Einzelbild herunterladen
 

ZchlüchtemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 35. Samstag, den 1. Mai 1897. 48. Jahrgang.

IfbfMhwns*« "^ dieSchlüchterner Zeitung" SPUlVliMlaytH werden noch fortwährend von allen --------------------Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

dortigen Klimas entgegengehen, und dabei den Wunsch I richt entschied hierauf, daß dem Sohne als dem nun- ausgesprochen, es möge vor der deutschen Auswanderung mehrigen Eigenthümer des Anwesens das Vorrecht ge«

Deutsches Reich.

Berlin, 28. April. Sr. Majestät der Kaiser traf heute Abend 7 Uhr 15. Min. in Salzschlirf ein und fuhr von da per Wagen nach dem gräflichen Schlosse, wo er bis Samstag als Gast verweilen wird. Die Abfahrt des Kaisers von Schlitz erfolgt am Samstag den 1. Mai, Abends 9 Uhr.

Prinz Wilhelm von Baden ist am Dienstag in Karlsruhe gestorben. Er war der ältere der beiden Brüder des Großherzogs Friedrich und am 18. Dez. 1829 geboren. Prinz Wilhelm Ludwig August führte im Jahr 1866 die badische Division im Mainfeldzug und im deutsch-französischen Krieg die erste badische Jn- fanteriebrigade im Werder'schen Korps. Seit dem 22. März 1873 war er preußischer General der In­fanterie.

DieHamb. Nachrichten" erklären im Anschluß an eine buchhändlerische Anzeige, daß Fürst Bismarck Artikel für dieses Blatt überhaupt nicht verfaßt, sondern daß die Vertretung der Politik des Altreichskanzler in dem Hamburger Blatt lediglich auf Grund von Infor­mationen erfolgt, die denselben gelegentlich zu theil werden und deren Fassung selbstverständlich durch die Redaktion erfolge. Diese Erklärung ist insofern von Interesse, als dadurch die weit verbreitete Annahme zer­stört wird, als seien alle wichtigeren politischen Aus­lassungen derHamburger Nachrichten" auf die Urheber­schaft des Fürsten Bismarck zurückzuführen.

Die Verjüngung der Armee" hat wieder einmal zu zahlreichen Offizierspensionirungen geführt. Am 17. April wurden pensionirt zwei General-Majors, drei Obersten, fünf Oberstlieutenants, vierundzwanzig Majors, vierunddreißig Hauptleute und Rittmeister, sieben Premier- und sieben Sekonde-Lientenants.

Einer neueren Verfügung des Reichsmarineetats zufolge soll der Bau der Kriegsschiffe auf den kaiser­lichen Werften beschleunigt werden. Eine solche An­ordnung hat die bedenkliche Folge, daß die Zahl der Werftarbeiter vermehrt wird und später Entlassungen auf den Staatswerften eintreten müssen, wenn der Reichstag nicht mit freigebiger Hand Neubauten be­willigt. Die Danziger Werft soll den Kreuzer zweiter Klaffe derart beschleunigen, daß der Stapellauf noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen kann. Die Kielstreckung der kürzlich vom Reichstage bewilligten Kriegsfahrzeuge, des PanzersErsatz König Wilhelm" : und der KanonenbooteErsatz Iltis" undErsatz

nach Surinam im Interesse der Answandernngslustigen öffentlich gewarnt werden.

- - Eine Milliarde für die Zwecke der Arbeiter- versicherung ist während des ersten Jahrzehnts der Anwendung der verschiedenen Gesetze verausgabt worden, wie der Vorsitzende der Berliner Versicherungsanstalt, Dr. Freund, in einer soeben erschienenen Schrift darthut. Im Mittelpunkt dieser gewaltigen Summe stehen die Ausgaben für die Unfallversicherung, deren Lasten allein von der Arbeitgeberschaft aufgebracht werden müssen. Zur Zeit kann kein Land in dieser Hinsicht mit Deutsch­land einen Vergleich aushalten.

Aus Thüringen. Die Mitteldeutsche Lotterie, die in der Gründung begriffen ist, wird keine geringe Um­wälzung in deutschen Staatslotleriewcsen hervorrufen und auch die gewohnheitsmäßigen Lotteriespieler in eine gewisse Aufregung versetzen. Die Einnahmen, die den betheiligten sieben Staaten (Sachsen-Weimar, Anhalt, Altenburg, Koburg-Gotha, Meiningen, Schwarzburg- Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt) aus der Gründung zufließen, werden voraussichtlich den zehn­fachen Betrag derjenigen Summen erreichen, der bisher den betreffenden Ländern vom Königreich Sachsen für die Erlaubniß der Zulassung sächsischer Lotterieloose gezahlt worden sind. Dagegen werden die Abzüge von den Gewinnen in der neuen Lotterie sich niedriger stellen, als dies bei den königlich preußischen, den königlich sächsischen und anderen Lotterien der Fall ist. Auch soll der größtmöglichste Gewinn des entsprechenden großen Looses den in der sächsischen Lotterie noch übertreffen. Die Loose sollen als ganze, halbe, viertel und achtel Loose abgegeben werden. Das achtel Vollloos soll 25 Mk. kosten.

