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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preik mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
69. Samstag, den 28. August 1897. 48. Jahrgang.
Teutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar hat Mittwoch Morgen kurz nach 7 Uhr mittelst Sonderzuges Wilhelmshöhe wieder verlassen, um sich zunächst nach Magdeburg zur Theilnahme an der Feier der Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. zu begeben. Mit ihnen zugleich sind auch Prinz Joachim und die Prinzessin Luise Viktoria, sowie der ganze kaiserliche Hofstaat von Wilhelmshöhe abgereist.
— Die Waffenröcke der Infanterie werden jetzt in einem ziemlich Hellen Blau eingeführt. Dasselbe ist fast wie das bayerische Blau und hat den Vortheil, daß die bisher vom Koppel abgenutzten hellen Stellen nur wenig sichibar werden. Dadurch sind die Waffenröcke auch bis in die letzten Garnituren noch besser im Aussehen, als die bisherigen dunklen. Man sieht schon vereinzelt diese neue Farbe.
— Eine sehr große Anzahl Personalveränderungen in den höheren Kommandostellen der Armee sind vom Kaiser in Wilhelmshöhe vollzogen worden. Es sind 4 Generalmajore und Brigadekommandeure, 10 Regimentskommandeure (9 davon Oberst, 1 Oberstlieutenant) und 18 Stabsoffiziere (darunter ein Oberst, die anderen Oberstlieutenants und Majore) zur Disposition gestellt resp, haben den Abschied erhalten. Die freigewordenen Brigaden und Regimenter sind sämmtlich wieder besetz' worden.
— D.r Eisenbahnminister hat eine B.lohnung von 3000 Mark auf die Entdeckung des mulhmaßiichen Schuldigen an der Entgleisung des D Zuges Hannover- Hamburg ausgesetzt. Die Untersuchung hat den „Hann. Tag.-Nachr." zufolge ergeben, daß die innere Schiene des rechten Geleises etwa zwei Zoll nach dem Geleis Innern zu eingebogen und daß die unter diesem Bogen liegende Schwelle nach rückwärts verbogen war; an dem Sieg der inneren Schienen und zwar auf der Außen feite finden sich blanke Stellen, welche darauf schließen lassen, daß die Einbiegung mit einem windenartigen Instrument er|olgt sei. Es gilt als ausgeschlossen, daß die Einbiegung, die Verschiebung der Schwelle und die blanke Stelle an der Schiene eine Folge der Entgleisung sei. Da der Kaiser wenige Stunden vorher die Strecke passirte, besteht zwischen der Fahrt des Kaisers und dem Verbrechen vielleicht ein innerer Zusammenhang, wenngleich der Kaiser auf dem anderen Geleis in umgekehrter Richtung fuhr. Die „H. Tag.-Nachr." meinen, für den Fall, daß die Verbrecher Ausländer gewesen seien, sei die Vermuthung immerhin berechtigt, daß dieselben angenommen hätten, wie in Frankreich, Belgien, Italien u. s. w. würde auch bei uns auf dem linken Geleise gefahren und der .kaiserliche Zug würde erst um die Stunde des Unglücks den Thatort passiren.
Aus Westfalen. Vergebung städtischer Arbeiten. Ein Beispiel, wie auch in kleinen Städten sich das Bedürfniß nach einer Regelung der Vergebungen städtischer Arbeiten, regt, bietet Mengen i. W. Dort haben die städtischen Kollegien beschlossen, den Betrag, bis zu welchem Arbeiten vom Gemeinderath freihändig vergeben werden können, für jedes Handwerk und Jahr besonders festzusetzen. Die Arbeiten werden an die eingesessenen Handwerker des betreffenden Gewerbes abwechselnd, und zwar nach dem Alter der Geschälte vergeben. Dabei müssen sich diese Meister verbindlich machen, ihre Lehrlinge zum Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule, sowie möglichst auch zur Ablegung der Lehrlingsprüfung zu verpflichten und ihnen die zum Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule beziehungsweise der betreffenden Fächer etwa nöthige Freizeit zu gewähren. Die Meister haben schriftliche Lehrverträge zn vereinbaren, in welchen insbesondere diese Bestimmungen aulzunehmen sind, und haben die betreffenden Dokumente auf Verlangen vor der Uebertragung der städtischen Arbeit dem Gemeinderath zur Einsicht vorzulegen, auch die Einhaltungen der Vertragsbestimmungen auf Verlangen nachzuweisen. Zugleich werden die Meister- und Gesellenlöhne festgesetzt. Größere Arbeiten sollen im Versteigerungswege vergeben und in der Regel dem ertheilt werden, welcher, dem Durchschnitt sämmtlicher Angebote am nächsten- kommt. Der Gemeinderath behält sich dabei vor, eine Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Prüfung von Kostenvorschlägen und zur Feststellung der Mindesttaglöhne auch für Handwerker und Handlanger zu beruft». -
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 27. August.
