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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
»N 72. Mittwoch, den 8. September 1897. 48. Jahrgang.
Amtliches.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorstever, welche noch mit der Erledigung der diesseitigen v r- fügung vom 12. Juli c. J.-Nr. 4935, betreffend bk Aufstellung der Schöffen-Urlisten, im Rückstände sind, huben dieselbe binnen 3 Tagen zu erledigen.
Schlüchtern, den 6. September. 1897.
Der Königliche Landrath: Roth.
s Bautzen stattfanden, waren Radeons und 85 Batterie«
Eisenbahnen in der Beförderung bewältigt, beginn Manöver. Tre/
den
öffentliche sind, kann man
98 Bataillone, 85 Es- worden, muß sich dort losgemacht, den Stall verlassen
öetheiligt. — Nachdem die
"st m ihre riesige Aufgabe v- in das Manöverterrain die großen Kaiser- chen Details nicht ver- annehMen, daß die Bayern
Deutsches Reich.
Bom Kaisermanöver. Das Kaiserpaar, die italienischen Majestäten, die Könige von Sachsen und Würtem- berg sowie die bayerischen Prinzen sind am Freitag Nachmittag in Homburg v. d. H. eingetroffen.
Ueber den Empfang des italienischen Königspaares wird berichtet: Sofort nach Halten des Zuges trat der Kaiser an den Wagen heran, in welchem König Humbert und Königin Margherita saßen, und begrüßte und küßte zuerst die Königin auf beide Wangen und umarmte sodann äußerst herzlich den König und küßte ihn wiederholt. Die Kapelle des 11. Jäger-bataillons spielte den italienischen Königsmarsch.
Abends von 9 bis 10'/, Uhr fand großer Militär- Zapfenstreich statt, an welchem sämmtliche im Manöver befindlichen Regimentskapellen des 11. Armeekorps mit mehr als 1000 Musikern theilnahmen, ebenso die Tambourkorps der Regimenter. Die Leitung führte General- Musikdirigent Dr. Roßberg aus. An dem Zuge be- thciligten sich 700 Soldaten mit Magnesiumfackeln.
Im Beisein des Kaiserpaares, des Königs und der Königin von Italien und der deutschen Fürstlichkeiten spielte sich am Sonnabend die Kaiser-Parade des 11. Armeekorps bei Homburg ab. Eine gewaltige Menschenmenge war in Bewegung, um etwas von dem militärischen Schauspiel zu erhäschen.
Die Parade wurde befehligt vom kommandirenden General des XI. Armeekorps, General-Adjutant des Kaisers und General der Infanterie von Wittich. Die Kavallerie stand unter dem Befehl des General-Majors von Bissing. Die Truppen waren im Paradeanzug mit weißen Hosen, die grauen Mäntel um den Tornister (neuer Art) gelegt, ausgerückt. Im ganzen mögen etwa 45 000 bis 50 000 Mann in Parade gestanden haben.
bei ihrem Vorstoß gegen die preußischen Korps bis nördlich über Hanau hinaus kommen werden. Das zweite bayerische Korps versucht anscheinend einen Flankenmarsch auf G e l n h a u s e n und dort dürfte es zur Entscheidungsschlacht kommen. Die Bayern sind im raschen Borrücken und stehen bei Kleinsteinheim.
Die Ostabtheilung stand gestern östlich und westlich von Aschaffenburg, die Kavalleriedivision bereits jenseits der Kinzig. Sonntag früh besetzten die Bayern Hanau, ihre Vorhut drang bis Hochstadt vor. Nach heißem Kampfe warf die 22. preußische Division die Bayern bis Wilhelmsbad zurück. Dort waren auch der Kaiser und der König von Italien mit großem Gefolge eingetroffen, überall von den Truppen und Zuschauern mit lauten Hurrahrufen begrüßt und hielten die Kritik ab.
Der Paradetag hatte früh mit einem kräftigen Regen eingesetzt, im Laufe des Vormittags hatte sich indes der Himmel immer mehr aufgeklärt, theilweise war noch heller Sonnenschein. Insofern war das Wetter das richtige „Paradewetter", nicht zu heiß und staubfrei.
Nach Beendigung der Parade begaben sich die Kaiserin Friedrich und die Königin Margherita sowie die Kaiserin Auguste Viktoria und die Großherzogin von Hessen zu Wagen nach Homburg zurück, während Kaiser Wilhelm und König Humbert zu Pferde an der Spitze der Fahnen- kompagnie des 80. Füsilier-Regiments und der Standarten- Eskadron des 13. Husaren-Regiments diese vor das Hamburger Schloß führten, wo sie gegen 3 Uhr anlangten.
Auf dem ganzen Wege zur Stadt brachten die Spalierbildenden Kriegervereine und die zahlreich zu- sammengeströmte Volksmenge den Fürstlichkeiten begeisterte Huldigungen dar.
Dem Regiment der 13. Husaren fanterie-Regiment Nr. 117 wurden ihrer Chefs, des KönigS von Italien Herzogin von Reffen, verliehen.
