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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 93.
Samstag, den 20. November 1897.
48. Jahrgang.
3^fti*llltttnMi auf bic »Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen ^ ■■ -— Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich
Berlin. Die Nachricht von einer deutschen Truppenlandung in der Kinu-Tschau-Bucht auf der Halbinsel Schautung in China scheint sich in der That zu bestätigen. Nachrichten aus Shanghai zufolge wurden vom deutschen Geschwader nach der Okkupation der Kiau- Tschau-Bay hundert Mann gelandet. Dieselben sollen dort bleiben, bis für die Ermordung der deutschen Missionare Sühne geleistet wird. Die deutschen Be- satzungungstruppen haben Winterquartiere bezogen. Proviant und Ausrüstung sind ihnen von Shanghai geliefert. Der durch unsere Kreuzerdivision mittels Truppenlandung okkupirte chinesische Hafen war übrigens durch 5000 Chinesen besetzt. Sie führten die preußische Jägerbüchse Modell 1871 und hatten 14 Kruppsche Feldgeschütze. Da von einem Gefecht nichts gemeldet wird, haben sich die Chinesen augenscheinlich ohne ein solches zurückgezogen.
— Die Einfuhr von holländischen Kälbern, jungen Kühen und Bullen wieder freizugeben, beantragt der Teltower landwirthschaftliche Verein beim preußischen Landwirthschaftsminister, da unsere Rindviehzucht den Bedarf an frischmilchenden Kühen nicht decken und die Rindviehrassen der norddeutschen Tiefebene behufs ihrer Veredelung des Holländer Zuchtviehes nicht entbehren können. Die Einfuhr aus Holland ist s. Z. mit der Begründung verboten worden, daß das inländische Vieh gegen die Einschleppung ansteckender Krankheiten geschützt werden solle.
* — Dem Preisausschreiben für den Entwurf einer Hochzeitsmedaille liegt, einer offiziösen Mittheilung zufolge, die Absicht zu Grunde, die einheimische Medaillir- kunst zu fördern und die Aufmerksamkeit der Künstler und die Theilnahme des Publikums einem Kunstzweige zuzuwenden, der früher in Deutschland mehr als jetzt gepflegt und beliebt war. Der Kultusminister beabsichtige, für einen oder mehrere preisgekrönte Entwürfe Prägestempel herstellen zu lassen. Dadurch wird Privatleuten Gelegenheit gegeben, nach Vereinbarung mit dem Künstler Exemplare der Medaille zu mäßigen । Preisen zu erwerben und mit der jedesmal besonders rinzugravirenden Inschrift bei Hochzeiten als Geschenk für Eheleute oder als Erinnerungsgabe für Angehörige zu verwenden. An eine amtliche Verleihung der Medaille ist dabei selbstverständlich gar nicht gedacht worden.
Ausland.
Nordamerika. Die kanadische Regierung fürchtet, wie aus Ottowa berichtet wird, einen amerikanischen Freibeuterzug nach den Goldfeldern von Klondike. In New-York soll sich ein Geheimbund gebildet haben, dessen Mitglieder im nächsten Frühjahr einen bewaffneten Einfall in das britisch-kanadische Goldland unternehmen wollen. In den Kreisen der kanadischen Regierung steht man dieses Vorhaben keineswegs als leere Drohung an, zumal sich schon jetzt die Yankees ebenso in Juneau und an der Skagwaybucht wie am Klondike als die Herren geberden und längst gedroht haben, daß sie jeden Versuch der kanadischen Beamten, von den (meist amerikanischen) Goldgräbern einen Theil des Goldes als Staatsabgabe einzufordern, mit Waffengewalt zurückweisen würden. Auch ist jeder Goldgräber mit Gewehr und Revolver versehen, so daß die wenigen kanadischen Polizisten ihnen gegenüber sicherlich nicht viel ausrichten können. Der vorjährige Einbruch der Jame- son'schen Expedition in Transvaal soll also den amerikanischen Brüdern als Vorbild dienen, und das Frühjahr wird im Goldlande, von dem Kanada selbst wenig Nutzen zieht, schwere Wirren bringen.
Bombay, 15. November. Die Pest in Poona hält an. Während der letzten 48 Stunden sind 134 Erkrankungen und 94 Todesfälle vorgekommen. Auch aus den benachbarten Distrikten werden viele Pestfälle gemeldet. In den Hospitälern der Stadt Poona liegen etwa 630 an der Pest erkrankte Personen. Die Stadt ist fast völlig verlassen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 19. Nov.
