Mieten erhalten hat, nicht von ihm herrühre; wahrscheinlich sei noch ein zweites Messer im Spiel gewesen, denn auch er sei im Schenkel verwundet worden. — Die von den Sachverständigen abgegebenen Erklärungen gehen dahin, daß der Stich im Rücken in die Lunge eingedrungen ist und einen enormen Blutverlust herbeigeführt habe. Diese Verwundung sei jedoch in vorliegendem Falle nicht die tödtliche gewesen. Als Ursache des so plötzlich eingetretenen Todes sei der Stich in die Brust anzusehen, der das Brustbein durchbohrte und ca. 1,4 Ctm. in das Herz eindrang. Das mit voller Wucht und großer Menge in den Herzbeutel einströmende Blut habe dann eine Drucklähmung herbeigeführt, die den sofortigen Tod zur Folge haben mußte. — Die Geschworenen verneinten die erste Schuldsrage bezüglich der Körperverletzung des Nicolaus K-, bejahten dagegen die zweite und dritte, welche auf vorsätzliche Körperverletzung mittelst gefährlichen Werkzeuges und zwar eines Messers, sowie daraus resultirendem Tode lautet, und erkennen gleichzeitig auf mildernde Umstände. Creß wird zu drei Jahren Gefängniß unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft verurtheilt.
r. — Vor der Strafkammer in Hanau hatte sich am Montag ein schon oft mit dem Strafgesetz auch in Conflik gekommener Mensch Namens Feipel aus Giebelsbach, zu veranworten, der im November v. I. auf dem Stumm- schen Gute bei Vollmerz einen Ochsen gestohlen hatte, Sein ganzes Bestreben scheint auf Diebstähle, namentlich Viehdiebstähle gerichtet zu sein. In Würzburg erhielt er im März auf 27 verschiedene Diebstähle 8 Jahre Zuchthaus, zu welchem er jetzt hier noch 1 Jahr hinzubekommen hat. — Am 28. Juni betrat die Anklagebank der früher in Burghaun stationirt gewesene Postgehilfe Grösch wegen der Beschuldigung, Gelder im Amte unterschlagen zu haben. Nach seiner eigenen Angabe hatte er in etwa 20 Fällen Gelder veruntreut, jedoch konnte ein genauer Nachweis nicht mehr geführt werden, so daß nur 8 Fälle unter Anklage standen. Die Gesammt- summe beträgt ca. 750 Mk. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage unter Annahme mildernder Umstände. Das Urtheil lautet auf 1 Jahr Gefängniß unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft.
♦ — Die Radfahrer seien eindringlich gewarnt, ihre Maschinen längere Zeit in der Sonne stehen zu lassen. Die in den Reifen eingeschlossene Luft erhitzt sich beim Ruhigstehen unter der Gluth der Sonnenstrahlen derartig daß sie sich ganz beträchtlich ausdehnt und im Stande ist, den Pneumatik zu zersprengen, namentlich wenn der Reifen schon vorher vollgepumpt war.
* — Die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel betrugen in der preußischen Monarchie im Mai 1897: für 1000 Kilogramm Weizen 156 (im April 1897 154) Mk., Roggen 115 (115) Mk , Gerste 126 (126) Mk., Hafer 130 (128) Mk., Kocherbsen 205 (206) Mk., Speisebohnen 264 (265) Mk., Linsen 406 (408) Mk., Eßkartoffeln 48,9 (47,7) Mk., Richtstroh 44,4 (42,9) Mk., Heu 49,5 (58,5) Mk., Rindfleisch im Großhandel 1031 (1035); für ein Kilogramm Rindfleisch von der Keule im Kleinhandel 133 (134) Pfg., Dom Bauch 112 (113) Pig., Schweinefleisch 128 (127) Pfg., Kalbfleisch 123 (123) Pfg., Hammelfleisch 123 (122) Pfg., inländischer geräucherter Speck 146 (146) Pfennig, Eßbuttcr 219 (255) Pfg., inländisches Schweineschmalz 150 (150) Pfg., Weizenmehl 29 (29) Pfg^, Roggenmehl 23 (23) Pfg.; für ein Schock Eier 277 (294) Pfennig.
Tau« an der Rhön, 23. Juni. Seine Majestät der Kaiser hat zur Errichtung eines General v. d. Tann-Denkmals 1000 Mk. gespendet. Es ist im Ganzen schon eine recht beträchtliche Summe eingegangen.
Bebra, 25. Juni. Heute Nachmittag ist bei dem Orte Hoenebach an der Strecke Bebra-Elsenach ein furchtbares Unwetter niedergegangen. Der Hagel lag handhoch und die Korn-Ernte der ganzen Flur, soweit das Auge reicht, ist vernichtet. Aecker, Wiesen und Wege sind auf gerissen, der Boden fortgeschlemmt. Glücklicherweise war die Heuernte größtentheils beendet. Viele Bäume stehen ganz entlaubt da und die ganze Gegend bietet ein trauriges Bild der Verwüstung.
