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SchlüchternerÄitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 80.

Mittwoch, den 6. Oktober 1897.

48. Jahrgang.

1^fMhtttrt0tt °uf dieSchlüchterner Zeitung" UUllyt werden noch fortwährend von allen i1 ----- ..............Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird am 6. d. M. in Huber- tusstock eintreffen und sich am 10. Oktober von dort nach Liebenberg zum Grafen Eulenburg begeben. Mitte November wird der Kaiser auf Schloß Kuchelna im Kreise Ratibor als Jagdgast des Fürsten Lichnowsky erwartet.

Die einzige Tochter des erbprinzlichen Paares von Meiningen, Prinzessin Feodora, hat sich mit dem Prinzen Heinrich XXX. Reuß j. L. verlobt. Der Vater der Braut ist der Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen, die Mutter, Prinzessin Charlotte, He älteste Schwester unseres Kaisers. Die Braut Prinzessin Feodora zählt jetzt 18 Jahre. Der Bräuti­gam Heinrich XXX. ist 33 Jahre alt.

Das reisende Publikum sei in eigenem Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß nach einer neuerdings erfolgten Anordnung zur Vermeidung von Unglückssällen die Eisenbahnbehörde Veranlassung genommen hat, das eigenmächtige Oeffnen von Koupeethüren der noch auf den Stationen einfahrenden Personenzüge strengstens zu bestrafen. Möge aber auch auf der Ankunftsstation ausreichend Personal vorhanden sein, welches schnell und bereitwilligst die Thüren öffnet.

Köln, 2. Oktober. In der am 29. September stattgehabten, bis spät Abends dauernden Strafkammer- sitzung wurde gegen die Besitzer der serbischen Fleisch­halle, Klefisch, Zorn, Rueb und Hartmann, sowie gegen drei weitere Personen, die beschuldigt waren, gänzlich verdorbenes serbisches Fleisch, vornehmlich Schinken, in Deutschland in den Handel gebracht zu haben, ver­handelt. Die Behörde beschlagnahmte bei einer Sendung von 1500 Schinken 1490 als vollständig verfault, während andere große Sendungen Schinken, weil unge­nießbar, zu Wurst verarbeitet wurden. Nach Ver­nehmung von zahlreichen Sachverständigen und 22 Zeugen beantragte der Staatsanwalt gegen die Ange­klagten Gefängmßstrafen von 2 bis 6 Monaten. Am Donnerstag begannen die Plaidoyers.

In derSaale-Ztg." in Halle befindet sich folgendes originelle Heirathsgesuch: Ein gebildeter Landwirth evang. 32 Jahre alt und Besitzer von 45 000 Mark Schulden, sucht passende Damenbekanntschaft. Offerten rc. -- Hoffentlich findet sich ein mitleidiges, holdes Wesen, welches ihn aus der Klemme zieht.

Kattowitz, 1. Oktober, DieKattowitzer Zeitung" meldet aus Dambrowa (Russisch-Polen): Auf dem Hüttenwerke Huta Bankowa sind sämmtliche Arbeiter, 4500 Mann, ausständig. Der Gendarmericoberst aus Warschau und hohe Regierungsbeamte sind eingetroffen. Gestern Abend kam es seitens der Menge zu Aus­schreitungen. Die Menge bombardirte das Militär Slcinwürfen, worauf der Oberst Feuer geben ließ. Dabei wurden zwei Mann fosort getödtet und fünf schwer verletzt, von denen einer inzwischen gestorben ist. Sämmtliche Arbeiter wurden von der Hüttenverwaltung gekündigt. Das Hüttenwerk gehört einem Konsortium russischer und französischer Kapitalisten.

Memel, 27. Sept. Mit dem Bau deS hiesigen Lepraheims soll mit Beginn des Frühjahrs begonnen werden. Zur Führung der Wirthschaft in dem Heim hat sich bereits eine Berliner Schwester erboten. Die Krankenwärterstelle übernimmt ein Krankenwärter, der gegenwärtig im Berliner Institut für Infektionskrank­heiten beschäftigt ist und ebenfalls an der traurigen Krankheit leidet, die er sich vor einer Reihe vonJahren aufJava geholt hat. Das Gelände, auf welchem das Lepraheim erbaut werden soll, liegt in einem prächtigen Tannen- Walde etwa eine Viertelmeile von Memel entfernt.

Ausland.

Äonen, 29. Sept. Die muselmanischen Notabeln auf Kreta richten direkt an die Minister des Acußeren der Mächte sowohl wie an den der Türkei folgendes Telegramm: Unsere Lage wird unhaltbar; der Winter naht. Wir sind 40,000 Familien ohne Unterkunft und fast nackt. Uns fehlt Alles; wir leben allein von dem Mehl 100 Gramm für die Person welches uns li» Wohlthäigkeit der Mohamedaner täglich zugehen

Lokales «ud Provinzielles.

* Schlüchtern, 5. Okt.

