WüchterlmMling
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Samstag, den 11. September 1897
48. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser gedenkt Freitag Nachmittag von Homburg seine Reise nach Totis zu den österreichischungarischen Manövern anzutreten, während die Kaiserin nach Potsdam zurückkehrt. Kurze Zeit vorher findet die Abreise des italienischen Königpaares statt.
— Nach Rominten wird sich der Kaiser, wie vom Hofmarschallamt nach Goldap angesagt worden ist, Ende September begeben. Der Aufenthalt in Rominten ist auf vierzehn Tagen berechnet, und für denselben werden jetzt schon Vorbereitungen getroffen. Der Tag der Ankunft des Kaisers in Rominten ist noch nicht festgesetzt.
— Kaiser Wilhelm wird, wie man aus Rom schreibt, voraussichtlich im Oktober nach Italien kommen, und zwar soll die Begegnung mit dem italienischen Königspaar in Monza stattfinden. Im November werde dann der Zar sowohl dem König Umberto als dem Papst einen Besuch abstatten.
— Wie das „Neue Wiener Tageblatt" erfährt, wird Kaiser Wilhelm bald nach seinem Besuch in Ungarn den Kaiser Franz Joseph abermals besuchen. Der deutsche Kaiser kommt Anfangs Oktober nach Wien, um sich mit dem Kaiser Franz Joseph, dem König von Sachsen, dem Prinzen Leopold von Bayern und dem Großherzog von Toskana zu den Hochwildjagden nach Steiermark zu begeben.
— Der Prinzregent von Bayern hat den Kronprinzen Wilhelm ä la Suite des 1. bayerischen Ulanenregiments gestellt.
— Der stellvertretende Landeshauptmann von Deutsch- Neu-Guinea, Korvetten-Kapitän a. D. Rüdiger, ist am 21. August von Eingeborenen ermordet worden.
—- Mit der Frage der Errichtung von Handwerkskammern ist man zur Zeit in verschiedenen Provinzen beschäftigt. Während der Jnnungsverband für Westpreußen sowie der BreSlauer Jnnungsausschuß sich für die Errichtung von nur je einer Kammer für die Provinz Westpreußen bezw. Schlesien erklärt hat, hat eine Konferenz von Delegirten der Handwerkerorganisation der Provinz Hannover für die Bildung von drei Kammern für diese Provinz entschieden.
soll jetzt nach einem von dem Schulvorstand heute gefaßten Beschluß in den obersten Mädchenklasseu der hiesigen Volksschule eingeführt werden. Die Einrichtung des Kochunterrichtes soll nach dem Muster der Kochschule in Worms in 7 Abtheilungen ä 6 Kinder an 6 Wochentagen erfolgen und zwar vom nächsten Schuljahr ab. Ueber das Einfügen des Kochunterrichtes in den Lehrplan der Volksschule gehen die Meinungen hier sehr weit auseinander und ist man daher sehr gespannt, ob das Ministerium die erforderliche Genehmigung zur geplanten Neueinrichtung geben wird.
Neuwied, 5. Sept. Vor einiger Zeit fuhr ein Gerichtsvollzieher aus einem Nachbarorte, von einer Festlich feit kommend, in einem offenen Wagen mit seiner Frau nach Hause. Im Walde bei Grenzhausen wurde die Frau nach Angabe ihres Mannes durch einen Schuß getödtet. Die Nachforschungen nach dem Thäter und die Aussetzung einer hohen Belohnung seitens des Mannes waren ergebnißlos. Die Sache erregte das größte Aufsehen. Gestern nun wurde der Gerichtsvollzieher unter dem Verdachte, diesen Schuß selbst abgefeuert zu haben, verhaftet und in das hiesige Gefängniß lingeliefert.
W
Ausland.
St. Petersburg, 6. Sept. Aus Warschau hier ein- getroffenen Nachrichten zufolge hat an maßgebender russischer Stelle die Nachricht von der Demonstration eines Theils der Pariser Bevölkerung gegen Deutschland den denkbar ungünstigsten Eindruck gemacht. Hochge- stellte Personen erklärten unumwunden, die Schwäche der französischen Regierung sei zu bedauern; die künstlich erregten Volksmassen seien eher entschuldbar, da sie
sich im Glauben befänden und in diesem Glauben durch
wurde der Charakter als Geh. Oberjustizrath mit dem Range der Räthe zweiter Klasse verliehen. Ferner erhielt den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub der Landesdirektor der Provinz Frhr. Riedesel zu Eisenbach. Den Rothen Adler-Orden vierter Klasse erhielten u. A.: Dr. Bergmann, Direktor des Real- Progymnasiums zu Fulda, Dr. Körbe r, Professor am Gymnasium zu Fulda, Hofmann, Amtgerichtsrath zu Fulda (früher in Schwarzenfels), Hohensee, Forstmeister zu Fulda, Scheele, Baurath, Kreis-Bauinspektor zu Fulda, Dr. Mumm, Sanüäts-Rath, Kreisphystkus zu Gelnhausen, Reich, Postdirektor zu Gelnhausen, Ep- pinger, Proviantmeister zu Hanau. Den Königlichen Kronen-Orden vierter Klasse Ehrhardt, Bahnmeister zu Steinau, Kreis Schlüchtern.
