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einem solchen Lehrer bei Ausübung dieses Rechts ge­leistete Widerstand als Widerstand gegen die Staats­gewalt nach § 136 des Strafgesetzbuchs zu bestrafen. In dem vorliegenden Fall war daher die vorschrifts­mäßig angewandte Berufung des Fortbildungsschülers zu verwerfen und die ihm vom Gericht zudiktirte Ge­fängnißstrafe von 14 Tagen aufrecht zu erhalten.

* Eine für Krankenkassen wichtige Entscheidung ist vom Kammergericht gefällt worden. Vielfach besteht bei den Mitgliedern dieser Kassen die Ansicht, daß in Fällen, in denen sie entgegen ärztlicher Anordnung es ablehnen, ein Krankenhaus aufzusuchen, sie trotz dieser Weigerung nicht des ganzen Krankengeldes verlustig gingen, sondern Anspruch auf einen Theil desselben hätten. Sie stützen ihre Auffassung darauf, daß, wenn sie der Verfügung des Kaffenvorstandes, in ein Kranken­haus zu gehen, Folge leisten, ihnen nicht nur vollständig freie Behandlung daselbst zutheil wird, sondern daß sie auch noch für sich oder ihre Angehörigen einen Theil des Krankengeldes erhalten können. Das Kammergericht hat nun diese Ansicht als unzutreffend bezeichnet und entschieden, daß die Ablehnung der vom Arzte beantragten und vom Vorstand verfügten Krankenhauspflege durch ein Krankenkassenmitglied den Verlust sämmtlicher Unter­stützungsansprüche zur Folge hat.

* Der Rechnungsabschluß der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt Hessen-Nassau, für das Jahr 1896 weist in Einnahme 393 002,58 Mark, in Aus­gabe 392911 Mark auf, mithin ein Kassenbestand von 91,58 Mark. An Beiträgen wurden gezahlt 3325764,59 Mark, an Strafgeldern 13366,46 Mark, Erlös für veräußerte Kapitalanlagen 3638975,77 Mark. An In­validenrenten wurden ausgezahlt 330 788,54 Mark, an Altersrenten 377919,71 Mark, Kosten des Heilverfahrens 47311,43 Mark, Erstattung von Beiträgen in Fällen der Verheirathung 56485,13 Mark, in Todesfällen 12189,83 Mark, die Verwaltungskcsten betrugen 112185,58 Mark, die Kosten der Erhebungen bei Ge­währung oder Entziehung von Renten beliefen sich auf 6868,47 Mark, Schiedsgerichts- und sonstige Kosten aus Anlaß des Berufungs- und Revisionsverfahrens 7208,83 Mark, Kosten der Beitragserhebung und der Kontrole 38547 81 Mark, Ueberweisung an den Reserve­fonds 350 000 Mark, Kosten der Erwerbung von Kapital­anlagen 624992320 Mark. Der ganze Vermögens­stand betrug Ende 1896 16 476 405,96 Mark.

* Eine Preissteigerung fast aller wichtigeren Lebensmittel hat im Juli stattgefunden. Weizen ist gegen Juni um 4 Mk., gegen Juli v. I. um 7 Mk. für 1000 Klg. gestiegen, Roggen um 3 und 2 Mark, Hafer um 4 und 9 Mark, Gerste dagegen ist gegen Juni um 1 Mark gesunken und stimmt mit dem Preis für Juli 1896 überein. Gestiegen sind die Preise für Kartoffeln, sämmtliche Fleischsorten mit Ausnahme von Kalbfleisch, für Speck, Butter, Schweineschmalz und Eier.

Aus der Rhön, 12. August. Die Ernte ist nun überall im Gange, und in manchen Gemeinden ist der Kornschnitt bereits beendet. Der Ertrag des Winterge- treides ist sehr gut, und manchmal ist auch das Sommer­getreide gut gerathen. Es sind aber auch Fluren zu sehen, in welchen die Ernte der Gerste und des Hafers einen sehr geringen Ertrag liefert, ja sogar als Miß­ernte bezeichnet werden muß. Die anhaltende nasse Witterung im Frühjahr ließ das Bestellen der feucht ge­legenen Aecker nur spät zu, deshalb nun der Mißerfolg. Ueberhaupt hat das frühgesäte Sommergetreide den Vorzug. Das Kartoffelkraut wird gelb und die Knollen werden nicht groß. Das wenige Obst, welches an den Bäumen hängt, bleibt im Wachsthum zurück und sehr klein. Die Grummeternte wird sehr gering ausfallen.