Der König von Italien hat den ------- Obersten des 11. Armeekorps Ordensauszeichnungen verliehen und dieselben noch am Sonnabend vor dem Paradediner überreichen lassen.
Die Ostarmee in dem Manöver, welches sich jetzt vor dem Kaiser und den anderen Fürsten abgespielen wird, ist gebildet aus den beiden bayerischen Armeekorps Unter dem Generalobersten Prinzen Leopold von Bayern, die Westarmee besteht auS dem 8. und 11. Armeekorps unter dem General der Kavallerie Grafen Haeseler, dem schneidigen und rücksichtslosen Führer des 16. Armeekorps, welches in Lothringen die Wacht an der Grenze hält. Es werden im Ganzen über 110 000 Mann und 18000 Pferde im Manövergelände in Aktion sein, näm» lich 143 Bataillone, 115 Eskadrons, 111 Feldbatterien, 21 technische Kompagnien und 3 Luftschifferabtheilungen. Die Ostarmee ist hierbei um ein Bataillon Infanterie stärker, dagegen um drei Kavallerie-Regimenter und drei Batterien schwächer als die Westarmee. Bei den vor- jährigen ManSvern, die bekanntlich zwischen Görlitz und
sowie dem Jn- die NamenSzüge und der Groß-
Generalen und
Das Wetter war sehr schlecht, es fiel starker Regxn und herrschte Wind. Die Wege waren durchweicht. Während der ganzen letzten Nacht fanden Truppendurchzüge durch Frankfurt und die anderen Orte in der Richtung auf Hanau statt. Hanau ist noch von den Bayern besetzt.
Vom Rhein. Englische Unternehmer in Deutschland. Wie der „Franks. Ztg." aus Rheinau berichtet wird, sind Unterhandlungen etngeleitet mit einer großen Firma der Motorenbranche in Caventry, sowie mit einer der größten englischen Seifenfabriken, welche Zweigfabriken in Deutschland errichten wollen und Rheinau als künftige 'FabrikatroriSstätte inS Auge gefaßt haben. Ferner schweben Unterhandlungen, wonach eine größere chemische Fabrik, deren Errichtung in der Nähe von London ge- plant war, ebenfalls in Rheinau erbaut werden soll, dessen Hafen bereits vor einigen Wochen theilweise dem Betrieb übergeben werden konnte.
Straßburg. Viel besprochen wird in den elsässischen Blätter der seltsame Tod eines Colmarer Wirthes. Der Wirth hatte sich einen Bierdruckapparat mit flüssiger Kohlensäure liefern lassen. Er bemerkte bereits am folgenden Tage, daß der Apparat schlecht funktionierte, und als er versuchte, ihn selbst zu regulieren, zersprang der Apparat unter heftigem Knall. Man fand den Wirth mit zertrümmertem Kopfe am Boden liegen. Ob der Apparat auf den zulässigen Druck nicht geprüft worden war oder ob ein unglücklicher Zufall waltete, muß die Untersuchung ergeben.
Mannheim. Ein verhängnißvoller Irrthum in der Anfertigung eines Rezeptes begegnete dem praktischen Arzt Dr. Hack in einem Orte bei Heidelberg. Er ver- schrieb einem augenkranken drei Jahre alten Kinde irr- thümlicherweise eine viel zu starke Tinktur und strich das Präparat mittelst Pinsel auch selbst dem Kinde in die Augen. Die Folgen waren entsetzlich. Das Gift fraß dem armen Wesen die beiden Augäpfel weg. Nach langer Krankheit genoß eS, aber es war erblindet. Dr. Hack stand dieser Tage unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung vor der hiesigen Strafkammer. Er ent- schuldigte sich damit, daß er zur kritischen Zeit mit Arbeit belastet, durch Krankheit in seiner Familie und durch die Schwierigkeit der Untersuchung des sich heftig sträubenden Kindes aufgeregt gewesen sei. Er habe den Eltern eine Entschädigung von 7500 Mark gezahlt und werde auch in Zukunft für das verunglückte Kind sorgen. Das Urtheil lautete auf 500 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe als Sühne ge
fordert.
Alzey. Dieser Tage wollte sich hier eine junge Dame in ihr Zimmer zurückziehen. Als sie jedoch die Thür öffnete, sah sie etwas darinnen stehen, das sie vor Schreck erstarren machte. Hinauseilen, die Thür hinter sich zuschlagen, gellende Hilferufe ausstoßen, das war das Werk eines Augenblicks. Als mehrere Personen herbeteilten, ging man vorsichtig an das nur angelehnte Fenster und stieß es auf, und was bot sich nun der tapferen Schar dar? Vor dem Spiegel stand, aufmerksam sein Ebenbild betrachtend und nicht die geringste Furcht zeigend, ein frecher Eindringling in Gestalt einer — Kuh und ließ auf das Geschrei der Außenstehenden ein verwundertes „Muh!" ertönen. Das Thier war von einem Metzger vsrher in den an da- Haus grenzenden Staö eingrsteöt
haben und so in das Zimmer gelangt sein.
