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M 26. Mittwoch, den 31. März 1897. 48. Jahrgang.

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Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Der Dank des Kaisers wird in der letzten Nummer desD. Reichs- und Staats-Anzeigers" in der nachstehenden Form veröffentlicht:

Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages Meines Hochseligen Herrn Großvaters, weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm des Großen ist von allen deutschen Patrioten ohne Unterschied des Bekenntnisses, der Parteistellung und Berufes in Nord und Süd, Ost und West des großen Vaterlandes und überall, wo Deutsche weilen, mit einer Begeisterung ge­feiert worden, die von der tiefempfundenen Dankbarkeit und herzlichen Verehrung für den Hohen Herrn ein glänzendes Zeugniß abgelegt hat. Ich preise Mich glücklich, diese Festtage inmitten Erlauchter deutscher Fürsten und Vertreter von befreundeten europäischen Fürstenhäusern angesichts des von dem deutschen Volke errichteten Stand­bildes des Verewigten erlebt zu haben und Zeuge der herzerhebenden Kundgebungen in der Reichshauptstadt gewesen zu sein. Die überaus zahlreichen schriftlichen und telegraphischen Begrüßungen, die zum Theil in poetischer Form Mir zugegangen sind, haben Mich mit inniger Befriedigung ersehen lassen, daß bei den mannig­fachen festlichen Veranstaltungen, welche die Bewohner von Stadt und Land, die staatlichen und kommunalen Behörden, die Krieger-, Schützen-, Gesang-, Turn- und sonstigen Vereine, besonders auch die deutschen Vereine im Auslande in diesen Tagen zusammengeführt haben, auch Meiner in treuer Liebe gedacht worden ist. Durch diese Beweise vertrauensvoller Zuneigung bin ich hoch beglückt worden, und ist es Mir Bedürfniß, Allen, welche zur Verherrlichung dieses nationalen Festtages beigetragen haben, Meinen wärmsten Dank hiermit aus- zusprechen. Mein besonderer Dank gebührt Denen, welche das Andenken des Großen Kaisers durch die Errichtung von Standbildern oder hochherzigen Stiftungen an Seinem Geburtstage verherrlicht haben. Die schönste Ehrung des Entschlafenen, wie sie Seinem schlichten und demuthvollen Sinne am meisten entspricht, erblicke ich aber in dem gemeinsamen Gelöbniß, allezeit mit uner­müdlicher Pflichttrene Seinem erhabenen Vorbilde nach- zueifern, Seine heiligen Vermächtnisse zu bewahren und die volle Kraft für die Größe und das Wohl des durch Ihn neu geeinten deutschen Vaterlandes einzusetzen. Auch meine Kräfte gehören dem Vaterlande, und hoffe Ich zu Gott, daß Er auch Mir und Meiner Regierung Seine Gnade zu Theil werden lasse und das deutsche Volk auf friedlichen Bahnen zu einer gesunden Weiter- entwickelung führen wird.

Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kennt­niß zu bringen.

Berlin, den 26. März 1897.

An den Reichskanzler. Wilhelm, I. B,

' Nach Mittheilungen aus Offizierskreisen soll der Kaiser die Absicht hegen, noch einen Orden zu stiften. Bekanntlich wird den Unteroffizieren und Gemeinen nach , einer 9-, 15» und 21jährigen Dienstzeit eine eiserne, resp. silberne, resp, goldene Dienstauszeichnung, die sogenannte Dienstschnalle verliehen. Diese Dienstaus­zeichnung soll in Zukunft in Form einer runden Medaille, ähnlich der Erinnerungsmedaille, verliehen werden. Den Unteroffizieren und Gemeinen, welche schon im Besitz derSchnalle" sind, soll die neue Medaille ebenfalls durch die Regiments- oder Bezirkskommandos gegen Rückgabe derSchnalle" umgetauscht werden:

Das Ausbleiben des erwarteten Gnaden Erlasses aus Anlaß der Hundertjahrfeier macht sich in Berlin in weiten Kreisen empfindlich fühlbar. Da unter einen solchen nur rechtskräftig gewordene Strafen fallen, so hatten schon seit Wochen zahlreiche Personen, theils aus eigenem Entschluß, theils auf den Rath ihrer Vertheidiger, r sofort nach dem Urtheil auf weitere Rechtsmittel ver­richtet, In anderen Fällen war die schon eingelegte

Berufung schleunigst zurückgezogen worden. Nun zeigt es sich, daß alles umsonst war und die Enttäuschung ist groß.

