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SchlüchtemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

H Samstag, den 21. August 1897. 48. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird auf Schloß Wilhelmshöhe den Geburtstag des Kaisers Franz Joseph feiern und der Leiter des Auswärtigen Amtes v. Bülow wird an der Feier theilnehmen. Zur Theilnahme an den Manövern bei Homburg hat der Kaiser auch den Großfürsten Nicolai Nicolaijewitsch und den GeneralstabschefObwetschno eingcladen.

Einem TelegramdesBreslauer General-Anzeiger" zufolge hat Kaiser Wilhelm an König Humbert aus Anlaß des Duells des Grafen von Turin mit dem Prinzen Heinrich von Orleans ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Der Kaiser habe darin gesagt, er sei zwar kein Freund des Duells, der Offizier müsse aber seine angegriffene Waffenehre bis zum letzten Blutstropfen vertheidigen. Er freue sich um so mehr über den Aus­gang des Zweikampfes, als es sich um die Wahrung der Waffenehre einer eng verbündeten Armee gehandelt habe.

Ueber das Tragen der Erinnerungsmedaille durch das Militär ist jetzt ein einschränkender Erlaß er­schienen. Das stete Tragen ist nicht statthaft. Sie dürfen nur im großen Dienst getragen werden und bei solchen Fällen, wo der Soldat im Ordonnanz- oder Parade-Anzug zu erscheinen hat, also bei Kirchgängen, Hochzeiten, Beerdigungen u. dergl.

Ermordung deutscher Kolonisten in Chile. Die deutsche Presse hat sich in den letzten Monaten wieder­holt mit den neuen Kolonien im südlichen Chile be­schäftigt und mehr oder weniger dringend vor der Aus­wanderung nach Chile gewarnt. Wie berechtigt diese Warnung war, zeigen die neuesten Nummern der deutschen Zeitungen aus Chile, die von neuen Gewaltthaten melden, die gegen deutsche Colonisten verübt sind. Von chile­nischen Zeitungen nimmt seit Jahren nurEl Sur" (Conception) Notiz von der Ermordung der Kolonisten, die übrigen schweigen sich darüber aus. Die letzte be­kannt gewordene Greuelthat, die gegen deutsche Kolonisten begangen wurde, trug sich am 24. Mai zu. An diesem Tag überfielen sechs Banditen am hellen Tag das Haus deS Kolonisten Emminger, verwundeten dessen Frau und ein Kind, schnitten ihm selbst den Hals durch und plün­derten das Haus. Auffallenderweise übernahm sofort ein chilenischer Polizist die Verfolgung der Mörder, ver­wundete zwei und verhaftete sie. Es fragt sich nun, ob auch der Richter des betreffenden Gebietes seine Schuldig­keit thun wird. Hoffentlich nimmt sich der deutsche Ge­sandte der Angehörigen des Ermordeten, eines 75 Jahre alten Mannes, energisch an. Angezeigt für die deutsche Regierung wäre es, so schreibt die N. Berl. Korr. offiziell vor der Auswanderung nach Chile dringend zu warnen.

In Hannover ist in letzter Zeit ein Verein gegründet, der der Weilerverbreitung der Schwindsucht mit allen möglichen Mitteln entgegenarbeiten will. Man kann das Bestreben dieses Vereins, der trotz seines kurzen Bestehens bereits eine große Zahl von Mitgliedern Aerzten und Laien hat, nur auf daS Freudigste be­grüßen und auf das Wärmste unterstützen. Beweist doch die Thatsache, daß jährlich in Deutschland 170 bis 180000 Menschen an der Tuberkulose sterben nach Berechnung Professors v. Leyden-Berlin unzweifel­haft, daß diese Seuche zu den allergefährlichsten Volks­krankheiten gehört, die mit allen uns überhaupt zu Ge­bote stehenden Mitteln zu bekämpfen ist. Ist doch die Bekämpfung dieser Seuche nicht nur eine Pflicht der Nächstenliebe und Selbsterhaltung, sondern ein national- ökonomischeS Gebot, da nach den sorgfältigen Be­rechnungen Professor Cornets in Berlin die Schwind­sucht jährlich im preußischen Staate eine Extrasteuer von 3 Mark pro Kopf der Bevölkerung, von 15 Mark pro Familie von fünf Köpfen erhebt. Durchaus richtig sagt dieser Gelehrte:Unter allen Krankheiten ist es vorzugsweise die Tuberkulose, welche durch eine über Monate und Jahre ausgedehntes Siechthum die wirth- schaftliche Leistungsfähigkeit lähmt, welche die mühsam errungenen Spargroschen aufzehrt, und welche alljähr­lich die Quelle der Verarmung bildet für Hunderte von Familien, die an der Bahre ihres Ernährers zu­gleich ihren finanziellen Ruin zu beklagen haben!" Der Verein zur Bekämpfung der Schwindsucht will zu­nächst der Weilerverbreitung dieser Seuche durch Be­lehrung in Wort und Schrift entgegenarbeiten und hat zu diesem Zweck eine Broschüre; Aus zum Kampf gegen

Ausland.

