der größten Sparsamkeit io allen Dingen mehr als je auf. Diese Sparsamkeit verlangt auch, daß die zum landwirthschaftlichen Betriebe erforderlichen Ma­schinen und Geräthe während des Winters so aufbe­wahrt werden, daß sie gegen die Einflüsse der Witter­ung geschützt sind. Die Holztheile sind vor dem Faulen, die Eisentheile vor dem Rosten zu schützen; zu letzterem genügt es aber nicht, sie nur unter Dach zu bringen, vielmehr müssen die Eisentheile eingefettet oder eingeölt und so gegen die Einwirkung der feuchten Luft ge­schützt werden. Dazu wird ein neues Mittel empfohlen, aus einem Pfund Speck ausgebratenes Fett mit 15 Gramm Kampher und ein wenig Graphit zu mischen und mit dieser Mischung die Eisentheile zu bestreichen. Nach 24 Stunden ist die Mischung mit einem weichen Lappen abzureiben, Nöthigen Falle» ist das Verfahren