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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 16. Juni 1897

48. Jahrgang.

falls Sie dieEchlüchteruer Zeitung" bisher durch die Post bezw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement aus dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zii wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 30. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchliichterner Zeitung."

Amtliches.

J.-Nr. 4248. Auf Antrag des landwirthschaftlichen Kreisvereins habe ich beschlossen, zur Erleichterung der allgemeinen Einführung der Tuberkulin-Jmpfung sowie der Schweineimpfung gegen Rothlauf im Kreise eine

an den Militärfirkus zwecks Vergrößerung des Lock- ftccfer Lagers verkauft und jetzt die Kaufsumme, die durchschnittlich 11001200 Mk. für den Hektar beträgt, ansbezahlt erhalten. Zehn kleinere Besitzer der Ort­schaft Riddcrs, die insgesammt noch über etwa 600 Hektar verfügen, haben sich mit dem Militärfiskus nicht

Anzahl öffenlicher vereidigter Jmpfbeamten thunlichst aus . _

der Zahl der Trichinenbeschauer ausbilden zu lassender den Preis einigen können, und deshalb ist ein

und anzustellen. Hierzu geeignete Persönlichkeiten, welche geneigt sind, das Amt zu übernehmen, wollen sich bei mir schriftlich bis zum 1. Juli d. I. melden.

Schlüchtern, den 10. Juni 1897.

Der Königliche Landrath: Roth.

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Enteignungsverfahren eingeleitet. Im nächsten Jahre dürfte voraussichtlich das ganze Dorf von der Bild-

J.-N. 2293. Dem Dienstkuecht G. Jordan aus Heiligkreuz, im Dienst des Zimmermeisters Schröder zu Schlüchtern, ist für die langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 15 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 15. Juni 1897.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

fläche verschwunden sein. Mit den Besitzern in der Ortschaft Schvifelt ist theilweise eine Einigung erzielt, theilweise wird das Enteignungsverfahren angewendet.

Rosdciu. Die Erdsenkungen dauern jetzt infolge großer Ueberschwemmungen fort, wodurch die Lage ernster geworden ist. 150 Pioniere sind aus Neiße zur Hilfe­leistung eingetroffen. Die Kreiswasserleitung erlitt mehrfache Sprünge. Das Wasser des Ravaflusses wird durch einen neuerrichteten Damm zurückgedrängt.

Aus Hinterpommern wird demBerl. Tagebl."

Deutsches Reich.

Berlin. Bei den kaiserlichen Majestäten fand ant Freitag Abend ein Kostümfest statt. Besonders der Kaiser war in vorzüglicher Laune und gab durch seinen Humor den Anlaß zu einem fröhlichen gesellschaftlichen Treiben. Die Musik stellte das Regiment der Gardes du Korps. Die Kaiserin besuchte am Sonnabend das katholische Josefs-Krankenhaus und ertheilte später im Berliner Schlosse Audienzen. Prinz Heinrich von Preußen hat am Sonnabend an Bord des Kreuzers König Wilhelm" die Reise nach England angetreten.

Wie dieFr. Ztg." meldet hat der Polizei­präsident von Berlin v. Windheim am Freitag an den Vorstand des Vereins der Berliner Getreide- und Produktenhändler S. Pincus folgende Verfügung er­lassen:Wie dem Vorstände des Vereins der Berliner Getreide- und Produktenhändler in dem Erlasse des Herrn Oberpräsidenten vom 11. Mai d. Js. mit­getheilt worden ist, tragen die von dem Vereine in dem Feenpalast regelmäßig, werktäglich, zur Börsen- zeit verunstalteten Versammlungen den Character einer Börse und bedürfen deshalb gemäß § 1 des Reichsbörsen- gesetzes vom 22. Juni 1896 der Genehmigung der Landesregierung. Da eine solche Genehmigung weder ertheilt, noch nachgesucht worden ist, so untersage ich die Fortsetzung dieser nicht genehmigten Börsenversammlung und drohe für den Fall der Zuwiderhandlung gegen diese Verfügung unmittelbaren Zwang an."

