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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 25. Samstag, den 27. März 1897. 48. Jahrgang.

W* Kitte, vergessen Kie nicht, -ML

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Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

I Nach der Jubelfeier.

Das Fest ist beendet, welches ganz Deutschland dem Andenken des unvergeßlichen Heldenkaisers Wilhelm bereitet hat. Doch die Eindrücke desselben werden auf die Nation noch lange fortwirken, denn erhabener und großartiger in ihrem Verlauf hat sich selten eine vater­ländische Feier gestaltet. Zu den erhebendsten Momenten des Festes gehört unstreitig der Trinkspruch, in welchem Kaiser Wilhelm vor den deutschen Fürsten und den Vertretern der europäischen Regentenfamilien Zeugniß ablegte, daß der Geist seines großen Ahnherrn fortlebt im Hohenzollernhause und auch in Zukunft vorbildlich sein soll für die kaiserliche Politik.

Auf dem Prunkmahl im königlichen Schloß sprach Kaiser Wilhelm die bedeutungsvollen Worte aus:Für uns, Ihr hohen Fürsten und Verwandten, soll das Andenken an den verewigten Kaiser ein erneuter Ansporn sein, für unsere Bevölkerung zu leben und zu arbeiten, wie er, zum gemeinsamen Ziel der fortschreitenden Kultur und zur Aufrechterhaltung des Friedens!" Weit über Deutschlands Gaue hinaus werden diese Worte mit Begeisterung ausgenommen worden sein. In ihm giebt sich die hohe Staatsauffassung wieder, mit der einst Friedrich der Große bahnbrechend gerben

i ist für seine Zeit. Die Fürsten Deutschlands, geeint in dem Bestreben, der Kultur, der Volkswohlfahrt und dem Völkerfrieden ihre Lebensaufgabe ausschließlich zu widmen! wo solche Gesinnung sich praktisch versucht, da müssen sich von selbst die Banden festigen, welche Fürsten und Volk verketten- Aber Kaiser Wilhelm hat sich im be­sonderen noch die Armee, das deutsche Volk in Waffen, verbindlich gemacht durch die Stiftung eines militärischen Erinnerungszeichens an den großen Kaiser. In der That, sinniger hätte die Festfeier ihren Abschluß nicht erhalten können, denn das, was die deutsche Armee zur Zeit ist, verdankt sie ausschließlich dem Heldenkaiser Wilhelm, der ihr von Kindesbeinen angehörte und dessen Herz bis in sein Greisenatter für sie geschlagen hat. Mit Stolz wird der deutsche Soldat dies Erinnerungs- zeichen fortan tragen, mit Dankbarkeit werden aber alle zu unserem jetzigen Träger der Reichskrone Hinblicken, welcher dem Andenken an seinen königlichen Großvater in der Festfeier einen so würdigen Ausdruck lieh.

Der Kaiser hat angesichts der patriotischen Be­wegung, welche allerorts im Lande durch die Feier der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages des großen Kaisers, insbesondere auch unter den alten seiner Führung un erstellt gewesenen Krieger hervorgetreten ist, befohlen, daß auch den Veteranen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870^71 die von ihm gestiftete Erinnerungs-Medaille verliehen werden soll. Die Kosten der Herstellung der Medaille will der Kaiser aus eigenen Mitteln bestreiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. März. Der Kaiser nahm Dienstag Vormittag im Beisein der Fürstlichkeiten den Festzug der

Bürgerschaft am Nationaldenkmal entgegen. Nachmittags fand bei den Majestäten in der Bildergallerie Tafel statt. Nach dem Fackelzug der Studenten wohnte das Kaiser- Paar einem Festkonzert im Cirkus Renz bei. Zahlreiche Gnadenerweise und Auszeichnungen seitens des Kaisers anläßlich der Feier des 22. März sind bekannt gegeben worden.

Das Drogoner-Regiment Nr. 3 soll künftig die Benennung führen:Grenadier-Regiment zu Pferde". Dasselbe Regiment soll künftig an den Helmen den Gardeadler (ohne Stern und Rosetten) mit flammender Granate u. s. w. führen. Das Grenadier-Regiment König Wilhelm I." soll ebenso an den Helmen den Gardeadler (ohne Stern) führen mit der Inschrift: 22. März 1797". Dem Husaren-NegimentKönig ' Wilhelm 1." werden Pauken verliehen, denjenigen Fahnen und Standarten, welche bei der Kaiserproklamation zu

Versailles am 18. Januar 1871 zugegen waren, je ein silberner Ring mit der bezüglichen Inschrift.

