WüchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
-BBRBB3CT®wa««mD'™>n»^uwara»3a^3«ra«BSB«nE^^
33. Samstag, dea 24. April 1897. 48. Jahrgang.
MmMMHMW»^imiiiMJMBlliMWMMIIIIMMimaMMMMiiWMiiiiwti^
RoK^lin^^O», auf bie »Schlüchterner Zeitung" §?t|l€wUWyt8» werden noch fortwährend von allen
-—^^ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Lokomotivheizer, Wagenmeister, Maschinenwärter u. s. w. sind hierbei nicht eingerechnet, weil sie den Militär- anwärtern überhaupt nicht vorbehalten sind. Erheblich größer noch als die mitgetheilte Zahl wird die Zahl der in dem neuen Etatsjahr in das Staatsbeamtenverhältniß eintretenden Nichtanstellungsberechtigten sein.
Schwerin. Die Leiche des Großherzogs Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin ist in Schwerin eingetroffen und wird Mittwoch beigesetzt werden. Nach Meldungen aus zuverlässiger Quelle soll der Großherzog bei dem unglücklichen Sturz beide Beine, verschiedene Rippen und die Wirbelsäule gebrochen haben; das Ende soll furchtbar gewesen sein, so daß diejenigen, die beim Tode anwesend waren, noch heute bei der bloßen Erinnerung in Aufregung gerathen. Ein Selbstmord wird allgemein für ausgeschlossen gehalten, schon aus dem Grunde, weil der Großherzog bei seiner sehr feinfühligen Natnr sicher eine andere Todesart als den Sturz gewählt hätte und eine solche auch sehr leicht hätte finden können, da verschiedene Morphiumflaschen in seiner unmittelbaren Nähe standen.
Graudenz. 20. April. Wie dem „Geselligen" aus Osterode in Ostpreußen gemeldet wird, sind infolge Um- schlagens eines Segelboots auf dem Drewenz-See sieben Soldaten ertrunken.
. Stolp, 17. April. Das Offizierkorps hierselbst hat gegen die Besteuerung der Offiziershunde mit folgender Begründung geantwortet: „die Hunde würden auf höhere Anordnung zur Ausbildung von Offizieren und Unteroffizieren im Patrouillenreiten gehalten!" — Das müssen ja ganz vorzüglich veranlagte Hunde sein!
Erfurt, 19. April. Am Sonnabend wurde hier ein gemeingefährlicher Schwindler festgenommen, der in verschiedenen Läden Münzen zur Erinnerung an die Centenarfeier für Zwanzigmarkstücke in Zahlung gegeben und die herausdekommenen Kleingeldbeträge eingestrichen hatte. Der Schwindler, welcher sich Kaufmann Zimmermann aus Dresden nennt, entfloh zunächst, konnte aber im Steigerwalde eingefangen werden. In der Tasche hatte er noch einige der Falsifikate.
Zur Warnung sei mitgetheilt, daß in Erfurt die Frau eines Arbeiters zu einer Woche Gefängniß ver- urtheilt wurde, weil sie sich 1 Mark Zeugengebühr für Versäumniß aus der Gerichtskasse hatte auszahlen lassen, ohne irgend welchen Lohnausfall zu haben, da sie zur Zeit des Termins arbeitslos war. Der Betrug ist mit einer Woche hart bestraft.
Neudietendorf, 21. April. Das zweijährige Kindchen eines hiesigen neben dem Bahnhöfe wohnenden Weichenstellers lag schlafend zwischen den Eisenbahn- geleisen, als der Personenzug 146, welcher um 3 Uhr 20 Min. Nachmittags von Erfurt nach Arnstadt fährt, heranbrauste. Es war nicht mehr möglich, das Kind fortzuschaffen und grausend erwartete man, daß es von den Rädern des Zuges, der nicht mehr schnell genug zum Stehen gebracht werden konnte, zermalmt werden würde. Der Zug fuhr über das Kind hinweg, das man an derselben Stelle unverletzt und ruhig weiterschlafend fand.
Paderborn. Ein Sprung auf Tod und Leben war es, den vor einigen Tagen zwei aneinandergekettete Zuchthäusler (Italiener) auf dem Transport von Paderborn nach Hameln aus dem Eisenbahnzuge machten. Während der Zug in voller Fahrt den großen Tunnel zwischen Altenbeken und Driburg passirte, thaten beide Verbrecher den Sprung ins Dunkle, und er glückte ihnen. Der Transporteur entdeckte bald die Flucht und brächte den Zug durch die Nothbremse zum Stehen. Auf telegraphische Depeschen hin wurden sofort die Ausgänge des Tunnels besetzt und letzterer mit Fackelbeleuchtung durchsucht. Man fand denn auch die Flüchtlinge, als sie im Begriffe waren, ihre Fesseln zu sprengen, und nahm sie aufs Neue in sicheren Gewahrsam.
Mainz, 17. April. Einige Militärpflichtige haben in dem Orte Odernheim bei ihrer Kneiperei einem Kinde von sieben Jahren so viel spwituose Getränke eingegeben, daß das Kind an Alkoholvergiftung gestorben ist. Das Gericht hat nunmehr gegen die rohen Burschen eine Untersuchung eingeleitet.
