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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 32.

48. Jahrgang.

iMidhtttntti °"k dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -- - = Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Diejenigen Eigenthümer, welche beabsichtigen, zu der am 27. April 1897, Vormittags 11 Uhr zu Schlächtern stattfindenden Körung Bullen vorzuführen, werden daran aufmerksam gemacht, daß die Bullen zur Körung nur dann zugelassen werden, wenn sie zuvor der Tuberkulin- impfung unterworfen worden sind.

Ich fordere die Eigenthümer demgemäß auf, ihre Bullen bis spätestens Samstag, den 24. April 1897, Nachmittags behufs Vornahme der Impfung in Schlüchtern einzustellen und mich von deren Ankunft alsbald in Kenntniß zu setzen.

Schlüchtern, den 20. April 1897.

Schultz, k. Kreisthierarzt.

eines Geschäftsmannes Übergängen ist, der es vollständig umbauen will. Das Haus wurde von dem berühmten Prof. der Mathematik Weigel um 1670 erbaut. Die Fassade trägt lateinische Inschrift bis ins vierte Stock­werk. Die Treppe im Hause läuft um einen hohlen Raum durch die Stockwerke bis zum Dach. Vom Keller aus soll man durch die hohle Röhre bei voller Verdunkelung des Raumes am Tage die Sterne gesehen haben. Mit einem in dem besagten Raume befindlichen Flaschenzug konnte man sich selbst bis in das oberste Stockwerk hinaufziehen. Auch konnte vermöge einer Art hydraulischer Maschine Wasser in die verschiedenen Stockwerke und durch den Druck einer bis zu einem Doppelfasse im Keller reichenden Wassersäule Wein aus letzterem direkt in Weigels Zimmer befördert werden.

Gießen, 12. April. Beim Fabrikanten Carl Buderus meldete sich heute Mittag ein Arbeiter und erklärte, er sei beauftragt, den Blitzableiter nachzusehen. Der Herr des Hauses war kurz vorher nach Lollar gefahren, und da Niemand von der Revision des Blitz­ableiters etwas wußte, so frug Frau Buderus telephonisch in Lollar an, um ihren Gatten darüber zu hören. Leider war dieser noch nicht dort, und da der Arbeiter drängte, so wurde der Gärtner beauftragt, den Mann auf das Dach zu geleiten und dort so lange zu warten, bis die Arbeit beendet. Aber diese Arbeit konnte nicht vor sich gehen, weil der Arbeiter erklärte, es müsse ein zweiter Mann unten an der Leitung ziehen, wozu sich der Gärtner auch bereit erklärte. Zwar kam der Gärtner, nachdem er an der Drahtleitung vom Garten aus gezogen, bald wieder auf das Dach zurück, der Mann da oben erklärte aber, er müsse sich erst andere Instrumente herbeischaffen und ging seiner Wege. Kaum hatte er das Haus verlassen, da vermißte die Hausfrau- aus der im oberen Stock des Hauses gelegenen Schlaf- tube die goldene Uhr ihres Mannes nebst schwerer Kette, ein werthvolles goldenes Armband und Werth- ächelchen. Sofort wurde die Polizei per Telephon in Kenntniß gesetzt und es glückte, den vermeintlichen Blitz- ablerter-Revisor auf dem Weg zwischen hier und Wetzlar, den er zu Fuß gemacht, zu erwischeu und so den Dieb, der inzwischen schon die Wertsachen in seine Kleider genäht hatte, in Gewahrsam zu bringen. Das gestohlene Gut wurde Herrn Buderus sofort wieder ausgehändigt. Uebrigens ist der Eifer des Buderus'schen Gärtner­gehilfen, den dieser entwickelte, um des flüchtigen Diebes, der seinen Herrn bestohlen hatte, habhaft zu werden, Veranlassung, daß noch ein zweiter Mann von der Zunft der Langfinger dingfest gemacht wurde. Der Gärtner nämlich, in seiner Wuth über die beispiellose Frechheit des Gauners, machte sich sofort nach der That mittelst seines Zweirades auf die Diebessuche. Er kam unterwegs eifrig Umfrage und Ausschau haltend, in die Gegend von Groß-Rachtenbach, wo er auf einem Seiten­weg einen Mann gehen sah, der aus der Ferne und von hinten gesehen, dem gesuchten Vogel sehr ähnlich sah. Der Fahrer setzte mit seiner Maschine scharf ein, und als der Verfolgte sah, daß ihm die Jagd gelte, bog er vom Wege ab und lief so scharf er laufen konnte querfeldein. Der Rodler verließ sein Stahlroß und setzte über Stock und Stein tapfer hinterher. Der Gejagte merkte bald, daß der Mann hinter ihm es besser verstand zu laufen und kroch schließlich in einen Graben und von da in ein Durchlaßrohr, aus welchem er aber hervorgezerrt wurde. Jetzt merkte der Gärtner erst, daß er sich in dem Manne geirrt hatte und wollte den Bedauernswerthen eben freigeben, da sprengte ein berittener Gendarm heran, der die ganze Situation von ferne beobachtet hatte und erkundigte sich sehr eingehend, was denn die Verfolgung zu bedeuten habe. Lächelnd hörte der Beamte das Geständniß des Gärtners an, daß dieser Mann nicht sein gesuchter Dieb sei und meinte schmunzelnd, indem er dennoch seine Hand schwer auf den Vogel legte:Lassen's nur gut sein, ein Dieb ist er doch, ich freue mich, daß ich den Patron endlich habe, denn schon zwei Tage bin ich ihm auf der Spur, ohne seiner habhaft werden zu können." Er band seinen Gefangenen an den Steigbügel und ritt fürbaß.