Von den vielen Kränzen, die am National- Denkmal in Berlin niedergelegt wurden, wird nach kaiserlicher Bestimmung der von dem Verbände deutscher Krieger und Kriegs-Veteranen von 1848 bis 1870/71 gestiftete eiserne Kranz dauernd auf den Stufen des Denkmals liegen bleiben.

- Wir lesen in der MünchenerAllg. Ztg.": Die militärischerseits fortgesetzt angestellten Versuche in der Verwendung des Fahrrades zu kriegerischen Zwecken haben auch die Nothwendigkeit der Herstellung eines tragbaren Fahrrades dargethan; ein solches zusammen­legbares Kriegsrad wurde nun auch angefertigt, versucht und brauchbar befunden. Dieses ist ein 16,5 Kilogramm wiegendes Zweirad, das sich zusammen­legen und mittels eines Riemens, ähnlich wie der Tornister, auf dem Rücken befestigen läßt, nur 68 Centi- meter hohe Räder hat, in einer halben Minute zu- sammengelegt und in ebenso viel Zeit wieder fahrbar gestellt werden kann. Der Mann kann, ohne das Fahrzeug zu verlassen, zwischen beiden Rädern stehend seine Feuerwaffe gebrauchen. Die bisher angestellten Versuche haben die besten Ergebnisse geliefert; auch glaubt man, ohne Gefährdung der Sicherheit eine Ein­schränkung des Gewichtes anstreben zu können.

Wie die neue deutsche Kokarde getragen wird. Am Tschako, Tschapkw und an der Pelzmütze der Husaren wird die deutsche Kokarde rechts angebracht, das Feld­zeichen führt die Farben der Landeskokarde. An der Feld-, Schirm- und Dienstmütze sitzt die Landeskokarde auf dem Besatzstreifen und die deutsche Kokarde darüber auf der Mitte des Grundtuchs, soweit nicht besondere an der Mühe zu tragende Auszeichnungen einen weiteren Abstand beider Kokarden bedingen. Diejenigen Truppen- theile, welche zum preußischen Heere gehören, aber sich aus Angehörigen nichtpreußischer Staaten ergänzen, tragen die deutsche Kokarde und eine außerpreußische Landeskokarde (Feldzeichen). Die bisherige Berechtigung für einzelne Mannschaften, außer der Laadeskokarde des Truppentheils diejenige ihres Heimathsstaates zu tragen, fällt fort.

Die vergoldeten Denkmünzen zur Hundertjahr­feier sind schon wiederholt als Zwanzigmarkstücke, denen sie an Größe und Ansehen bei oberflächlicher Beobach­tung sehr ähnlich sehen, gelegentlich größerer Zahlungen mit ausgegeben und dadurch Geschäftsleute empfindlich geschädigt worden. Es dürfte sich daher bei Empfang­nahme von Zanzigmarkstücken die größte Vorsicht em­pfehlen.

Das beste Geschäft während der Hundertjahrfeier haben, wie Berliner Blätter berichten, unzweifelhaft die Gastwirthe in der Umgebung des Schlosses gemacht. Auf Grund von Umfragen ist ermittelt worden, daß die auf die Festtage gesetzten Hoffnungen zum Theil wert übertroffen sind. Am Montag Abend waren um 9 Uhr in vielen Lokalen im Zentrum die großen Speisevorräthe bereits vollständig aufgezehrt. Manche Wirthe sahen sich genötigt, Tische aus dem Lokal zu entfernen, um den andringenden Massen Raum zu gewähren- Am späten Abend ging auch noch das Bier aus; man vertilgte dann die Vorräthe in Selterwasser und ging schließlich dazu über, die anderen Spirituosen in Wasser verdünnt zu genießen. Die Händler mit Hundertjahrfeier-Artikeln haben ebenfalls ein gutes Geschäft gemacht.

Hamburg. Die vermehrte Concurrenz, die unsere See- leute von den billigen und willigen farbigen Mannschaften zu erleiden haben, ist wohl selten so augenfällig ge­worden als in dem Fall des von Newport News im Hamburger Hafen eingetroffenen englischen Dampfers Knight Companion", der nicht weniger als 74 Hindu an Bord als Besatzung hat. Eine ebenso große An­zahl farbiger Seeleute hat ein demnächst ebenfalls in

Hamburg eintreffendes Schwesterschiff des obigen Dampfers. Für die Hamburger Kinsinlinie ist am Sonnabend eine Anzahl Chinesen in Hamburg ein- getroffen und vorläufig im Seemannshause untergebracht worden. Außerdem wird berichtet, daß für eine andere große Hamburger Rhederei demnächst eine Anzahl farbiger Seeleute eintreffen wird.