* Wir haben neulich Notiz genommen von einem Plane, dessen Ausführung die Städte Schlüchtern und Steinau anstreben und der die Verlegung eines Theiles der Eisenbahn-Strecke FrankfurtBebra unter Beseitigung der Kopfstation Elm bezweckt. Hierzu lesen wir in auswärtigen Blättern, daß der Landtag bereits die Mittel bewilligt haben soll, um die Bahn durch einen Tunnel unter den Breitfirst hinweg direkt nach Flieden zu führen. Von Flieden bis Elm überschreitet bekanntlich die Frankfurt-Bebraer Eisenbahn in starker Steigung denDistelrasen" (Bahnhof Flieden 308 Meter, Höhe des Einschnittes amDistelrasen" 366 Meter, Bahnhof Elm 320 Meter, Schlüchtern 252 Meter.) Es ist nun zwischen Flieden und Elm, einer Strecke von jetzt 10 Kilometer, eine neue Trace abge­steckt, welche diese Entfernung um die Hälfte verringert, so daß also der Schienenweg von Flieden nach Elm künftig nur mehr 5 Kilometer betragen wird. Dazu ist ein circa 3 Kilometer langer Tunnel durch den Breitfirst" nöthig, durch jenen Gebirgszug, der zwischen der Rhön und dem Vogelsberg liegt. Der Tunnel soll 2 Kilometer hinter Station Flieden (oberhalb dem Dorfe Rückers) beginnen und kurz vor dem Bahnho Elm enden, der jetzt stark gekrümmten und ansteigende! Strecke eine gerade, fast ebene Richtung gebend. Außer dem letzteren bringt die Neuanlage noch folgende Vor­theile: Die Züge können im Bahnhof Elm (Kopfstation) direkt verkehren, d. h. die Lokomotiven brauchen zum Zwecke der Ausfahrt nicht mehr umgespannt zu werden; der Dienst im Bahnhof Elm wird wesentlich einfacher und erfordert weniger Personal. Auf den Verkehr Elm-Gemünden hat das neue Projekt nicht den geringsten Einfluß. Wenn die vorbereitenden Arbeiten für den Tunnel bei Station Elm in aller Stille vor langer Hand schon so weit gefördert worden sind, wie aus obigem, sowie auch aus der Notiz unter Rückers in letzter Nr. hervorgeht, dann dürfte es mit der Verlegung der Bahn zwischen Salmünster und Schlüchtern herunter ins Kin zigthal noch gute Wege haben, da der etwaige Tunnel zwischen Schlüchtern und Flieden ganz wo anders hin kommen müßte.

* Ein wetterkundiger Landwirth giebt nachfol­gende, wenig tröstliche Mittheilung:Wir bekommen in diesem Jahre frühzeitig Schnee zu sehen: es giebt einen frühen Herbst und einen frühzeitigen Winter; färbt sich doch jetzt schon das Laub der Bäume und die Schwalben haben sich schon früh auf die Reise gemacht. Die Bienen verstopfen Heuer ihre Wohnungen sehr stark mit Harz und verkleinern ihre Fluglöcher: Alles Zeichen, daß der Winter früher kommen und strenger sein wird, als sein Vorgänger."

* An die Obstbaumbesitzer tritt nunmehr die Pflicht heran, ihre Bäume durch Leim- (Brumata-) oder Theeringe gegen den sich im Spätherbst entpuppenden Frostspanner (Acidalia brumata) zu schützen. Das Weibchen, das nur Flügelstummel hat, kriecht an den Bäumen hinauf und legt in die Blüthenknospen die Eier, denen im Frühjahr die Raupen entschlüpfen.

* _ Rechtsentscheidung. Neben der meistens un­willkommenen Zusendung nicht bestellter Waaren spielt in unserer Zeit hitzigen Wettbewerbs auch das Versenden von zwar verlangten Waaren, aber in einer über den Umfang der Bestellung hinausgehenden Menge, eine große Rolle. Wer als Empfänger einer solchen Sendung Die überschießende Menge nicht zurücksendet, kann des­wegen, nach crfolgter grrichilicher Entscheidung, doch nicht zur Bezahlung der letzteren angehalten werden, weil dieselbe nicht Gegenstand des zwischen den beiden

läßt. Unsere christlichen Landsleute bren fort, die Olivenbäume niedcrzubrennen. Die Insel wird bald baumlos sein. Auch nehmen unsere Landsleute trotz des Kordons, der uns erdrückt, die wenigen uns ge­bliebenen Beerben weg. Die Saatzeit beginnt im Ok­tober. Wie sollen wir unser Leben bis zur nächsten Ernte fristen, wenn wir nicht nach unseren Heimstätten zurückkehren. Die öffentliche Wohlthätigkeit hat bereits mehr als eine Million beigesteuert. Es ist keine Ge­währ dafür, daß wir noch einen Monat aushalten. Wir sind auch Geschöpfe Gottes! Im Namen der Menschheit bitten wir, unseren letzten Nothschrei zu hören und der verzweifelten Lage ein Ende zu machen.