Rudolstadt, 20. April. Daß zwei Schriftpünktchen recht kostspielig werden können, wenn sie vergessen werden, erfuhr ein hiesiger Eisenhändler, welcher etwa 20 Clr. Eisen nach Köuitz zu liefern hatte, und dessen Kommis beim Ausfüllen des Frachtbriefes die Pünkchen über dem o im Worte Köuitz zu setzen vergaß. Die Eisen- ' sendung wanderte deshalb hinauf nach dem fernen, in : Westpreußen gelegen Konitz, während man in Könitz Tag um Tag mit Schmerzen auf die Sendung wartete. Als die Geschichte zu lange währte, forschte man nach

bühre, daß aber der Sohn, wenn der Vater gleichzeitig mit ihm koche, auf dem vorderen Kochloche keine Töpfe einhängen, sondern nur mit nicht einhängbaren Töpfen kochen dürfe. Mit diesem Entscheid mußte sich der Vater nach Lage der Sache zufrieden geben, sowie mit der Bestimmung, daß er die Kosten des Rechtsstreites zu tragen habe. Ob nun die gleichzeitige Kocherei von Vater und Sohn resp, von Schwiegermutter und Schwiegertochter in vollem Frieden erfolgen wird, muß die Zukunft lehren.

Ausland.

Athen, 27. April. Nach Berichten von Augen­zeugen verbreitet sich die Ueberzeugung, daß bei Mali ein ernstes Gefecht überhaupt nicht stattgefunden, die griechische Armee sich vielmehr ohne Widerstand zu leisten zurückgezogen hat, als die türkische Armee aus dem Melunapasse gegen Tyrnavos hin vorrückte. Der Rückzug der Griechen soll sich in voller Auflösung voll­zogen haben. Auch wird jetzt allgemein behauptet, daß weder gegen Damassi noch gegen einen anderen Punkt der türkischen Aufstellung in Thessalien jemals erfolg­reiche Offensivvorstöße von griechischer Seite stattgefunden haben. Die Verluste der Griechen sollen 300 Todte und 700 Verwundete betragen, jedoch herrscht über den Verbleib von etwa 10000 Mann noch völlige Ungewißheit. In Athen herrscht furchtbare Erregung, die Bewegung auf Ausrufung der Republik ist im Gange; Offiziere wurden mit Steinen beworfen. Vor dem Königs-Palast fanden Maffenanfammlungen statt; der Ausbruch der Revolution steht vielleicht nahe bevor. Die vom Kriegsschauplatze nach Rom zurückgekehrten italienischen Freiwilligen erlassen eine öffentliche Erklärung, worin sie die Gründe ihrer Heimkehr darlegen; sie brandmarken die Grausamkeit der Griechen gegen die gefangenen nnd verwundeten Türken, denen sogar ärzt­liche Hilfe versagt wurde, wie auch die übergroße Härte.

Vom griechisch-türkischen Kriegsschauplatz. In Athen macht sich mehr und mehr eine starke Entrüstung be­merkbar über die kampflose Preisgabe von Larissa, auf dessen Befestigung so viele Kosten verwendet wurden.

Hyäne", wird noch im Spätsommer erfolgen. Alsdann befinden sich im Ganzen 19 Kriegsschiffe im Bau, und zwar drei Panzer, Kaiser Friedrich 111. und die Ersatz­bautenFriedrich der Große" undKönig Wilhelm", 7 KreuzerErsatz Leipzig",Victoria Luise«,Hertha", Ersatz Freya",M,N" undG", 2 Kanonenboote und 7 Torpedoboote. Aus der amtlichen Darlegung geht hervor, daß namentlich der Bau der Kreuzer be­schleunigt werden soll. Der PanzerKaiser Friedrich III." undErsatz Friedrich der Große» werden im nächsten Jahre beziehungsweise 1899 in Dienst gestellt. Die KreuzerVictoria Luise",Hertha",Ersatz Freya" undM" sollen 1898 bereits fertiggestellt sei, und die Torpedobootsdiviston, die theils in England, theils auf der Schichauwerft und Germaniawerft erbaut wird, soll in Laufe dieses Sommers von der Torpedobootsabnahme­kommission geprüft werden.

Der Bundesrath hat beschlossen, daß im Schul­unterricht sowie im amtlichen Verkehr fortan für 100 Kilogramm die BezeichnungDoppel-Centner", abge­kürzt dz, angewendet werden soll.

Da die Schasräude nach den amtlichen Be­richten über das Jahr 1896 in Preußen nur unerheblich infolge der Tilgung dieser Seuche zurückgegangen ist, hat der Landwirthschaftsminister angeordnet, daß das bisherige Tilgungsversahren (Badeverfahren) auch im

und gewahrte den Lapsus. Die so lange spazieren ge­fahrenen Eisentheile kamen nun so theuer, daß man sie für das Geld beinahe hätte vernickeln lassen können.

Als in den Räumen des Zellengefüngnisses auf dem Brückberg bei Siegen die aushebungspflichtigen Insassen der Strafanstalt vorgeführt wurden, betrug die Zahl derselben lautSiegbote" 170.

