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auf etwa 25 Schritt nahegekommen waren, riefen sie dem­selbenGewehr niederlegen" zu. Wie der Blitz ver­schwand der am weitesten Entfernte in einer Dickung, während der andere ebenso schnell hinter einem dicken Baum Deckung suchte. In humaner Weise machten die Beamten von ihrem Recht, die Waffe anzuwenden, keinen Gebrauch, schritten aber nunmehr zur Ergreifung des Wilddiebs. Trotz 68maliger Aufforderung legte der­selbe das Gewehr nicht nieder. Während nun der eine Beamte mit Gewehr im Anschlag auf den Wilddieb diesen nochmals anrief, daß die geringste Bewegung mit seinem Gewehr ihm verhängnißvoll werden würde, ging Herr H. mit schußbereitem Gewehr vor. Auf etwa 10 Schritt herangekommen, legte endlich der Wilderer, dem seine Sache aussichtslos erscheinen mochte, sein Gewehr zur Erde nieder, worauf seine Verhaftung und Ueberführung ins Amtsgerichtsgefängniß nach Jesberg erfolgte. Seinen Mithelfer, der übrigens auch erkannt ist, will er nicht gesehen haben, wiewohl sie gemeinschaftlich jagten und sich dabei durch Zeichen verständigten. Sie hatten beide das Gesicht geschwärzt und führten zu diesem Zwecke noch ein Tuch mit eingewickelter Holzkohle bei sich. Der entwichene Wilderer trug Frauenkleider, während der verhaftete noch einen blutbefleckten Sack bei sich führte, welchen er vorher zumHeidelbeersammeln" benutzt haben will.

Marburg, 23. August. Der dritten Compagnie des Jäger-Bataillons Nr. 11, welches bekanntlich hier gar- nisonirt, wurde daS Kaiser-Abzeichen für hervorragende Schießleistung verliehen. Wie man weiter erfährt wird auch die genannte Compagnie zum Empfang des Königs von Italien in Homburg am Bahnhof Ehrenwache stehen. Nach neuerlichen Mittheilungen waren die Verletz­ungen des Müllers von Dodenhausen schon soweit ge­heilt, daß man hoffen konnte, ihn über die Schreckens- that seines Schwiegersohnes Schmidt bei dem nächsten Schwurgericht vernehmen zu können. Aus Scheu und Angst hat nun der alte Mann selber Hand an sich ge­legt und seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.

Frankfurt a. M. Entschädigung für eine Entlobung. Ein junger vermögender Kaufmann verlobte sich mit einem 17 Jahre alten Mädchen, überlegte sich die Sache aber anders und trat zurück. Jetzt ist er von seiner Braut auf Ehelichung oder Zahlung einer Entschädigung von 20,000 Mark verklagt worden. Vor dem am 16. September anstehenden Verhandlungstermin kam am Samstag die Sache durch einen gerichtlichen Vergleich zum Abschluß. Nach demselben entsagt gegen Bezahlung von 12,000 Mark die Braut auf alle weiteren Ansprüche.

A«S den neuen Goldfeldern in Alaska.

Die Erträge der gegenwärtigen Saison aus dem Klondike-Disttitl werden von berufener Seite auf 17

Millionen Dollar geschätzt. Davon sind bis jetzt 700,000 Dollar in San Francisco und l1/* Million in Seattle abgeliefert worden. 2 Millionen Dollar liegen in St. Michaels an der Mündung des Aukon zur Verfrachtung bereit. Am 22. August ist der DampferPortland" auf feiner letzten Reise vom Aukon in dieser Saison fällig, und man rechnet sicher, daß er über 15 Millionen Dollar Gold mitbringen wird.

Das kostbare Metall wird in größeren und kleineren Mengen in dem Schlamm unter dem Kies in den Betten der Bäche gefunden, die von den Bergen in den Aukon fließen. Diese Bäche schneiden durch die Ouarzadern in den Bergen, waschen das Gold aus und führen die erdige und mineralische Masse nieder in das Aukon-Thal. DaS Wasser aller dieser GebirgSströme fließt in den Aukon, aber das Gold wird in den rauhen Betten zurückgehalten. Im Winter frieren die Quellen zu, und die Bäche trocknen auf; das Gold wird dann unter den Schichten gefrorenen KieseS gefunden. Der Goldgräber macht nun einen Schacht oft nicht tiefer als zehn bis zwölf Fuß bis er auf die ergiebige, festgefrorene Schlammschicht stößt. Auf diese baut er

ein Feuer auS Holzstämmen und thaut sie zu halbge­frorenen Stücken auf. Nachdem er sie an die Ober- fläche gebracht, pulverisirt er sie durch Hiebe mit Spitz­axt oder Schaufel, wäscht sie und untersucht sie nach Goldklümpchen. Das feine Gold geht natürlich dabei verloren, da keine Maschinerie zu seiner Gewinnung vorhanden ist.

