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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis. mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Mittwoch, den 20. Oktober 1897
48. Jahrgang.
^ftolhttlrt^ auf bie "Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - — ------------------- Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
mehl um 14,3, Roggenmehl um 18,2 und Weizen um 22,9 v. H.
In Hettingbeuren, Amt Buchen (Baden) wurden der Bürgermeister, der Polizeidiener, ein Gemeinderath
Vom Harz. Im Oberharz auf dem sog. Brandhai und ein Bürger wegen Meineidsverdachts verhaftet.
Tentsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hörte am Sonnabend früh im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Nach der Nagelung der Fahnen im Berliner Zeughause nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und besichtigte demnächst mit der Kaiserin die Modelle zum Bismarck-Denkmal im Akademiegebäude. Die Rückkehr nach Potsdam erfolgte Nachmittags. Sonntag Vormittag fuhr der Kaiser wieder nach Berlin und wohnte der Fahnenweihe bei. Abends fand bei den Majestäten größere Tafel statt. — Am Montag Vormittag trifft das Kaiserpaar zur Denkmalsenthüllung in Wiesbaden ein. Wie es heißt, werden die Majestäten am Dienstag das Zarenpaar in Darmstadt besuchen.
— Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle der „Statist. Korr." sind die Getreidepreise in den Haupt- marktorlen im September d. I. meist in weiteren Steigen begriffen gewesen. Allerdings verhalten sich letztere nicht weit von einander abgelegene Marktorte in der Gestaltung der Preise sehr verschieden, ein Zeichen der obwaltenden Unsicherheit. Der Durchschnittspreis des Weizens ist von 170 auf 177 Mk. gestiegen. Posen hatte mit 161 Mk. den niedrigsten, Neuß mit 190 Mk. den höchsten Preis. Im Osten waren die Preiserhöhungen meist gering, es kamen sogar Herabsetzungen bis zu 5 Mk. (Danzig) vor; im Westen erreichten die Preisheraufsetzungen eine sehr beträchtliche Höhe, so in Koblenz um 20 Mk., Hannover um 18 und Cassel um 16. Der Roggen ist im Durchschnitt aller Orten von 128 auf 132 Mk. gestiegen, er schwankt zwischen 125 Mk. in Köslin und 137 Mk. in Hanau. In Schlesien waren nach dem vormonatlichen starken Ansteigen die Preiserhöhungen jetzt am geringsten; Görlitz hatte sogar eine Preisermäßigung um 5 Mk. Im übrigen überschritten die Preiserhöhungen nirgends 9 Mk. Die Gerste ist am stärksten gestiegen und zwar im Durchschnitt aller Orte um 8 Mk. Stralsund hatte mit 122 Mk. den niedrigsten, Hanau mit 183 Mk. den höchsten Preis. Der Hafer konnte seinen Durchschnittspreis um 1 Mark herabsetzen, aber nur, weil in Koblenz in diesem Monat ein Preis für die geringe Sorte nicht notirt । wurde, wodurch ein Herabgehen um 18 Mk. bewirkt ist. Neuß hatte mit 14 Mk. die größte Preiserhöhung, während in Pommern Herabsetzungen um 3 unb, 4 Mk. verkamen. Den höchsten Haferpreis hatte Cassel mit 143, den niedrigsten Danzig mit 123 Mk. Der Preis der Eßkartoffeln ist im Durchschnitt von 51 auf 47.4 Mk. zurückgegangen, weil jetzt überall die diesjährige Waare zum Markt gebracht ist. Am niedrigsten war der Kartoffelpreis mit 33,9 Mk. in Posen, am höchsten mit 62 Mk. in Aachen. Das Richlstroh zeigt nur geringe Preisveränderungen; in Berlin ist es um 4,7 Mk. billiger, in Görlitz um 5 Mk. theurer geworden. Der Heupreis ist von 50,3 auf 52 Mk. gestiegen. Trier hatte eine Preiserhöhung von 16,7 Mk., Görlitz eine solche um 10,2 Mk., während vereinzelt auch Preisermäßigungen vorkamen. Die Fleischpreise steigen langsam weiter. Das Rindfleisch ist im Großhandel um 2 Mk. für 1000 Kgr., im Kleinhandel (Bauchfleisch) um 1 Pfg., Schweinefleisch um 2 Pfg., Kalbfleisch um 8 Pfg. und das Hammelfleisch um 1 Pfg. für das Kilogramm gestiegen. Auch Speck und Schmalz zeigen litte Preiserhöhung von 3 Pfg. für das Kilogramm Die Eier sind von 321 auf 340 Ptg. für das Schock gestiegen, die Butter um 3 Pfg. billiger geworden. Die Mehlpretse sind entsprechend den Getreidepreisen gestiegen. Vergleicht man die Preise des September d. I. mit denen des September v. J., so ergiebt sich, daß im Laufe des letzten Jahres nur die Speisebohnen um 1,5 und die Eßbutter um 1,4 v. H. billiger geworden sind, alle übrigen Lebensmittel haben Preiserhöhungen erfahren, und zwar sind theurer geworden Eier um 0,6 v. H., Rindfleisch im Kleinhandel um 0.8, im Großhandel um 1,0, Kalb- und Hammelfleisch um 2,4, Kocherbsen um 3.8, Schweineschmalz um 4,8, Speck um 5,0, Heu um 5,0, Gerste um 6,2, Linsen um 7,9, Eß- kartoffeln um 8,5, Stroh um 8,6, Hafer um 9,7, Gchweinefleisch um 12,2, Roggen um 12,9, Weizen-
ist unter dichtem Waldgestrüpp ein zwei Meter hoher Granitblock auf steinernem Unterbau beim Lichten des Waldes aufgedeckt worden, der auf einer eisernen Tafel die Inschrift trägt: „Hier wurden im Jahre 1747 die ersten Versuche mit dem Anbau der Kartoffeln gemacht."
