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chWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 24. November 1897

48. Jahrgang

13l>fMlltitrtM1 Quf bie «Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -............; ~ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsch es Reich

Berlin, 23. November. Der Kaiser ist am Montag Vormittag 9'/, Uhr zur Vereidigung der Marine- rekruten in Kiel eingetroffen. — Der Kaiser wird den Reichstag am 30. November, Mittags 12 Uhr, im weißen Saale des Schlosses zu Berlin persönlich eröffnen.

— Bei der Postverwaltung stehen nach der „Voss. Ztg." in nächster Zeit umfangreiche Pensionirungen, namentlich in den höheren und mittleren Dienststellen, bevor. Sie sind zum Theil darauf zurückzuführen, daß in den letzten Jahren mehrfach eine mildere Praxis bei der Pensionierung geübt worden ist, um den betreffenden Beamten noch die Vortheile der allgemeinen Gehalts­erhöhungen zuzuwenden.

— Der Disziplinarhof für die Schutzgebiete hat am Montag das von der Disziplinarkammer am 24. April ds. Js. gegen Dr. Carl Peters gefällte Urtheil aufge­hoben und ihn in vollem Umfange der Anklage schuldig gesprochen. Der Disziplinargerichtshof erkannte auf Dienstentlassung und legte dem Angeklagten die Tragung aller Kosten auf.

Eleve, 19. November. Nach elftägiger Verhandlung endete heute ein umfangreicher Falschmünzerprozeß, in welchem sich 16 Angeklagte wegen Verausgabung falscher inländischer Hundertmarkscheine sowie nieder­ländischer 25-Guldenscheine zu verantworten hatten. Der Hauptschwindler hatte sich durch die Flucht der Verfolgung entzogen. 70 Zeugen wurden vernommen. Der erste Staatsanwalt bemerkte, er könne nicht umhin, in öffentlicher Sitzung sein Bedauern darüber auszu- sprechen, daß die Kölner Kriminalpolizei in diesem Münzprozeß so miserabel gearbeitet habe. — Verurtheilt wurden der Schiffskapitän Schröder aus Bromberg zu sechs, Jakob Lehmann aus Köln zu drei, der Metzger­geselle Faber aus Rees zu zwei, der Wirth und Vieh­händler van Hoogstraten aus Ruhrort zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, die Uebrigen zu einem ■ halben bis zwei Jahren Gefängniß.

Leipzig, 18. November. Wegen Sachbeschädigung und Thierquälerei ist vom Landgerichte Guben am 5. Oktober der Arbeiter Carl Wagksch zu zwei Jahren Gefängniß, dem höchsten zulässigen Strafmaß, und vier Wochen Haft verurtheilt worden. Er hatte eine Stellung als Kutscher inne und ließ wiederholt seinen Aerger an einer Stute iu so roher Weise aus, daß das Thier in Folge der Mißhandlungen getödtel werden mußte. Die Revision des Angeklagten wurde heute vom Reichs­gericht verworfen. Die hohe, aber durchaus gerecht­fertigte Strafe dürfte manchen Fuhrleuten zur heilsamen Warnung dienen.

Planen i. B-, 18. November. Die Erdstöße nehmen an Heftigkeit im oberen Voigtlande zu. Die Bevölkerung beginnt ängstlich zu werden. Gestern Vormittag wurden in Schönberg, Brambach, Asch und anderen Orten heftige Erdstöße mit donnerähnlichem unterirdischen Getöse verspürt, so daß die Einwohnerschaft ins Freie eilte. Die Stöße verursachten, wie dem „Voigtländischen Anzeiger" aus Asch gemeldet wird, eine schaukelnde Be­wegung des Erdbodens.

Gera, 18. November. Gestern Abend zerrissen am Bahnhofsübergang an der Heinrichsbrücke die elektrischen Drähte der Straßenbahn und fielen zum Theil auf das Bahngeleise. Der einfahrende Münchener Schnellzug fuhr in das Drahtnetz hinein. Es fanden kolossale elektrische Entladungen statt, von denen einen ein Soldat und ein junger Mann zu Boden geworfen wurden. Der ganze Eisenbahnzug und die Motorwagen standen fortgesetzt in Hellen Flammen. Der Eisenbahnzug blieb unbeschädigt, die Motorwagen erlitten starke Be­schädigungen.