Von den Preisen der LebenSmittel in Klondike dürften folgende Angaben einen Begriff geben: Mehl kostet 60 Dollar pro Sack, Brod '/, Dollar da» Laib, Speck 2 Dollar pro Pfund, Butter 2 Dollar pro Psuiid, Zucker */< Dollar pro Pfund, und Eier bringen 8 Dollar das Dutzend. Für Mahlzeiten zahlt man 1'/, Dollar oder 4'/» Dollar pro Tag, Köchinnen er­halten 100 Dollar pro Woche Lohn, und Waschen kostet 4% Dollar pro Dutzend Stücke.

Ein Unteroffizier der berittenen Schutzmannschaft deS Nordwestlichen Territoriums, der in Klondike ftationirt

ist, erstattet seiner Familie die folgende Beschreibung des dortigen Lebens:Daß Klondike daS reichste Gold­feld der Welt ist, bestreitet Niemand. Tausende von

DollarS Gold waschen viele täglich auS dem Sande. Die Löhne stehen auf 15 Doü. den Tag und mehr.

Alle unflre Schutzleute, die den Dienst verließen, haben sich hier ein Vermögen erworben, und ich gedenke das

Gleiche zu thun. Die Preise sind hier entsetzlich. Ra-

siren und Haarschneiden kostet 2/s Dollars. Mehl kostet 1 Doll. das Pfund; frisches Fleisch ist unbekannt. Wir leben von Speck und Bohnen. Aber Lachse können wir im Fluß haben, so viel wir wollen. Geld gibt es hier nicht. Alle Zahlungen werden in Goldstaub und Goldklumpen gemacht. Diese tragen wir in kleinen Ledersäckchen. Bezahlt man eine Rechnung, so reicht man das Säckchen hin. Der Verkäufer wiegt so viel ab, wie er als Zahlung beansprucht." Der Brief ist vom 18. Juni datirt. Seit dem 28. Mai war keine Zeitung in Klondike angekommen.

Das Land am oberen Aukon, zwischen den Parallelen des 55. und 60. Grades nördlicher Breite, dessen Ströme noch ergiebiger sind als die des Klondike, bringt gar keine Nahrungsmittel hervor, nicht einmal Wild. Jedes Pfund Viktualien muß von fern hergebracht werden, und die Transportmittel sind so begrenzt, daß LebenSmittel nur in kleinen Quantitäten importirt werden können. Eine Temperatur von 20 Grad Fahren- heit unter Null am Mittag ist die Regel, und einige Monate lang registrirt das Thermoter 40 bis 50 Grad unter Null. In der That, wer hier Reichthümer finden will, muß darauf gefaßt sein, einen sehr hohen Preis dafür zu zahlen.

Während Gold mehr auf der kanadischen Seite der Grenze zu finden ist, wimmelt es in Alaska von werth­vollstem fossilen Elfenbein. Alaska wird den Vereinigten Staaten sicherlich den an Rußland gezahlten Kaufpreis von 7 Millionen Dollars zurückzahlen. Als die großen Mastodon-Herden durch die Wälder von Alaska streiften, besaß dieses ein tropisches Klima. Im Eise eingebettet hat man bereits eine Anzahl tropischer Pflanzen ge­funden. Unter den Bergleuten geht die Sage, daß gegenwärtig noch vereinzelte Mammuthe an den Ufern des Aukon anzutreffen sind. Die Indianer erzählen vonriesigen wolligen Bären, die Hörner haben, die dem Stamm einer Birke ähnlich sind." Bis jetzt scheint es noch keinen Weißen geglückt zu sein, eines dieser Ungeheuer zu erlegen, aber die Knochen dieser vorwelt- lichen Thiere bedecken in Menge die Ebenen Alaskas. Weiße entdeckten den Ort. Die Rothhäute haben ihn stets gekannt, in der Trunkenheit theilten sie den Fund­ort mit. Es lagen dort Hunderte von Skeletten von Ricsenlhieren. Ueberall waren die Stoßzähne zerstreut. Am Scchzigmeilen-Bach sah ein anderer Bergmann einen Mammuthzahn sechs Fuß auS dem Wasser ragen. Ein dritter Bergmann fand einen Zahn, der so schwer war, daß er ihn nicht fortschaffen konnte.

