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WM
Mittwoch, den 27. Oktober 1897
48. Jahrgang
?Mh>lhtnrti?M auf ^ „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen —— ................- Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist am Donnerstag Abend von Darmstadt, wo er dem Kaiser von Rußland einen Gegenbesuch gemacht hatte, nach Potsdam zurückgereist. Die Kaiserin war mit dem Kronprinzen und den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert am Morgen desselben Tages in Potsdam wieder eingetroffen, wo sie am Freitag ihren Geburtstag feierte.
Vom Rhein. Die Weinlese hat jetzt in den Rheinlanden begonnen oder ist zum Theil schon beendet. Man kann also jetzt ein Urtheil über die Menge und Güte wohl abgeben. Bei der regnerischen Witterung der letzten Woche hatte die Fäulniß weitere Fortschritte gemacht, und da auch Fäulnißpilze die Entwickelung der Trauben sehr beeinträchtigt haben, so ist die Menge allgemein kaum über die Hälfte eines vollen Ertrages anzuschlagen. Die Güte geht dagegen weit über das Mittelmaß hinaus und ist im allgemeinen als zufriedenstellend zu bezeichnen. Trotzdem die Menge viel zu wünschen übrig läßt, ist der Preis der Trauben so gering, daß der Wcinbuu in diesem Jahre wiederum keinen Verdienst für den Winzer abwirft. Dieser allgemeine Preisrückgang kommt durch die Masseneinfuhr italienischer Trauben und Weine.
Babeuhausen, 21. Oktober. Für die allbekannte Wahrheit, daß selbst das Alter nicht vor Thorheit schützt, lieferte der 67jährige Maurer Hartmann Weisheit I. aus unserer Nachbargemeinde Altheim kürzlich einen drastischen Beleg. Derselbe stieß nämlich am 15. August d. Js. auf der Staatsstraße zwischen Babenhausen und Altheim dem ihm begegnenden Radfahrer Herrn Kaufmann Deppe aus Seligenstadt aus „jugendlichem Uebermuth" mit Absicht und Vorbedacht gewaltsam einen Stock zwischen die Speichen des Hinterrades der Maschine und nahm dann Reißaus. Herr Deppe stürzte über die Lenkstange kopfüber herab und erlitt mehrfache ungefährliche Verletzungen, während das Fahrrad teilweise in Trümmer ging. Wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung stand der alte Mann heute vor dem Forum des Schöffengerichts zu Seligenstadt. Durch ei» feingesponnenes Lügengewebe versuchte er sich zwar aus der Schlinge zu ziehen, wurde aber durch die Beweisaufnahme vollständig überführt und unter Ausschluß mildernder Umstände mit Rücksicht auf die Brutalität seiner Handlungsweise zu einer Gefängnißstrafe von drei Monaten und zur Kosten- tragung, sowie zu einer an Herrn Deppe, der als Nebenkläger zugelassen war, als Schmerzensgeld, Aerzte- ।
Honorar, Reparaturkosten und Minderwerthigkeit des Velozipeds zu leistenden Geldbuße im Gesamtbeträge von 123 Mark verurtheilt. Zahlreiche Radfahrer aus der Umgegend folgten mit hohem Interesse dem Gange der Gerichtsverhandlung. Der verurthcilte Greis bekundete sofort feine Absicht, gegen das richterliche Erkenntnis Berufung einzulegen. Die Ausführung dieses Vorhabens dürfte indessen nach der ganzen Sachlage > sein Schicksal kaum günstiger gestalten.
WAsland.
Indien. Vom indischen Kriegsschauplätze wird ein sihr ernstes Treffen gemeldet. Die Afridis und deren Verbündete hatten in außerordentlicher Stärke die Höhen von Dargai besetzt und erwarteten dort den Angriff der Engländer. Trotz mörderischen Geschützfeuers behaupteten die Afridis drei Stunden lang die Bergspitzen. Erst als die englischen Truppen unter unsäglichen Schwierigkeiten die Höhen stürmten und zum Bajonettangriff übergingen, flohen die Bergstämme. Die Verluste waren auf be:den Seiten entsetzlich. Von einigen britischen Regimentern blieb die Hälfte der Mannschaft auf dem Kampffelde.
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Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 26. Okt.
- Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Während
ber 3eit\oTl ^ wächst trocken in den Keller kommen, zu ihrer Erhaltung
- sind von versierten Kr onen des Kreffes Schlüchtern bekanntlich die Hauptbedingung. Der Ausfall der Hack
durch Bermitteluna des Könialicken Landrathsamtes in gewächse lst im Durchschnitt ein recht guter. Wohl Schlächtern im Ganzen 155 ^Anträge auf Bewilligung haben die Raupen am Kraut hier und da großen
von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende September 1897 zur Erledigung: 91 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 62 durch Ablehnung, — durch den während des Verfahrens eingetfetenen Tod der Antragsteller rc. Die bewilligten Altersrenten betrugen : für 65 männliche und 26 weibliche Personen zusammen jährlich 10,902 Mark 50 Pfg. Von den 91 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 50 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie, — im Handel und Verkehr, 13 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 12 im Staats- rc. Dienste, 8 im Gesindedienste. Ende Sept. 1897 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 57 Altersrenten mit zusammen 7,035 Mk. — Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, vom welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Sept. 1897 durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 130. Davon kamen bis Ende Sept. 1897 zur Erledigung: 70 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 38 durch Ablehnung, 14 auf sonstige Weise. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 55 männliche und 15 weib-
liche Personen im Ganzen jährlich 8,608 Mark 80 Pfg. Von diesen Personen waren beschäftigt: 28 in der Land- und Forstwirthschaft, 18 in der Industrie, 2 im Handel und Verkehr, 8 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 5 im Staats- rc. Dienste, 9 im Gesindedienste. Nachdem 22 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger und — durch Wiedergewinnung der Erwerbsfähigkeit der Empfänger rc.in Abzug gekommen waren, blieben Ende Sept. 1897 noch 48 Invalidenrenten im Gesammtbetrage von jähr- lich 5,936 Mark 40 Pfg. zu zahlen.
* — In unserem Kreise sind nach langem Warten die Gehaltsoerhältnisse der Lehrer nach dem neuen Besoldungsgesetze festgesetzt. In den Landgemeinden beträgt das Grundgehalt 1000 Mark, als Älterszulagen werden 120 Mark und als Vergütung für den Kirchen- dienst 200 Mark gewährt.
* — Einen sehr schönen großen Auerhahn auf freiem Felde im Fluge zu erlegen, das seltene Jagdglück hatte am Samstag Nachmittag der Gutsverwalter Löchert auf Hof Lindenberg. Der gewaltige Vogel war seitens eines hiesigen Jägers, Herrn Hadermann, im Huhnwald bei $erol$ beobachtet worden. Bevor derselbe jedoch nahe genug zum Schuß gekommen, flog der Auerhahn ab in der Richtung nach Hohenzell, aber nur, um jenseits des Berges sein Ende zu finden. Herr Löchert läßt den Vogel ausstopfen.
* — Die von der Theater-Gesellschaft C. Henning hier im Hotel Stern am Freitag den 22. d. M. gegebene Eröffnungs-Vorstellung „Der Herr Senator" erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Die Theater- Gesellschaft hat den ihr vorausgegangenen guten Ruf bestens bewährt — wir dürfen daher die nachfolgenden Vorstellungen — zunächst „Großstadtluft" „Hasemanns Töchter — allen Theaterfreunden nur empfehlen.
Hintersteinan, 23. Okt. Sicheren Vernehmen nach soll die Personenpost, welche schon lange Jahre von Freiensteinau über Uerzell nach Steinau geht, verlegt werden über Fleschenbach und Ulmbach nach Steinau.
Da nun Uerzell, welches Posthülfsstelle hat, der Mittelpunkt ist, so konnte die Post von beiden Seiten benutzt werden und zwar von dem '/« Stunde von genannten Dorfe gelegenen Ulmbach sowie auch von Hintersteinau; Letztgenannter Ort wo eine Postagentur sich befindet, würde am schwersten betroffen werden, denn durch die Verlegung der Post wäre dem an 800 Einwohnern zählenden Dorfe sämmtlicher Verkehr abgeschnitten, zumal die nächste Bahnstation fast 3 Stunden entfernt ist. Dieser Tage ist nun eine Petition an die Kaiserliche Oberpostdirektion abgegangen, welche von sämmtlichen Einwohnern der betreffenden Dörfer unterschrieben ist. Es wäre zu wünschen, daß die Personenpost, welche die einzige Verbindung mit der Bahn herstellt, in der rüheren Tour weiter ginge. — Die letzten Früchte des Feldes, die jetzt heimgefahren werden, sind die Hackge- wächse: Kraut, Wirsing, Dickwurz und Kohlrüben. Das ausgezeichnete Herbstwetter ermöglicht es, daß diese Ge-
Schaden angerichtet, so daß dasselbe gut im Preise steht, anderseits aber zeigen vollendete Exemplare von Kohl- häuptern das Gedeihen dieser für die Haushaltung wichtigen Culturpflanze. Beim Einmachen des Sauerkrautes, das jetzt geschieht, begeht man auf dem Lande vielfach den Fehler, daß zu viel Scheiben deS harten Strunkes mitgehobelt werden, welche dann daS Kraut rauh und grob machen. Es liegt dies daran, daß man hier keine Krautbohrer besitzt, mittelst deren man die Strunke sauber aus den Kohlhäuptern entfernen kann. Auch stehen die Krauthobel meist zu weit, so daß der Schnitt zu grobfaserig wird. Je feiner aber daS Kraut eingeschnitten, desto leichter kocht es weich und desto besser ist's im Geschmack. Das beweist daS Sauerkraut, das man in den Städten bekommt und dessen Schnitt sich zu dem auf dem Lande meist verhält wie ein Haar zu einem Zugitrang. Zur besseren Erhaltung des Sauerkrautes trägt es sehr bei, wenn man einen Stock von einer Birke mitten in das Krautfaß stellt.