* — Wir machen darauf aufmerksam, daß die Liste zur Einzeichnnng von Beiträgen für die Ueberschwemmten auf dem Bürgermeisteramt am 1. September d. I. geschlossen wird.
— Die Kriegervereine der Provinz Hessen-Nassau und des Großherzogthum Hessen werden bei der Kaiser- parade des XL Armeekorps am 4. September d. I. bei Homburg v. d. Höhe nicht vertreten sein, wenigstens nicht selbst in Parade stehen. Vom Generalkommando des XL Armeekorps wird nämlich Folgendes bekannt gemacht: „Da das Paradefeld im Hinblick auf die gegen frühere Kaiserparaden wesentlich größere Zahl der in Parade stehenden Truppen sehr beengt ist und in seinem ganzen Umfang für die Aufstellung und die Bewegung der Letzteren beansprucht werden muß, so bedauert das Generalkommando, den Kriegervereinen keine Plätze auf dem Paradefelde selbst anweisen zu können. Um denselben jedoch Gelegenheit zu geben, Se. Majestät den Kaiser genau zu sehen, soll ihre Aufstellung an dem Wege erfolgen, den Se. Majestät nach Beendigung der Parade zur Rückkehr nach Homburg v. d. Höhe benutzen werden." Durch diese Anordnung sind die Erwartungen der Kriegervereine sehr getäuscht worden. Der Vorstand des Hessischen Kriegerve: bandes in Fulda hat infolge Dessen beschlossen, sich als Verband überhaupt uiäjt an der Parade zn betheiligen, und hat den einzelnen Vereinen ihre Betheiligung in der zugelassenen Weise freigestellt.
* — Im Regierungsbezirk Cassel sind zwecks end- giltiger Regelung der Gehaltsverhältnisse der Volksschul- lehrer von der Provinzialkonferenz folgende vier Gehalts- klaffen gebildet worden:
1. Klasse: Grundgehalt 1000 Mk., Alterszulage 110 Mk., 2. „ „ HOO „ „ 130 „
3. " „ 1200 „ „ 140 „
4. „ „ 1400 „ „ 160 „
Die erste Klasse dürfte die Grenze (nach unten) sein für die Landgemeinden, die zweite Klasse für die kleinen Städte, die dritte Klasse für die mittleren Städte (Esch- wege, Hersfeld, Schmalkalden) und endlich die vierte Klasse für die größeren Städte (Cassel, Hanau, Marburg und Fulda). So hat z. B. die Marburg ein Höchstgehalt (einschließlich der Miethentschädigung) von 3400 Mark festgesetzt, Fulda ein solches von ca. 3250 Mark, in Cassel steht die endgiltige Entscheidung noch aus. Hcrsscld, Eschwege und Schmalkalden haben vorläufig ein Höchstgehalt von 2950 beziehungsweise 2850 Mark festgesetzt. Die Lchrergchälter in verschiedenen Städten des diesseitigen Regierungsbezirks waren bisher schon ziemlich angemessene, so erhielten die Lehrer in Marburg, Fulda und Hersfeld bisher schon ein Höchstgehalt von 2700 Mark.
* — Anknüpfend an die in Nr. 63 gebrachte Notiz über den Bühler Zwetschenhandel bringen wir weiter nachstehende Blättermeldung, die zur Evidenz zeigt, was zielbewußter Anbau einer Obstsorte für eine einträgliche Einkommensquelle werden kann:
„Bühl, 21. August. Der Zwetschenverkehr hat jetzt den Höhepunkt überschritten. Das diesjährige Erträg- niß ist auf % Million (750,000) Mark zu schätzen und vertheilt sich die Hauptmasse auf nur wenig Ortschaften: Bühl, Neuweier, Varnhalt, Steinbach, Eisenthal mit Affenthal und Müllenbach, Kappel- windeck, Alischweier, Bühlerthal, Neusatz, Ottersweier und Lauf. Man kann annehmen, daß der Strich, wo die Hauptmasse wächst, 2 Stunden lang — von Norden nach Süden — und dreiviertel Stunden breit ist."
Das macht für jede der genannten elf Gemeinden im Durchschnitt über 68,000 Mark Erlös nur allein für Zwetschen. Dazu tritt dann noch der Ertrag der Birnen-, Aepfel- tc. Ernte. Zahlen beweisen, sagt man Hoffentlich kommt mancher unserer ländlichen Leser hierdurch
Ausland.
Montevideo, 25. August. Präsident Borda wurde beim Verlassen der Kathedrale erschossen. Der Tod erfolgte fast fort. Der verhaftete Mörder ist ein Jüngling Namens Arredonto. (Jdiarte Borda war seit 21. März 1894 Präsident der Republik Uruguay. Seit Monaten befanden sich mehrere Provinzen in Aufruhr.)
zum Nachdenken und versucht es in Gemeinschaft mit Anderen, durch Bepflanzung von geeigneten Obstbäumen an sonst unbenutzten Rainen, Halden rc. statt der Dornen, Brombeeren rc., sich eine weitere Einnahme zu schaffen. Für einträgliche Verwerthung des Obstes sorgt dann die Molkerei in Schlächtern.