Fulda, 7. August. Bei der gestrigen Strafkammer- sitzung am hiesigen Amtsgerichte wurde der Bauer Joseph Sippel aus Großenlüder wegen fahrlässiger Körperver­letzung zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Derselbe hatte nämlich im Februar d. I. sich zu Hause mit seinem geladenen Gewehre zu schaffen gemacht, wobei dasselbe losging und unglücklicherweise seine Frau in den Kopf traf, so daß sie nach 10 Tagen im hiesigen Krankenhause infolge der Verwundung starb. Die hochwürdigsten Herren Bischöfe werden am 16, d. M. hier eintreffen, um ihre Konferenzen, deren Zeitdauer unbekannt ist, am 17. zu beginnen. Ein recht be­dauerlicher Unfall ereignete sich hier. Der 21 Jahre alte Joseph Hunold, Sohn des Schreinermeisters Hunold auf der Florengasse, wollte aus der Hobel­maschine etwas herausholen und kam so unglücklich mit beiden Händen in die Messer derselben, daß ihm an beiden Händen mehrere Finger abgerissen wurden. Der Verunglückte wurde sofort nach dem Landkrankenhaus verbracht, wo ihm, wie mitgetheilt wird, vorausicht- lich beide Hände amputirt werden müssen.

Herbstem, 10. August. Theures Briefporto mußte der Absender eines Briefes von hier bezahlen. Derselbe frankirte nämlich seinen Brief mit einer schon, aber nur wenig und fast unkenntlich abgestempelten Briefmarke, was jedoch auf der Post sofort bemerkt wurde. Der- Brief wurde allerdings an seine Adresse befördert, das dort abzuliefernde Postamt benachrichtigt und der Ab­sender ausfindig gemacht. Dem Absender wurde von der Kaiserl. Oberpostdirektion Darmstadt eine Strafe yon 3 Mark 20 Pfg. nebst 30 Pfg. Portounkosten zudiktirt.

[ Hersfeld, 9. August. Ueber eine Zechprellerei, die ein Fremder in einem hiesigen Hotel verübt, erfahren wir folgendes: Vor einigen Tagen, Abends nach 8 Uhr kam in dem bctr. Hotel ein Fremder ohne jedes Hand­gepäck an, bcf sich alsRotä, Reisender aus Frank­furt" in das Fremdenbuch eintrug und auf seine An­frage auch zwei Briefe ausgehändigt erhielt, die unter seiner Adresse eingelaufen waren. Er ließ sich für die Nacht ein Zimmer geben, sehr gut zu Abend (u. a. Forellen), trank eine Flasche Wein hierzu und nachher noch sechs Glas Bayerisch. Am andern Morgen ließ er sich Kakao mit Eiern geben und übergab dem Ober­kellner einen Gepäckschein, mit der Bitte, sein Gepäck auf dem Bahnhof abholen zu lassen, während er ge­schäftliche Besuche machen wolle. Unter diesen Umständen sah man von der Bitte einer sofortigen Begleichung seiner Rechnung zunächst ab, in der Annahme, daß der Herr schon wiederkommen werde. Aber dies ist leider eine große Täuschung gewesen, denn der Fremde hat sich weder an diesem noch an den folgenden Tagen im Hotel wieder sehen lassen nnd soll heute noch wieder­kommen, um seine Schulden zu bezahlen. Doch das Schönste kommt noch nach. Als man das aus einem schweren Paket bestehende Gepäck öffnete, in dem Glauben, sich an dessen Inhalt schadlos halten zu können, fand man als Einlage einen großen Backstein, der aller­dings nicht den erhofften Gegenwerth besaß. Dies Manöver läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß man es in diesem Falle mit einem geriebenen Schwindler zu thun gehabt hat, der es von vornherein auf einen Be­trug abgesehen hatte. Das Paket war mit einer aus verschiedenen Stücken zusammengeknüpften Rouleaux Schnur verschnürt. Der Fremde war etwa 30 Jahre alt, hatte einen schwarzen Schnurrbart und trug einen graublauen Anzug und einen Sommerüberzieher, Stock oder Schirm besaß er nicht.

Weiterode bei Bebra, 10. August. Ueber eine Na- turseltenhcit ist von hier zu berichten, nämlich über einen Roggenwurzelstock, aus dem nicht weniger als 15 außerordentlich starke, schilfartige Halme mit gut ent­wickelten Achren gewachsen waren. Die Aehren dürften zusammen wohl 7800 Körner enthalten haben. Ge­wachsen war die Seltenheit auf einem Acker des Herrn Weichenstellers Holzhauer dahier.

