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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mi^Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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Ne»^<>lilStrap»1 Quf bte ..Schlüchterner Zeitung" Kp^^^tLNrrU^», werden noch fortwährend von allen
—- - - Postanftalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.________
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Sept. Es steht nunmehr fest, daß der Kaiser am 5. Oktober zu dem Stapellauf des großen Lloyddampfers „Kaiser Friedrich" in Danzig eintrifft.
— Zur Reise des Kaisers nach Jerusalem verlautet nach der „Frkf. Ztg.", daß sich der Kaiser mit der Kaiserin und den beiden ältesten Prinzen in Begleitung deS Hofpredigers Dryander gegen Ende April n. I. nach Jerusalem begeben wird, um bei der Einweihung der auf dem ehemaligen Johanniterplatze erbauten Kirche, die Johanneskirche getauft werden soll, zugegen zu sein. — Ob das Kaiserpaar auch einen Besuch beim Sultan machen wird, ist noch unbestimmt.
— Die Kaiserin hat dem Kreise Lauban als Beihilfe für leistungsunfähige Gemeinden und unterstützungsbedürftige Private nochmals 21000 Mark überwiesen. Die Gesammtsumme der bisher von der Kaiserin gespendeten Gelder beträgt 120000 Mark.
— Geehrt wie Niemand sonst, gekrönte Häupter ausgenommen, wird vom Kaiser und von der Berliner Regierung Fürst Bismarck und sein Haus. Ueber die vielen Ehrenbezeugungen, die ihm aus Anlaß des Stapellaufes des neuen Panzerkreuzers „Fürst Bismarck" durch die Regierung und durch die Verwaltung der Marine bereitet wurden, haben wir berichtet. Jetzt wird amtlich noch mitgetheilt, daß auch der Kaiser selbst am Tage des Stapellaufes des Fürsten Bismarck gedacht hat. Wie der „ReichSanzeiger" mittheilt, hat der Kaiser am letzten Sonnabend an den Fürsten Bismarck daS nachfolgende Telegramm gerichtet: „Von Herzen wünsche ich Eurer Durchlaucht Glück zu deür ©i«, ^ laufe meines Panzerkreuzers „Fürst Bismarck' und freue mich, dadurch für alle Zeilen Eurer Durchlaucht Namen mit meiner Flotte in engster Beziehung zu wissen. Sie wird um so stolzer sein, als es der erste große Panzerkreuzer ist, welcher bei uns gebaut ist. Ein Modell desselben wird Admiral Tirpitz Eurer Durchlaucht in meinem Auftrage überreichen." Fürst Bismarck bedankte sich durch folgende Drahtantwort: „Eure Majestät bitte ich allerunterthänigst, für die Auszeichnung, die mir durch die Taufe des Kreuzers Eurer Majestät zu Theil geworden ist, meinen ehrfurchtsvollen Dank in Gnaden entgegenzunehmen. Gleichzeitig danke ich in Ehrfurcht für das soeben eingelaufene allerhöchste Telegramm, durch dessen Inhalt die Ehre, die Eure Majestät meinem Namen in allerhöchstderen Flotte gewährt haben, wesentlich erhöht wird."
Bremen, 27. September. Ueber die Reise des Doppelschrauben-Schnelldampfers des Nordd. Lloyd „Kaiser Wilhelm der Große" wird berichtet, daß die Reise von Bremen nach Newyork nur 6 Tage und 20 Stunden betrug. Die durchschnittliche Geschwindigkeit war 21,4 Seemeilen in der Stunde, was auf den Tag berechnet 513 Knoten ergiebt und nicht 439 Knoten, Wie aus Newyork angezeigt wgr.
Köln, 27. September. In der Frühe des gestrigen Tages entdeckte der Wächter des Sommertheaters, daß Feuer ausgebrochen war. Er alarmirte die Feuerwehr, die den Brand löschte und alsbald feststellte, daß Brandstiftung vorlag. In dem vollständig aus Holz aufge- suhrten Gebäude war an sechs Stellen gleichzeitig Feuer ausgekommen und nur dem Umstände, daß dieBühnen- dekoration und die Couilissen imprägnirt waren, sowie der Aufmerksamkeit des Wächters ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. Bei der unmittelbaren Nachbarschaft zahlreicher aus Holz gebauten Vergnügungs - Etablissements, deren Besitzer sammt ihren Familien sich noch in tiefem Schlummer befanden, sowie der Nachbarschaft des Zoologischen Gartens und der „Flora" wären die Folgen eines etwaigen Groß'ieuerS kaum zu übersehen gewesen.
