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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich I Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 82» Mittwoch, den 13» Oktober 1897» 48» Jahrgang.
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sowie von der Expedition entgegen genommen.
Teutsches Reich.
Berlin. Beide kaiserliche Majestäten nahmen am Sonntag in Liebenthal unweit Hubertusstock an der Einweihung einer neuen Kirche theil. Hierauf kehrte die Kaiserin direkt nach Potsdam zurück, während der KaiserzurJagd nach Liebenberg zum Grafen Eulenburg fuhr.
— Der preußische Kultusminister hat entschieden, daß eine Lehrerin, wenn sie sich verheiratet, endgillig aus dem Amte ausscheidet und auch nicht mehr provisorisch oder interimistisch an der Schule weiter beschäftigt werden darf.
— Auf den staatlichen Schullehrer- und Lehrer- innen-Seminarien in Preußen befanden sich im vergangenen Sommersemester 11,804 Seminaristen gegen 11,647 im Wintersemester 1896/97, so daß [eine Zunahme um 157 stattgefunden hat. Darunter befanden sich 8069 (im Vorjahre 7964) Evangelische, 3720 (367-2) Katholiken und 8 (11) Juden. Die staatlichen Präparanden-Anstalten wurden von 2435 Präparanden besucht gegen 2422 im Vorjahre. Darunter befanden sich 1594 (1575) Evangelische, 841 (846) Katholiken und 0 (1) Jude.
— Zum Hafen- und Eisenbahnbau in Deutsch- Südwestafrika wird aus Kapstadt berichtet: Der Bau des Hafens in Swakopmund wird frühzeitig im nächsten Jahre beginnen; von dort wird die Eisenbahn in der Richtung auf Wtndhoek zu weiter gebaut werden. Wie verlautet, steht der Besuch des Landeshauptmanns Major Leutwein in Deutschland hiermit in Zusammenhang. — Die Walfischbai der Briten dürfte jede Wichtigkeit verlieren, wenn die in Angriff genommenen Hafen- und Bahnarbeiten vollendet sind. Im Reichstage wird allerdings die Verausgabung von Geldern zu kolonialen Zwecken ohne vorherige Bewilligung zu scharfen Erörterungen führen, um so mehr, da eS sich früher um theilweise abgelehnte Vorlagen handelt.
— Der neue Generalpostmeister v. Podbilsly hat sich nach den „Priegnitzer Nachr." am Sonnabend in Karstadt bei Gelegenheit der Einweihung einer neuen Molkerei auch über seine postalischen Aufgaben geäußert. Der Herr Staatssekretär bemerkte, er sei Geschäftsmann. Sobald er sich überzeugt, wie die bestehenden Einrichtungen praktisch zu verbessern seien, werde er mit voller Kraft, aber auch ohne unnöthige Kosten darauf losarbeiten. Aber kaum verlautbare, daß er auch billige Betriebskräfte, namentlich zum Markenverkauf heranziehen wolle, da erhebe man ein großes Geschrei. ES würde aber doch kaufmännisch unrichtig sein, wenn er zu dieser so einfachen Arbeit, die gar kein Nachdenken erforderte, theure Postassistcnten verwenden wollte.
München. Im bayrischen Landtage brachten die Abgg. Aichbichler und Gen. eine Interpellation ein bezüglich der behaupteten Uebcranstrengung der Truppen bei den diesjährigen großen Manövern. Die Interpellation wurde vom bayerischen Kriegsminister Frhrn. v. Asch beantwortet. Nach dessen Ausführungen betrug der Gesammtkrankenzugang der bayrischen Truppen bei einer Ausrückungsstärke von 60214 Mann in der Zeit vom 21. August bis 10. September 2050 Mann, von welchem 627 ins Lazareth kamen, während die übrigen 1423 als Leichtkranke bei ihrer Truppe ärztlich behandelt wurden. Am Schlüsse der Manöver waren von den 2050 Mann 1316 wieder dienstjähig. Gestorben sind zwei, einer im Lazareth zu Nürnberg an Bauchfellentzündung, der andere in Aschaffenburg an Gehirnhautentzündung. 495 verblieben am 11. September noch im Lazareth, 237 in Revicrbehandlung. Den bei weitem größten Abgang an Kranken hatte das
Infanterieregiment, nämlich 1861, von denen jedoch nur 31 ins Lazareth kamen. Die Zahl der am 8. und 9. September Erkrankten war in manchen Zeitungen mit 100 angegeben, während an diesen Tagen nur 10 Mann erkrankten. An Verletzungen kamen 2 Knochenbrüche, 7 Verletzungen durch Lanzenstiche. 3 Schußver- letzungen durch Platzpatronen und eine Quetschung des Oberschenkels durch ein Geschützrad vor. Diese Verletzung trug ein Chevauxleger des 6. Regiments davon, welcher s. Z, todtgesagt wurde; indessen ist von den Verletzten keiner gestorben.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 12. Okt.
