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SchlWmmMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 28. April 1897.

48. Jahrgang.

Kosts>!!riN^N °uf dieSchlüchterner Zeitung" ,l£uu66^^86 werden noch fortwährend von allen ; .......Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser gedenkt am 21. Mai zum Jagdaufenthalt beim Grafen zu Dohna in Pröckelwitz einzutriffen und daselbst acht bis zehn Tage zu verbleiben.

Prinz Heinrich geht als Vertreter des Kaisers bei dem 60 jährigen Regierungsjubiläum der Königin von England nach London. Der Kaiser hat dazu den KreuzerKönig Wilhelm" zur Verfügung gestellt.

Zufolge Königlicher Verordnung vom 7. April ds. Js., welche durch die Gesetzsammlung veröffentlicht wird, bedarf die Führung des Doctortitels und sonstiger mit academischeu Graden verbundener Titel, sofern dieselben nach dem 15. April ds. Js. außerhalb des Deutschen Reiches erworben werden, der Genehmig­ung des Unterrichtsministers. Eine beschränkte Er­leichterung findet insofern statt, als es für nichtpreußische Reichsangehörige und Ausländer, welche sich nur vor­übergehend oder im amtlichen Auftrage und nicht zu litterarischen oder sonstigen Erwerbszwecken in Preußen aufhalten, genügt, wenn sie nach dem Rechte ihres Heimathsstaates zur Führung des Titels befugt sind. Die Bestimmungen der Verordnung bezwecken, dem Mißbrauch entgegenzuwirken, der in Preußen mit werthlosen oder minderwerthigen ausländischen Diplomen getrieben wird und sich insbesondere auf medizinischem Gebiete und in verwandten Berufszweigen breit macht. Auch bleiben Doklortitel, welche von außerpreußischen Universitäten Deutschlands oder vor dem 15. April ds. Js. erworben sind, nach dem Vorgesagten selbstver­ständlich unberührt.

Der Wittwe v. Stephan's steht nach dem geltenden Relictengesetz, wie dieBerl. Pol. Nachr." heroorheben, nur ein Wittwengeld von Mk. 1600 zu, sofern nicht aus Gnadenfonds eine Zulage gewährt wird. Im Ab- gcordnetenhause ist aber bereits ein Gesetzentwurf zur Annahme gelangt, welcher das Wittwengeld auf 40 pCt. der Pension, zu welcher der Verstorbene berechtigt ge­wesen wäre, erhöht mit dem Maximum einer Pension von Mk. 3000. An den Reichstag ist derselbe Gesetz­entwurf gelangt. Es sei dazu auch noch bemerkt, daß nach dem Postctat ein besonderer Fonds von Mk. 535 000 jährlich aufgeworfen ist zur Unterstützung von pcnsionirtcn Post- und Telegraphenbeamten und von Hinterbliebenen der Beamten, und daß gerade dieser Fonds auch noch durch den an den Reichstag gelangten Nachtragsetat eine Erhöhung erfahren soll.

Im deutschen Reiche ist eine amtliche Umfrage über das Auftreten des Aussatzes (Lepra) vorgenommen worden, über deren Ergebnisse jetzt vom kaiserlichen Gesundheitsamte berichtet wird. Es geht daraus hervor, daß es an zwei Orten im Reiche zu einer Häufung von Leprafällen gekommen ist: im Kreise Memel, einem Leprahcrd, von dem schon viel die Rede gewesen ist und der im wesentlichen veranlaßt hat, daß man sich bei uns überhaupt mit der Leprafrage beschäftigt, und in Hamburg. Im Kreise Memel halten sich 15 Lepra­kranke auf; in Hamburg leben zur Zeit 12 Leprakranke.

Hinsichtlich der Eisenbahnschwellen scheint eine Neuerung bevorzustehen. Auf Anordnung des Eisen- bahnministers wurde augenblicklich mit der Verwendung getränkter buchener Schwellen Versuche größeren Um» längs eingestellt, um die Wirthschaftlichkeit des Materials zu prüfen. Zu diesem Zwecke hatte der Minister Thielen die Lieferung von 50,000 Schwellen inländischen Ursprungs erster und 30000 Schwellen zweiter Klasse vergeben. Für die ersten müssen die Lieferanten 15 Jahre, für die anderen 10 Jahre Garantie leisten. Die Schwellen werden gehobelt, gebohrt, getränkt, und um das Reißen zu verhindern, mit zwei eisernen 13 Millimeter starken Schraubenbolzen versehen.

Ausland.

Rom, 22. April Heute Nachmittag 2'/- Uhr, als König Humbert auf der Fahrt nach dem Rennplätze von Capannella begriffen war, führte ein arbeitsloser Schmied Namens Pietro Acciarito aus Artena (Prov. Rom) einen Dolchstoß nach ihm aus. Der König wurde nicht verletzt und setzte die Fahrt nach dem Rennplätze fort; bei der Ankunft daselbst wurde er vom

Publikum aufs lebhafteste begrüßt. Der Verbrecher wurde verhaftet; er zeigt ein cxaltirtes Wesen und erklärte, keine Mitschuldigen zu haben. Der Atten­täter drängte sich mit einer Bittschrift an den Wagen, hielt aber unter der Bittschrift den Dolch verborgen und stieß denselben gegen die Brust des Königs. Der Stoß verfehlte sein Ziel und ging ins Wagenkissen.