Homburg. Für die am 4. September ds. Js. südöstlich Homburg v. d. H. in dem Dreieck Nieder- Eschbach—Nieder- u. Ober-Erlenbach stattfindende Kaiserparade über das 11. Armeekorps ist der Bau einer Zuschauertribüne unmittelbar östlich Nieder-Eschbach in Aussicht genommen. Dadurch ist es dem Publikum ermöglicht, dieses militärische Schauspiel aus nächster Nähe zu beobachten. Außerhalb der Tribüne befindliche Zuschauer werden, da das ohnehin schon in Folge der großen Zahl der in Parade stehenden Truppen sehr beengte Paradefeld für die Bewegungen der letzteren freigehalten werden muß, voraussichtlich nur wenig von der Parade zu sehen in der Lage sein. Wagen wird der Aufenthalt auf dem Paradefeld, des beschränkten Raumes wegen, jedenfalls nicht gestattet werden können, sondern nur die Anfahrt zur Tribüne, hinter der ein Platz für das Parkiren der leeren Wagen vorgesehen ist.
Heuernte und Heupreise!
Die Heuernte ist im vollen Gange und wenn die glühende Hitze noch einige Tage anhält, wird bald die letzte Fuhre geerntet sein. Ich höre, die Heuaufkäufer und Viehhändler bieten für den Centner 1 Mk. 30 Pfg. bis 1 Mk. 80 Pfg. und erhalten zu diesem Preis das Heu auch frei Hof geliefert.
Dieser niedrige Preis entspricht nicht annähernd dem Werth des Heues, denn im Verhältniß zu den Preisen aller anderen Futtermittel hat der Centner gut geernteten Heues von besseren Wiesenlagen einen Nährwerth von 3—4 Mk., von geringeren Wiesenklassen 2'/2 bis 3 Mark. Wer also Heu zu 1 Mk. 30 Pfg. bis 1 Mk. 80 Pfg. verkauft, schenkt dem Käufer durchschnittlich eine Mark ä Centner.
Die Landwirthe, ob Klein- oder Großbauern, haben aber nichts zu verschenken und wenn nun gar die Wetterpropheten Recht behalten sollten, daß für diesen Sommer die große Hitze weiter anhält, wird die Grummeternte gleich Null sein und das Sommergetreide in Halm und Korn sehr knapp werden, und nun gar das Jahr 1898 soll an Trockenheit 1893 noch bedeutend übertreffen.
Die Wetterpropheten haben ja nicht immer recht und sind solche gewiß niemals in der Lage, das Wetter auf längere Zeit vorauszusagen, aber die Jahre 1892 und 1893 mahnen zur Vorsicht. Der liebe Gott hat die gute Heuernte nicht bescheert, um das Heu nun zu verschleudern, sondern es soll solches gesammelt werden in die Scheunen und Böden für künftige Zeiten.
Der Großhandel macht das anders.
Die großen Fruchthändler in Berlin streiken, weil sie sich die Mitwirkung von Landwirthen bei Festsetzung der Marktpreise für Getreide nicht gefallen lassen wollen.
Mais, in Amerika schlecht geerntet, war im Preise sehr gefallen, jetzt wo der Ausfall der Haferernte noch ungewiß ist, wird derselbe wieder in die Höhe getrieben und so geht es mit allen Artikeln, welche der Landmann kauft. X.
Mitbürger!
Wie allbekannt, wird in unserer Stadt am 3., 4. und 5. Juli das Gauturnfest des Ober-Fulda-Gaues gefeiert. Es ist nicht daS erste Fest, das in den Mauern
unseres freundlichen Kinzigstädtchens abgehalten wird. Schon manche festliche Veranstaltung der verschiedensten Art hat Schlüchtern gesehen und alle, deß können wir uns wohl rühmen, haben einen solchen Verlauf genommen, daß sämimliche Besucher von Stadt und Land voll befriedigt von denselben -heimkehrten. Daß dieses aber der Fall sein konnte, hatte stets seine tiefere Ursache in den warmen Sympathien, die solchen Festlichkeiten seitens der Bürgerschaft in reichem Maße entgegengebracht wurden. Ueberall war man bestrebt, sein möglichstes zu thun, um nach Kräften zu einem rechten Gelingen bei- zutragen. Ein herzlicher Gruß, ein freundlicher Empfang und eine gastfreie Aufnahme sind es, die Schlüch- terns Bürgerschaft ihren Gästen bot.