— Ein angenehmes Weihnachtsgeschenk wird die preußische Bahnverwaltung dem reisenden Publikum machen. Dieselbe hat nämlich bestimmt, daß alle Rückfahrkarten mit sonst kürzerer Geltungsdauer, welche vom 18. Dezember ab zur Ausgabe gelangen, bis zum 6. Januar 1898 für die Rückfahrt giltig bleiben, und zwar muß dieselbe an diesem Tage spätestens um 12 Uhr Nachts angetreten werden. Diese erhebliche Verlängerung der Geltungsdauer ist theils deshalb erfolgt, damit den Schülern, die in die Ferien reisen, die Benutzung der billigeren Rückfahrkarten für die ganze Ferienzeit ermöglicht wird.
* — Schutz auf der Reise. Mit Dank begrüßen wir die folgende Verfügung der preußischen Eisenbahnverwaltung: Es ist vorgekommen, daß sowohl Zug- wie Stationbeamte, welche seitens der Reisenden aufgefordert wurden, sie gegen Belästigungen und Beleidigungen durch Mitreisende zu schützen, ihre Mitwirkung hierbei versagt und sich nicht einmal dazu bequemt haben, die Namen der betreffenden Persönlichkeiten festzustellen. Ein derartiges Verhalten muß ernstlich gerügt werden. Geben die Beschuldigten den an sie gerichteten Mahnungen kein Gehör, so sind die Streitenden durch Anweisung anderer Plätze zu trennen. Wenn dies nicht geschehen kann oder nicht fruchtet, so ist von dem § 20 der Ver- kchrsordnung — jedoch erst nach nochmaliger erfolgloser Androhung — Gebrauch zu machen und Ausschluß von der Weiterreise anzuordnen. Die Beamten find verpflichtet, stets sofort mit allem Nachdruck einzuschreiten, wenn Reisende ihren Schutz gegen Mitreisende anrufen.
T. Cassel, 18. November. Seine Excellenz der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau eröffnete heute Nachmittag 5 Uhr im Namen Seiner 'Majestät des Kaisers den 23. hessischen Communal-Landtag. Er wies darauf hin, daß der zur Berathung stehende Etat für das Jahr 1898 zum ersten Male die Forderung einer Bezirks st euer enthalte, die nothwendig geworben sei durch die immer größer werdenden Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung des Bezirks, die durch die seitherigen Einnahmen eine volle Deckung nicht mehr fänden und dieser Umstand sei insbesondere durch die im Interesse der landwirthschaftlichen Bevölkerung erfolgte Herabsetzung des Zinsfußes für Hypotheken-Darlehn bei der Landeskreditkasse eingetreten, da hierdurch eine bedeutende Schmälerung der Einnahmen dieses Finanzinstituts eingetreten sei. — Nachdem sodann der Alterspräsident den Vorsitz der Versammlung übernommen und die Sitzung mit einem Hoch auf Sr. Maj. den Kaiser eröffnet hatte, erfolgte die Wahl des Präsidiums. Herr Kammerherr von der Malsburg wurde zum Präsidenten, Herr Justizrath Ries-Cassel zum Vizepräsidenten gewählt.
Cassel, 15. November. Zur Zeit verhandelt die Schulbehörde mit den höheren Lehranstalten der Provinz Hessen-Nassau in Betreff eines einheitlichen Termines für die Schulferien in der ganzen Provinz. An den Gymnasien des vormaligen HerzogthumS Nassau beginnen die Hauptferien erst am 15. August, an den gleichartigen Anstalten zu Frankfurt a. M. und im Regierungsbezirke Cassel dagegen im Juli. Eine einheitliche Regelung dieser Frage ist aus gewichtigen Gründen wünschenswerth; mit Recht läßt sich jedoch darüber streiten, welche von den beiden Ferien-Ordnungen die zweckmäßigere sei. Im Hinblick auf den Zweck der Ferien als Erholungszeit für Lehrer und Schüler erscheinen die Herbstmonate angemessener als der Hochsommer, während die Ferien im Juli mit der in der Glühhitze notorischen Unmöglichkeit gedeihlichen Studiums rechnen.
Homberg, 13. November. Am Donnerstag und Freitag fand in dem Seminar die mündliche Lehrerprüfung statt, zu der 41 Lehrer erschienen waren. Einer derselben, Herr Sinemus, wurde von dem mündlichen Examen befreit, 8 Herren bestanden nicht. Den Vorsitz führte Herr Regierungs- und Schulrath Dr. Otto Cassel als Vertreter des Provinzial-Schul- kollegiums, und als Vertreter der Regierung war Herr Geheimrath Sternkopf zugegen.