Aschaffenburg, 3. September. Eine nicht nur für Aschaffenbnrg, sondern für alle an dem projektirten Donau-Main-Rhein-Kanal interessirten Landestheile und Gewerbe sehr erfreuliche Mittheilung machte heute der eifrige Förderer dieses wichtigen Kanalprojekts, Prinz Ludwig von Bayern, der heute auf der Fahrt von Würzburg nach Homburg unsere Stadt passirte, bei dieser Gelegenheit unserem Bürgermeister Medicus: Das erste Wort, das der Kaiser in Würzburg an ihn gerichtet, sei gewesen: „Ich habe meinen Finanzmiuister angewiesen, die Projektirung der Mainkanalisation bis zur bayerischen Landesgrenze sofort in Angriff zu nehmen." Die Kanalisation des preußischen Stromantheiles ist die Voraussetzung für die Ausführung der Kanalisation auf bayerischem Gebiete. Bisher hatte Preußen Schwierigkeiten gemacht, und dies war das Haupthinderniß für das Kanalprojekt. Hoffentlich gibt auch der preußische Landtag seine Zustimmung, damit das große Werk, das nicht wenig zur engeren Verbindung des Nordens mit dem Süden beitragen würde, in absehbarer Zeit zu Stande kommt.
Hann. Münden, 30. August. In dem Nachbarorte Niederscheden wurde gestern ein junges Mädchen beerdigt, welches aus Liebesgram Stecknadeln, einen Fingerhut und Nähnadeln verschluckt hatte und in Folge dessen gestorben war. Die Nadeln fanden aus dem Körper durch Geschwüre einen Ausweg.
Aus Bad Nauheim wird geschrieben: Seit einigen Tagen genießt Nauheim das seltene Schauspiel militärischer Truppendurchzüge aller Waffengattungen, welche an der Hamburger Kaiserparade theilnehmen. Paris 'arm über die franco-russische Allianz nicht mehr außer Rand und Band gewesen sein, als die Nauheimer „Großmägde" über die hier stattgehabte Einquartirung, bei welcher eS zweifellos auch zu manchem, wenn auch nur etappenmäßigen Herzensbündniß kam. Wie ich erfuhr, war eine in meiner Nachbarschaft ihres AmteS waltende Küchenfee über ihre „Madamm", welche ihre zwei Mann „Leibgrenadiere" ausquartirt hatte, so wüthend, daß sie den Dienst kündigte und mit fast thränenerstickter Stimme geschluchzt haben soll: „Na, na, in dem Haus, wo m'r so alles vergunnt kriegt, do bleiw ich um kaan Preis, ich muß mich jo schäme vor alle andere Mädcher, denne isS nix ausquartirt worn."
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 7. September.
* — Dem Herrn Oberstaatsanwalt Rabe in Köln wurde gelegentlich der Kaisertage in Coblenz der Rothe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife verliehen. (Herr Oberstaatsanwalt Rabe ist ein geborener Schlüchterner, Sohn des vor einigen Jahren hier verstorbenen Rent- Meisters Rabe.)
* — Im Laufe der vergangenen Woche fand am hiesigen Seminar unter dem Vorsitze der RegierungS- schulräthe: deS Herrn Otto als Stellvertreter des Pro- vinzial-SchulratheS, und des Herrn Sternkops die Abgangsprüfung statt, an welcher 33 Zöglinge des S-eMinarS theilnahmen. In der schriftlichen Prüfung wurden folgende Themata bearbeitet: 1. Deutscher Aufsatz: Soldatencharakter aus Schillers „Wallenstein". L.Religion: Die rechte Gesetzeserfüllung nach der Bergpredigt. 3. Geschichte: Die Verfassung das deutschen Reiches. 4. Geographie: Die Halbinselbildung Europas. 5. Mathematik: Je eine Aufgabe aus dem bürgerlichen Rechnen, aus der Algebra und der Geometrie. 6. Naturkunde: Bau und Organe der Raubthiere in Bezug auf die Lebensweise derselben. Die mündliche Prüfung, von welcher diejenigen Zöglinge entbunden wurden, welche die Durch- schnittsnole „Gut" hatten, erstreckte sich auf alle Fächer des Seminarunterrichtes; außerdem mußte ein jeder Examinand eine Lehrprobe vor Schülern aus der Stadtschule halten. Alle bestanden die Prüfung.
* — Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Frist zur Anmeldung für die hiesige Kleinkinder-
schule mit dem 10. d. M. abläuft. Es liegt daher im Interesse derjenigen Eltern, welche die Aufnahme ihrer Kinder in die Kleinkinderschule wünschen, diesen Anmel- dungStermin nicht zu versäumen.
* — In diesem Herbste steht den evangelischen Gemeinden des Hessenlandes, sowohl den reformierten als auch den lutherischen und unierten, eine Aenderung