Mainz, 19. April. Das von dem landwirihschaft- lichen Verein ausgegangene und anfänglich mit großem Eifer verfolgte Projekt, in Rheinhessen eine Genvsscn- schastszuckerfabrik zu gründen, ist in die Brüche gegangen Die Anmeldungen zum Rübenbau seitens der Landwirthe
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser kommt am 26. oder 27. April dieses Jahres nach Schlitz bei Fulda und wird bis I.Maid.J. als Jagdgast bei den Grafen Göltz verweilen.
— Der Kaiser ist Dienstag nach Wien gereist. Die Rückreise von Wien gedenkt der Kaiser in Dresden zu unterbrechen und am 23. d. M. in Strehlen einzutreffen, um dort an der Geburtstagsfeier des Königs von Sachsen theilzunehmcn. Am gleichen Tage wird auch die Kaiserin in Strehlen eintreffen, an der Geburtstagsfeier des Königs von Sachsen theilnehmen und nach einem Besuch ihrer Mutter, der Herzogin Adelheid zu Schleswig- Holstein-Augustenburg, wieder nach Berlin zurückkehren. Der Kaiser begiebt sich von Dresden-Strehlen direkt nach Karlsruhe zu den Auerhahnjagden.
— Der Bruder der Kaiserin, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, hat sich mit der Prinzessin Dorothea von Coburg, Tochter des Prinzen Philipp von Coburg und der Prinzessin Luise, ältester Tochter des Königs von Belgien, verlobt. Der Herzog ist protestantisch, die Prinzessin katholisch.
— Die zweijährige Dienstzeit bei der Infanterie soll sich, Informationen der „Hamb. Nachr." zufolge, auch nach den Erfahrungen des zweiten Jahres ihres Bestehens nicht bewährt haben. Die darüber zu erwartenden Berichte dürfen sich, dem Hamburger Blatte zufolge, in noch größerem Umfange und mit verstärktem Nachdruck gegen die neue Einrichtung aussprechen. Wichtiger als die Flotte, so heißt es dann weiter, ist für uns das Landhcer, da nicht in Seeschlachtep, welche Deutschland zu schlagen in die Lage kommen könnte, sondern in seinen Kämpfen zu Lande die Entscheidung seiner Kriege ruht. Die Bajonette unseres Landheeres nicht nur an Zahl ausreichend, sondern auch an Schärfe und Geübtheit auf der höchsten Höhe zu erhalten, ist die erste Bedingung unserer Wohlfahrt. Diese Bedingung wird aber durch die zweijährige Dienstzeit nicht erfüllt. Vorläufig verfügen wir noch über etwa 1 Million dreijährig gedienter, für den Krieg verfügbarer Mannschaften her Infanterie, die Zahl nimmt jedoch mit jedem Jahre ab. Man sollte deshalb mit der Beseitigung der zweijährigen Dienstzeit noch vor 1900, dem Ende der Versuchszeit, Ernst machen.
— Mißstände bei der Bahnsteigsperre wurden jüngst im Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht. Eine der Haupibeschwerden richtete sich gegen die Unzugänglichkeit der Wartesäle auf kleineren Stationen und gegen die Absperrung der Wartesäle und Restaurationsräume vom Fahrkarlenvcrkauf, sowie gegen die Erhebung einer besonderen Gebühr für das Betreten der Wartesäle, in welcher Maßregel auch die Pächter der Bahnhofs-Wirth- schaften eine Benachtheilung erblickten. Ferner wurde darüber Klage geführt, daß auf einzelnen Stationen eine ungenügende Anzahl von Durchgängen nach dem Bahnsteige vorhanden sei, wodurch ein gefährliches Gedränge der kommenden und gehenden Passagiere rc. entstehe; endlich wurde auch chic hier und da gänzlich mangelnde Ueberdachung der Bahnsteige gerügt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat jetzt die zuständigen Eisenbahn- direktionen beauftragen lassen, die örtlichen Verhältnisse der betreffenden Stationen zu prüfen und, insoweit jene Beschwerden als begründet anzuerkennen sind und Abhilfe ohne Verletzung anderer Interessen möglich ist, das fettere alsbald zu veranlassen. Sollten die zur Vcr- fügung stehenden Mittel zur Ausführung etwa erforderlich werdender baulicher Einrichtungen oder Aenderungen nicht ausreichen, so wünscht der Minister demnächst die Einreichung von Entwürfen, Kostenüberschlägen und Erläuterungsberichten.