Melsungen, 13. November. Schon seit Jahren war es hier durch den gesteigerten Personen- und Güterverkehr als ein dringendes Bedürfnis empfunden worden, sowohl das hiesige Bahnhofsgebäude mit seinen engen
Diensträumen und seiner für das Publiknm unbequemen Einrichtung, als auch den Güterschuppen durch einen Erweiterungsbau umzugestalten. Den jahrelangen Anregungen an zuständiger Stelle seitens unseres LandtagS- Abgeordneten, Herrn Franz Gleim, ist es hauptsächlich verdanken, daß in der letzten Landtagsssfion bei Feststellung des Eisenbahn-EtatS die erforderlichen Mittel für den Umbau eingesetzt wurden. Der nun von der Firma Zulehner-Cassel im Laufe dieses Jahres vollzogene Umbau ist vergangene Woche beendet worden und heute konnte die Verlegung des Bureaus und Restauration aus dem provisorischen Nebengebäude wieder in daS Hauptgebäude stattfinden. So imposant wie daS Aeußere des Bahngebäudes sich dem Auge darstellt, ebenso ge- schmacktvoll ist auch die innere Ausstattung und die ganze Einrichtung in jeder Beziehung zweckentsprechend.
Zierenberg, 8. November. Endlich, nach langem Harren, ist dank der gütigen Befürwortung seitens Sr. Excellenz des Herrn Oberpräsidenten und des Verbands- Anwaltes Rexerodt die Entscheidung ergangen, daß daS fünfte für Hessen bestimmte Kornhaus auf dem Bahnhöfe Zierenberg und zwar auf Staatskosten errichtet werden soll. Gewiß werden dies die hiesigen Einwohner und die übrigen Betheiligten mit Freuden begrüßen.
Hersseld, 15. November. Die städtischen Behörden beabsichtigen, wie die „H. Z." meldet, eine technische Mittelschule (Technikum) für Maschinenbau und Elektrotechnik in Hersfeld zu errichten. Zu diesem Zwecke wurde vor längerer Zeit zur Erledigung der Vorarbeiten eine Kommission gebildet. Der Oberpräfident und der Regierungs-Präfident haben ihre Unterstützung bereitwilligst zugesagt. Zwei KommissionS-Mitglieder werden in den nächsten Tagen nach Berlin abfahren, um mit dem Handelsministerium über diese Frage zu verhandeln.
Schmalkalden, 13. November. Dem „Th. Hsfrd." wird aus Springstille geschrieben: „Allen denjenigen, denen es Vergnügen macht, Thiere zu quälen, mag ein Urtheil des Schöffengerichts zu Steinbach-Hallenberg vom 9. November d. J. zur Warnung dienen. Ein hiesiger Einwohner hatte im Laufe des Herbstes einen Hund gekauft, welcher, an einer langen Leine geführt, nicht mitlaufen wollte. Er hatte nun den Hund durch Prügel bewegen wollen, mitzugehen, das half jedoch nicht. Zu dieser Prügel-Affäre kam ein Rollgeschirr hinzu, welches der Thierquäler mit seinem Hund zum Mitfahren benutzte; statt nun aber dem Threr im Wagen Ruhe zu gönnen, warf er den Hund mehrere Male auf die Straße, so daß er, durch die Leine gehalten, hinter dem Wagen her geschleift wurde, daß ihm schließlich die Füße bluteten. — Auf erfolgte Anzeige wurde dem Thierquäler eine 14tägige Haststrafe zuerkannt, worauf er Widerspruch erhob. Nach erfolgter Beweisaufnahme hob das Königliche Schöffengericht daS erste Urtheil auf und erkannte auf vier Wochen G e f ä n g n i ß."
Hanau, 15. November. Die Diamantschleiferei-Be« sitzer haben an die Streikkommission ein Schreiben der Inhalts gerichtet, daß sie bereit seien, zwecks Beilegung des Streikes in Unterhandlung zu treten, aber nicht mit der Streikkommission, sondern mit einer Deputation der anderen ausständigen Arbeiter. Eine Versammlung der Schleifer wird darüber heute Abend Beschluß fassen.
Wetzlar, 11. November. Der am letzten Montag von der Strafkammer mit 8 Jahren Gefängnis abge- urtheilte 17jährige Brandstifter Louis Jsbach aus Dillenburg hat nachträglich ein Geständniß abgelegt, worin er feine Thäterschaft bei den ihm zur Last gelegten Strafthaten einräumt. Im September d. J. brannte es in Dillenburg mehrere Male unter Umständen, welche deutlich den Verdacht der Brandstiftung hervorrufen mußten, doch gelang es bis auf einen Fall jedesmal, die Weiterverbreitung des Feuers zu verhindern. Im letzteren Falle wurde am Kirchberg ein Wohnhaus und ein Pferdestall ein Raub der Flammen. In dem Hause wohnte ein erblindetet, alter Mann, der mit Lebensgefahr aus dem brennenden Hause geholt werden mußte. Merkwürdigerweise hatte der Schuhmachergeselle Jsbach immer zuerst den Brand entdeckt, auch einmal verdächtige Aeußerungen fallen lassen. Es wurde ferner festgestellt, daß der Angeklagte sogar ein Bund Roggenstroh zum Anbrennen einer Scheune ge-