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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 31.

Samstag, den 17. April 1897.

48. Jahrgang.

iMdhntrtem °"f bieSchlüchterner Zeitung" ^tHE Uuliy^H werden noch fortwährend von allen ^ - - ! Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird am 21. d. M. in Wien eintreffen, der großartigen Militarparade, zu welcher außer der ganzen Wiener Garnison auch auswärtige Kavallerie- und Infanterie-Regimenter ausrücken werden, beiwohnen und am 22. April über Dresden nach Baden- Baden reisen. Im zweiten Viertel des Monats Mai wird das Kaiserpaar auf Schloß Urville verweilen.

Dieser Tage ist von der Regierung eine schärfere Kontrole über die aus Amerika zurückgekehrten ehema­ligen Deutschen angeordnet worden. Wir machen daher unsere Leser auf die wesentlichen Neuerungen aufmerksam. Gemäß dem norddeutsch-amerikanischen Staatsvertrag von 1868 konnte jeder Deutsche, der als Bürger der Vereinigten Staaten znrückkchrte, seinen dauernden Auf­enthalt in Deutschland nehmen, ohne irgend welche Ver­pflichtungen zum heimathlichen Kriegsdienst. Für die Folge ist, auch wenn keine besonderen Umstände vorliegen, die darauf schließen lassen, daß der Betreffende in der Absicht ausgewandert ist, sich der Ableistung der Dienst­pflicht zu entziehen, nur ein zeitlich begrenzter, nach Lage des Falles auf Wochen oder Monate zu be­stimmender Aufenthalt im Jnlande zu gestatten.

München, 14. April. Ein Privattelegramm der Allgem. Ztg." aus Tegernsee bestätigt, daß die Kaiserin mit ihren Kindern einen 6 wöchentlichen Auf­enthalt in Tegernsee nehmen wird. Heute ist der Vertrag abgeschlossen worden, durch welchen für die Zeit vom 15. Juli bis Ende August zwei der schönsten Villen am Tegernsee für die Kaiserin von einem Beamten des preußischen Oberhofmarschallamts gemiethet wurden.

Schwerin, 14. April. Das Großherzogliche Slaats- ministerium giebt über das Ableben des Großherzogs bekannt: Die Herzschwäche des Großherzogs war am 10. April derart gestiegen, daß die Aerzte mit Bestimmt­heit erwarteten, der Patient werde die Nacht kaum über­leben. Der Patient fühlte Abends 7 '/a Uhr ein sehr großes Ruhebedürfmß und wünschte, wie es regelmäßig geschah, allein gelassen zu werden, um im Rollstuhle sitzend zu ruhen. Der Arzt und ein Diener lauschten draußen auf den Athem des Patienten. Als der Arzt bald darauf den Athem nicht mehr hörte, betrat er das Zimmer, weil er fürchtete, daß der Tod schon ein- getreten sei. Er fand das Zimmer leer; zugleich meldete ein Diener, daß der Großherzog auf dem Wege vor der Villa liegend gefunden worden sei, der sodann schwer verletzt herbei getragen wurde. Der Großherzog hatte augenscheinlich, wie er öfters in Athemnoth zu thun pflegte, freie Luft gesucht, er war in seiner Schwäche in den Garten getaumelt und über eine nur wenig ent- sernte niedrige Umfassungsmauer auf die in bedeutender Tiefe darunter vorüberführende Straße gestürzt, wo ihn line Gärtnerssrau und ein Kammerdiener fanden. Die Aerzte stellten eine Verletzung des Rückgrates fest. In­zwischen waren die Angehörigen versammelt. Der Groß- Herzog richtete an dieselben noch liebevolle Worte, um­armte seinen Sohn und verschied dann sanft nach einer Stunde.

Effen a. d. Ruhr, 14. April. DieRheinisch- Westphälische Zeitung" meldet: Auf der Zeche Ober­hausen hat heute Vormittag eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden, bei der zehn Bergleute getödtet wurden. Die Wetterführung ist intakt. Die Ursache der Explosion ist unbekannt.

Ausland.

Koustantinopel, 13. April. Die türkischen Blätter enthalten eine große Anzahl von Depeschen aus Elassona, deren Werth jedoch fragwürdig ist, da sie sehr ungenau sind und zum Theil widersprechend lauten. Ueber den ®ieg bei Discata wird gemeldet, daß über 5000 Griechen 611 dem Kampfe lheilgenommen haben. Der Verlust der Griechen wird auf 200 Mann angegeben. Die Be- grabung der Todten sei gestattet worden. Bei dem gestern Morgen bei Spilo stattgehabten Kampfe sollen die Griechen einen Verlust von 1000 Mann gehabt haben. Samstag Nacht hatten 4000 Griechen bei Kelruejuz die Türken angegriffen. Erstere wurden dabei zurückge- ichlagen. Ueberall seien zahlreiche Gefangene gemacht

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 16. April.