Parteien geschlossenen Kaufvertrages gewesen ist. AuS dem Unterbleiben der Rücksendung der zu viel em­pfangenen Waaren folge noch nicht, daß dieselben vom Empfänger gekauft, oder daß der Ankauf derselben nach­träglich genehmigt worden sei. Die Unterlassung der Rücksendung kann aber einen Anspruch des Absenders auf Ersatz des durch die Säumigkeit des Empfängers entstandenen Schadens begründen.

Vom Vogelsberg, 1. Okt. Endlich scheint doch unser Vogelsberg dem Verkehr geöffnet zu werden, denn nachdem vor einigen Jahren eine Nebenbahn von Stock­heim lmach Gebern erbaut worden ist, ist nun der Ver­kehr mitten durch den Vogelsberg weiter geplant, auch schon tyeilweise beschlossene Sache, nämlich die Ver­bindungslinie Gedern-Lauterbach. Die Theilstrecke LauterbachGrebenhain ist dem Vernehmen nach schon endgiltig vermessen, während von der weiteren Ver­bindungsstrecke GrebenhainGebern der Bau noch nicht in Angriff genommen worden ist. Nachdem in diesem Frühjahre mit dem Vermessen einer Nebenbahn Birstein Wächtersbach begonnen worden ist, ist der Bau derselben schon in Angriff genommen worden; es sind 100 italienische Arbeiter dabei beschäftigt, weitere 100 Ar­beiter werden noch eingestellt. Ferner wird beabsichtigt, den Bau dieser Bahnlinie von Birstein noch eine Stunde weiter, nämlich bis nach Fischborn, auszu- dehnen. Ein Geleise zur Herbeischaffung des Materials ist bereits bis Schlierbach gelegt. Diese Bahn soll später weitergeführt werden zum Anschluß an die pro» jektirte Linie GebernLauterbach in der Nähe von Völzberg oder Lichenroth.

Hanau, 30. September. Gestern Vormittag um 11 Uhr versuchte das Schauspieler-Ehepaar OrtgieS, welches gestern Abend bei einem hiesigen Schauspieler zum Besuch eintraf, sich das Leben durch Erschießen zu nehmen. Vermuthlich hat der Mann zuerst die Frau und dann sich selbst erschießen wollen, da der Schuß der Frau vom Genick aus eingedrungen und der des Mannes in die Schläfe gegangen ist. Beide wurden bewußtlos in das Landkrankenhaus verbracht, woselbst der Mann nach kurzer Zeit, die Frau heute früh den erhaltenen Verletzungen erlegen ist.

Frankfurt a. M., 29. Sept. Auf der gestrigen Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung stand u. A. auch der Ankauf des Gutleuthofgeländes seitens der Stadt um rund 3,100,000 Mk. Der Ankauf hat hier viele Freunde, aber auch viele Gegner. Und so war es kein Wunder, daß in der gestrigen Sitzung der ge­nannten Körperschaft eine lange Debatte wegen deS Ankaufs entstand. Oberbürgermeister AdickeS ist ein großer Freund des Ankaufs und rechnete vor, daß die Stadt immer noch ein gutes Geschäft dabei mache. DaS Hätten frühere Käufe der Hess. Ludwigsbahn bewiesen. Dieselbe habe seiner Zeit am Gutleuthof Gelände um 3,685,000 Mk. erworben und beim theilweisen Verkauf desselben 4,962,000 Mk. erlöst, also mehr als 1'/. Mill. Mark dabei gewonnen. Von anderer Seite wurde dem entgegengehalten, daß die Stadt Frankfurt in den letzten Jahren schon so viel anderes Gelände, etwa um 2,300,000 Mk. erworben habe, daß zu weiteren Er­werbungen kein Bedürfniß vorhanden sei. Auch sei der Preis von 10,600 Mk. pro Morgen des zu erwerbenden Geländes ein zu hervorragend hoher, weil das in der Nahe des Gutlcuthofes gelegene Grundstück des allge­meinen Almosenkastens nur auf 5500 Mark pro Morgen geschätzt werde. Zum Schluß wurde der Ankauf trotz erneuter Befürwortung des Oberbürgermeisters mit 22 gegen 20 Stimmen abgelehnt.

Wiesbaden, 29. Sept. Eine hiesige Familie, die einen Ausflug in den Rheingau unternommen hatte, er­litt einen schweren Verlust. Der Sohn hatte versprochen, auf dem Rad den Angehörigen Abends nachzukommen. In der Dunkelheit bemerkte er nicht, daß die dicht am Rhein entlang führende Straße vom Wasser überschwemmt war: er wurde von der Strömung mitgerissen. Auf eine Hülferufe eilten Leute mit Laternen und Stangen nach dem Ufer, jedoch war von dem Verunglückten nichts mehr zu bemerken. Bis jetzt hat man weder die Leiche noch das Zweirad gefunden.

Cassel. Für den dritten Berbandstag der deutsch- 'ozialen Reformpartei für Kurhessen und Waldeck in Cassel war das Erscheinen der Abgeordneten Jskraut, Dr. Vielhaben und Werner angekündigt worden. That­sächlich waren aber nur Jskraut und Werner erschienen