* — Den vielfachen Klagen der bei der Staats- effenbahnverwaltung beschäftigten zahlreichen Hillsbeamten, daß sie nur wenig Aussicht hätten, in Bcamtenstellen in gelangen, weil die meisten Stellen den Militär- anwärtern vorbehalten seien, konnte insofern wesentlich abgeholfen werden, als in der Zeit vom 1. Februar 1896 bis Ende Januar 1897 2140 Nichtanstellungs- b^rechtigte aus Mangel an Militäranwärtern in das Staatsbeamtenverhältniß ausgenommen werden konnten. Die Stellen mit handwerksmäßiger Vorbildung,, nämlich
sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, indem statt 5000 Morgen, wie man erhofft hatte, nur 870 Morgen für Rübenbau gezeichnet wurden. Auch die festgesetzte Einzahlung paßt den meisten Landwirthen nicht und erschien denselben insbesondere die vorgeschlagene Haftpflicht als eine viel zu riskante Sache.
Hirschhorn, 20. April. Ein Prozeß, wie ein solcher noch nie dagewesen sein dürfte, spielt zur Zeit im benachbarten Affolterbach. Vater und Sohn Prozessen wegen eines Küchenherdes resp, wegen der zu benützenden Kochlöcher. Der Vater, der die Bewirthschaftung seinem Sohne übergeben hat, verlangt als Auszügler, daß ihm das vordere Kochloch gehöre, während der Sohn sich mit dem Hintersten zu begnügen habe. Der Sohn aber sagt: Ihm gehöre das vorderste Kochloch, weil doch er jetzt Haushaltungsvorstand sei u. s. w. Kurz, der Vater hat die Sache bei Gericht anhängig gemacht und sind bereits vom Gerichte Experten ernannt, die den Sachverhalt einzusehen und zu begutachten haben. Man darf gewiß auf den Ausgang eines solchen Prozesses gespannt sein.
Ausland.
Klausenburg, 21. April. Von einem bet der Ortschaft Dank belegenen Berge löste sich ein etwa 120 Morgen großes Stück des Abhanges los und riß einen großen Theil des Ortes mit sich fort. Alles, was im Wege lag, Häuser, Hürden Menschen und Thiere wurden unter den Erbmassen begraben.
London, 22. April. Ein Telegramm an das hiesige Auswärtige Amt meldet aus Konstantinopel, daß Larissa von den Türken eingenommen wurde. ~ Aus Athen wird gemeldet, daß man dort, nachdem Larissa eingenommen ist, einen allgemeinen Volksaufstand befürchtet.
Vom griechisch-türkischen Kriegsschauplatze. Aus den bisherigen Nachrichten vom Kriegsschauplatze, die je nachdem sie von türkischer oder griechischer Seite stammen, verschieden gefärbt sind, ergibt sich ohue Zweifel, daß die Türken im Vortheile sind, was man auch voraus- scheu konnte, ohne eiu Prophet zu sein. Im Osten drangen die Türken siegreich von Classona über den forcirten Mcluna-Paß, nahmen Tyrnavos und sind nun auf dem Vormärsche nach Larissa. Im Westen dagegen haben die Griechen nach dem Erfolge vor Prevesa den Artafluß überschritten und suchen weiter in türkisches Gebiet einzudringen. Außerdem sollen Griechen im Osten Mitylene und Chios besetzt haben; ob ihnen hier Erfolg blüht, ist zweifelhaft, zumal vom goldenen Horn neue Schiffe nach den Dardanellen abgegangen sind. Den entscheidenden Haupterfolg haben bisher die Türken mit der Erstürmung des Meluna-Passes und dem Sieg bei Tyrnavos errungen. In Athen selbst selbst scheint man die Gefahr vollauf zu würdigen, hat doch der Minister des Innern bereits an die Bürgermeister ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er dieselben auffordert, sämmtliche tauglichen Bürger zu bewaffnen und sie an die Grenze zu schicken, damit sie mit dem Heere für die Ehre des Vaterlandes kümpfen. Auch die Gensdarmen und Polizeimannschaften sind dem Kriegsheer zugetheilt worden und sind nach der Grenze abgegangen. Die Bürger haben den Wachtdienst in den Städten freiwillig übernommen. Da die griechische Armee an Stärke der türkischen weit unterlegen ist, kann man in Athen kaum noch hoffen, dem siegreichen Vordringen der Türken in griechisches Gebiet im Osten Einhalt zu gebieten. Die Mächte werden zweifellos weder der Türkei noch Griechenland helfen.
Lskales n«d Provinzielles.
* Schlüchter«, 23. April.
* — Ein gutes Obstjahr scheint allem Anscheine nach heuer in Aussicht zu stehen. Wie nämlich aus verschiedenen Gegenden gemeldet wird, ist der Knospen- ansatz vielfach ein außerordentlich starker. Kirsch-, Pflaumen- und Aepfelbäume sind reich gesegnet mit Tragknospen. Nur die Birnbäume stehen in dieser Beziehung noch etwas nach, doch machen einige Birnsorten eine rühmliche Ausnahme hiervon. Die zwar rauhe Witterung war im allgemeinen dem Fruchtansatz recht günstig. Hoffentlich macht ein Witlerungsumschlag bie Erwartungen der Obstbaumbesitzer nicht wieder zu Schanden. Die Erfolge, die Amerika mit seiner Obstausfuhr in Deutschland erzielt, sollten jedem Obstbaumzüchter ein neuer Ansporn zu eifrigster Thätigkeit sein.