8 (Nachdr. Verb.) Am 6. ds. Mts. fand im kleinen Saale desDeutschen Kaiser" die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Verschönerungs- Vereins statt, in welcher der Vorsitzende Bürgermeister Salomon einen kurzen Ueberblick über die Thätigkeit des Vorstandes im Jahre 1896 gab und die Jahresrechnung vorlegte. Aus derselben war zu entnehmen, daß die Einnahmen an Mitgliederbeiträgen 284 Mk. betrugen und für Herstellung eines Promenadenweges von Speng­lers Ruhe nach dem Bahnhof Schlüchtern durch das Eichholz, für Bänke, Bezeichnung der Wege, für Ver­waltungszwecke, Annoncen rc. im Ganzen 231,34 Mk. verausgabt wurden. Der Vorstand schlug für das Vereinsjahr 1897 vor, den Dank des Entgegenkommens der Eisenbahnverwaltung an der Bahnhofstraßr zur Ver­fügung gestellten Platz am Weg nach der Röthe durch gärtnerische Anlagen und Aufstellung von Bänken zu einem Erholungsplatz einzurichten und in der Aufstellung von Bänken und Bezeichnung der Spazierwege im Stadtwalde nach Maßgabe der verfügbaren Geldmittel chrtzufahren. Die Versammlung ertheilte dem Vor­land für das Jahr 1896 Decharge und erklärte sich mit )em Vorschläge für die Vereinsthätigkeit im laufenden Jahre einverstanden. Alsdann wurde aus der Ver­sammlung der Vorschlag gemacht, mit der Thätigkeit für die Hebung des Fremdenverkehrs sobald als möglich zu beginnen und nach eingehender Besprechung der Vor­stand ersucht, zunächst durch öffentliche Anfrage fest­zustellen, ob und wie viel geeignete Logirräume für Sommergäste bereitgestellt werden könnten, damit bei genügenden Anmeldungen durch geeignete Reklame für eine Vermehrung der Sommergäste gesorgt werden könne. Zum Schluß hob der Vorsitzende noch hervor, daß bei den bescheidenen Mitteln, welche dem Vorstand zur Ver­fügung standen, die Thätigkeit des Vereins sich nach dem ersten Jahre nicht besonders bemerkbar machen könne, daß aber bei stetig wachsender Theilnahme aller Ein­wohner und bei thatkräftiger Unterstützung aller In­teressenten die Thätigkeit des Vereins in Schlüchtern bald ebenso segensreiche Früchte tragen würde wie in vielen anderen kleinen Luftkurorten.

* Schul-Entschuldigungsschreiben sind nach einem Urtheil des Reichsgerichts als Urkunden anzusehen. Wissentlich falsche Angaben in solchen Schreiben, z. B. die unrichtige Angabe, das Kind sei krank gewesen, sind demnach als Urkundenfälschung zu beurtheilen und eventuell zu bestrafen.

Fulda, 12. April. Wie verlautet, ist die Herrn Maurermeister Adam Heres hier gehörige Brauerei Tivoli" von einem Konsortium hiesiger Gastwirthe angekauft worden und wird die Umwandlung in eine Genossenschaftsbrauerei beabsichtigt. Der Kaufpreis soll 248,000 Mark betragen.

Eiterfeld, 10. April. Wie weit es die Ungezogen­heit der jungen Burschen bringen kann, davon weiß unser Ort jetzt ein Stückchen zu erzählen. Im Laufe des Winters hatten mehrere junge Leute die Würfle,

worden, für welche der Marschall Edhem Pascha eine gute Behandlung befohlen habe. Drei Spione, darunter ein Officier, seien gefangen genommen worden. Der Angriff erfolgte meistens bei Nacht, wobei den Türken die elektrischen Lampen gute Dienste leisteten. Die Gesammtzahl der in der Umgegend von Diskata befind­lichen Griechen wird auf 10000 Mann geschätzt. Die Truppen hätten überall die äußersten Grenzpunkte besetzt, jedoch nirgends das Grenzterritorium überschritten.

Belgien. Eine merkwürdige Erscheinung im Lütticher Lande ist, wie dieMeuse" hervorhebt, die Auswander­ungslust nach Rußland. Ingenieure, Aerzte, Industrielle und Arbeiter die Letzteren in Schaaren ziehen nach dem Rubelland. Die Arbeiter werden dort gut bezahlt und das Leben ist, mit Ausnahme der Kleidung, sehr billig Am Donnerstag den 8. ds. Mts. ist wieder eine große Anzahl Lütticher Arbeiter nach Taganrog in Südrußland abgegangen. Dieselbe Erscheinung zeigt sich auch im Hennegau; zahlreiche Maurer, 79 Glas­arbeiter mit ihren Familien sind aus Jumet Lobelinsart nach Santarinowska bei Ekaterinowska abgegangen; die Bläser erhalten einen Monatslohn von 600 Frcs. und haben sich drei Jahre verpflichtet. Auch zahlreiche Metallarbeiter versuchen ihr Glück in Rußland.