Diedenhosen, 28. April. Bei Montmedy ist gestern der Tunnel der Linie Sedan-Diedenhofen in einer Länge von 200 Metern eingestürzt. Die Gesammtlänge des Tunnels beträgt 800 Meter. Der Bahnwärter

bemerkte It. Str. P. den Schaden vor Eintreffen des Schnellzuges und verhütete so ein Unglück.

Aus dem Odenwald, 26. April. Bekanntlich haben in den letzten Jahren die Eigenthümer der Fischgewäffcr und das sind in unserer Gegend hauptsächlich der Fiskus und einige Standesherren allenthalben nicht blos Forellenlaich, sondern auch Hunderttausende von jungen Forellen eingesetzt, was nach den in letzter Zeit gemachten Erfahrungen von sehr gutem Erfolge war. Besonders haben sich nun selbst die allerkleinsten Büchlein mit Forellen bevölkert, was für die Fisch­pächter um so erfreulicher ist, da in diesen kleinen Wässerlein die Krebse, welche früher massenweise vor­handen waren, durch seuchenartige Krankheiten fast voll- tändig ausgestorben sind. Es wäre deshalb auch ander- värts angezeigt, wenn man wieder einmal massenhafte Krebsbrut einsetzen würde.

Hirschhorn, 27. April. Wir berichteten vorige Woche, daß im benachbarten Asfolterbach ein Vater und ein Sohn wegen der zu benutzenden Kochherdlöcher in Prozeß gerathen seien, indem jeder von beiden das vordere Kochloch für sich beanspruche. Nachdem nun die vom Gerichte ernannten Experten Einsicht und Koch- )roben vorgenommen haben, fand gerichtlicher Termin tatt, bei welchem die Experten erklärten, daß der Vater, wenn er dem Sohne das Vorrecht einräume, keineswegs

laufenden Jahre angewendet werde.

Bezüglich der Auswanderung nach Surinam hat die niederländische Regierung, wie dieNordd. Allgem. Ztg." von zuständiger Stelle erfährt, unsere leitenden Kreise auf die Gefahren aufmerksam gemacht, welche die . ^»/^. r,-m -- ,-- -- - --- ----- ^'H" nach Surinam auswandernden Deutschen infolge des! mit dem hinteren Loch zufrieden sein könne. Das Gr

geschädigt sei, und daß er für seinen Bedarf hinlänglich

. Am 23. verließ der Kronprinz Tyrnavos, um nach i Larissa zu gehen. Nachmittags 2 Uhr vernahm man starkes Artilleriefeuer. In Larissa selbst hatte man keine : Ahnung von der Gefahr und bereitete eine große Kirchen- feier vor. Um 6 Uhr beorderte der Kronprinz, ohne : daß die Truppen bis dahin den Grund begriffen, den i Rückzug nach Tyrnavos an. Bei Mati standen da- i mals 12,000 Griechen gegen 12,000 Türken. Der Rückzug vollzog sich in guter Ordnung, bis die Dunkel­heit eintrat. Da näherte sich die griechische Kavallerie von hinten den sich zurückziehenden Infanteriekolonnen. Die griechische Infanterie glaubte, es wären Türken, und feuerte auf die eigene Kavallerie. Nun ent­stand eine unbeschreibliche Verwirrung und Panik. Die Finsterniß vergrößerte dieselbe. Die Soldaten warfen ihre Waffen weg und stürzten in wahnsinniger Flucht nach Tyrnavos. Ueberall erscholl der RufTurkos'» Die Soldaten liefen zwischen Weibern nnd Kindern durch die Straßen Tyrnavos. Die Offiziere waren machtlos, die Ordnung wieder herzustellen. Alles war in eine große Staubwolke gehüllt. Mit leichenblassen Gesichtern kamen um Mitternacht die ersten Flüchtlinge in Larissa an, Kavalleristen ohne Pferde, waffenlose Infanteristen liefen durch die Stadt, die Panik auch hier verbreitend. Unter der größten Verwirrung wurden 1000 Verwundete auf den Bahnhof gebracht. In­zwischen hielt der Kronprinz einen Kriegsrath ab, der beschloß, die Stadt zu vertheidigen. Um die Truppen wieder zu sammeln gab man Hornsignale auf dem Markt­platz ab, aber keine zwanzig Soldaten kamen. Die Panik verbreitete sich durch das Gerücht, die Türken ständen vor der Stadt. Es ist unmöglich den wahnsinnigen -schrecken zu beschreiben, welchen das Gerücht erzeugte Das weitere unwahre Gerücht, der Kronprinz habe die Stadt verlassen, erweckte eine furchtbare Angst. Alles lief zum Bahnhof. Am schnellsten im Davonlaufen waren die italienischen Freiwilligen. Dieselben warfen Frauen zur Seite und stürzten sich in den bercitstehen- den Zug. Die Bevölkerung, wüthend, feuerte auf die Italiener, die das Feuer erwiederten. Der angeblich geordnete Rückzug" erfolgte mit derartiger Schp-^