Apolda. Unter den diesjährigen, zur Musterung erschienenen Militärpflichtigen befanden sich auch 85 Insassen der Strafanstalt Jchtershausen. Gewiß auch ein Zeichen der Zeit.

Ausland.

London, 26. März. Wie dieDaily Mail" aus Bombay erfährt, sind in der europäischen Kolonie ver­schiedene Fälle von schwarzer Pest vorgekommen. In zwei Fällen war der Ausgang ein tödtlicher. Das eine Opfer war die Schwester des italienischen Consuls, das andere ein bekannter englischer Kaufmann. In beiden Fällen trat der Tod nur wenige Stunden nach Der Erkrankung ein. Die Stimmung in der Kolonie ist eine sehr aufgeregte.

London, 27. März. Nach einer Meldung des Reuterschen Büreaus" aus Konstantinpel von gestern wären neueren Berichten zufolge bei den Unruhen in Tokat 400 Armenier getödtet worden. Gerüchtweise verlautet, auch in Arbah, nördlich von Tokat, seien Unruhen ausgebrochen.

Auf Kreta dauern die Kämpfe fort. Aus der Blokade der Insel, die zudem mangelhaft durchgeführt wird, machen sich die Kreter blutwenig. Sie haben die verschiedenen Punkte angegriffen und die Türken ge- schlagen. Würden die Aufständischen nicht durch die europäischen Truppen und Kriegsschiffe gehindert, sie würden mit der türkischen Herrschaft schnell fertig werden, Wei. den Kämpfen um das Fort Malaca haben die Admirale ein zweites Bombardement gegen die siegreichen Aufständischen für nothwendig gehalten. Die Kriegs­schiffe feuerten etwa 10 Minuten lang gegen die Insur­genten. Ader trotzdem die Granaten einschlugen, be­haupteten sich die Aufständischen dicht bei dem Blockhause, welches sie um 3 Uhr 55 Min. Nachm. räumten und anzündeten. Im Ganzen fielen 123 Schüsse, von der Kaiserin Augusta 13. Am Bombardement waren Schiffe aller Nationen betheiligt. In Griechenland dauert die kriegerische Stimmung fort. Die Türkei hat alle irgend verfügbaren Truppen nach der griechisch-türkischen Grenze geschafft, die türkische Flotte hat sogar das Wagniß unternommen, in ^ee zu gehen. Neue Schwierigkeiten entstehen aber der Türkei in Kleinasien. In Armenien sind neue Unruhen ausgebrochen. In Total hat wieder ein Armeniergemetzel statlgcsunden. Rußland macht Miene, in Armenien einzurücken. Es hat eine starte Truppenmacht an der armenisch-russischen Grenze zu­sammengezogen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 30. März.

Von der Prüfungs-Kommission für den Ein­jährig-Freiwilligen Militärdienst zu Kassel wurden vom 17. bis 20. dieses Monats die Prüfungen im Stadtbausaal abgehalten. In der 3. Serie bestanden von 10 Prüflingen 4, in der 4. Serie von 12 4. Im Ganzen haben von 46 nur 19 bestanden. Von diesen Prüflingen unterzog sich zum erstenmale auch ein Schüler des hiesigen Progymnasiums, Robert Bornemann aus Geln Hausen, Sohn des Revierförster Bornemann, früher in Ulmbach. Demselben wurde als einem der Besten der Berechtigungsschein zuerkannt.

* - Der Lenz beginnt seinen Einzug zu halten. Viele der gefiederten Frühlingsboten sind schon in ihre alte Heimath zurückgekehrt. Jetzt ist es auch Zeit, den kommenden Vögeln Hütten zu bauen, ihnen Gelegenheit zu geben, daß sie sich in der Nähe des Menschen an­siedeln können. Den Miethzins für diese Wohnungen bleiben sie uns nicht schuldig. Hilflos ständen mir den Milliarden kleiner Schädlinge unserer Pflanzen gegen­über, wenn uns nicht in den Vögeln treue Bundes­genossen in dem Kampf gegen die schädlichen Insekten zur Seite ständen. Die Nistkästen hänge man derart auf, daß das Flugloch nach Osten gerichtet ist. Dieser Punkt wird noch nicht genug beachtet, trotzdem er so wichtig ist. Der Staar liebt die Geselligkeit. Für ihn kann man an einem Baume oder an einer Stange