Aus dem Bogelsberg, 20. Okt. Auch in diesem Herbste sind 40 Vogelsberger Gemeinden wieder namhafte Geldzuschüsse von der obersten Staatsbehörde zugewiesen worden, damit die Gemeinden ihre Oedländereien, die fast nichts eintragen, in Wald anlegen können. Natürlich haben nur solche Gemeinde Zuschüsse erhalten, die unbemittelt sind und im rauhesten, unfruchtbarsten Theile des Gebirges liegen.
Steinau. (Theater.) Donnerstag, den 21. dS. M. eröffnete Direktor Henning mit dem Lustspiel „Der Herr Senator" von Schönthan und Kadelburg die in Aus- ficht genommenen Theater-Vorstellungen im Saale des Herrn Halbreiter. Das Stück ist eines der besseren der Neuzeit. Sämmtliche Darsteller verstanden eS, ihre Parthiey. vorzüglich zum Ausdruck zu bringen und erzielte „Der Herr Senator" einen vollständigen Beifallserfolg, der durch die exacte Aufführung und flotte Darstellung auch ganz berechtigt war. Dir nächste Vorstellung, Dienstag, d. 26 (in Schlächtern Mttt- woch d. 27.) dürfte mindestens eines gleichen Erfolges
sicher sein. — Die Kritik spricht sich über dieses Bühnenwerk in lobendster Weise aus und sehen wir der Ausführung desselben erfreut entgegen, hoffentlich wird auch der Besuch ein entsprechend guter fein — bei den wirklich guten Leistungen der Gesellschaft ist der Besuch des Theater zu empfehlen.,
Gelnhausen. Der Einbruch, welcher s. Z. bei Herrn Uhrmacher Hch. Schäfer stattgeiunden, scheint doch noch seine Sühne zu finden. In Weinheim an der Bergstraße ist eine italienische Vorarbeiterfamilie verhaftet worden, bei welcher eine große Anzahl Uhren beschlag. nahmt wurden, ferner wurden in Westfalen und Rheinland gestohlene Sachen ausfindig gemacht. Unter diesen Gegenständen befinden sich Stücke, welche zweifellos von dem Einbrüche bei Herrn Schäfer herrühren. Ueber die Entdeckung des Einbrechers Felice Testa aus Graz« zano schreibt die „Handels-Zeitung" für die gesammte Uhren-Jndustrie": In der Nacht vom 30. April auf 1. Mai d. I. wurde Herrn Uhrmacher Dell in Weinheim an der Bergstraße mittels Einbruchs eine größere Anzahl von Uhren und Goldwaaren im Gesammtwerthe von 1189 Mk. entwendet. Die Staatsanwaltschaft erließ daraufhin unter genauer Angabe der entwendeten Gegenstände eine öffentliche Bekanntmachung, die wir, um dem Bestohlenen wieder zu seinem Eigenthum zu
verhelfen, in unserer Zeitung ebenfalls abdruckten. freuen uns, heute berichten zu können, daß unser
Wir Vor.
hat. Herr unser
gehen zur Entdeckung der Einbrecher beigetragen Wie uns nämlich Harr Dell mittheilt, erhielt Uhrmacher Grotherd in Bremen-Hallstedt durch ausführliches Ausschreiben von dem Geschehniß Kunde
und machte den Bestohlenen darauf aufmerksam, daß er jedenfalls mit derselben Jtalienerbande zu rechnen habe, welche auch ihn im Dezember und Januar so schwer geschädigt hätte. Dieser Brief wurde der Staatsanwaltschaft in Mannheim übergeben, die sofort recherchirte und sämmtliche Italiener in Baden und den hessischen Nachbargemeinden durch Gendarmen und deutsche Steinbrecher, welche mit Italienern zusammenarbeiten, beobachten ließ. Vier Wochen später, an einem Sonntag Morgen 4 Uhr, wurde in Weinheim eine italienische Borarbeiterfamilie verhaftet, welche erst seit zwei Tagen dort wohnte. Der Erfolg war ein überraschender. In einem alten Kistchen unter Lumpen versteckt, fanden sich von den gestohlenen Waaren eine goldene Cylinder«