Aachen. Die Affaire Husmann ist nun völlig aufgeklärt. Die „Rhein. Westf. Ztg." theilt mit, daß der Fremde, mit welchem Maria Husmann abreiste, der Kaufmann Emil Behrend aus Altendorf bei Essen ist. Sein Vater ist Angestellter auf den Krupp'schen Werkender selbst war in Essen bei der Firma Bertermann und Griesbach in Stellung und hielt sich unangemeldet acht Wochen in Lüttich auf. Die Tracht, in der Behrend erschienen ist, war eine Phantasieuniform nach Art der
Schützenkönigstracht. Die Erzherzogsgeschichte wurde erfunden, um die Familie Husmann zu täuschen. Offenbar ist Maria Husmann mit dem ganzen Manöver einverstanden gewesen. Auch die Familie Husmann selbst erklärt nunmehr, daß sie das Opfer einer Täuschung geworden sei, und spricht öffentlich ihr Bedauern aus, daß sie mit dazu beigetragen habe, die unerwartete Bedeutung, welche die Sache genommen habe, noch zu steigern.
Mainz, 27, September. Das hiesige Organ des Festungs-Gouvernements beantwortet die in letzter Zeit wieder eingehend behandelte Frage: „Wem gehört das Festungsgelände von jKastel und Mainz?" wie folgt: 1. Das Festungsgelände von Kastel gehört dem Reiche; 2. es fällt aber dem hessischen Staate zu, wenn es für militärische Zwecke entbehrlich wird, worüber die Reichsverwaltung zu entscheiden hat.
München. Zum Diebstahl im Schlosse Herrenchiem- see. Zwei Engländer, welche von den prunkvollen Vorhängen im Schloß zu Chiemsee die kostbaren Quasten stehlen wollten, wurden verhaftet. Es war eine Gesellschaft von ungefähr neun Personen, die unter Führung eines Dieners das Schloß besichtigte. In dem Saale vor der Spiegelgalerie („Ochsenauge") bemerkte plötzlich eine Dame, wie einer der beiden in der Gesellschaft befindlichen Engländer, die von Anfang an stets hinter den Besuchern zurückblieben, eine goldene Quaste sehr schnell von den Vorhängen abriß oder ab- schiiitt und in der Tasche zu verbergen suchte. Ein Herr aus der Begleitung meldete die Sache dem herum- führenden Beamten, worauf ein zweiter Beamter herbeigerufen und der Engländer zur Rede gestellt wurde. Dieser schützte anfänglich Unkenntniß des Deutschen vor, bequemte sich aber bald zu einem offenen, in Deutsch gegebenen Geständniß, als man die Quaste hinter einem Stuhl verborgen fand, wohin er sie mit großer Gewandtheit geschafft hatte, um bei einer eventuellen Taschen- durchsuchung nicht entdeckt zu werden. Hierauf wurde die Gendarmerie in Prin telegraphisch von dem Vorfall verständigt, die dann beim Landen des Dampfbootes die beiden edlen Söhne Albions in sichere Obhut nahm und zur allgemeinen Befriedigung des zahlreichen Publikums geschlossen zum Gefängniß abführte.
Auslands
Paris, 27. September. Die Stiergefechte, welche verboten sind, aber jeden Sonntag stattfinden, sind jetzt aus dem Süden nach dem Norden Frankreichs verpflanzt worden. Die socialistische Munizipalität von Roubaix war es, welche die erste Corrida veranstaltete, der gestern sechs Stiere und zwei Pferde erlagen. Vergnügungszüge hatten eine Menge Zuschauer herbeigeführt, welche die Arena bis auf die hintersten Plätze füllte. Die besten Plätze waren mit 50 Franken bezahlt worden. Die Bürger-Gemeinderälhe präsidiren gravitätisch in einer Loge und erklärten, der Präfekt und der Minister des Innern sollten es nur nicht wagen, eine Wiederholung zu verbieten.
Rußland. Aus Moskau wird geschrieben: Eines schönen Tages wird die sibirische Bahn bis Wladitwostock fertig sein, und die Russisch-Chinesische Bank hat schon voriges Jahr in dieser Stadt eine Filiale errichtet. Jetzt haben diverse Newyorker Unternehmer bei der russischen Regierung für eine bis Alaska gehende Eisenbahn um ciueKonzession gebeten. Von Alaska soll auf Fähren und Brücken die Behringsstraße überschritten und so der Anschluß an die sibirische Bahn bewerkstelligt werden. In 33 Tagen, also schneller als bei Jules Verne, wäre dann die Reise um die Welt zu machen, nämlich 7 Tage von Newyork nach Bremen, 1 ^ Tage von Bremen nach Petersburg, 10 Tage von Petersburg nach Wladitwostock, 10 Tage von Wladitwostock nach San Francisco und 4’/3 Tage von dort nach Newyork! Reisekosten circa 282 Dollars, hierzu 218 Dollars für i-ee board, Schlafwaggon rc., in Summa 500 Dollars.
In Sevilla wurde ein Deutscher, der eben der Gefangenschaft bei den marokanischen Riffpiraten entronnen var, irrthümlich für einen Deserteur gehalten und zur Erpressung eines Geständnisses im Kerker gefoltert.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 1. Oktober.
* — Versetzt wurde der Gerichisdiener U l l r i ch in Fronhausen als Gerichtsvollzieher an das Amtsgericht zu Schwarzenfels.