Mit einer furchtbaren Katastrophe endete Sonntag Abend die Probefahrt, welche der bekannte und kühne Luftschiffer Dr. Wölfert mit seinem lenkbaren Ballon in Begleitung seines Assistenten, des Monteurs Knabe aus Friedenau, von dem Hose des Gebäudes der Kaiserl. Luftschifferabtheilung in Tempelhof aus unternahm. Fn Höhe von etwa 1000 Metern ging das Luftschiff in Flammen auf, stürzte ab, und Dr. Wölfert sowie sein Begleiter fanden den Tod durch Verbrennen. Die Katastropfe wurde augenscheinlich durch ein falsches Funktioniren des Benzinmotors, der die Lenkbarkeit des Luftschiffes bewirken sollte, herbeigeführt. Ob nun der im Motor befindliche Benzinvorrath explodirte, oder ob die Funken aus der Maschine bis zu der ziemlich dicht über dem Motor befestigten Ballonhülle empor- schlugen und diese in Brand setzten, wird sich nicht mit Sicherheit entscheiden lassen, da der Apparat vollständig ierstört ist. 1

geschrieben: Die Wasserkraft der kleineren Hinter- pommerschen Flüsse wird von der nächsten Zeit ab in größeren Umfange zur Erzeugung von Elcctricität Ver­wendung finden. Verschiedene Städte wie Bülow und Bublitz, werden eigene Werke zur Gewinnung von Licht und Kraft anlegen, an anderen Stellen wieder, so in Fritzow an der Persante und in Leppin an der SZega, haben sich Genossenschaften gebildet, um von einer Cen- trale aus die Umgegend mit Eleciricitüt zu versorgen. So werden mit der Centrale in Friyow 55 Ortschaften und Güter, darunter die Städte Belgard und Körlin, verbunden werden. Ferner werden mehrere Etablisse­ments in Kolberg und der Leuchtthurm Funkenhagen von dort ihr Licht erhalten. Die zweite Centrale in Lcbbin umschließt ein Gebiet von rund 25 Kilometern im Halbmesser. Hier finden 7 Städte, Greifenberg, Treplow, Plaihe, Naugard, Kammin, Labes und Gülzow und nicht weniger als 150 Güter Anschluß. In land­wirthschaftlichen Kreisen setzt man große Hoffnungen auf die hier zum erstenmal in größerem Umfange durch­geführte Verwerthung elctrischer Kraft im landwirthschaft­lichen Betriebe.

Marburg, 12. Juni. Hier tritt die Dohlen- nnd Spatzenplage stark auf; die Polizei hat sich deshalb ver­anlaßt gesehen, für einen Dohlen- oder Krähenkopf 10, für einen (ganzen) Sperling 5 Pfg. auszusetzen.

Aachen, 13. Juni. Heute Nachmittag wurden hier zwei Spinnereien, zwei Webereien, eine Tuchfabrik und eine Gießerei durch Feuer zerstört. Der Schaden wird auf zwei Millionen Mt. geschätzt.

Trier. Der Maximiner Klosterschatz. Zu den neuer­dings vorgenommenen Schatzgrabungen in dem ehemaligen Moximiner-Kloster bei Trier schreibt dieKöln. Vztg.": Bis zum Ende vorigen Jahrhunderts bestand in Trier das Maximiner-Kloster. Dasselbe besaß ungeheuer große Reichthümer, so daß es als daS reichste der Welt galt. , Unter der Gewaltherrschaft deS stolzen Napoleon wurden > in Trier sämmtliche Klöster aufgehoben. Wie die meisten 1 o vergruben auch die Mönche des genannten Klosters hre sämmtlichen Werthsachen. Der Werth derselben, so

wieder nach obiger Art aus dem unterirdischen Raume geführt. Dieser Maurer lebte noch bis gegen die Mitte dieses Jahrhunderts und hat auch dem aus Trier stam­menden Elberfelder Schatzgräber wie oben berichtet» lieber den Ort, an welchem er seine geheime Arbeit ver­richtet hat, konnte er jedoch nichts angeben. Zu da­maliger Zeit lebte in demselben Kloster ein Verwandter des Elberfelder Herrn. Dieser machte, als Jemand aus der Familie von demselben Abschied nahm, ganz be­stimmte Angaben über das stattgefundene Vergraben und den Ort, an welchem die fraglichen Schätze liegen, bat jedoch inständigst, von dem Mitgetheilten keinen Ge­brauch zu machen, bis es unzweifelhaft sei, daß keiner der Mönche mehr lebe, denn lebte ein solcher, so war dieser ja auch immerhin der rechtmäßige Eigenthümer. So blieb denn der Ort, den der Mönch angegeben hatte, ein Geheimniß der nun nach dem Schatze grabenden Familie. Vor einem halben Jahre entschloß sich jener Herr aus Elberfeld, sein Glück zu versuchen. Die Ver­handlungen mit der Militärbehörde, welche nunmehr Eigenthümerin des früheren Klostergebäudes und der umliegenden Ländereien ist, wurden vor Kurzem (wie von uns bereits berichte!) zu Ende geführt. Daß that­sächlich in jenem Kloster oder dessen nächster Umgebung Schätze bestimmt vermuthet werden, konnte daraus er­hellen, daß viele Berufene und Unberufene ihr Glück versucht haben. Dem Elberfelder Herrn stehen die Momente günstig zur Seite, daß trotz der vielen Ver­suche an der Stelle, wo er muthet, noch Niemand nach­gegraben hat; ferner, daß die ihm vor Kurzem vorge­legten Pläne des alten Klosters manche seiner ihm ver- erbten Mittheilungen bestätigen. Trotzdem wird man sich sagen müssen, daß das ganze Unternehmen, den Schatz zu heben, mehr als ein Lotteriespiel bedeutet.