Halle. Zu der in Berlin tagenden Leprakonferenz hat Professor Dr. Weber aus Halle einen Leprakranken Namens Wilhelm Leiter zur Vorstellung mitgebracht, dessen Krankheit seit längerer Zeit hier behandelt wird. In der Klinik, in welcher L. untergebracht war, wurde derselbe von einer Wärterin besonders sorgfältig gepflegt, so daß er sich in die noch jugendliche Pflegerin verliebte, und sie zu heirathen beschloß. Der Ausführung dieses Herzenswunsches, welcher auch von der Wärterin getheilt wurde, stellten sich jedoch insofern Hindernisse entgegen, als die mit der unheilbaren Krankheit verbundene Ansteckungsgefahr eine eheliche Verbindung zwischen Beiden nicht statthaft erschienen ließ. Um in der Nähe seiner Geliebten zu bleiben, lehnte L. sogar einen Antrag der Breslauer Universität, nach Breslau übcrzusiedeln, ab, obgleich ihm für den Fall der Annahme eine sorgenfreie Existenz in Aussicht gestellt war. Vor kurzem ist die eheliche Verbindung Beider trotz aller Hindernisse vollzogen worden. L. soll an dem neuen Lepraheim bei Memel eine Anstellung als Verwalter, seine Frau als Wärterin erhalten.
Trebbin, 18. Okiober. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich im benachbarten NunSdorf zugetragen. Der Sohn des Bauergutsbesitzers Lehmann hatte einen neugekauften Zuchthengst vor den Pflug geschirrt, als
Mainz, 14. Oktober. Folgender Vorfall dürste wohl großes Aussehen erregen. Ein Schreibgehilfe hatte 9 Mark unterschlagen, die einem eingelieferten Untersuchungsgefangenen gehörten; zur Verdeckung der Unterschlagung hatte er zugleich die auf den Gefangenen bezüglichen Akten beseitigt. Der Gefangene saß in Folge dessen sechs Monate, bevor sich Jemand um ihn kümmerte. Wie man mittheilt, handelt es sich um einen jungen Mann, dem es zur Last gelegt wird, 400 Mark unterschlagen zu haben, während er behauptet, er habe das Geld verloren. Eine Voruntersuchung war nicht mehr nöthig, die Anklageschrift war schon gefertigt, und es handelt sich nur noch um die Ueberweisung an das Schöffengericht. Die oberste Gerichtsbehörde in Darmstadt hat zwar eine strenge Untersuchung angeordnet, es wird aber die Ansicht laut, daß trotz der Beseitigung der Akten durch einen Schreiber ein solcher Fall nicht hätte vorkommen dürfen.
Ausland.
New-Aork, 18. Oktober. Der Dampfer „Triton", welcher außer der Schiffsmannschaft 100 Passagiere an Bord hatte, ist untergegangen. Von den 200 an Bord befindlichen Personen sind nur 2 geretfet. — In Folge langanhaltender Dürre sind im Norden und Nordwesten der Vereinigten Staaten sowie in Canada heftige Prairie- und Waldbrände entstanden. Seit 10 Tagen breiten sich in Manicoba die Brände aus und bedrohen NoidDakota; 20 bis 30 Personen sollen bereits umge- k.immcn sein, während Holz, Farmen und Getreide im
das Thier ihn plötzlich in den Arm biß, ihn zur Erde Werthe von Hunderttausenden von Dollars zerstört
—- .—v - «...c— — r- <— ”-«*-^ Torben sind. Wölfe werden in das offene Land ge-
warf und mit den Hufen trat, so daß der Unglückliche
einen doppelten Rippenbruch davon trug. Abends war der Besitzer Lehmann selbst in dem Stall, um das Futter für den bissigen Hengst zuzubereiten. Trotz aller dabei angewandten Vorsicht kam er dem wüthenden Thiere zu nahe, welches ihn sofort am linken Arm packle und ihn derartig zerbiß, daß der drei- oder viermal gebrochene Arm schließlich eine einzige große Wunde bildete. Es war Lehmann unmöglich, sich von dem Pcerde loszumachen, er drohte besinnungslos zu werden und schrie furchtbar um Hilfe. Dies schien bie Erregt heit des Hengstes noch zu steigern, denn er schleuderte den Unglücklichen, welchen er an der Schulter gepackt hatte, hin und her, warf ihn auf die Krippe, schleuderte den blutüberströmten Körper in eine Stallecke und trat und drückte ihn hier derart, daß ihm alle Knochen im Leibe gebrochen wurden. Mit Mühe gelang es hinzu- eilender Hilfe, das schier vom Teufel besessene Pferd von seinem Opfer loszubringen, doch zu spät; der Bedauernswerthe lag in den letzten Zügen und verstarb
kurz darauf unter den Händen seiner Retter.