die von den Eigenthümern zum Trocknen an den Fenstern aufgehängt waren, gestohlen; ferner hatten sie Tauben eingefangen, die sie dann den Taubenhändler verkauften. Wegen des letzteren Vergehens wurden die Thäter mit 8 bezw. 12 Wochen Gefängniß bestraft. Um dem Unfug ein Ende zu machen, hat das Königl. Landraths­amt zu Hünfeld angeordnet, daß jede Nacht von Abends 10 bis Morgens 4 Uhr 10 Mann wachen müssen. Zur Beaufsichtigung dieser Schleichwache ist dem Gendarm noch ein Gendarm aus Hünfeld beigegeben worden. Hoffentlich wird durch diese Maßregelung den übermüthigen Burschen ihr Handwerk gelegt.

Barchfeld a. d. Werra, 10. April. Heute Mittag wurde hierselbst durch den hiesigen Gendarmen eine verheirathete Frau, welche jedoch getrennt von ihrem Manne lebte, verhaftet, welche vor drei Tagen ihr neu­geborenes Kind erwürgt und unter dem Dünger im SMt vergraben hat. Die unnatürliche Mutter wurde nach Schmalkalden in das dortige Amtsgerichtsgefäng- nißr eingeliefert.

Vom Main, 9. April. Eine Gesellschaft unter- nchmungssüchtiger Spekulanten will während den dies­jährigen Kaisermanövern sogenannte fahrende Restau­rationen ins Leben rufen. Angeblich hat man, wie demH. A." geschrieben wird, in Erfahrung gebracht, daß bei derartigen Manövern von manchen Wirthen kleinerer Orte ganz außergewöhnliche Preise von den nach vielen Tausenden zählenden Schlachtenbummlern abgefordert wurden. Diesem Uebel will das Konsortium abhelfen, indem es sogenannte fahrende Restaurationen oder besser gesagt fahrende Büffets nach dem Manöver­terrain entsendet. Die Wagen werden je mit drei Pferden bespannt und auf das Eleganteste und mit den kostbarsten Leckerbissen verproviantirt. Bonzarter Hand" werden Speisen und Getränke verabfolgt, wobei die Preise die ortsüblichen nicht übersteigen sollen. Man wird sechs solcher Wagen, von welchen jeder den Umfang eines Möbelwagens hat, herstellen; dieselben werden eigens zu diesem Zwecke erbaut.

Homburg v. d. H. Als Paradefeld für das 11. Armeekorps bei den diesjährigen Kaisermanövern ist die Hochebene zwischen Niedererlenbach, Obererlenbach und Niedereschbach bestimmt, wo auch Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1883 die Kaiser-Parade abnahm. Das Parade­feld liegt von den Bahnhöfen Homburg und Bonames gleich weit (4h- Km.) entfernt. Für die Zuschauer soll diesmal nur eine große Tribüne, aber unmittelbar gegen­über der Aufstellung des Kaisers, erbaut werden. Das in zwei Treffen aufgestellte Armeekorps ist mit der Division von Heffen-Darmstadt etwa 40000 Mann stark und wird eine Frontlänge von etwa 25000 Meter ein« nehmen.

Das alte Forsthaus.

(Fortsetzung.)

Mit den Gefühlen eines MörderpaareS sitzen ihm seine Gastgeber gegenüber ....

Doch die Anstrengungen des Tages beginnen nun allmählich in ihr Recht zu treten. Der hohe Chef hat bereits mit mannhafter Entschlossenheit mehrere Gähn- attacken siegreich unterdrückt und in ein würdevolles Räuspern verwandelt. Jetzt erhebt er sich, um sich von seinen Wirthen für die Nacht zu verabschieden.

Schlafen Sie recht wohl, Herr Oberforstmeister", säuselt die Hausfrau, mit dem heimlich stechenden Be­wußtsein, damit eine Lästerung schlimmster Art auS- zusprechen.

Wird gewiß nicht fehlen, meine gnädige Frau."

Eine Verbeugung ein herzgewinnend lächelnder Gruß.......so schied der Geladene von einem Gastmahl der Borgia ....

Der Oberförster leuchtet seinem Gast die steile, aus­getretene Treppe empor. Je höher sie steigen, desto kühler weht es die Beiden an . . .Ich glaube, Ihre Frau Gemahlin hat Recht ... das Haus ist etwas feucht . . ." bemerkt der Oberforstmeister, unwillkürlich innehaltend. Der Oberförster bewegt mechanisch den Mund . . . aber nur ein förmlicher Nachtgruß zwingt sich über seine Lippen.

Feuchter Wasserdunst schlägt dem Eintretenden auS dem Giebelflübchen entgegen; der Oberforstmeister muß ein Paarmal kräftig niesen. Zugleich bemerkt er zu seinem Erstaunen, daß die Fenster geöffnet stehen . . ,