Voppard, 11. Juni. Der geistesgestörte Händler Jakobs in dem benachbarten Orte Weiler ermordete in verflossener Nacht seine Ehefrau. Der Mann war, da er anscheinend genesen, versuchsweise aus der Provinzial- Jrrenanstalt Andernuch auf einen Monat entlassen worden. Das ist der zweite derartige Fall, der sich in wenigen Tagen zugetragen hat.

Ein Königreich Israel in Palästina wollen die Juden neu aufrichten und es zu einem Zufluchtsort für alle Juden machen, die ihres Glaubens oder anderer Gründe wegen von fremden Völkern bedrängt oder ver­folgt werden. In Amerika wurde der Plan zuerst vor etwa 2 Jahren in Chicago erörtert; er hat seidem be- trächtliche Fortschritte gemacht. Das Gleiche ist in Europa der Fall, wo eine große Zusammenkunft von jüdischen Abgeordneten aus allen Theilen der Welt am 25. August d. I. in München stattfinden soll, um über die praktischen Schritte zur Ausführung des Planes zu berathen. Die Juden New-York haben das ganze Judenlhum Amerikas für den Plan aufgerufen. Der Rabbiner Mayer Kopfstein meinte, daß die Zeit für die Juden gekommen wäre, sich zu erheben und den Beweis zu bringen, daß sie der Verfolgung müde und nicht mehr gesonnen seien, unter den Nationen bloß geduldet zu werden. Palästina gehöre rechtmäßig den Hebräern und solle zurückverlangt werden. Der Rabbiner Klein sprach sich gleichfalls zu Gunsten der Gründung Neu-Jsraels aus, meinte aber, daß es einst­weilen nicht als selbständiger, von Hebräern regierter Staat aufgerichtet werden, sondern gleich Bulgarien unter der Oberherrschaft der Türkei verbleiben solle. Die Entsendung von Abgeordneten nach München wurde beschlossen.

Potsdam, 13. Juni. Der langjährige Chef des Militäikabinets des Kaisers Wilhelm L. General der Kavallerie von Albedyll, ist heute früh hier gestorben.

Aus Schleswig. Die sieben größten Besitzer der Ortschaft Rrdders haben nach derD. Tgz." nach -

heißt es noch heute im Volksmunde, soll sich nach Millionen beziffern. Eine Monstranz allein war wegen ihres Werthes und ihrer Schönheit berühmt. Seit der Aufhebung des Klosters ist aber auch diese verschwunden. Man erzählt, die Mönche hätten sich damals fünf Fuder- Fässer unfertigen lassen. In diese verbargen sie ihre Monstranzen, Kelche, die besten Meßgewänder, werth­volle Bilder, ja sogar das Geld. Dann ließen sie einen Trierer Maurermeister kommen, verbanden demselben die Augen und fuhren ihn sodann lange Zeit in einem Wagen. Als man ihm die Augen von der Hülle be­reite, stand er in einem Gewölbe vor den fünf Fuder- 'ässern. Diese mußte er alsdann vollständig einmauern.

Ausland

längen Verhandlungen ihre Ländereien (rund 530 Hektar) Nachdem er seinen Auftrag erledigt hatte, wurde er auch aufgefunden werden.

Paris, 13. Juni. Als der Präsident Faure heute Nachmittag zum Rennen in Longchamps sich begab, ab ein junger Mann einen Revolverschuß gegen den Jräfibenten ab. Niemand wurde getroffen. Eine pätere Meldung lautet: Aus den letzten Feststellungen rgiebt sich, daß auf den Präsidenten Faure nicht ein Revolverschuß abgegeben wurde, sondern, daß es sich um ein gußeisernes Rohr mit einer Pulverladung handelt, welche im Augenblicke der Vorbeifahrt des Präsidenten explodirte. Durch die Explosion wurde niemand verletzt. Neben dem Rohr fand man eine Schmähschrift gegen den Präsidenten Faure. Ein Individuum, das sich im Augenblicke der Explosion flüchtete, konnte bisher nicht