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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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32 5 6. Mittwoch, den 14. Juli 1897. 48. Jahrgang.
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°uf die „Schlüchterner Zeitung" jPtpttUUIlyvil werden noch fortwährend von qllen Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Aus Odde wird unterm 11. Juli gemeldet: Heute wurde Se. Majestät der Kaiser nach dem Gottesdienst beim Spaziergang an Deck von niederfallendem Mastbezug getroffen; ein an diesem befindlicher Strick schlug mit solcher Heftigkeit gegen das linke Auge Se. Majestät, daß ein mäßiger Bluterguß in die vordere Augenkammer eingetreten ist. Sr. Majestät wurde sofort ein Schutzverband angelegt. Schmerzen sind nicht vorhanden.
— Auf Grund der nunmehr vorliegenden Nachrichten aus Deutsch-Südwestafrika läßt sich jetzt erkennen, daß die Rindviehpest am schlimmsten unter den Herero wüthet, während die Ansiedler bislang noch so leidlich fortgekommen sind. Aber trotzdem haben die Farmer um Windhoek mit wenig Ausnahmen große Verluste gehabt, so mußten auf Hohenwarte von 185 Rindern 153 verscharrt werden, auf einer Nachbarfarm von 800 Stück 120, und ein anderer Farmer behielt von 120 Stück nur ein einziges übrig. Wenn man das Stück Rindvieh nur zu 60 Mark ansetzt, so kann man sich leicht ausrechnen, welche Verluste trotz der Entschädigung die Farmer haben, die auch sonst mit anderen Viehkrankheiten zu kämpfen haben. Die Ziffern über die Verluste unter den Damaras schwanken, man spricht von einem Verlust von 15,000 bis 30,000 Stück Vieh. Kahimemas Gebiet war nach den letzten Mittheilungen noch frei, auch k der Beiweg noch offen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wenn letzterer gesperrt wird und der Verkehr unterbunden sein wird, da Niemand seine Ochsen riskiren will. Man kann infolge dessen keine Güter, landwirth- schaftliche Maschinen rc. von Swatopmund kommen lassen. Wenn nun auch ein gewisser Ersatz durch Maulesel geschaffen worden ist, so werden die an und für sich schon enorm hohen Frachtsätze nur noch höher werden, und dem Landwirth wird vollends die Möglichkeit genommen, an den Ausbau seiner Farm zu gehen.
— Die wirthschaftliche Bedeutung des 50-Pfennig- Portos. Gegenüber dem von der „Kreuzztg." entworfenen Postprogramm ist es von Interesse, die Ansicht des Unterstaatssekretärs Fischer über einen der Hauptpunkte dieses Programms zu hören. Dr. Fischer hat sich in einer Abhandlung über das Postwesen im Handwörterbuch für Staatswissenschaften über die wirthschaftliche Bedeutung des 50-Pfennig-Portos wie folgt ausgelassen: Begünstigt durch den Einheitstarif von 50 Pfennig für Packele bis 5 Kilg. ohne Unterschied der Entfernung hat sich durch den Päckereidienst der Reichspost für viele Gewerbs- und Produktionszweige ein unmittelbarer Verkehr zwischen Produzenten und Konsumenten entwickelt, der früher durch Zwischenhändler in unnöthiger Weise erschwert und vertheuert wurde; viele Gegenstände, die am Ort ihres Entstehens gar nicht oder nur zu geringem Preise verwendbar waren, können jetzt gegen billige Gebühren an Orte gelangen, wo sie einen weitaus höheren Werth haben und bilden seitdem einen lohnenden Er- werbSzweig für die Heimath. Der Kleinpäckereiverkehr der Post greift aber auch in die Produktion anregend ein, indem er den Versandt von Rohstoffen für Hausindustrien der Stickerei und Weberei, von Muster- und Probesendungen an Fabriken und dergl. zu billigen Sätzen und unter Einhaltung der erforderlichen Be- sörderungsfristen ermöglicht.
— Die oft gerügte Korbwaarenarbeit in den Gefängnissen geht ihrem Ende entgegen. Die Arbeitsverträge über Korbwaaren, welche am 1. Oktober in verschiedenen Gefängnissen ablaufen, sind zu diesem Ter- win gekündigt worden. An Stelle der Korbwaaren- arbcit werden andere Arbeiten treten.
Trier, 8. Juli. Die Bewohner des Hochwaldes Und der Saargegend wurden seit einer Reihe von Jahren durch eine große Anzahl von Raubanfällen und verwegenen Einbruchsdiebstühlen, die sämmtlich mit außerordentlicher Kühnheit ausgeführt wurden, in große Aufregung versetzt. Die Gleichartigkeit der Ausführung der k Verbrechen ließ auf eine wohlorganisirte, weitverzweigte Räuberbande schließen, die zu ihrem Mittel- und Ausgangspunkte das Hochwaldsdorf Steinberg und zu ihrem Hauptmann den verwegenen alten Zuchthäusler Johann I
Anslaud.