Fulda. Falsche Zehnmarkstücke wurden gestern auf dem Bartholomäusmarkte dahier angehalten. Darum Vorsicht!
Brückenau, 24. August. Die feierliche Enthüllung des Denkmals für König Ludwig I. von Bayern wird im Anschluß an die in Nürnberg uud Würzburg statt« findenden großen Militärparaden durch den Prinzregent mit großem Gefolge am 4. September erfolgen. Der Prinzregent wird am 4. September, Vormittags 8 Uhr, mittels Hofzuges von Würzburg um 10 Uhr in Bad Brückenau eintreffen und darauf den Enthüllungsakt vornehmen. Auf ’M Uhr ist königl. Frühstückstafel im Kursaale anberaumt, auf welche gegen 2 Uhr eine Wagenfahrt nach der Stadt Brückenau und Besichtigung des St. Georg-Ordenskrankenhauses folgt, und auf 3 Uhr die Abreise nach Aschaffenburg sich anschließt. — Eine in den weitesten Kreisen bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit, Frau Posthalter Reinwald, ist nach län- gerem Leiden im 73. Lebensjahre gestorben. Die Verlebte (geborene Feuerstein in Fulda) erfreute sich wegen ihrer vorzüglichen Charakter-Eigenschaften allgemeiner Popularität. Die Armen verlieren mit Frau Posthalter Reinwald, die ihren alljährlichen Frühjahrsgast, den Generalpostmeister v. Stephan, nicht lange überlebte, eine große Wohlthäterin.
Gersfeld, 18. August. Hiesige Freunde der Geflügelzucht beabsichtigen, zur Hebung derselben einen Verein zu gründen, um dadurch das Interesse an derselben zu wecken und die Zucht von edleren, geeigneteren Rassen zu fördern.
Körnbach bei Eiterfeld, 23. August. Da jetzt nach der reichlichen Ernte wieder die Zeit gekommen ist, in welcher die Früchte gedroschen werden, so dürfte es am Platze sein, zur größten Vorsicht beim Umgang mit den Dreschmaschinen zü mahnen. Gar oft geschieht es, daß junge, unerfahrene Leute zu diesen Arbeiten hekange- zogen werden, die durch ihr unvorsichtiges Zügreifen sich für ihr ganzes Leben unglücklich machen. In unserm Dorfe ist wieder ein derartiger Fall zu beklagen. Ein junges, kräftiges Mädchen, welches beim Dreschen mittels einer Göpelmaschine helfen mußte, kam mit einem Arme unter die Walze, derselbe wurde im Nu viermal gebrochen, sodaß das arme Geschöpf unter den entsetzlichsten Schmerzen nach Fulda in das Landkrankenhaus zur Heilung, wenn überhaupt eine solche noch möglich ich gebracht werden mußte. Für die Arbeitgeber können diese Fälle ebenfalls höchst unangenehm werden. Wenn nicht alle Vorsichtsmaßregeln, wie sie das Unfalloer- sicherungsgesetz yorschreibl, getroffen werden, kann der Arbeitgeber gesetzlich gezwungen werden, den Verunglückten sein Leben lang zu unterstützen. Es ist also sowohl dem Arbeitgeber, als auch dem Arbeitnehmer bei derartigen Arbeiten die größte Vorsicht anzuempfehlen.
Hcrsscld, 25. August. Ein Beweis für die schlechte Lage der Landwirthschaft ist der Preisrückgang der zum Verkauf kommenden Güter. So ist der Hof Kühnbach, der von dem bisherigen Besitzer s. Zt. für mehr als 60000 Mark übernommen worden war, in der Zwangsversteigerung vor einigen Tagen an einen Herrn aus Caffel für ca. 30000 Mark verkauft worden.
In Klein-Wiershausen bei Dransfeld wurde vorgestern Nacht dem Gemeindevorsteher Sohnrey aus seinem Stalle ein Ochse im Werthe von 350 Mark gestohlen. Der Thäter wurde in der Person eines in Dransfeld beschäftigt gewesenen Tischlers Namens Hofmann aus Hausen bei Frankfurt a. M. in Göttingen dingfest gemacht. Der Ochse konnte dem Eigenthümer wieder ausgeliefert werden.
Jesberg, 23. August. Wilddieberei. Am Montag Morgen um 5 Uhr gelang es den beiden Forstbeamten Sr. Durchlaucht des Prinzen Philipp von Hanau — Förster und Hammer in Oberurf — den Einwohner G. aus Bergfreiheit beim Wildern auf frischer That zu ertappen. Derselbe lag mit noch einem seiner „Collegen" der Jagd ob und wurden beide gerade dabei überrascht, als sie sich an Rehwild mit katzenartiger Vorsicht an« schlichen. Als die beiden Beamten einem der Wilderer