Weimar, 17. November. Ein Grab, wie es kaum ein zweites in Deutschland geben dürfte, befindet sich im Großherzogthum Sachsen, unweit des Dorfes Ulla, eine Stunde von der Residenz entfernt. In einem nahe der Landstraße und dem Staatsbahngeleise belegenen Birkenwäldchen trifft man zwischen Hagedornbüschen eine Stelle frisch gegrabener und wieder festgestampfter

Erde von etwa zwei Meter Umfang. In der Mitte i Bockenheim eine Verlängerung der Beschäftigungszeit im

dieses Kreises ist ein Bündel zerfetzter Kleidungsstücke aufgerichtet, Unterröcke, ein Kleid und ein Wolltuch; auf den Sachen steht ein Paar fast neuer Stifeletten, über welche ein weißes Taschentuch derart gebreitet ist, daß dem Herantretenden die Initialen M. H. sofort in die Augen fallen. Am Rande des Kreises liegt auf der einen Seite ein großer Feldstein, auf der anderen ein Häuflein Tannenzweige. Das Ganze stellt sich dar als die Grabstätte eines jungen Bauernmädchens aus dem Dorfe Tiefengruben, das am Sonntag vor 14 Tagen des Nachts von einem Schnellzuge überfahren und ge- tödtet worden ist. Es ist bisher nicht festgestellt, ob die Unglückliche Selbstmord begangen hat oder auf dem Be­suchswege zu ihrer im benachbarten Dorfe Daasdorf dienenden Schwester in dem dichten Nebel, der an jenem Tage hier herrschte, vom Wege abirrcnd, auf das Ge­leise und unter den Schnellzug gerathen ist. Sie wurde als Leiche, in drei Stücke geschnitten, mit einer durch Fall oder Schlag verursachten Wunde am Kopfe auf dem Geleise aufgefunden. Da die Eltern sich weigerten, die Kosten der Beerdigung zu tragen, die Anatomie in Jena wegen der Zerstückelung die Annahme der Leiche ablehnte und der Gemeindevorstand von Ulla, auf dessen Terrain der verstümmelte Körper gefunden worden ist, ebenfalls die Kosten für die Ueberführung scheute, so hat man einfach den Leichnam völlig nackt in dem be­zeichneten Wäldchen, kaum einen Fuß tief in die Erde verscharrt und die Stätte in der geschilderten Weise her­gerichtet.

Oberstem (Nahe), 17. November. Unter den etwa 2000 Arbeitern der Uhrkettenindustrie ist eine Lohn­bewegung ausgebrochen. Am Montag forderten plötzlich, die Putzer und Schleifer einer der größten Fabriken eine lOproc. Lohnerhöhung und Entscheidung bis 12 Uhr Mittags. Als diese nicht erfolgt war, legten sie die Arbeit nieder. Die Leute, meist Bauernsöhne aus der Umgegend, verdienen 30—50 Mk. die Woche.

Wie aus Bingen gemeldet wird, ist das Güter­trajekt Bingerbrück-Rüdesheim seit Donnerstag wegen Niederwassers eingestellt; das Personentrajekt hält vorerst den Betrieb noch aufrecht. Der Wasserstand des Rheins ist auf 0,94 Meter zurückgegangen. Hält die fallende Tendenz des Stromes an, was bei der trockenen Witterung wahrscheinlich ist, dann wird die gesammte Schifffahrt geschlossen werden müssen.

Ausland.

England. General Wolseley hatte die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in England für unthunlich erklärt, und die Einführung eines höheren Soldes und guter Verpflegungsmittel anempfohlen. Darauf ant. wartet die „Times", das britische Kriegsamt habe das Vertrauen des Landes verloren, die Lage des Heeres sei bedauernswerth, die Kosten ungeheuer groß. Auf die Antwort der Regierung darf man gespannt sein.

Lokales ««d Provinzielles.

* Schlüchtern, 23. Nov.

* — Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß Mittwoch, den 24. ds. Mts. die Einzahlung der Stadtumlage für das 2te Halbjahr 1897/98 bei der hiesigen Stadtkämmereikaffe erfolgen muß.

* — Gegen Verjährung. Erfahrungsgemäß gehen bei den Amtsgerichten gegen Jahresschluß wegen Unter­brechung der Verjährung von Waarenforderungen rc. eine große Menge von Anträgen auf Erlaß von Zahl befehlen ein. Im Interesse des rechtsuchenden Publikums wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, die Aufträge schon jetzt und nicht erst in der letzten Hälfte des Monats Dezember einzureichen, da die Zu­stellung solcher Zahlbefehle selbstredend nur dann recht­zeitig erfolgen kann, wenn die Anträge früh genug bei dem Amtsgerichte eingehen. Auch wird es sich der Einfachheit halber empfehlen, Formulare für Zahlungs­befehle zu benutzen und dieselben ausgefüllt einzu­reichen, da alsdann ein besonderer Antrag nicht mehr erforderlich ist.

— Sonntagsruhe vor Weihnachten. Auch in diesem Jahre ist wieder an den letzten vier Sonntagen vor Weihnachten und zwar am 28. November, 5., 12. und 19, Dezember für die Stadt Frankfurt a. M>-

' Handelsgewerbe und Offenhaltung der Läden von 3 bis : 7 Uhr Nachmittags zugelassen.