Paris. Man berichtet, daß der frühere Freimaurer, dann wieder zum Katholizismus übergetretene Herr Leo Taxil in einer Pariser Versammlung gestanden, daß die Diana Vaughan, die berühmte Oberpriesterin des Satanismus für welche die katholische Geistlichkeit Jahre lang Propaganda gemacht und welcher der Papst seinen Segen geschickt hat, von thm erfunden sei, um die Geistlichkeit hinters Licht zu führen und Geld zu verdienen. Jetzt wird aus Paris weiter gemeldet, daß zahlreiche Personen, welche der vermeintlichen Diana Vaughan Geldgeschenke übersandten, gegen Leo Taxil einen Betrugsprozeß an strengen wollen.

Konstantinopel, 25. April. Die Kavallerie-Division ist in Larissa heute eingedrungen. Die griechischen Truppen hatten Larissa vorher geräumt und ziehen sich gegen Volo zurück. Die türkische Armee beabsichtigt nicht in Larissa zu verbleiben, sondern wird die griechische Armee verfolgen. Die türkische Armee gewann nach heftigem Kampfe die von den Griechen besetzt gewesene Festung Beshpounar. Die Griechen zogen sich nach einem Verlust von 300 Todten, 219 Vewundeten und 62 Gefangenen zurück. Auf türkischer Seite gab es 51 Todte. Nach einer Depesche des BlattesSabah" vom 24. d. M. hat die Division Hamdi Pascha nach fünftägigem Kampf die griechischen Truppen zurück­geworfen und viel Kriegsmaterial erbeutet. Die Division durchstreifte das ganze Gebirgsgelände bis zur Ebene von Larissa und griff in der Nähe von Karademirlar in einen Kampf ein, den ein Regiment der Division Hakki Pascha mit den Griechen hatte. Die Griechen wurden zurückgeschlagen. Bei der Einnahme von Tyrnavos und der die Stadt beherrschenden Höhen konnten die Griechen ihre Kanonen nur mit Mühe retten. Nach Mittheilung von privater Seite befindet sich das türkische Hauptquartier zur Zeit in Meluna.

Athen, 24. April. Gestern fand eine überaus blutige Schlacht bei Mati, norstwestlich von Tyrnavos, statt. Die Türken waren in großer Ueberzahl und schlugen die Griechen in wilde Flucht. Tyrnavo und Larissa wurden von den Griechen geräumt, die das Hauptquartier bis Pharsala zurückverlegten.

Vom griechisch-türkischen Kriegsschauplatz. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, sind Ghazi Osman Pascha u. Saab Edding Mittwoch Abend nach demKriegsschauplatze abgereist. Wie verlautet, ist Ghazi Osman Pascha zum Oberstkommandirenden ernannt worden, jedoch solle Edhem Pascha Befehlshaber der Ostarmee bleiben. Ob der Löwe von Plewna, der inzwischen 20 Jahre älter geworden, auch diesmal der Retter in der Noth sein wird? Eine Meldung desStandard" aus Konstan­tinopel besagt, daß nach einem nicht veröffentlichten amtlichen Berichte die Türkei gegenwärtig 367 000 Mann unter den Waffen hat, davon 217000 in Europa. Trotzdem wird die türkische Mobilmachung immer weiter ausgedehnt. Die neueste Mobilmachungsordre gilt bisher außer für die 7. Redifdivision auch für 3 Redifbrigadcn des 3. Korps im Vilajet Smyrna. Auch Griechenland spannt die letzten Kräfte an. Durch einen königlichen Aufruf wird das ganze Volk zu Opfern an Gut und Blut für das Vaterland aufgefordert. Freitag fand bei Mati ein blutiger Kampf statt, der mit einem Rückzug der Griechen endete. Ob auch an anderen Punkten der Rückzug erfolgt ist, ist noch nicht bekannt. Eine Depesche meldet, daß die Griechen auf der Linie nach Pharsala konzentrirt sind. Infolge dieser Bewegungen betrachtet man die Aufgabe von Turnowo und Larissa für un­vermeidlich geworden. Griechenland will es also auf einen Kampf in der Ebene, auf eine sogenannte rangirte Schlacht nicht ankommen lassen, sondern nur einen Gebirgskrieg führen, der allerdings das einzige Mittel ist, die große türkische Uebermacht zu parallesiren.