Ausland.

Konstantinopel, 18. April. Die Türkei hat an Griechen­land den Krieg erklärt und alle griechischen Unterthanen aus der Türkei ausgewiesen, welche binnen 14 Tagen auswandern Püffen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar besuchte am ersten Oster- feiertag den Gottesdienst in der Dom-Jnterimskirche. Nach der Frühstückstafel empfing der Kaiser den Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn Marschall von Sicherstem zum Vortrag. Um 3 Uhr Nachmittags fand im Schlosse Bellevue für die kaiserlichen Kinder und deren Gespielen ein Ostcreiersuchen statt, worauf das Kaiserpaar eine Spazierfahrt unternahm.

Fürst Bismarck ist am Donnerstag zum ersten Mal seit Anfang Januar ausgefahren. Professor Schweninger begleitete ihn. Die Fahrt ging durch den Sachsenwald.

1 Das Aussehen des Fürsten ist in Anbetracht der über- standenen schweren Krankheit ein sehr frisches.

Zur Förderung der Herstellung der Kornsilos will die Regierung noch in dieser Session einen weiteren Kredit von 1 bis 2 Millionen Mark zu dem vorjährigen von 3 Millionen vom Landtage erbitten, weil die Ent­wickelung auf dem Gebiete der Siloeinrichtungen auf genossenschaftlicher Grundlage in jüngster Zeit so ge­waltige Fortschritte gemacht hat, daß die zur Unter­stützung verfügbaren Mittel nicht entfernt zureichen.

Ueber einen Amtsnachfolger des Staatssekretärs

I im Reichspostamt Dr. v. Stephan ist noch immer keine definitive Entscheidung erfolgt. Die Funktionen des Verstorbenen werden bisher noch von dem Unterstaats­sekretär Dr. Fischer wahrgenommen. Daß dieser nun wirklich auch der Nachfolger im Amt werden soll, ist jedoch nach wie vor zweifelhaft. Augenblicklich wird mit großer Bestimmtheit der Direktor im Reichspostamt Fritsch als der künftige Reichspostmeister genannt. Außer den beiden Genannien ist bisher nur noch ein Oberpostdirektor in Leipzig als möglicher Nachfolger Stephans bezeichnet worden.

Eine deutsche Zeitung ist jetzt in Südwestafrika und zwar in Swakopmund inS Leben gerufen worden. Vorläufig wird sie wöchentlich erscheinen. Herausgeber wird der Vertreter der deutschen Kolonialgesellschaft Assessor Dr. Rhode sein, der mit der Landeshauptmann­schaft einen Vertrag geschlossen hat, wonach diese alle ihre Anzeigen der deutschen Zeitung zur Veröffentlichung Zugesagt hat und außerdem auch die Druckerei mit anderen Arbeiten unterstützen will. Es ist dies, so t schreibt diePost", ein Fortschritt, der nicht genug ge­würdigt werden kann. Während jede englische Kolonie sofort ein englisches Publikationsorgan erhält, ist bisher in unseren Schutzgebieten nichts derartiges zu bemerken gewesen. Die Verwaltungen konnten ihre Bekannt­machungen bisher nur durch das amtliche Kolonialblatt veröffentlichen. Die Neuerung wird zweifelsohne dazu beitragen, das Ansehen der deutschen Regierung in Afrika zu heben.

Aus Thüringen. Das Amtsgericht zu Weimar, Abtheilung für Nachlaßsachen, macht folgendes bekannt: »Für die wegen Abwesenheit hier bevormundete Frau Therese Amalie Liessering, geb. Göpfarth aus Wicgcn- ^orf, wird hier ein Vermögen von ungefähr 5330 Mk. verwaltet. Dieselbe ist am 14. November 1890 zu Boone County, Poor Farm, Nordamerika gestorben. 3hre hier unbekannten Erben werden hiermit aufgefordert, ihre Erbansprüche bis zum 20. Mai d. J. hier geltend Zu machen, widrigenfalls das hinterlegte Vermögen als r herrenlos dem Staatsfiskus ausgeantwortet wird." Als eines der sieben Wunder Jenas galt das Weigelsche Haus m der Johannisstraße, das jetzt in den Besitz