* — Neue 50-Pfennigstücke sind jetzt auSgegeben worden. Die neuen Münzen weichen von den alten in einigen Punkien merklich ab. Der Reichsadler ist viel kleiner, die Stellung der Flügelfeldern schräger und die Kette des Brustschildes aus lauter kleinen Adlern zu­sammengesetzt. Beide Seiten der neuen Geldstücke weisen ferner einen Eichenkranz auf.

Kressenbach (Kr. Schlüchtern), 19. November. Gestern fand hier die Verpachtung der Gemeindejagd statt, zu welchem Termin sich eine größere Anzahl Reflektanten eingefunden hatte. Die Gebote steigerten sich denn auch zu einer recht bedeutenden und über» raschenden Höhe. Während bisher die Pachlsumme 60 Mk. betrug, wurde diesmal der Betrag von 180 Mark erzielt. Höchstbietender blieb der Herr Förster Hölzerkopf von hier und wurde ihm auch der Zuschlag ertheilt.

Orb, 19. November. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 16. d. M. nach kurzer Debatte für die Klein­bahn Wächtersbach — Orb ’/e der Baukostep, sowie freies Gelände zum Bahnbau genehmigt. Die Auf­wendungen werden 100 000 Mk. um ein geringes über­steigen.

Hanau, 19. November. Der von der hiesigen Kleinbahn-Aktiengesellschaft geplante Kahlthalbahn-Bau soll in nächster Woche in Angriff genommen werden. Die Ausführung geschieht unter der Leitung des Ingenieurs und Bauunternehmers Christner dahier. In den Vorhöhen des Spessarts bet Michelbach, Kälberau und Schimborn werden große Erdarbeiten zu bewältigen sein.

Fulda, 19. November. Gestern NachANU^""^... von unserem Bischof die Weihe der neuen Glocken voll­zogen. Die Ceremonie bestand darin, daß die Glocken erst von innen und außen gereinigt, dann unter Gebet und Gesang der Geistlichen vom Konsekrator mit heiligem Oel viermal innerlich und siebenmal äußerlich gesalbt wurden, um spmbolisch an die vier Weltgegenden zu erinnern, wohin der Klang der Glocken dringen soll, und um zum Gebet in den sieben canonischen Stunden zu rufen. Ferner wurde jeder Glocke ein Heiligenname ertheilt.

Lengsfeld. Ueber einen kuriosen Fall, den man zum Theil auf die Wirkung des „Berkaer Bieres" schiebt, berichtet die „Rhön-Zeitung" aus Lengsfeld: Ein sogen. „Nothleidender" des betr. Ortes, der wohl einen Groschen mehrere mal umdreht, ehe er denselben für ein GlaS Bier Abends ausgab, hatte sich auch zu einer Krieger-Vereinsversammlung aufgemacht, da es ja bekannt wurde, es giebt „Freibier"! Nach dem zweiten Schoppen schon zeigt sich bei unserem Landwirth die feucht fröhliche Stimmung. Nun, was thut man da nicht Alles! Auf eine an ihn gestellte Frage, er möge auch etwas zum Besten geben in Anbetracht seiner diesjährigen guten Ernte, ruft er entrüstet: WaS, gute Ernte, willst Du mein Gut haben, alles wie es geht und steht, — Du sollst es kriegen, wenn Du mir täglich

4 Mark giebst." „Topp," ruft der Fragesteller. Ein dritter schlägt durch und das Geschäft ist gemacht. Nachdem noch mancherlei festgestellt, z. B., daß bei Uebernahme keine Kaution nöthig sei rc. gilt das Ge­schäft als perfekt. Als aber am andern Morgen der Fragesteller seine Pachtung, ca. 50 Acker, antreten will, da ist der böse Geist des „Berkaer" aus unserm guten Landwirth wieder vollständig gewichen, und er will von dem Handel nichts wissen. Ein friedlicher Vergleich war nicht zu erzielen und so werden sich die beiden nächstens vor Gericht in dieser Angelegenheit sprechen. Man ist hier allgemein darauf gespannt, wie hoch der arme „uothleidende" Landwirth „bluten" muß. Ein fetter Ochs wird wohl drauf gehen.

Schmalkalden, 18. November. Beim Läuten der Großosterglocke zum Vormittagsgottesdienst am gestrigen Bußtag flog der 13 Centner schwere Klöppel Plötzlich aus der Glocke heraus, glücklicherweise so günstig, daß Niemand von den Glockenläutern verletzt wurde. Die starke Riemenverbindung war gerissen, ohne jeden er­kennbaren Defekt. Der Klöppel schlug gegen einen starken Balken auf und blieb auf der entgegengesetzten Seite, wo zwei Läuter standen, liegen.