Cassel, 7. August. Der Distanzritt auf Chargen- pferden um den Ehrenpreis des Kaisers, welcher vorige Woche von Offizieren hessischer und preußischer Husaren- Regimenter zwischen Hanau und Cassel unternommen worden ist, hat die weittragendste Bedeutung zur Beur­theilung von Chargenpferden. Die Strecke von 190 Kilometer wurde von dem Ersten, einem Frankfurter Husaren, in 14 Stunden 7 Minuten zurückgelegt, b. h. in einem starken Trab mit einer Durchschnittsschnellig­keit von 4 Minuten pro Kilometer inkl. Ruhepausen; die Leistungen werden um so höher gewerthet werden müssen, als der Ritt in einer mondscheinlosen Nacht staltfand, in welcher das Vogelsgebirge zu passieren war. Die Kondition der Pferde war beim Eintreffen in Cassel über alles Erwarten gut. Von 30 Pferden war nur ein einziges Hufkrank (verschlagen"); die beiden zuerst ang-kommenen Pferde wurden fürbe­dingt brauchbar", d. h. leistungsfähig für einen Reise­marsch, erklärt; das fünfte Pferd, welches die Strecke in 14 Stunden 45 Minuten zurückgelegt, konnte als unbedingt brauchbar", d. h. als tauglich zu sofortigem weiteren Patrouillenritt, erklärt werden. Eigenthümlich und bemerkenswerth ist, daß das einzige Vollblutpferd, welches an dem Distanzritt theilnahm, bereits nach 120 Kilometer lahm angehalten werden mußte. Lieutenant Hausmann (13. Husaren) ritt das von ihm benutzte Pserd überhaupt nur auf Kondition, traf nach 16 Stunden ein und bestieg Tags darauf dasselbe Thier im Chargenpferderennen zu Cassel. Der Kaiserpreis selbst ist noch nicht zugesprochen worden, da der Erhalt noch von der Lösung mehrerer Aufgaben abhängig ist, die auf den Distanzritt Bezug haben und deren Beur­theilung mit der Entscheidung sich der Kaiser selbst vor­behalten hat.

Salden, 8. August. Ein 12jähriges Mädchen von hier wollte Feuer anmachen und goß, damit es rasch gehen sollte, Petroleum auf das Holz, wobei die Kanne im Nu explodierte. Das Mädchen stand in Hellen Flammen und ist an den erlittenen Brandwunden am Tage darauf gestorben.

Vom Main. Ein Kundiger bezeichnet die Aepfel- wein-Aussichten des 1897er Herbstes als sehr schlecht. Die Aepfelbäume haben gut geblüht und angesetzt, jetzt aber hat sich viel Ungeziefer entwickelt, es gibt starken Abfall und der Regen mangelt sehr. Aus Oberhessen und aus dem Bayerischen lauten die Nachrichten besser. Schwaben kann den eigenen Bedarf nicht decken. Man wird dort wie hier nach nordfranzösischem und holländischem vielleicht auch nach amerikanischem Obst greifen müssen. Amerika kündigt eine sehr gute Ernte an, und wenn man schon die vorjährige erstmalige Einfuhr ameri­kanischer Acpfel nach Frankfurt auf einen Werth von Mk. 100,009 (?) schätzt, so läßt sich dem transatlantischen Aepfelimport eine noch größere Zukunft prophezeien.

Klein-Steinheim, 7. August. Ein tragischer Vor­fall ereignete sich vorgestern Abend hier. Ein hiesiger Arbeiter kehrte spät Abends etwas angeheitert nach

Hause, gerieth mit seiner Frau in Streit und ergriff einen Bierkrug, den er nach derselben schleuderte. Der Bierkrug verfehlte sein Ziel und traf das im Bett liegende 8 Monate alte Kind, dem der Schädel zer. trümmert wurde. Der Tod trat sofort ein.

Frankfurt, 7. August. Von einem Flurschütze« wurden gestern auf der großen Wiese bei Eschersheim ein feingekleidcter Herr und eine Dame beobachtet, die sich zankten und nach längerem Auf- und Abgehen plötz­lich dem Ufer der Nidda zuschritten, in das Wasser sprangen und in den Wellen verschwanden. Die Nach- forschungen nach den beiden Leichen in der Nidda sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Den Vorgang haben: außer dem Flurschützen noch mehrere Personen mit an­gesehen, die übereinstimmend bekunden, daß der Mann L und die Frauensperson sich längere Zeit in der Nähe des Ufers herumgezankt hätten; schließlich habe der Mann seine Gegnerin in das Wasser gestoßen, diese habe sich aber an ihm festgehalten und beim Sturz in die Nied ihn mit sich gerissen. Die Staatsanwalt­schaft des Landgerichts Göttingen hatte gegen den Bürgermeister Girth in Torgau Anklage wegen Ver­gehens im Amte, begangen in seiner früheren Stellung als Rechtsanwalt in Uslar, erhoben, und die Regierung den Bürgermeister dann daraufhin vom Amte suspendirl, Girth flüchtete in die Schweiz, wo man ihn verhaftete' Seine Frau, die die Absicht hatte, ihm zu folgen^ wurde in der Nacht auf Freitag in einem Hotel am Bahnhof in Haft genommen. Sie soll, derFrkf. Z." zufolge, eine bedeutende Summe baaren Geldes bei sich geführt haben.