Prag, 12. August. Wie dasRiesaer Tageblatt" aus zuverlässiger Quelle erfährt, soll Professor Dr. Falb, der in Bad Teplitz Heilung bezw. Linderung seines Leidens suchte, nach einigem Aufenthalt daselbst plötzlich die Rückreise nach seiner Heimath haben an­treten müssen. DaS fanatische, abergläubische Volk soll kaum glaublich den Ankündiger der eingetretenen starken Regengüsse, die so viel Elend gebracht, 'als den Urheber dieser Naturereignisse insultirt und gedroht haben, ihn zu steinigen. Nähere Aufklärung über die einzelnen Vorkommnisse ist zu erwarten.

Rom, 17. August. Die Gerüchte, der Papst habe Ohnmachtsanfälle gehabt, sind durchaus falsch. Der Leibarzt des Papstes Dr. Lapponi hat einen Bericht- erstatler ausdrücklich zu der Erklärung ermächtigt, daß der Papst sich fortgesetzt einer ausgezeichneten Gesund­heit erfreue. Dr. Lapponi stattete dem Papste am 15. d. Mts. seinen gewöhnlichen Besuch ab; an diesem Tage empfing der Papst auch mehrere Ausländer. Dr. Lapponi wird den Papst erst am 19. ds. Mts. Wiedersehen, an welchem Tage er wie gewöhnlich der Messe des Papstes beiwohnen wird.

Paris, 15. August. Ein Duell zwischen zwei könig­lichen Prinzen. Ein Säbel-Duell zwischen dem Grafen von Turin und dem Prinzen Heinrich von Orleans hat heute früh 5 Uhr im Bois des Marchaux bei Vaucresson stattgcfunden. Es dauerte bei fünf Gängen 26 Minuten. Der Prinz von Orleans erhielt zwei schwere Wunden, eine in die rechte Schulter, die andere in die rechte Bauchseite, er wurde in das Palais deS Herzogs von Chartres transportiert. Der Graf von Turin wurde an der rechten Hand verletzt. Auf beide» Seiten wurde mit großer Erbitterung gefochten. Ueber die Veran­lassung zu diesem Duell ist folgendes mitzutheilen: Der 30jährige Prinz Heinrich von Orleans, Sohn des Her­zogs von Chartres, hatte eine Reise nach Abessynien unternommen, von der er dieser Tage zurückkehrte. In der Pariser ZeitungFigaro" veröffentlichte er vorher seine Reise-Erlebnisse, worin er gegen die in Abessynien gefangen gewesenen italienischen Offiziere beleidigende Anschuldigungen richtete, die deren Ehre schwer ver­letzten. Diese Beleidigungen, die von einem französischen Abbs Punkt für Punkt widerlegt und als einHaufe von Lügen« bezeichnet worden sind, haben natürlich nicht

die Schwindsucht! und ein Flugblatt: Rathschläge zur Verhütung und Bekämpfung der Schwindsucht! bei der Hahnschen Verlagsbuchhandlung in Hannover erscheinen lassen. Die Broschüre ist für 50 Pfennig, das Flug­blatt 10 Exemplare zu 50 Pfennig durch jede Buchhandlung von dort zu beziehen. Der Reinertrag ist für den Verein bestimmt. Möchten sich Viele finden, die den Bestrebungen dieses Vereins Interesse entgegen­bringen, die sich die Mühe geben, sich selbst und dann auch ihre Familie und ihre Verwandten und Bekannten zu belehren. Jeder Einzelne hat ein Interesse daran, die Seuche zu bekämpfen, da Keiner ganz sicher vor ihr ist. Alle Mittel zur Bekämpfung einer Volkskrank­heit, die alle 24 Stunden im deutschen Reich ein halbes Tausend niederstreckt, sind nicht nur erlaubt, sondern geboten!

Aus Schlesien. Schon seit längerer Zeit werden in Niederschlesien Versuche unternommen, in den alten Gold­feldern wieder Bergbau auf Gold zu treiben. Die Muthungen wurden seiner Zeit vom Königlichen Ober­bergamt zu Breslau angenommen und mehrere vom Revierbeamten entgegengenommene Proben goldhaltigen Graphitschicfers wurden auf Veranlassung des Oberberg­amts von einem vereidigten Chemiker auf ihren Gold­gehalt untersucht. Einige Proben wiesen nach derSchles. Ztg." einen geringeren Goldgehalt auf, eine Probe aber enthielt die ungeheure Menge Gold von 1390 Gramm auf eine Tonne. Die Finder haben die FelderHeureka", Kälhchen" undOttilie" zwischen Liebenthal und Schmottseifen belegt. Als dann versucht wurde, die Felder auf den Markt zu bringen, entstand Verdacht, und es wurde vom Oberbergamt zu Breslau eine erneute gründ­liche Untersuchung der Probe in Angriff genommen, welche feststellen soll, ob das in dem Gestein enthaltene Gold natürlich oder auf künstliche Weise hineingebracht worden ist. Die Untersuchung, welche seit einigen Wochen schwebt, ist noch nicht erledigt. Auch bei Nikolstadt im Kreise Liegnitz wird neuerdings nach Gold gegraben.