Der Hund als Zugthier hat eS in dem neuen Gold­felde in kurzer Zeit zu großem Ansehen gebracht. Es hat sich herausgestellt, daß daS Pferd daS dortige Klima und die geforderten Anstrengungen nicht zu er­tragen vermag und deshalb als Zugthier nicht zu brauchen ist, Man hat sich daher entschlossen, ebenso wie in den Polarländern, Hunde als Zugthiere im weitesten Umgänge zu benutzen und zwar die eingeborenen Hunde AlaskaS, die an die Unbilden des KlimaS ge­wöhnt sind. Der Erfolg ist ein vollkommener gewesen und eS ist der Hund gegenwärtig daS einzige Zugthier in dem neuen Wunderlande. Der Hund zieht ebenso die Lasten goldhaltiger Erze, wie die mit Reisenden be­setzten Wagen. Damit die Hunde ihre anstrengende Ar­beit auf dem nicht immer günstigen Boden des Landes länger aushalten, läßt man sie nicht mit nackten Pfoten laufen, sondern hat ihnen Schuhe auS Hirschleder ge­geben, die die Füße vor Verwundungen schützen. AlS Nahrung erhalten sie trockenes Lachsfleisch, täglich je drei Pfund, diese Ernährung ist billig, da der LachS an den Küsten und in den Flüssen AlaSkas ein sehr gemeiner Fisch ist. Für die Zukunft hat man aller­dings den Plan, außer dem Hunde auch noch das Rennthier zum Ziehen von Lasten zu verwenden.

Der Bühler Obstmarkt (Frühmarkt).

Don G. W. Uhink, Gärtnereitesitzer, Bühl.

(Fortsetzung.)

Nun beginnt das Geschäft der Packer,Sprieser" genannt, welche meist gut eingearbeitet sind und Fertig­keit und Geschick für diese Arbeit haben. Die zum Versandt benutzten Körbe, welche gewöhnlich nur 40 bis 45 Pfund Früchte aufnehmen können, werden so mit Zeitungspapier ausgelegt, daß dasselbe hoch über den Rand des Korbes vorsteht, alsdann werden die Körbchen der Verkäufer in die deS Händlers vorsichtig entleert, dann wird nochmals obendrauf Zeitungspapier gelegt, hierüber kommt eine dicke Lage Farrenkraut und zuletzt werden vier kräftige Bügel von Haselnußruthen über den Korb befestigt. Dem Sprieser wird per Korb 10 Pfg. vergütet, wofür er aber das Packmaterial zu liefern hat, welches ihn etwa 56 Pfg. pro Korb zu stehen kommt. Während die Körbe entleert und die deS HändlerS gepackt werden, zahlt dieser die Leute aus; meist zeigen die Leute fröhliche Gesichter, denn sie haben ein erkleckliches Sümmchen für ihre nimmer versagenden FrÜhzwetschen gelöst.

Zwei Momente haben im vorigen Jahr wesentlich mit dazu beigetragen, die reichliche Ernte von Anfang bis zu Ende gut zu verwerthen und das war erstens das Fehlen von anderem Frühobst in den meisten Gegenden Deutschlands und zweitens: die Verhältniß mäßig kühle, dem Versandt günstige Witterurg, welche

während der Reifezeit andauerte. So viel mir bekannt liefen keine Klagen wegen schlechten AnkommenS ein. Hätten wir große Hitze gehabt, so wären die FrÜh­zwetschen schneller gereift und hätten ä tont prix abge- setzt werden müssen, ferner hätten die Händler keine mehr abschicken können, die Preise wären in Folge dessen gesunken, denn wo sollten dann diese Unmassen von Früchten bleiben? Das in vielen Zeitungen in vorigem Jahr verbreitete Märchen von einemRing", welchen die Händler gebildet haben sollten, um den Preis der FrÜhzwetschen herabzudrücken, wäre für den Einge­weihten, der weiß, wie ein Händler dem andern den Rang abzulaufen sucht, geradezu zum Lachen, wenn eS nicht auch seine ernste Seite hätte, indem man diesen Leuten unsaubere Manipulationen unterschieben will, die durchaus unbegründet sind. Für die hiesige Gegend sind die Obsthändler so nothwendig wie das liebe Brod und ohne dieselben könnten wir unsere Zwetschen ein­salzen. Gönnen wir denselben ihren Verdienst, und wer da glaubt, sie verdienen zu viel, der lasse sich von denselben erzählen, wie oft sie schon hineingefallen sind und Verluste zu verzeichnen hatten.

