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«M 29. Samstag, den 10. April 1897. 48. Jahrgang.
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I Eckardroth. Provisorisch angestellt wurden Lehrer Richard zu Oberkalbach an die Schule daselbst, Lehrer Reis zu Hintersteinau an die Schule zu Reptich, Krei Fritzlar, Lehrer Schneider zu Hintersteinau an dl Schule zu Reinhards. Schulamtskandidat Feige zu Reinhards wurde nach Großenglis, Kr. Fritzlar, versetzt
* — Nachdem wegen des Herrschens der Maul und Klauenseuche im vorigen Jahr die Viehmärkte unter bleiben mußten, ist nunmehr beschlossen worden, in diesem Jahre die sämmtlichen kalendermäßig bezeichneten Viehmärkte in Schlüchtern abzuhaltcn. Der nächste Viehmarkt zu Schlüchtern findet also statt am Dienstag, den 13. April 1897, und soll der folgende Matt jedesmal durch Ausschellen auf dem Markte selbst be kannt gegeben werden. Es ist nicht zu bezweifeln, da bei richtiger Bekanntgabe diese Viehmärkte von Käufe wie Verkäufer zahlreich besucht und den alten wohlverdienten Ruf der Schlüchterner Viehmärkte wieder zur Geltung bringen werden.
* — Im Regierungsbezirk Kassel sind seit 1. April drei Gewerbeinspektionen eingerichtet. Die Bezirke sind vom 1. d. M. ab wie folgt festgesetzt: 1. Gewerbe- inspektion in Kassel, umfassend die Kreise Kassel-Stadt, Kassel-Land, Rinteln, Hofgeismar, Wolfhagen, Fritzlar, Frankenberg, Marburg, Kirchhain und Ziegenhain. 2. Gewerbeinspektion in Fulda, umfassend die Kreise Hünfeld, Fulda, Gersfeld, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau-Stadt und Hanau-Land. 3, Gewerbeinspcktion in Eschwege, umfassend die Kreise Homberg, Melsungen, Witzenhansen, Eschwege, Rotenburg, Hersfeld und Schmalkalden.
* — Ueber die Einberufung von Mannschaften der Reserve, die als Einjährig-Freiwillige gedient haben aber nicht Offiziers-Aspiranten sind, ist neuerdings bestimmt worden, daß sie bei allen Waffengattungen während der Dauer des Reserveverhältnisses zur Theilnahme an zwei Uebungen auf je acht Wochen verpflichtet sind. Auf besonderen Antrag kann genehmigt werden, daß diese Uebungen iu unmittelbarem Anschluß, also 16 Wochen hintereinander, abgeleistet werden. Diese ehemaligen Einjährig-Freiwilligen sind zu brauchbaren Unteroffizieren auszubilden und können geeigneten Falls am Schluß der ersten oder im Verlauf der zweiten Uebung zu Unteroffizieren befördert werden.
* — Für die Hinterbliebenen von Angehörigen des Reichsheeres ist es von Wichtigkeit, über Nachstehendes Kenntniß zu erhalten: Für Wittwen und Waisen von Personen des Soldatenstandes vom Feldwebel abwärts wird das Wittwengeld einheitlich von 160 auf 216 Mk. erhöht, das Waisengeld von 54 auf 72 Mk. festgesetzt. Für die Hinterbliebenen derjenigen Mannschaften, denen eine mehr als 15jährige Dienstzeit zur Seite steht, erhöht sich das Wittwen- und Waisengeld für jedes Jahr dieser weiteren Dienstzeit bis zum vollendeten vierzigsten Dicnstjahr um 6 v. Hundert der angegebenen Sätze. Die in den gegenwärtig geltenden Gesetzen bei mehr als fünfzehnjährigem Altersunterschied der Ehegatten vorgesehene Kürzung des Wittwengeldes wird dahin abgeändert, daß nach fünfjähriger Dauer der Ehe für jedes angefangene Jahr ihrer weiteren Dauer dem gekürzten Betrage ein Zwanzigstel des berechneten Wittwengeldes so lange hinzugesetzt wird, bis der volle Betrag wieder erreicht ist.
* — Eine sehr wichtige Bekanntmachung ist auf den Eisenbahnstationen zum Aushang gelangt. Dieselbe lautet: Den Reisenden, welche Reisekörbe als Gepäck aufgeben, wird zur Verhütung von Entwendungen aus denselben unter § 31 der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands dringend empfohlen, diese Körbe neben dem Verschluß durch Anbringung einer rcuzweisen festen, an den Enden versiegelten Verschnürung derart zu sichern, daß ein Aufheben des Deckels an den Schmalseiten unmöglich gemacht wird. Die aus Nichtbeachtung derartiger Sicherheitsmaßregeln entstehenden nachtheiligen Folgen würde sich das reisende Publikum selbst beizumessen haben.
* — Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 5. April. Der Handelsmann und Metzger Sch. von Schwarzenfels hatte im Mai v. I. von den Maurerseheleuten St. dorten eine Summe von 8.50 Mk. erhalten, um sie dem Thierarzt W. für Rechnung der Genannten zu übermitteln. Sch. giebt das Geld nicht ab, verwendet es in seinem Nutzen, schreibt eine Quittung, fälscht den Namen des Thierarztes und giebt die
IMblhttirtM» °"f die „Schlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen r — -- - Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. April. Der Kaiser, welcher Tags vorher der Trauerfeier für die verstorbene Gemahlin des englischen Botschaftes beiwohnte, hierauf Vorträge hörte und Abends einer Einladung des italienischen Botschafters zur Tafel entsprach, machte Mittwoch Vormittag einen Spaziergang. Ins Schloß zurückgekehrt, nahm der Monarch den Vortrag des Chefs des Civilkabinets entgegen. Berlin, 8. April. Staatssekretär Dr. v. Stephan verschied am Donnerstag früh 12 Uhr 30 Minuten sanft ohne Todeskampf. Am Mittwoch Abend war er noch bei Besinnung.
Weimar. Ein interessanter Fall von bedingter Begnadigung kommt jetzt zu seinem, freilich negativen Austrag. Ihm Jahre 1887 war eine seit geraumer Zeit in Erfurt wohnende Frau von der Strafkammer des Landgerichts Weimar wegen Dicbstahls zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Der Groß- Herzog hatte in Gnaden gewährt, daß die Frau die Strafe erst dann antreten solle, wenn sie wieder etwas Gesetzwidriges begehe. Jetzt, nach 10 Jahren, muß sie diese Strafe noch verbüßen, weil sie jetzt abermals wegen Diebstahls verurtheilt wurde.
Aus dem Herzogthum Sachseu-Alteuburg schreibt man: Während aus verschiedenen Staaten gemeldet wird, daß sich jetzt wenige Leute dem Lehrerberufe zuwenden, woraus sich als weitere Folgerung die unerfreuliche ' Thatsache ergiebt, daß mancher ungenügend Vvrgebildete in den Lehrerbildungsanstalten Aufnahme findet, kann man hier zu Lande von alledem nichts bemerken, viel- , mehr ist der Andrang zu dem Seminar so groß, daß nicht alle Aspiranten, welche die nothwendigen Kenntnisse besitzen, Aufnahme finden können. Der Aufnahmeprüfung, die dieser Tage am herzoglichen Schullehrer- seminar stattfand, unterzogen sich 78 Aspiranten, aber nur der dritte Theil kann ausgenommen werden.
Aus Thüringen, 6. April. In Thüringen giebt es 34 Orte, die zu zwei Staaten gehören, nämlich: Bethen- Hausen, Blintendorf, Bocka, Dorna, Gosel, Gerbsdors, Hertha, Hillcrsdors, Hohenölsen, Hundhaupten, Jesenitz, Kauritz, Kleingeschwcnda, Kleinschmalkalden, Königshöfen, KraftSdorf, Kranichfeld, Lengefeld, Neustadt a. R., Pörsdorf, Plothen, Rüdersdorf, Ruhla, Rußdorf, Schellmannshausen, Seifertsdorf, Sorga, Stützerbach, Teunitz, Thonhausen, Unterwirrbach, Weißbach, Weitcr- berga und Vikarei. — Dabei ist aber der Weltplatz „Beirode" vergessen! Davon gehören 9/io zum Herzog- Meiningen, das Gut aber mit dem Wirthshause und der halben „Grenzlinde" zu Preußen, d. h. zum früher kurhessischen Kreis Schmalkalden.
— Der letzte Veteran von 1813. Nachdem der frühere Gendarm Hering, 101 Jahr alt, und Lieut. v. Bähr, 103 Jahre zählend, fast gleichzeitig zur großen Armee abgegangen, erfreut sich nur noch einer der tapferen Veteranen der Freiheitskriege seines Daseins. Es ist dies der Tischlermeister Kaufmann in Rettgenstädt, der, 104 Jahre alt, geistig und körperlich noch sehr frisch ist.
Ausland.
. — Aus Togo (Klein-Popo) wird der „Weser-Ztg." mitgetheilt: Nach den neuesten Nachrichten aus dem Busch hat unsere Expedition ein großes, siegreiches Gefecht im Jendilande bestanden, bei dem unsere Leute mit größter Bravour sich geschlagen haben. Leider ist Herr Heidtmann beim Sturm dicht vor dem Feinde durch eine Kugel schwer in der linken Brust verwundet worden und nach 14tägigem Kranksein gestorben. Das Eigenthümliche bei dem Zusammenstöße war, daß man die Jendileute sämmtlich mit den neuesten englischen Gewehren ausgerüstet fand, und es ist nur der Tüchtigkeit unserer Truppen zu verdanken, daß trotz der kolossalen Uebermacht der Sieg so glänzend errungen wurde. Besonders nach dem Fallen des Herrn Heidt- Mann sollen unsere Leute wie die Teufel gefochten haben.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 9. April.
* — Versetzt wurde Lehrer Fischlein zu Breu-
/ mugs nach Oberzell, Lehrer Schreiber zu Ahlersbach
^ Meerholz, Lehrer Hans zu Kath.-Willenroth nach
Quittung den Auftraggebern ab. Später erstattet er den St.'fchen Eheleuten den Betrag wieder. Das Gericht erkennt auf Unterschlagung und einfache Urkundenfälschung und verurtheilt den Angeklagen zu 6 Wochen Gefängniß.