* — Im Laufe der vergangenen Woche fand am hiesigen Seminar die Aufnahme-Prüfung statt, an welcher 51 Aspiranten theilnahmen. In der schriftlichen Prüfung wurde ein Aufsatz über den Nutzen der Wälder und ein Diktat geschrieben; außerdem waren verschiedene Fragen aus allen Unterrichtsfächern schriftlich zu beantworten. Die mündliche Prüfung erstreckte sich auf sämmtliche Lehrgegenstände des Seminarunterrichtes. Das Resultat der Prüfung konnte den Examinanden nicht mitgetheilt werden, da das Schulkollegium zu Cassel auf Grund der in der Prüfung ertheilten Censuren die Aspiranten für bestanden erklärt oder nicht, und die für aufnahmefähig erklärten den einzelnen Seminaren der Provinz zumeist.
* — Wie wir bereits vor einiger Zeit berichteten, ist die theilweise Einstellung des Güterverkerhs bereits zur Wirklichkeit geworden. Ein großer Theil der bayerischen Staatsbahnen hat den gesummten Güterverkehr m'olge der Truppenbeförderungen vom 1. bis 4. Sept.
das Prioatintereffen verfolgende Gebühren der Regierungs- einstelten müssen. Im Frankfurter und Casseler Direktionsbezirk wird am 10. Sept. der Güterverkehr
* — Die Kaiser Wilhelm-Medaille wird auch den Veteranen verliehen werden. Auf ein dahin gehendes Gesuch der Vetcranenvereine ist zur Sedanfeier den Vorständen derselben vom preußischen Kriegsminister der Bescheid zugegangen, daß die Medaille den Veteranen aus den Kriegen von 1864/66 und 70/71 ohne Ausnahme verliehen werden wird.
— Seit dem Tode Kaiser Wilhelms I. haben sich die Reichsschulden bis zum 31. März 1896, also in 8 Jahren, von 721 Millionen auf 2125 Millionen, also um 1400 Millionen vermehrt. Das Jahr 1896/97 hat keine Schuldenvermehrung, sondern eine Schulden- verminderung um 23 Millionen Mark gebracht. Für 1897/98 aber geht es weiter in der Schuldenvermehrung: theils infolge der großen Steigerung der einmaligen Ausgaben der Marine (gegen das Vorjahr um 27 Millionen), theils infolge des Kredits zur Abänderung der Feldgeschütze hat der neue Etat nur zur Balau- zirung gebracht werden können durch einen Anleihekredit von nicht weniger als 81694 229 Mark.
BreSlan, 6. Sept. Im westlichen Schlesien ging am Samstag ein schweres Unwetter nieder, welches kolossale Wassermengen mit sich führte; die Lausitzer Neisse, sowie der QueiS erreichten bet Lauban eine gefahrdrohende Höhe. Es werden neue Ueberschwemmungen befürchtet, Durch Blitzschlag wurden mehrere Menschen getödtet und Gehöfte eingeäschert.
Bromberg. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den Restaurateur Seiser aus Schleusenau wegen Maje- stätSbelcidigung zu sechsmonatigem Gefängniß. Der Verurtheilte wurde sofort verhaftet. Seine eigene Frau hatte ihn denunziert.
Aus Thüringen, 26. August. Die in Ruhla seit tNehr als 150 Jahren betriebene Meerschaum-Industrie wird auf dem Weltmarkt durch den Neuen nordameri- kanischen Zolltarif in Höhe von 70 Prozent so hart betroffen, daß ihr Fortbestehen in der bisherigen Weise kaum möglich ist, zudem die Produktion auf jährlich 6 Millionen Mark geschätzt wird. Es wird befürchtet, daß die Meiningenffche Industrie ebenfalls dadurch geschädigt wird.
Mainz, 8, Sept. Obligatorischer Kochunterricht
Männer bestärkt würden, daß die Zarenworte an Bord des „Pothnou" den französischen Chauvinisten ein Anrecht auf Erfüllung ihrer Hoffnungen gewährten. Diese Auffassung des russischen Entgegenkommens französischen Wünschen gegenüber sei durchaus irrig, durch nichts begründet und bekunde eine vollständige Berkennung der thatsächlichen Situation.
Barcelona, 7. Sept. DaS Kriegsgericht hat gestern das Urtheil über den Anarchisten Sempan Barril gefällt. Der Staatsanwalr hat vierzig Jahre Gefängniß beantragt, während die Vertheidigung eine Herabsetzung der Strafe auf acht bis zwölf Jahre Gefängniß verlangte. Der Gerichtshof berieth bei verschlossenen Thüren. Das Urtheil lautete dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend auf 40 Jahre Zwangsarbeit.