Kopenhagen, 12. Juli. Um Mitternacht fuhr in dem benachbarten Bahnhof Gjentofteder der Helsingoerer Schnellzug aus den dort haltenden Passagierzug; 8 Wagen wurden zertrümmert, wobei 40 Personen getödtet und 60 verwundet wurden.
Einer Meldung des „Standard" aus Konstantinopel zufolge hat der Ministerrath am Montag einen Bericht ausgearbeitet, in welchen angesichts der Unmöglichkeit, über die Friedensbedingungen durch die Vermittlung Europas mit Griechenland einig zu werden, empfohlen wird, nach Ablauf einer Woche die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen. — Nach einer Meldung der „Times" aus Athen sind dort Berichte eingegangen, daß die Türken große Truppenkörper in Domokos concentriren und daß dort verschiedene Bataillone von Larissa und anderen Orten her eingetroffen sind. In Velestinos werden in Eile Besestigungswerke angelegt.
Egypten. Die Stellung der Engländer in Egypten
Wagner, im Volksmunde kurz der „Berghäns" oder „Petarvetter" genannt, hatte. Nach und nach gelang es, einige Komplicen aus der gefürchteten Gesellschaft dingfest zu machen und sie der Gerechtigkeit zu überliefern, aber alle Mühe, des kühnen Räuberhauptmannes, auf dessen Ergreifung eine Prämie von 500 Mark festgesetzt war, habhaft zu werden, war vergebens, denn die Gebirgsbewohner gewährten dem gefürchteten modernen „Schinderhannes" Unterkunft und warnten ihn vor den Nachstellungen der Gendarmen. Endlich nach vieler Mühe und langer Zeit gelang es dem Gendarmen Krischer, den verwegenen Räuber am 24. Oktober v. I. in dem Hause seines Komplicen Schommer zu verhaften und ihn ins sichere Gewahrsam zu bringen. Während dieser ganzen Woche hatte er sich nun vor dem hiesigen Schwurgericht mit zwei seiner Genossen, seiner Konkubine Frau Hilgert und dem Bergmann Koch, wegen einer ganzen Reihe von Schandthaten wie Raubanfälle, Einbruchsdiebstähle, Tödtungsversuch und Vergewaltigung zweier überfallenen Frauen zu verantworten. Die Angeklagten leugnen jede Schuld. Die Verhandlung, zu welcher über 100 Zeugen geladen waren, nahm vier volle Tage in Anspruch und endete mit der Verurtheil- ung der Beschuldigten. Der Hauptangeklagte wurde zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren, Frau Hilgert zu 5 Jahren und der Bergmann Koch zu 4 Jahren Zuchthaus verurtheilt.
Pirna. Ein Geldbrief mit 51,000 Mk. an die Sächsische Bank in Dresden, aufgegeben von der Landsparkaffe beim Kaiserlichen Postamt in Pirna, war verschwunden. Der Unterschlagung verdächtig war der Oberpostassistent Vogel, welcher am Tage des Verschwindens einen Urlaub angetreten hatte. Nun kommt aus Budapest die Nachricht, daß der Vogel daselbst eingefangen wurde. Die ganze Summe wurde bis auf 116 Mark bei ihm vorgefunden.
— Die furchtbare Explosion in der Kromer'schen Zünderfabrik in Aschaffenburg, eine Katastrophe, bei der elf Mädchen das Leben verloren und drei weitere sowie ein Fuhrmann schwere Verletzungen davontrugen, kam dieser Tage vor der Strafkammer zur Verhandlung. Die Anklage richtete sich gegen den Besitzer der Fabrik Robert Kromer, und zwar: 1. wegen mehrfachen Vergehens der fahrlässigen Tödtung, 2. wegen mehrfachen Vergehens der fahrlässigen Körperverletzung, 3. wegen Vergehens des gemeingefährlichen Gebrauchs von Sprengstoffen. Der Angeklagte scheint von vornherein schwer belastet, da schwere Verfehlungen gegen die Sicherheitsvorschriften vorliegen. Es stellte sich heraus, daß Kromer wahrscheinlich gar keine Konzession für seinen gefährlicheu Geschäftsbetrieb besaß. Der Staatsanwalt ließ sofort um Auskunft beim Magistrat nachsuchen, was jedoch kein Ergebniß lieferte. Hierauf beantragte der Staatsanwalt Ausdehnung der Anklage auf konzessionslose Herstellung von Sprengstoffen. Der Gerichtshof vertagte die Verhandlung bis zur Feststellung der Sachlage, also wahrscheinlich bis nach den Gerichtsserien.