* — Die Brände an Scheuern und Wohnhäusern in der Umgegend mehrten sich in letzter Woche geradezu erschreckend. Kaum ist am Samstag Abend der Brand im Ramholz, der einen nicht durch Versicherung gedeckten Schaden von über 10 000 Mark verursachte, gelöscht, so brannte es Dienstag in aller Frühe in Neuengronau. Daselbst brannte das Anwesen des Bauers Beringer (Wohnhaus, Scheuer und Stall) völlig nieder; auch verbrannten zwei fette große Schweine. Ein geistesgestörter Mann Namens Löffert hatte im Trubel ’ der Löscharbeit das Unglück, den rechten Arm drei mal zu brechen, als er über einen Balken stolperte und fiel. — Noch rauchte der Schutthaufen in Neuengronau, so stand Mittwoch Abend in Seidenroth das Wohnhaus des Bauers Caspar Frischkorn in Hellen Flammen und brannte herunter. Die Besitzer waren in beiden Fällen ziemlich versichert. Brandstiftung wird allgemein angenommen. — Der Knecht Scharzberger von Sterbfritz ist, weil er seine Unschuld an dem Brand von Ramholz nachweisen konnte, wieder aus der Haft entlassen worden. — Die Bevölkerung ist natürlich über diese Brände sehr erregt und allerlei unheimliche Gerüchte gehen um So sollen die Pfarrer in Ramholz und Sterbfritz Brandbriefe erhalten haben, nach welchen demnächst in Ramholz wie in Sterbfritz wieder Feuer angelegt werden würde. Ob's nicht nur ein schlechter Spaß ist?
* — Zur Errichtung von Centrallehrwerkstätten für Schuhmacher hat sich das preußische Ministerium im Einverständniß mit den Provinzialverwaltungen, auf eine Anregung des SchuhmacherinnungsverbandeS, bereit erklärt. Die Institute sollen in drei Abtheilungen zerfallen und einen einjährigen Kursus für Schüler nach gut bestandener Lehrzeit umfassen. Bewährt sich die neue Einrichtung, so sollen auch für andere Gewerbe Centrallehrwerkstätten geschaffen werden.
* — Der heutigen Nummer liegt der Winterfahr- plan pro 1897 bei.
* — Ueber die Erstattung des Fahrpreises für nicht benutzte Eisenbahnfahrkarten wird geschrieben: Ein Kaufmann hatte für zwei nicht benutzte Fahrkarten bei der Stationskasse, wo dieselben gelöst waren, den Antrag auf Rückerstattung des gezahlten Fahrpreises gestellt. Der Erstattungsanspruch wurde zurückgewiesen, weil zwischen dem Tage, an welchem die Karten gelöst waren, und dem Tage der Antragstellung ein Zwischentag lag. Die hiergegen an die zuständige Eisenbahndirektion gerichtete Beschwerde wurde als begründet angesehen. In dem Bescheide heißt es, daß ein Erstattungsanspruch für nicht benutzte Fahrkarten in spätestens drei Tagen an die Kasse derjenigen Station zu stellen ist, bei welcher die nicht benutzte Fahrkarte gelöst worden ist. Anläßlich dieses Spezialialles hat die Eisenbahnverwaltung einem diesem Bescheide entsprechende Rundverfügung erlassen.
Rückers, 29. Sept. Gegenwärtig beschäftigt man sich mit der Absteckung eines nenen EisenbahnprojektS der Strecke Elm—Flieden. Um nämlich das lästige Drehen der Lokomotive auf dem Bahnhof Elm zu beseitigen, plant man eine Serabelegung der Strecke Flieden - Elm links von der seitherigen Strecke an Rückers vorbei. Der oberhalb Rückers nach Elm zu gelegene hohe Berg, die sogen. „Steinkammer" soll durch einen Tunnel durchbrochen werden. Der Tunnel wird ungefähr lJ/a Kilometer lang werden und kurz vor dem Bahnhöfe Elm aus der Erde kommen. Die Absteckung ist schon zweimal erfolgt; die Arbeiten sollen, wie verlautet, im nächsten Frühjahr beginnen.
Fulda, 28. Sept. In der chemischen Fabrik von F. E. Berta, oberhalb des Harmoniegartens, ereignete sich heute Vormitag gegen 11 Uhr ein schweres Unglück. Ein mit einer scharfen Säure gefüllter Spitzkessel platzte und die Säure ergoß sich über den Körper des Mannes, der den Kessel bediente. Der Mann erlitt sv schwere Verletzungen, daß die schleunigst herbeigeeilten Aerzte die Ueberführung nach dem Landkrankenhause anordneten. Auf dem Wege dorthin starb jedoch der erst 19 Jahre alte Unglückliche. Wie das Unglück entstanden ist, konnte noch nicht ermittelt werden.
Aus der Rhön, 26. Sept. Auf dem Freiherrl. v. d. Tann'schen Gute zu Tann a. d. Rhön wird gegenwärtig das grün von den Wiesen eingebrachte Grummet auf einen einzigen großen Haufen gebracht und zu- sammengepreßt. Hierdurch wird für den Winter ein