Persien. Der Gesundheitszustand des Schahs Muzasfer cd Din, hat in letzter Zeit viel zu wünschen übrig gelassen; er sieht blaß und krank ans und scheint stark unter Gicht zu leiden. Am 20. März fand des­halb eine größere ärztliche Berathung statt, zu der neben dem englischen und dem persischen Leibarzt der

deutsche Gesandtschaftsarzt Dr. Müller, der englische Gesandtschaftsarzt Dr. Odling, die persischen Aerzte Dr. Tholozan, Dr. Vishart (ein Amerikaner), Dr. Basil (ein Armenier) und ein kürzlich in Persien eingetroffener russischer Militärarzt zugezogen wurden. Den Vorsitz bei dieser Berathung erhielt der deutsche Gesandtschafts­arzt. Dem Schah wurde die Befolgung einer strengen Diät und der spätere Besuch eines europäischen Bades verordnet. Es ist deshalb möglich, daß der Schah im Juni oder Juli auf mehrere Monate nach Europa reifen wird.

Kanea, 22. April. Die Lage verschlimmert sich täglich. Die hier ausgeschifften muhamedanischen Flücht­linge sind von aller Habe entblößt. Der Gouverneur vertheilte an dieselben je ein Pfund Brod. In Kandia befinden sich 30000, in Retimo 10000, in Sitia 8000 Flüchtlinge, welche nach der Türkei gebracht zu werden verlangen. Der Gouverneur schlägt dieses Verlangen ab.

Einer Meldung zufolge, die demPest. Ll." aus Warschau zugeht, sind dieser Tage in Polen 58 Mädchenhändler von der Polizei verhaftet worden. Die Bande verkaufte die Mädchen nach Argentinien und Brasilien.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 27. April.

* Dem Schulamts-Candidaten Ditzel aus Fulda ist die provisorische Verwaltung der katholischen Schul- stelle zu Alsberg bei Salmünster übertragen worden.

4.8. Reichsgericht. Leipzig, 23. April. (Nach­druck verboten.) Der Handelsmann Levi No ßb a um in Schlüchtern wurde am 22. Februar vom Landgericht Hanau wegen schwerer Urkundenfälschung zu 1 Jahr Ge- fängnißund3JahrEhrverlustverurtheilt. GegenNoßbaum war, auf Veranlassung einer Frau Lotz, das Subhastations- verfahren eingeleitet und auf den 17. Juli v. I. war die Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht in Steinau an­gesetzt. Um nun einen Aufschub zu erringen, hat Noßbaum ein Schrisstück angefertigt, worin es heißt, das Zwangs­verfahren solle eingestellt werden, und das Schreiben mit Julie Lotz" unterzeichnet. Gegen dieses Urtheil hatteNoß­baum Revision eingelegt, welche rügte, das §§ 267, 268 Str.-G.-B. zu Unrecht angewandt sei. Durch ein Sistir- ungsgesuch schaffe sich der Angeklagte noch keinen Vermögens- vortheil. Die Vertheidigung des Angeklagten sei auch durch die Ablehnung eines von ihm beantragten Sachverständigen beschränkt, auch die Ablehnung von Zeugen wurde bemängelt. Der Herr Reichsanwalt erklärte die Revision für unbe­gründet. Die Ablehnung von weiteren Zeugen und Sach­verständigen stehe im Ermessen des Gerichts. Die Schuld des Angeklagten sei in ausreichender Weise in dem ange- fochtenen Urtheil festgestellt und ein Rechtsirrthum sei nirgends zu erkennen. Das Reichsgericht schloß sich diesen Ausführungen an, es hat deshalb die Revision verworfen und dem Beschwerdeführer die Kosten des Rechtsmittels auferlegt.

* Als unlauterer Wettbewerb hat das Gericht das Gratisverabfolgen von Spirituosen und Cigarren seitens der Colonialwaarenhändler an ihre Kunden an­gesehen, weil dadurch andere Kaufleute geschädigt würden Es sind in mehreren derartigen Fällen Bestrafungen vorgekommen.

* Für die Beförderung der Arbeiter auf den preußischen Staatsbahnen, sind seit dem 1. April einige neue Bestimmungen in Kraft. Die Arbeiter-Wochen- fahrkarten können jetzt an jedem Wochentage gelöst werden und gelten für sechs aufeinander folgende Arbeits­tage entweder zu einer täglichen Hin- und Rückfahrt oder zu einer täglichen Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Werden sie an einem Nachmittage gelöst, so kann die letzte Rückfahrt auch noch am siebenten Arbeitstage Vormittags erfolgen. Wo die Arbeiter bei der Fahrt nach dem Arbeitsorte am Montag früh oder am Tage nach einem Festtage zu spät auf der Arbeits­stelle eintreffen würden, sowie auch aus anderen Gründen kann die Benutzung der dazu bestimmten Züge mit Arbeiter-Fahrkarten auch am Sonntag oder dem be­treffenden Festtage gestattet werden. Bezüglich der Arbeiter-Fahrkarten bleiben die bisherigen Bestimmungen n Kraft. Die Ausgabe der einfachen Arbeiter-Fahr- wird aufs äußerste beschränkt; diese sollen nach und nach ganz aufgehoben werden.

Ueber den sittlichen Niedergang der Jugend schreibt man tn einer pädagogischen Zeitung aus Gera, was