Auch jetzt haben wir wieder Gelegenheit, diese rechten echten Bürgertugenden auszuüben. Darum ergeht an jedermann die inständigste Bitte, auch diesmal nichts versäumen zu wollen, was Schlüchtern seines Rufes der Gastfreundlichkeit und Gemüthlichkeit entkleiden könnte. Freundlich geschmückte Häuser und reichbeflaggte Straßen, sie erhöhen gleich von vornherein die Festesstimmung und tragen außerordentlich viel zu einem guten Gelingenbei. Natürlich darf dabei das Herz nicht kalt bleiben. Freundliches Entgegenkommen erzeugt wieder Entgegenkommen, und liebevolle Aufnahme erweckt dankbare Gefühle des Herzens, die noch lange in unseren Gästen eine angenehme Erinnerung zurücklassen werden.
In der festen Zuversicht, daß Schlüchterns Bürger dies nicht unterlassen und alles aufbieten werden, um auch unserm Gauturnfest zu einem rechten Gelingen zu verhelfen, rufen wir Ihnen ein frisch-fröhlich-frommfreies „Gut Heil!" zu. Der Fest-Ausschuß.
Vermischtes.
— Schlechte Entschuldigung. A.: „Wie kommt es eigentlich, Herr Oberlehrer, daß Ihre Nase stets so furchtbar roth ist." B: „Kein Wunder, wenn einen die verflixten Bengcls fortwährend darauf herumtanzen!"
— Unter Lehrlingen. „Sag' mal, August, warum bist Du aus Deinem bisherigen Dienste getreten?" -- „Weil der Meister mir zu viel und die Meisterin zu wenig auftrug."
Markt- und Haudelsnachrichteu.
Frankfurt, 28. Juni. Der heutige Viehmarkt war mit 484 Ochsen, 44 Bullen, 625 Kühen, Stieren und Rindern, 250 üalberu, 221 Hämmeln u. 1332 Schweinen befahren. Die Pnise stellten sich wie folgt; Ochsen 1. Qual. Mark 64-66, 2. Qual. l2 —58, Bullen 1. Dual. 50- 52, 2. Dual. 46-4-8, Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. 53-57, 2. Qual. 46-50 Alles per 100 Pfund Schlachtgewicht. Kälber 1. Dual. 62—66, Pfg 2. Dual. 50 55 Pf., Hämmel 1. Dual. 58—60 Pfg., 2. Dual. 48-54 Pfg., Schweine 1. Dual. 55 -56 Pfg., 2. Qual. 53—54 Pfg. Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Frankfurt a. M., 28. Juni. Hiesiger Weizen 16,50— 16,75 Hiesiger Roggen 12,00-12,25 Russischer 12,00-12,25 Hiesige Gerste 1*00-15,50, Pfälzer 15,00 15,50 Hafer je nach Qualität hiesiger 12,75-13,75 Mark Alles per 100 Kilo
Fulda, 26. Juni. Der heutige Schweinemarkt war mit 24 Läufern und 200 Ferkeln betrieben. Läufer 28 bis — Mark Ferkel 15 bis — Mark per Stück.
Verfälschte schwarze Seide""“^
man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, »erloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die Seldenfabrik G. Henneverg (k. u. k. Hoslief.) Zürich versendet gern Muster von ihre» ächten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und steuerfrei ins Haus.
[T Nachdruck unserer Inserate ist nicht gestattet und wird gerichtlich verfolgt. ^U
In unser Handelsregister ist heute unter Nr. 25 zu der Firma „Fix und Traxel, Diamantschleiferei in Sieinau" folgende Veränderung eingetragen worden:
Iohauues Traxel ist aus der Gesellschaft ausgetreten,
Heinrich Wilhelm Fix führt als alleiniger Inhaber das Geschäft unter der früheren Firma weiter, laut Anmeldung vom 17. Juni 1897.
Steinau, den 21. Juni 1897.
Königliches Amtsgericht.
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Perding.
Montag, den 3. Juli, Morgens 10 Uhr, soll die Ueberbrückung des sogenannten Gäulwassers zu Wallroth im Submissionswege vergeben werden.
Grundriß und Kostenanschlag liegen in der Bürgermeisterei zu Jedermanns Einsicht offen.
Wallroth, am 29. Juni 1897.
Der Bürgermeister:
__________ Herzog.
„Delicia“ W
Rattenkuchen H todten schnell und sicher Mäuse, H Ratten und andere Nager. Men- W sehen, Hausthieren u. Geflügel S unschädlich. Man verlange aus- 8 drücklich Delicia Rattenkuchen. K Dos. 0,50, 1,00 und 1,50, in der H Apotheke in Freiensteinau. D
Rechnungsformulare zu haben in der Druckerei d. Bl.
Cranturofest, ScMüelitera.
An die geehrten Einwohner hiesiger Stadt ergeht die herzlichste Bitte, bei Gelegenheit des Gauturnfestes am 3., 4. und 5. Juli ihre Häuser, besonders in denjenigen Straßen, durch welche der Festzug geht, durch Fahnen und Guirlanden schmücken zu wollen.
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