Wenn daS Packen beendet ist, beeilt sich Jeder, seine Waare nach der Bahn zu befördern, denn um 11 Uhr geht ein Eilgüterzug landabwärts, mit dem die meisten Früchte befördert werden. Besonders viel gehen nach den Jndustriebezirken des Rheinlandes und Westfalens wie: Dortmund, Essen, Elberfeld, Barmen, Gelsen- kirchen und vor allen Dingen nach Köln. AuS letzterem Orte ist alljährlich ein Händler hier, welcher ganz un­glaubliche Mengen täglich abschickt; derselbe verladet täglich einen Eisenbahnwagen, oft auch zwei bis drei solcher für seinen Bedarf. Die Händler, die für sich allein keinen ganzen Wagen füllen können, verbinden sich, um zu zweien und dreien einen Wagen nach einem bestimmten Orte zu bekommen. In ganzen Wagen­ladungen reift ja die Waare schneller, als wenn sie als Stückgut behandelt werden muß; so ist eine Wagen­ladung nach Köln nur 18 Stunden, nach Hannover etwa 30 Stunden unterwegs.

Noch ehe die FrÜhzwetschen ganz von der Bildfläche des Frühmarktes verschwunden sind, kommen schon späte oder Hauszwetschen zu Markte, dabei immer noch Birnen, Aepfel, verspätete Reineclauden und Pfirsiche, letztere werden (pro Körbchen ä 20 Pfd.) mit 2,50 bis 3,50 M. und auch mehr bezahlt. Zum weiten Ver­sandt dürfen die Pfirsiche nicht allzureif sein, ferner darf man die Körbe nicht zu groß wählen, da die Schwere der Früchte dieselben zerdrücken würde. Die Wände der Körbe werden gut mit Holzwolle aufgelegt, dann ringsum Papier und zwischen jede Lage Früchte ein Bogen Papier. Nachdem der Korb mäßig gehäuft angefüllt ist, kommt nochmals Papier und eine dicke Lage Holzwolle darüber, und vier Bügel beenden die Packung. Aepfel und Birnen werden wie die Zwetschen gepackt, doch wird als Packmaterial weiches Stroh (am besten Haferstroh) statt Farrnkraut benutzt, und werden meist auch sehr große Körbe verwendet und diese sehr hoch (oft so hoch als die Körbe selbst sind) über den Rand hinaus angcfüllt. Bei allem Packen bleibt die Hauptsache, daß die Körbe fest zugemacht werden, und daß kein leerer Raum in denselben bleibt, was durch mäßiges Schütteln beim Einleeren verhindert wird; können die Früchte in Folge lockeren Packens im Korbe herumkollern, so kommen sie gekeltert am Bestimmungs­orte an und die Brühe läuft unten heraus.

^Sobald die späten Zwetschen in anderen Gegenden versandtfähig werden, verschwinden die fremden Händler und nur noch die einheimischen, worunter auch das zarte Geschlecht zahlreich vertreten ist, besuchen den Markt. Bei voraufchreitender Jahreszeit, wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden, genießt man das sonderbare Schauspiel, daß sich der ganze Handel beim Scheine der Handlaterne abspielt, die jeder Händler mit sich führt, und noch ehe der Tag zu grauen be­ginnt, ist Alles bis auf das Packen beendet.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Die Berliner Mordchronik ist um einen neuen Fall bereichert worden, nämlich einen Raubmord, dem zwei alte Damen, die 71 Jahre alte Wittwe Anna Schutze und deren 51jährige Tochter, zum Opfer ge­fallen sind. DaS Verbrechen ist trotz der ungewöhnlichen Dreistigkeit' mit welcher der Mörder dabei zu Werke ge­gangen ist, erst nach 14 Tagen entdeckt worden. Die Morgenblätter berichteten, daß das HauS Königgrätzer- straße Nr. 35 seit ungefähr 14 Tagen von besten Be­sitzerin und deren Tochter verlassen sei, ohne daß Jemand wüßte, wohin sich die Damen begeben hätten. DaS Verschwinden der letzteren hat nun eine grauenvolle Er­klärung gefunden. AlS die Polizei darauf daS HauS durchsuchte, fand man die Leichen der beiden Frauen, in eine Kiste gezwängt, im Keller deS Hauses unter Schutt und Sand begraben. Die ermordete Frau Schulze besitzt große Gipsbrüche bei Sperenberg im VolkS- munde nannte man den alten weiblichen Sonderling Gips-Schulzen" und galt als sehr reich, man schätzte ihr Vermögen auf mindestens fünfzehn Millionen Mark. Trotzdem waren die Lebensgewohnheiten von Mutter und Tochter dir denkbar einfachsten; sie hielten sich