Tilsit. Als Kuriosum sei mitgetheilt, daß dieser Tage in Tilsit ein Obstmarkt eröffnet werden sollte, jedoch nur drei Aepfel und drei Birnen aus-
Es waren gestellt, so ehe man schiedenen
daß man infolge dessen die Ausstellung schloß, sie eröffnet hatte. Käufer waren aus ver- Städten erschienen, die jedoch keinen Kauf konnten und mit ziemlich gemischten Gefühlen
abschließen . . _
ihre Heimreise antraten. — Wenn die Landwirthe dem heimischen Obstbau so wenig Interesse entgegenbringen, können sie sich nicht wundern, daß die Einfuhr amerikanischen Obstes einen immer größeren Aufschwung
nimmt.
Breslau. Kardinal Kopp gestattete der evangelischen Kirchengemeinde zu Reichenbach i. Schl. während des Umbaues des evangelischen Gotteshauses die Benutzung der dortigen katholischen Klosterkirche.
Aus Württemberg wird geschrieben: Daß bei der Einführung eines Orlsvorstehers ein Festessen ftaltfinbet, ist etwas ganz Herkömmliches. In Licbenzell aber wurden zu Ehren des neuen Schultheißen zwei Festessen abgehalten, weil die beiden feindlichen Parteien auch nach der Wahl sich noch feindlich gegenüberstehen. Als ganz Neutraler nahm der neugewählte Schultheiß an beiden Festmahlen theil.
Biberach. 13. Okt. In dem nahen Altheim brannte es in letzter Zeit wiederholt. Jetzt wurde der Brandstifter entdeckt; es ist nach der „Ulm. Ztg." der Hornist der Altheimer Feuerwehr. Der Mann hörte sich zu gern Alarm blasen, weshalb er „zündelte",
trieben und große Schaaren wilder Gänse und Enten fliegen über die brennenden Wälder. Der Rauch von den brennenden Wäldern in Michigan und Jndiana ist am unteren Ende des Michlgan-Sees so stark, daß die Schiffer nur mit Mühe durch denselben kommen können. In Mlchigan sind die Dörfer Kingston und Milmot bedroht, und überall, wo Gefahr vorhanden ist, macht die Bevölkerung die größten Anstrengungen, um das Feuer von den dichter bewohnten Bezirken fernzuhalten. Man fürchtet für die Stadt Wilders. Der Ort ist nicht weit von Chicago.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 19. Okt.
* — In diesen Tagen trifft der rühmlichst bekannte Hofkünstler Meunier-Sslar mit Gesellschaft aus Frankfurt a. M. ein, um hier eine Vorstellung zu geben. Das Wiesbadener Badeblatt schreibt: Zu unseren besten und feinsten Zauberkünstlern gehört unstreitig der Hofkünstler Herr Meunier-Sölar, welcher in Gemeinschaft mit Madame Louise Meunier-Sölar morgen Donnerstag, den 24. September, Abends 8 Uhr eine magischspiritistische Soiree im weißen Saale des CurhauseS geben wird. Herr Möunier, Mitglied des deutschen Vortrags-Verbandes, war dieses Jahr bereits von zahlreichen Vereins-Vorständen zur Veranstaltung seiner spiritischen Solls eingeladen und erntete überall großen Beifall. Frau Louise Meunier steht ihrem Gemahl stets mit größtem Geschick zur Seite und tritt auch in einigen Nummern selbstthätig auf. Die Programme des Künstlers, welche sich wesentlich von dem Herkömmlichen unterscheiden, bringen stets eine Anzahl Original- Nummern. Für hier hat Herr Meunier, dessen Soiräe bei dem Renomme des Künstlers eines zahlreichen Besuches nicht ermangeln dürfte, ein ganz besonders wirkungsvolles Programm aufgestellt. Ueber die Leistungen dieses zu den bedeutendsten Hexenmeistern der Gegenwart rechnenden Künstlers schreibt u. A. das „Frkf. I.": „Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Meister in der Prestidigitationskunst. Seine Vorstellung bot so viel Interessantes, Unglaubliches und Ueber« laschendes, daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn der berühmte Meister der Töne, Richard Wagner, diesem Meister der Magie sein Bildniß mit der Unterschrift dedicirte: „Herr Prof. Meunier kann mehr, wie ich." Meunier verfügt über eine unübertreffliche Gewandtheit und Präcision seiner Vorführungen, ein bühnen- sicheres elegantes Auftreten, das besonders in seiner geschmeidigen Galanterie den Damen gegenüber äußerst