* Ueber die neuen Regimenter, die vom 1. April an formirt werden, dürften folgende Mittheilungen von Interesse sein: Die vierten (Halb)- Bataillone der Infanterie-Regimenter kommen bekanntlich an diesem

1. April in Fortfall. Aus je zweien dieser Bataillone, mit Ausnahme des aufzulösenden vierten Bataillons des 1. Garde-Regements zu Fuß, werden Vollbataillone gebildet, je zwei dieser Vollbataillone werden zu einem Infanterie-Regiment und je zwei dieser Regimenter mit Ausnahme des 5. hessischen Infanterie-Regiments Nr. 168 zu einer Infanterie-Brigade vereinigt. Zu diesem Zweck sind neu errichtet 16 Jnfanteriestäbe, 33 Jnianterie-Regimentsstäbe und 66 Infanterie-Bataillone (Vollbataillone). Der Bestand an Offizieren erhöht sich um 16 Brigadekommandeure, 33 Regimentskommandeure, 244 Sekonde-Lieutenants, 33 Oberstabsärzte, dagegen fallen 67 Bataillons-Kommandeure, 2 Hauptleute erster Klasse, 2 Premieur-Lieutenants und 60 Assistenzärzte fort. Der Aufstellung desArmee-Verordnungsblattes" über die am 1. April neu zu bildenden Truppen ist u. A. zu entnehmen: Es werden errichtet: Beim XL' Armeekorps das 166., 167. und 168. Infanterie- Regiment. Das 166. u. 167. Infanterie-Regiment werden die 83. Brigade in Hanau bilden, das 166. Infanterie- Regiment wird seinen dauernden Aufenthalt in Hanau, das 167. in Cassel erhalten; das 168. Infanterie- Regiment wird der 49. Infanterie-Brigade zugetheilt, das 1. Bataillon des 168. Infanterie-Regiment wird in Butzbach, das 2. Bataillon in Offenbach (Regiments­stab) seinen dauernden Aufenthalt erhalten.

Weimar, 22. März. Die Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar ist gestern Abend um halb neun Uhr plötzlich am Herzschlag verschieden. Die Ver­storbene, welche ein Alter von 73 Jahren erreicht hat, war eine niederländische Prinzessin. Im Jahre 1892 feierte das großherzogliche Paar die goldene Hochzeit.

München, 22. März. Der Lokalbau-Commission liegt ein Gesuch um Errichtung eines Hunde-Schlacht- hauses in einer Vorstadt vor. Die Entscheidung wurde zuerst vertagt. Daß hier in gewissen Vorstädten, in denen die Lebenshaltung eine sehr einfache, ja dürftige ist, von jeher viel Hundefleisch gegessen wird, ist ein öffentliches Geheimniß. Liebhaber behaupten sogar, das Fleisch sei besonders schmackhaft.

Nürnberg, 17. März. Kürzlich hatte sich das Schwurgericht mit einer Anklage wegen unlauteren Wettbewerbes, verübt durch die Presse, zu befassen. Zwei Möbelhändlerseheleuten von dunkler Vergangen­heit war zur Last gelegt, durch Zeitungsinserate unter der Urheberschriftwegen Ehescheidung",wegen zer­splitterter Ehe",wegen zurückgegangener Verlobung" rc. Möbel zum Verkauf ausgeboten zu haben, um den Schein eines besonders günstigen Angebots zu erwecken. Zur Verifizirung ihrer Inserate sollen sie, als Anzeige gegen sie erstattet wurde, sogar die Ehescheidungsklage zum Schein gegen einander angestrengt haben. Die Ehefrau, vou der die Inserate ausgingen und welche die Kauf­lustigen empfing, natürlich jedes Vieteljahr in einer anderen Wohnung, wurde unlauteren Wettbewerbes, der Ehemann der Beihilfe dazu schuldig befunden. Beide Angeklagte kamen mit je 200 Mark Geldstrafe davon.

Hamburg, 22. März. Das Riesendock in Hamburg. Das Docken unser großen Handelsdampfer und Panzer­schiffe, das bisher nur in England vorgenommen werden konnte, wird in Kürze sich auch auf deutschem Boden vollziehen, da das große Riesendock der Firma Blohm u. Voß in Hamburg, das bei einer Länge von 130 Metern und einer Breite von 36 Metern eine Tragkraft von nicht weniger als 17,500 Tons besitzt, in aller­nächster Zeit seiner Vollendung entgegengeht. Hamburg