England. In England, das doch den Handelsvertrag mit Deutschland gekündigt hat, ist man besorgter, daß er nicht erneuert werden könnte, als in Deutschland. Der Handel Großbritanniens nach Deutschland ist größer als der britische. Handelsverkehr mit irgend einem anderen Lande; 22 Prozent des gesummten britischen Handels in Europa fallen auf Deutschland. Der Handelsverkehr zwischen Großbritannien einerseits und Deutschland und Belgien andererseits hat im Jahre 1885 den Werth von 87200000 Pfund Sterl. (1744000000 Mark) repräsentirt; 1895 hat derselbe Verkehr auf 119000000 Pfd. Sterl. (2 380 000 OOü Mark) sich belaufen, das bedeutet eine Zunahme um 37 Prozent, während der gesammte Welthandel während desselben Zeitraumes sich nur um 16 Prozent gehoben hat.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 10. September.
* — Versetzt wurde Förster Hahn von Oberzell nach Michelsrombach und Ritter von da nach Ober- zcll-Ost, Förster Jericho von Hauswurz nach Rosen- thal und Forstaufseher Stampe wurde zum Förster in Hauswurz ernannt.
* — Der Kaiser hat aus Anlaß seiner Anwesenheit in der Provinz Hessen-Nassau bei den diesjährigen großen Herbstmanövern zahlreiche Auszeichnungen verliehen. U. A. erhielten den Kronenorden zweiter Klaffe mit dem Stern der Regierungspräsident zu Cassel Graf Clairon d'Haussonville; der Obervorsteher bei dem ritterschaft- lichen Stifte Kaufungen mit Wetter, Freiherr Hugo von Dörnberg auf Hausen im Regierungsbezirk
theilweise eingestellt, desgleichen auf der Main-Weserbahn und in einem Theile des Mainzer Bezirks. Es ist das eine gar nicht zu umgehende Maßregel, sind doch an einem Tage gegen 85000 Mann, ferner Pferde, Fahrzeuge rc. in 3500 Wagen zurückzubringen. Eine solche gewaltige Aufgabe, wie sie unseren Eisenbahnen und speziell der Direktion Frankfurt bevorsteht, ist noch keiner Eisenbahn-Direktion zu theil geworden. In Breslau (schlesisches Manöver) waren im Jahre 1896 nur etwa 35000 Mann zu befördern und da mußte schon der Güterverkehr zum Theil ruhen bleiben. Die Maßregel wird um so weniger bemerkbar werden, als am darauffolgenden Sonntage, den 12. September, alle Güterzüge wie an Werktagen gefahren werden sollen.
* — Von allgemeinem Interesse wird es sein, wenn wir darauf Hinweisen, daß die nach der nunmehr Gesetz gewordenen Städte- und Landgemeinde-Ordnung vorzu- nehmenden Neuwahlen im Monat November d. I., wie dieselbe ausdrücklich vorschreibt, stattfinden müssen. Die aus denselben hervorgehenden Körperschaften beginnen, wie ebenfalls im Gesetz bestimmt ist, ihre Wirksamkeit am 1. April n. I. Es sind die Wählerlisten vierzehn Tage lang vor der Wahl öffentlich auszulegen.
* — Der Militärdienst der Volksschullehrer. Von dem ihnen seit kurzem zustehenden Privilegium, als Einjährig-Freiwillige zu dienen, haben bisher nur wenige Volksschullehrer Gebrauch gemacht. Die Mehrzahl hat es vorgezogen, nach der alten Weise 10 Wochen zu üben. Mit dem Jahre 1900 hört aber diese Art der Ausbildung auf. Dann müssen alle Lehrer ein Jahr dienen, und diejenigen, die während dieser Zeit nicht für sich selbst sorgen können, werden nach den im Reichstag abgegebenen Erklärungen des Kriegsministers auf Staatskosten erhalten werden, verlieren aber die Vor
rechte des einjährig-freiwilligen Dienstes, dürfen also nicht die Schnüre tragen und haben keine Aussicht auf Avancement zum Reserveoffizier, dafür aber, wie Herr v. Bronsart ausdrücklich betonte, um so mehr aus Ernennung zum Reserve-Unteroffizier. In Lehrerkreisen wünscht man aber, daß die einmal errungene Berechtigung auch benutzt werde. Es sind schon allerlei Vor- schlüge aufgetaucht, um den jungen Kollegen über die Klippe des Mangels an Mitteln hinwegzuhelfen. In der „Preußischen Schul-Zeitung" wird nun die Auf- bringung eines Militärfonds, hauptsächlich durch die im Amte befindlichen Lehrer, empfohlen, aber auch dieser Plan scheint undurchführbar zu sein. Die von dem
Cassel, wurde aus besonderem allerhöchsten Vertrauen zum Mitgliede des Herrenhauses auf Lebenszeit be-^ ... „.. ...... ...........
rufen. Dem Landgerichtspräsident Koppe zu Hanau Blatte herangezogene Wittwen- und Waisenkasse, zu