Taun, 6. April. Das gräßliche Unglück bei den Coaksösen der Zeche „Alma« in Gelsenkirchen hat viele Bewohner der hiesigen Gegen in große Aufregung versetzt. Der getödtcte Aufseher Röder vom benachbarten Theobaldshof war vor einigen Wochen zu Besuch hier nnd nahm noch weitere Arbeiter mit nach der Zeche. Daher befinden sich unter den vom Unglück Betroffenen auch Leute aus der Rhön.
Hersfeld, 5. April. Beim Wegräumen des Schuttes feines abgerissenen Hauses fand am Sonnabend Vormittag Herr Kaufmann Karl Zickendraht am Klausthor mehr als 250 Silbermünzen, die, wie man vermuthet, während der Franzosenzeit zu Anfang dieses Jahrhunderts dort vergraben worden sind. Die Münzen sind fast alle noch sehr gut erhalten, sodaß bei den meisten die Prägung noch deutlich zu erkennen ist. Es befinden sich darunter hessische, braunschweigische, wittgensteiner, kur- pfälzische, württembergische und französische Geldstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die letzten Jahreszahlen sind 1793 und 1798. Recht zahlreich vertreten sind Mariengroschen, ferner in mehreren Exemplaren der Kronenthaler (von 1690 und 1698) und der Laubthaler (1694, 1702 und 1804). Einen besonderen Werth dürften ein hessischer Blitzthaler vom Jahre 1637 und eine BonifaciuS-Münze aus dem Jahre 1750 haben.
Melsungen, 2. April. Ein 22jährigen Arbeiter der Salzmann'schen Fabrik, welcher vor einigen Wochen, angeblich ohne böse Absicht, von einem anderen Arbeiter mt einem Messer beworfen wurde, welches im Rücken lecken blieb und die Lunge verletzte, ist heute dieser Ber» ietzung erlegen.
Cassel, 5. April. (Rabeneltern.) Wegen fortgesetzter chwerer Mißhandlung und NahrungSentziehung der eigenen Kinder hatten sich die Tagelöhner Wilhelm Stöhr'schen Eheleute aus Melsungen und die Schwiegermutter Wittwe Eiffert aus Wattenbach vor Gericht zu verantworten. Dieselben hatten voriges Jahr ihre 3 Kinder von 2, 4 und 7 Jahren, zwei Mädchen und ein Junge, in der unmenschlichsten Weise behandelt. Es waren dieses Kinder aus der ersten Ehe der Frau und nachdem diese sich mit ihrem zweiten Manne ver- heirathet, waren ihr und dem Letzteren diese unglücklichen Geschöpfe ein Dorn im Auge. Sie wurden bei jeder Gelegenheit mit Stock, Leibriemen rc. mißhandelt, erhielten oft 30 Schläge auf einmal und obendrein fast nichts zu essen, sodaß sie halb verhungert waren und förmlich zu einem Skelett abmagerten und vor Schwäche zitterten. Wenn die Kinder von gutherzigen NachbarS- euten ein Stückchen Brod geschenkt erhielten, wurde eS hnen von den Rabeneltern wieder vorm Munde weg- gerissen, ebenso wenn die ausgehungerten Würmer daS den Gänsen und Hühnern vorgeworfene Brod Wegnahmen. Schließlich legten sich die Nachbarsleute ins Mittel und wurden die Kinder zu andern Leuten in Pflege gethan.
Der Ehemann erhielt 9 Monate, die Ehefrau 5 Monate Gefängniß, dagegen mußte die Schwiegermutter wegen mangelnden Beweises freigesprochen werden.
Aus Gotha vollzieht sich in diesen Tagen eine starke Auswanderung von weiblichem Dienstpersonal nach Cassel, wohin die Mädchen den ehemaligen 95ern folgen.
Cassel, 6. April. Die für daS Jahr 1896 für die evangelischen Gemeinden des KonsistorialbezirkS Caffel ausgeschriebenen Kirchen-Collekten haben insgesammt 41997 Mk. 33 Pfg. ergeben, darunter befindet sich der Betrag von 3706 Mk. 3 Pfg. für das Hessische Diakoniffenhaus, sowie 3000 Mk. für die Gemeinde Philippinenhof bei Cassel.
Bon der Schwalm, 5. April. Die Landwirthe haben in den letzten Jahren nicht unberechtigte Klage über Mangel an landwirthschaftlichen Arbeitern gehabt. So wanderten auch in diesen Tagen wieder eine große Menge Arbeiter, hauptsächlich aus dem Kreise Ziegenhain, in die Jndustriebezirke Westfalens und der Rhein- Provinz aus. Aus dem Dorfe R. waren es allein 45 kräftige Arbeiter.
Marburg, 6. April. In dem benachbarten Städtchen Wetter kam es gestern Nachmittag gelegentlich der Control-Versammlung zwischen den Mannschaften vrp