nur in der italienischen Armee einen Sturm der Ent­rüstung hervorgerufen und verschiedene Offiziere, darunter auch der gleichfalls gefangen gewesene General Albertone, sandten dem französischen Prinzen Herausforderungen zum Duell. Letzterer nahm nur die Forderung deS Generals Albertone an, da er sich doch nicht mit der ganzen italienischen Armee duellieren könne. Dieses Duell sollte dieser Tage stattfinden, nachdem der Prinz von Orleans am 11. d. M. nach Frankreich zurück­gekehrt war. Inzwischen war der 27jährige Gras von Turin, ein Neffe deS Königs Humbert und Kommandeur eines Reiterregiments, selbst für die Ehre der italienischen Offiziere eingetreten. Wie derFigaro" mittheilt, habe der Graf von Turin in einem Briefe sein Erstaunen ausgedrückt, daß Prinz Heinrich von Orleans in seinen Reisebriefen italienische Gefangene beleidigte. Daran knüpfte der Graf von Turin die Voraussetzung, daß Prinz Heinrich die Beleidigung wieder gut mache. Er deutete an, daß er anderenfalls selbst für die italienische Armee einstehen werde. Prinz Heinrich telegraphirte an den Grafen von Turin, daß er nur die Wahrheit ge­schrieben habe, er könne nichts zurückziehen. Er stehe dem Grafen dagegen für jede Genugthung zur Ver­fügung. Daraufhin sandte der Graf durch seine Zeugen, Marquis Ginori und General Graf Quinto, denen noch der General-Adjutant des Königs Humbert, Graf Palavicini zur Seite stand, dem Prinzen von Orleans eine Herausforderung zum Duell und reiste selbst nach Paris, wo er in der Nacht zum Sonnabend ankam. Er hatte für sich die Priorität eines Zweikampfes mit dem Prinzen Heinrich von Orleans verlangt, weil dieser sagte, es gebe Savoyenfürsten, um das italienische Heer zu repräsentieren. Diese Haltung des Grafen von Turin hat überall einen sehr günstigen Eindruck gemacht.

In Amerika will man sich die Anarchisten vom Halse halten. Aus New>Aork wird berichtet, daß die Regierung die sofortige Rücksendung aller dort leben­den Anarchisten verfügt hat.

Lokales ««d Provinzielles.

* Schlüchtern, 20. August.

* Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1897 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 148 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Juni 1897 zur Erledigung: 89 durch Fest­setzung des Rentenanspruchs, 58 durch Ablehnung, durch den während des Verfahrens eingetretenen Tod der Antragsteller rc. Die bewilligten Altersrenten be­trugen : für 64 männliche und 25 weibliche Personen zusammen jährlich 10,660 Mark 80 Pfg. Von den 89 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 49 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie, im Handel und Verkehr, 12 durch Lohnarbeit wech­selnder Art, 12 im Staats- rc. Dienste, 8 im Gesinde­dienste. Ende Juni 1897 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 57 Altersrenten mit zusammen 7,035 Mk. Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, vom welchem Tage ab gesetzlich zu­erst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Juni 1897 durch Vermittelung des König­lichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge aus Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 113. Da­von kamen bis Ende Juni 1897 zur Erledigung: 58 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 38 durch Ab­lehnung, 13 auf sonstige Weise. Die festgesetzten In­validenrenten betrugen für 48 männliche und 10 weib­liche Personen im Ganzen jährlich 7,048 Mark 80 Pfg. Von diesen Personen waren beschäftigt: 24 in der Land- und Forstwirthschaft, 16 in der Industrie, 1 im Handel und Verkehr, 7 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 4 im Staats- rc. Dienste, 6 im Gesindedienste. Nachdem 21 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger und durch Wiedergewinnung der ErwerbsfähigkeitderEmpfänger rc.in Abzug gekommen waren, blieben Ende Juni 1897 noch 37 Invalidenrenten im Gesammtbetrage von jähr­lich 4,559 Mark 40 Pfg. zu zahlen.

* Zur Frage der Selbstentzündung. Lacke und Sikkative, welche neben Kopalharz und Terpentinöl hauptsächlich aus Leinöl, das mit Blei- oder Manganoxyden gekocht und dadurch befähigt ist, Sauerstoff zur Firniß- bildung aufzunehmen, bestehen, werden nach ihrer Her»