* — Falsche Zwanzigmarkstücke sind in letzter Zeit aufgetaucht. Sie sind den echten Münzen ziemlich gut Hochgebildet und nur bei genauer Prüfung als falsch zu erkennen. Sie haben das Gewicht der alten Münzen, sind aus einer Mischung von Kupfer und Blei mit starker Vergoldung hergestellt, tragen das Bildniß Kaiser Wilhelm I, das Münzzeichen A und die Jahreszahl 1883. Ein besonderes Kennzeichen besteht darin, daß der Kopf und die obersten Federn der.Fänge des Adlers nicht so scharf wie bei den echten Goldstücken ausgeprägt sind und sich von dem Untergründe nur wenig abheben.
* _ Der „Reichsanzeiger" warnt vor einer Geschäftsverbindung mit einem gewissen Jules H. Köller iu Brüssel, der Anzeigen für ein von der Societe de Globe herauszugebendes Weltadreßbuch sammelt. Die genannte Gesellschaft bestehe seit Jahren nicht mehr; Julius Hermann Köller werde in Hamburg, Aurich und Stuttgart wegen Betruges gerichtlich verfolgt.
* _ Der Verkauf der Kartenbriefe an das Publikum wird, wie von Anfang an beabsichtigt war, mit bem 1. November beginnen. Das neue Formular der Kartenbriefe gleicht einer doppelten Postkarte, die man durch Anfeuchten ihrer gummirlen Ränder und Zusammenkleben der Ränder verschließen kann. Das Porto für die Kartenbriefe bleibt dasselbe wie für andere Briefe,
Lauchstädt, (Bezirk Merseburg), 4. Oktober. Von den Behörden war beschlossen worden, einen Theil des hiesigen Schlosses, den ältesten, niederzureißen. Die Kunde davon mußte nach Prag gedrungen sein, denn von dort aus erhielt der Vorsitzende des Sächsisch- Thüringischen Geschichts- und Alterthumsvereins, Professor Herzberg-Halle, aus einem Dominikanerkloster ein Schreiben, daß er doch mit allen Mitteln einer Nieder- legung des betr. Theiles des Schlosses entgegentreten solle. Für das genannte Kloster sei dies von hoher Bedeutung. Es sei demselben eine Stiftung ausgesetzt, nach welcher alle hundert Jahre ein Bruder des dortigen Klosters nach Lauchstädt fahren müsse, um sich zu überzeugen, daß dieser Theil des Schlosses noch vorhanden. Der letzte Dominikaner habe im Jahre 1820 diesen Besuch gemacht; der nächste würde demnach 1920 stattzufinden haben. In welcher Beziehung das Schloß Lauchstädl zu diesem Präger Dominikanerkloster steht, ist noch nicht ermittelt.
— Ueber den „Segen der Submissionen" wird aus Nahstätten geschrieben: Auf dem hiesigen Rathhause wurde kürzlich Schularbeit vergeben, bestehend in bem Ausweißen der 4 Schulsäle und des Haus- und Treppen- flures, Oelanstrich der Fenster und Fußböden, veranschlagt zu 111 Mk. Die wenigen Submittenten konnten sich zu der gemeinsamen Ausführung dieser Arbeiten nicht einigen und so kam es, daß sie sich untereinander bis zu — 44 Mark herunmboten, worauf der Zuschlag ertheilt wurde.
Kannstein, i. W., 7. Oktober. Dieser Lage hat ein Gendarm einer umherziehenden Zigeunerfamilie ein Kind, das nicht zu ihnen gehört haben soll, gewaltsam aus dem Wagen geholt. Durch Aeußerungen, die das Kind in einem unbewachten Augenblicke andern Kindern gegenüber gemacht und nach der Mutter gejammert haben soll, schien der Verdacht begründet, von dem man der Polizei Mittheilung machte. In Höringhausen wurde der Fall zuerst bekannt und von da verfolgte der Gendarm die Spur bis nach Landau, wo er sein Ziel erreicht hatte. Die Zigeuner wollten das Kind in einem Walde verirrt getroffen und mitgenommen haben, worüber hoffentlich bald Aufklärung kommen wird.
Ausland.
Afrika. Die wilden Riffpiraten an der marokkanischen Nordküste machen wieder einmal von sich reden. Sie verweigern die Auslieferung der von ihnen gemachten Gefangenen, gleichviel, welcher Nationalität sie auch sein mögen. Dafür fordern sie die Freilassung ihrer von den Spaniern u. s. w. gefangenen Genossen und außerdem ein hohes Lösegeld für die in der Gefangenschaft der Riffpiraten befindlichen Europäer. Ein ihnen italienischerseits gemachtes Angebot von 30 000 Duros ist von ihnen als zu niedrig abgelehnt worden.