Türkei. Die türkischen Truppen an der griechischen Grenze werden von einem militärischen Beobachter dort, der dieTimes" vertritt, als durchaus feldtüchtig ge­schildert. Die sieben Divisionen, die an der thessalischen Grenze stehen, bestehen zum allergrößten Theil aus abgehärteten, festen Männern, die sich in den Kriegsdienst eingelebt haben und mit Leichtigkeit die wenigen besonderen Entbehrungen zu ertragen vermögen, die ein Feldzug mit sich bringen würde. Es sind ja dieselben Entbehrungen, in die sie sich daheim bei jedem einigermaßen harten Winter zu schicken haben. An Artillerie herrscht Ueber- fluß. Sie ist überhaupt die verhältnißmäßig stärkste Waffe der Türken. Es sind gute neue Kruppsche Ge­schütze. Protzen und Munitionswagen sind anständig gebaut und reichlicher Schießbedarf ist vorhanden und bei der Hand. Bei der Kavallerie und dem Train ist es am schwächsten bestellt und alle möglichen Anstreng­ungen werden gemacht, um in Kleinasien, in Ungarn und selbst in Rußland Pferde einzukaufen. Gegen­wärtig sind kaum 6000 Mann Cavallerie beritten und auf Kriegsfuß. Allerdings muß dazu bemerkt werden, daß das Land kein Cavallerieland und der Comman- dirende kein Reitergeneral ist. Im Uebrigen aber darf man sich weder von der Cavallerie noch vom Ver- pflegungswcsen eine ähnliche Vorstellung machen, wie ie während des Feldzuges 1877/78 sich darstellten. Alles ist seitdem anders geworden. Auch das Sanitäts­corps ist heute ein ganz anderes, und in der That hat ich in diesen zwanzig Jahren der ganze Heeresgedanke o sehr geändert, daß man es heute nicht mehr mit einer orientalischen, sondern mit einer europäischen Maschine zu thun hat, die vielleicht nicht ganz glatt arbeitet, aber immerhin aus Soldaten im europäischen Sinne besteht. Ueber die Offiziere, besonders die in den höheren Commandostellen, ist es schwierig, eine be­stimmte Meinung zu äußern. Es steht zu befürchten, daß den Generalen nicht vollständig freie Hand gelassen wird, wenn einmal die Angriffsbewegungen begonnen haben, und daß die Palastspionage, die den Provinz- gouverneur umgiebt, auch dem Divisionscommandeur nicht fern bleiben wird.

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 20. April.

Dem Sommer-Fahrplan, welcher mit dem 1. Mai dieses Jahres in Kraft tritt, entnehmen wir folgende für unseren Leserkreis wichtige Aenderungen gegen den Winterfahrplan: Auf der Hauptlinie FrankfurtBebra weichen die Züge gar nicht oder nur unbedeutend von der jetzigen Lage ab; nur der v-Zug 2 Berlin bezw. Bebra-Frankfurt ist 21 bezw. 22 Minuten früher gelegt; Zug 22, der 800 Abends hier abgeht, wird in

Hanau von v-Zug 52 überholt und trifft in Frankfurt 35 Minuten später ein; neu ist der Zug 22a, welcher an Sonn- und Feiertagen Abends 728 in Elm abgeht und 96 in Hanau ankommt. Auf den Rhönbahnen fahren genau nach den vorjährigen Zeiten wieder täglich vier Züge, so daß der geschäftliche und touristische Ver­kehr mit der Rhön leicht gemacht ist. Die Züge auf der Strecke ElmGemünden verkehren unverändert. Dagegen erfahren diejenigen auf der bisherigen Ober­hessischen Bahn eine bedeutende Veränderung; neu ein­gelegt sind die Züge 4a und 5a zwischen Fulda und Gießen zur Verbesserung der Verbindungen zwischen Thüringen, Berlin rc. und der Lahn, Mosel und dem Rhein, dann die Züge 7 und 8a zwischen Alsfeld und Fulda zur Verbesserung der Anschlüsse nach und nach von der Rhön rc.; wesentlich anders wie seither fährt der Zug 9 GießenFulda, denn dieser ist ab Gießen 40 Minuten später gelegt und beschleunigt zur Her­stellung einer neuen Verbindung von der Mosel und der Lahn nach Thüringen und Berlin.

Salmünster, 15. April. Der seitherige Lehrer zu Alsberg, Herr Balthasar Weber, früher zu Rückers, gebürtig aus Amöneburg, ist in den herzoglich sachsen- koburg-gothaischen Staatsdienst übergetreten, indem ihm eine Lehrerstelle in der Residenzstadt Koburg über­tragen wurde. Derselbe hat Alsberg bereits verlassen.

Hanau, 16. April. Auf freien Fuß gesetzt wurde gestern der wegen Brandstiftung in Haft genommene 19jährige Emmerich, da die Untersuchung keinerlei be­lastende Momente für ihn ergab. Damit fallen auch die allgemein verbreiteten Gerüchte von einem angeblichen Eingeständniß. In Kesselstadt herrscht immer ncch