Untersteinach, 6. Juli. Im nahen Kupferberg trug sich heute Vormittag ein schreckliches Unglück zu. Der Geschäftsführer des Bergwerks, Nicolodi (ein Italiener) wollte, so geht das Gerücht, Dynamit zum Bergwerk tragen. Auf dem Wege kam er zu Fall und das Dynamit cxplodirte. Nicolodi wurde nach den „M. N. N." bis zur Unkenntlichkeit in Stücke zerrissen.
hat insofern mit der Situation in Indien große Aehn- lichkeit, als sie eben nur auf der Spitze der Bajonette balancirt und die gestimmte einheimische Bevölkerung sich der englischen Occupation gegenüber strikte ablehnend verhält. Es kann auch kaum anders sein, da England sich alle die Jahre hindurch nicht die geringste Mühe gegeben hat, sich der Sympathien der einheimischen Bevölkerung zu versichern, im Gegentheil zeigt sich nur zu häufig, wie wenig sich der Engländer darum kümmert, was in Herz und Sinn der Egypter vergeht. Das Programm der englischen Occupationspolitik scheint nach dem Muster des: Mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten! zugeschnitten. Ein charakteristischer Zwischen- fall, der für das Verhältniß der Occupationstruppen zu den einheimischen bezeichnend ist, ereignete sich vor nicht gar langer Zeit in Alexandrien in der dortigen Ras-el-Tin Kaserne. Dort war ein Soldat des Warwikshirer Regiments am offenen Fenster mit Ge- wehrputzen beschäftigt. Ganz gegen alle Dienstvorschrift hatte er ein paar scharfe Patronen in seinem Besitz. Nun geschah es, daß ein Araberjunge von draußen mit Steinen nach dem Soldaten warf, was diesen so ergrimmte, daß er sein Gewehr lud und den Jungen kaltblütig erschoß. Pro forma vor eine Militärjury gestellt, ward der Mörder, wie die „Berl. Börsenztg." meldet, einstimmig freigesprochen. Man kann denken, mit welchen Empfindungen dieses Vorkommniß und die Freisprechung des Mörders von der öffentlichen Meinung ausgenommen wurde. Aber dergleichen läßt das Englische Occupations- regime äußerst kalt. Die Truppen sind in Egypten nicht um moralische Eroberungen zu machen, sondern weil England Egypten für seine politische Weltmacht- stellung gebraucht. Nicht anders wird auch das Vorrücken gegen den Sudan motivirt. England dehnt seine Herrschaft Nilaufwärts aus, so weit es nur immer kommen kann, wohl wissend, daß jede Erorberung es seinem letzten Ziele, der Begründung eines „Groß-Jndien in Afrika", um einen Schritt näher bringt.
New-Aork, 7. Juli. Von allen Seiten laufen Meldungen über außergewöhnliche Hitze ein. In Canada herrscht dieselbe seit 3 Tagen. In Ottawa wurden gestern fast 29 Grad Räaumur erreicht. Aus Chicago, Detroit, Louisville, Cincinatti und anderen Orten des Westens werden zahlreiche Todesfälle gemeldet. In verschiedenen Städten ist die Hitze auf 33° R. gestiegen. — Zu Jamestown in Kansas sind bei den letzten Wahlen sämmtliche Aemter vom Mayor abwärts mit Frauen besetzt worden. Sowie Letztere die Gewalt in Händen hatten, waren selbstverständlich ihre ersten Maßregeln auf die Hebung der Moral unter den Männern gerichtet und ebenso selbstverständlich galt es in erster Linie den Spielsalons. Die zarten Beherrscherinnen der Stadt hielten sich aber nicht erst lange mit Schaffung von Strafparagraphen auf. Mit Aexten, Beilen und Hämmern gewappnet, brachen sie am vergangenen Freitag spät Abends in einen der bekanntesten Salons ein. Das stärkere Geschlecht räumte schleunigst das Feld und unter dem Jubel der durch die Fenster zuschauenden Menge wurde die gesammte Einrichtung des Salons in ihre einzelnen Bestandtheile zerlegt, sowie die in Menge vorhandenen Bier- und Whisky-Fässer in die Gosse geleert. Letztere Maßregel hatte allerdings die unbeabsichtigte Folge, daß sich der zuschauende Mob gröblich betrank und es nicht an weiteren Exzessen fehlen ließ.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 13. Juli.
* — Der Militäranwärter, Hilfsgerichtsdiener Manns beim hiesigen Amtsgericht ist vom 1. August ab als Hilfsgerichtsdiener an's Amtsgericht zu Cassel versetzt worden«
* — Der neugeweihte Priester Herr Ludwig Nüdling aus Poppenhausen v. d. Rhön ist vom 1. August ab als Assistent an der Rettungsanstalt in Sannerz, Kreis Schlüchtern, bestellt und wird auch von da ab den sonn- und festtäglichen Gottesdienst in Schlüchtern besorgen.
* — Der hochwürdigste Herr Bischof von Fulda wird, nachdem er vom 10. —12. in Ulmbach und gestern in Hauswurz gesinnt, am 15., 16. und 17. in Flieden, sowie am 18. in Rückers die hl. Firmung ertheilen.
* — In Rochester, N.-A., starb vor Kurzem der am 19. Februar 1823 zu Steinau geborene Georg Knobloch im Alter von 74 Jahren an Altersschwäche,