* — Den Oberlandesgerichtspräsidenten ist vom preußischen Justizministerium eine Verfügung zugegangen, in der die Gehaltsverhältnisse der Bureauangestellten der Anwälte, Notare, Gerichtsvollzieher u. s. w. besprochen werden und auf die Klagen über unzureichende Kündigungs-, Gehalts- und Arbeits-Verhält- nisse hingewiesen wird. Die Oberlandesgerichtspräsi- benten werden aufgeforbert, Erwägungen darüber anzu- stellen, ob eine Besserung ohne Beschreitung des Weges der Gesetzgebung herbeigeführt werden kann.
r. Vollmerz, 10. Okt. Gestern Nachmittag hatte aus hiesiger Station ein Reisender das Unglück, unter den Zug zu gerathen, sodaß ihm beide Beine abgefahren wurden. Der Verunglückte erhielt sofort einen Nothverband und wurde mit dem Abendzug nach Würzburg in die Klinik gebracht.
Oderzell. Für Verlegung der Staatsstraße von Brückenau bis Speicherz und von Kochen bis Motten sind im bayr. Etat 120,000 Mk. ausgeworlen.
Aus der Rhön, 6. Oktober. Unsere Berge sind vieder einsam geworden, wer sich den Sommer über hier gejonnt hat, wen bte Luft so kühl und rein angetächelt - Alle sind weggezogen in ihre Winterquartiere. Die Fremdenfrequenz der Rhön erreichte diesen Sommer eine hohe Zahl. Den Kreuzberg besuchlen 5000 Fremde, von denen ^ im Kloster übernachtete. Die Zahl der in der Rhön zerstreuten Sommerfrischler (Gersseld, Bischofsheim, Kleinjassen, Bieberstein, Milse- vurg, Hilders, Tann, Wüstensachsen, Abtsroda, Langen- bieber rc.) überftieg weit über 3000.
Eiterfeld, 9. Okt. Das Feuer in Körnbach soll nach einer neueren Meldung im Holzschuppen des Land- wirchs Trost durch Kinder entstanden sein. Die angrenzenden Bewohner der seitwärts der Kirche nach Ditiiafrod hin gelegenen Höfe retteten ihre Habe von Haus zu Haus, mußten aber die traurige Erfahrung machen, daß das Feuer, vom Winde begünstigt, in die gefüllten Scheunen folgerichtig übersprang. Trotz der rührigen Feuerwehren mit Spritzen von Körnbach, Eiterfeld und Arzell, Buchenau, Wölff und Mcngers, Oberstoppel, Steinbach, Leimbach, Roßbach und anderer, zusammen zwölf, brannten 9 meist größere Höfe nieder, da es an einem nahen Flusse fehlte und das Brunnenwasser unzureichend war. Nur die auf derselben Seite isoliert stehende Schule ist verschont geblieben. Die Schwerbetroffenen sind die Landwirthe Trost, Ottmann, Käsmann, Wiegand, West, Bürgermeister Vogt, Böller, Wicgand und Seilmacher Binsack. Sie alle stehen am Grabe von Haus und Hof und des unter Dach und Fach so sicher geglaubten reichen Erntesegens. Das nur 24 Wohnungen zählende Dörfchen ist somit bis auf 15 eingeäschert. Eine Dampfdreschmaschine ist zur Zeit des Brandes in Körnbach gar nicht in Thätigkeit gewesen. Im ganzen sind neun Hofraithen mit 23 Gebäuden eingeäschert worden.
Fulda. Auf dem heutigen Schweinemarkte waren aufgetrieben: 24 Stück Läufer, Preis 40 bis 110 Mk. das Paar und 150 Stück Ferkel, Preis 10 bis 18 Mk. Der Handel war flau.
Gelnhausen. Am Dienstag tagte von Vormittags 11 Uhr an in Gelnhausen die Konferenz der evangelischen Geistlichen der Hanauer Generaldiözese, welche aus allen Theilen des Bezirkes gut besucht war. Nach Eröffnung mit Gesang und Gebet durch den Vorsitzenden wurde der Antrag des Referenten, Herrn Pfarrers Schilling- Auf dem Berg, „die Verhandlungen über die Mittel und Wege, wie den Mißständen in der Sonn- nnd Feiertagsentheiligung seitens der Geistlichen entgegenzu- wirken sei, von der Tagesordnung abzusetzen und sie der nächsten Frühjahrskonferenz zur eingehenden Behandlung zuzuweisen," angenommen. Bezüglich des 4. Punktes der Tagesordnung betr. Einrichtung einer Volksheilstätte referirte Herr Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt, dessen Ausführungen sich die Konferenz durch- gehends anschloß. Es wurde alsdann ein Aktions- komittee aus der Mitte der Geistlichen bestellt, welches den dargelegten Plan auszuführen energisch betreiben wird. Zu Punkt 5 der Tagesordnung: „Die nationale Wicdergeburts Israels" hielt Herr Metropolitan Witte- kindt-Wachenbuchen einen sehr interessanten und belehrenden Bortrag, an dem sich eine längere, eingehende Debatte anschloß. Eine schriftlich eingelaufene Begrüßung der Konferenz seitens des Herrn Konsistorialpräsidenten von Altenbockum wurde mit freudigem Danke entgegen«