wird damit die größte aller derartigen bestehenden An' lagen besitzen. Für das Dock ist ein Dockhasen in ge' wattigen Dimensionen südlich von der Werft auf der Elbinsel Kuhnwärder hergestellt, der bei gewöhnlichem Hochwasser Schiffe von 26 Fuß Tiefgang zum Docken aufnehmen kann. Das Dock selbst besteht aus sieben einzelnen Pontons, die durch die hohen und starken Seitenkästen zu einem zusammenhängenden System ver­bunden sind. Jeder Seitenkästen enthält in der Mitte einen Maschinen- und Kesselraum, der die Betriebsdampf. Maschinen für die Pumpen, die elektrischen und hydrau- lichen Maschinen u.s.w. aufnimmt. Diese beiden Betriebs­dampfmaschinen sind mit Kondensatoren versehen und haben je 700 indizirle Pferdestärken; sie setzen vierzehn Pumpen in Bewegung, die im Stande, das Dock in dreiviertel Stunden leer zu pumpen und somit in dieser Zeit das größte Schiff zu heben. Ein großer Krähn besitzt 150,000 Kilogramm Tragkraft bei zwanzig Meter Ausladung und ein zweiter eine Tragkraft von 45,000 Kilogramm bei 32 Meter Ausladung. Derartige Dimensionen sind bisher noch bei keinem Krähn zur Anwendung gelangt. Der Krähn ist dadurch in den Stand gesetzt, Lasten vom Lande aus selbst über die größten Schiffe hinweg direkt ins Dock zu befördern. Das Dock ist so konstruirt, daß es im Nothfalle oder bei Kriegszeiten nach Brunsbüttel am Eingänge des Kaiser Wilhelm-Kanals verlegt werden kann, um dort Schiffe zu docken, die schon schwere Havarie erlitten haben oder einen allzu großen Tiefgang besitzen.

Ausland.

London, 23. März. Die Beziehungen zwischen Transvaal und England haben in den letzten vierund- zwanzig Stunden eine derartige Verschlechterung erfahren, daß die Entsendung von 15,000 Mann englischer Truppen nach der Kapkolonie beschlossen ist. Der revidirte Vertrag zwischen Transvaal und dem Orange- Freistaat enthält die Bestimmungen, daß beide Staaten zusammenstehen, wenn sie angegriffen werden, und daß die Bürger des einen Staates auch in dem anderen Staate volles Bürgerrecht genießen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 26. März.

* Versetzt wurde Postassistent Hoffmann von Schlüchtern nach Hamburg und Ober-Postasststent Kreß von Saarburg (Lothringen) nach Schlüchtern.

* Zu unserem Bericht über die hiesige Centenar- fcier haben wir noch nachzuholen, daß am 22. d. Mts., Vormittags, eine gemeinschaftliche Sitzung der Stadt- vertretung im Rathhaussaal stattfand, bei welcher Herr Bürgermeister Salomon mit einer kurzen Gedächtnißrede das von der Stadtvertretung zur Anschaffung beschlossene Bild des hochseligen Kaiser Wilhelms I. der Stadt übergab, um es als ein Erinnerungszeichen an die be­gangenen Festtage im Rathhaussaale aufzuhängen.

W. Die Gedenkfeier des 100 jährigen Geburtstages weiland Kaiser Wilhelm I. nahm im KVregerverein Schlüchtern folgenden Verlauf: Sonntag, den 21. März, Vormittags 9 Uhr versammelten sich die Mitglieder im Vereinslokal und marschirten von da in die Kirche zum Festgottesdienst. Sämmtliche Kameraden waren sich darin einig, daß ihnen das Leben und die Herrscher­tugenden des großen Kaisers noch nie in so beredten Worten zu Gehör gebracht worden sind, als durch die von Herrn Superintendent Heck gehaltene Festpredigt. Montag, den 22. März, Abends 8 Uhr füllten die Mitglieder den Saal des Vereinslocals bis auf den letzten Platz und waren von den Herrn Offizieren des Vereins erschienen: Herr Hauptmann Henrichs, Herr Stabsarzt Dr. Reip, Herr Premierlieutenant Berg und als Gast Herr Secondelieutenant Köhler. Der Vereins­vorsitzende, Herr Färbereibesitzer C. A. Schaefer er­öffnete den Biercommers mit einem Hoch auf Kaiser- Wilhelm II., worauf das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Lehrer a. D. Simon die Festrede über Kaiser- Wilhelm den Großen hielt. In markigen Worten schilderte Redner das Lebensbild des großen Kaisers und lohnte reicher Beifall die treffenden Ausführungen. Herr Hauptmaun Henrichs feierte den Alt-Reichskanzler Fürst Bismarck, die schon entschlafenen Paladine des großes Kaisers Roon und Moltke und die Veteranen von 1870(71 und wurden die formvollendeten Reden dieses Herrn von den Kameraden durch ein brausendes