Frankfurt a. M., 9. August. Die im Anschluß an die Allgemeine Rosen-, Blumen- und Pflanzen-Aus- stellung hier stattfindende größere Obst-Ausstellung für ganz Deutschland wird die Tage vom 1.10. Oktober umfassen. Die besonderen Programme für diese Obst. Ausstellung sind fertig gestellt und nebst Anmeldescheine durch dieGeschäftsstelle der Frankfurter Obst-Aus- stellung 1897 in Fnedberg in Hessen" zu erhalten. Anmeldungen müssen bis 15. September an die Ge- schäfttsstelle gerichtet werden. Für frisches und conser- virtes Obst sind 495 Preise, für Obstbäume 48, für Maschinen und Geräthe zur Obstverwerthung rc. 60, für Litteratur und Lehrmittel 16, zusammen 619 Preise vorgesehen. Da die Anmeldungen zur Ausstellung be­reits zahlreich eingelaufen sind und erwartet werden darf, daß aus den verschiedensten Gegenden noch stärkere Betheiligung stattfinden wird, ist die Aussicht auf eine der reichsten Obst-Ausstellungen die denkbar günstigste. f Wiesbaden, 8. August. Beim Aufgießen von Pe< ' troleum auf ein Heerdfeuer verunglückte gestern die drei- zehnjährige Tochter des hiesigen Gastwirths Garth. Sie trug so schwere Verletzungen davon, daß sie heute Morgen denselben erlag.

Dillenburg, 9. August. Im benachbarten Ritters­hausen erschoß auf der Jagd der Landwirth Lampke ver­sehentlich den Jäger Hiebke aus Hainichen. Lampke hatte Hiebke für einen Wilddieb gehalten.

Das Heirathsgesuch.

Berliner Gerichtsseene.

Bei Ihren Vorstrafen sollten Sie sich doch be­sonders hüten, sich auf das Gebiet des HeirathsschwindelS zu begeben," meinte der Vorsitzende zu dem 45jährigen, des Betruges angeklagten Cigarrenmacher B., einem Manne, der auf der Anklagebank eine möglichst heraus­fordernde Positur einnahm.

Angeklagter: Vorstrafen? Det ick nich wüßte. Vorsitzender: Ach, verstellen Sie sich doch nicht, ich werde sie Ihnen gleich vorhallen.

Nachdem dies geschehen, äußert sich der Angeklagte folgendermaßen: Nun ja, et mag wohl stimmen, aber Sie werden woll ooch jeden Dag in die Blätter jelesen haben, bet Eener unschuldig verurdeelt worden is. Wenn ick bet Jeld zu'n Verlheidijer jehabt hätte, wer weeß, wie bet jekommen wäre.

Vorsitzender: Dann werden Sie jetzt auch wohl wieder Ihre Schuld beftreiten? Angeklagter! Ick bleibe dabei, bet ick ihr heiralhen wollte, objleich sie mir in verschiedene Punkte nich paßte, un denn is et keen Bedrug nich.

Vorsitzender: Sie durften über Ihre Verhältnisse aber keine falschen Angaben machen. Angeklagter: Ick möchte woll Denjenijen sehen, der in solchen Ver­hältnissen immer die reene Wahrheit sagt. Sind denn falsche Zähne nich ooch eene falsche Vorspielung? Un sie hat welche. Ick will aber vorläufig jar mscht sagen, erst will ick ihr sprechen lassen, die olle Schaute hat ja schon wieder eenen andern Bräulijam, den sie sojar mitjebracht hat. Sie meente ja draußen us'n Flur zu ihm, sie wollte mir inseefen, bet ick mein blauet Wunder erleben sollte. Da bin ick denn doch neujierig.

Vorsitzende: Wenn Sie sich nicht auslassen wollen, so kann Sie Niemand dazu zwingen, wir werden dann sofort die Zeugin hören.

Eine kräftige gebaute Frau betritt, hochroth im Ge­sicht, den Saal. In der Hand hält sie mehrere Zeitungen und Schriftstücke.Uf diesen Oogenblick habe ick mir ordentlich jefreut," meint sie ^nn soll et doch mal an'l Dageslicht kommen, mit welchs