SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
.M 24. Mittwoch, den 24. März 1897. 48. Jahrgang.
BMP* Sitte, vergessen Sie nicht, -WE
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Amtliches.
Die diesjährigen Frühjahrkoutrolversamm- lungen finden im Kreise Schlüchtern an den in nachstehendem Plane angegebenen Tagen und Plätzen statt. Der Plan wird den Herren Bürgermeistern resp. Ortsvorstchern des Kreises Schlüchtern mit dem Ersuchen mitgetheilt, gefälligst in ortsüblicher Weise bekannt machen zu wollen, daß sich alle in ihren Gemeinden befindlichen Mannschaften nachbezeichneter Kategorien an den angegebenen Gestellungstagen pünktlich einzufinden haben und zwar:
^.'sämmtliche Reservisten, einschließlich die Jäger der Klasse A vom Jahrgang 1884 ab aufwärts;
b. sämmtliche Wehrmänner I. Aufgebots mit Ausnahme derjenigen, welche bei der diesjährigen Herbstkontrolversammlung zur Landwehr zweiten Aufgebots übergeführt werden; zu letzteren gehören diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1885 in den Militärdienst eingetreten sind:
ß - c. die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten; d. bic vor beendeter Dienstzeit wegen Dienstuntaug- lichkeit oder auf Reklamation und wegen anderer Gründe zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften;
e. die als halbinvaltde anerkannten Mannschaften; f. sämmtliche Ersatz-Reservisten.
Es haben zu erscheinen:
1. Am Montag, den 5. April d. Js„ Vormittags 9 Uhr in Schlüchtern auf dem Bleichplatz die unter a bis einschl. e angegebenen Mannschaften der Ortschaften: Ahlersbach, Breitenbach, Elm, Herolz, Hinkelhoi, Hohenzell, Klcsberg, Klosterhöfe, Kressenbach, Neustall, Niederzell, Ramholz, Schlüchtern, Uerzell, Ulmbach, Vollmerz, Wallroth.
2. Am Montag, den 5. April d. Js., Nachmittags 3 Uhr, in Sterbfritz auf dem Gemeindeturnplatz hinter dem Bahnhöfe für die unter a bis f angegebenen Mannschaften von: Alten- gronau, Breunings, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Sannerz, Schwarzenfels, Sterbsritz, Weichersbach, Weiperz, Züntersbach, Oberzell.
3. Am Dienstag, den 6. April d. Js., Vormittags 8 Uhr, in Schlüchtern auf dem Bleichplatz für die Ersatz-Reservisten der Ortschaften: Ahlersbach, Breitenbach, Elm, Herolz, Hinkel- hof, Hohenzell, Klesberg, Klosterhöse, Kressenbach, Neustall, Niederzell, Ramholz, Schlüchtern, Uerzell, Ulmbach, Vollmerz, Wallroth.
4. Am Dienstag, den 6. April d. Js„ Nachmittags 2 Uhr, in S t e i n a u auf dem Schloßhof- für die unter a bis einschl. f angegebenen
s Mannschaften der Ortschaften: Ahl, Bellings, Eckard- roth, Hof Hundsrück, Kerbersdorf, Marborn, Marjoß, Rabenstein, Rebsdorf, Romsthal, Salmünster, Sarrod, Seidenroth, Soden, Steinau, Wahlert.
Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrolversammlung verhindert ist, muß so rechtzeitig ein ärztliches Attest bezw. eine Bescheinigung der Ortsbehörde bei dem Meldeamt Gelnhausen einreichen, daß die Befreiung noch vor der Kontrolversammlung eingeholt und mitgetheilt werden kann.
Die Richtigkeit der angegebenen Gründe, sowie etwa beizugebende ärztliche Atteste, letztere nur dann, wenn sie nicht durch einen Königlichen Kreisphysikus ausgestellt sind, müssen ortsobrigkeitlich beglaubigt sein.
Nur wer durch plötzliches Erkranken oder ganz unvorhergesehene dringende Geschäfte abgehalten ist, der Kontrolversammlung beizuwohnen, kann sich am betreffenden Kontrolplatz mit Ueberreichung ■ ' eines obrigkeitlichen bezw. ärztlichen Zeugnisses durch einen anderen entschuldigen lassen.
Unentschuldigtes Ausbleiben oder nicht pünktliches Erscheinen, sowie Erscheinen auf einem nicht zuständigen Kontrolplatz wird mit Arrest bestraft.
Die Herren Bürgermeister resp. Ortsvorsteher werden ersucht, diese Bekanntmachung einige Tage vor den an- gesetzten Kontrolversammlungen wiederholen und hierbei die zum Erscheinen Verpflichteten auf das Mitbringen ihrer Militärpapiere besonders Hinweisen zu lassen.
Gelnhausen, den 22. März 1897.
Königliches Meldeamt.
Zur Hundertjahrfeier.
Eine Extra-Ausgabe des Armee-Verordnungsblattes bringt folgenden Aufruf Sr. Majestät des Kaisers:
„An Mein Heer!
Das Vaterland begeht heute den festlichen Tag, an dem ihm vor hundert Jahren Wilhelm der Große geschenkt wurde, der erhobene Herrscher, welcher nach dem Willen der Vorsehung das deutsche Volk der ersehnten Einigung zugeführt, ihm wieder einen Kaiser gegeben i hat. Als feindlicher Einfall Deutschlands Grenzen bedrohte, seine Ehre und Unabhängigkeit antastete, fanden sich die lange getrennten Stämme aus Nord und Süd wieder; die auf Frankreichs Schlachtfeldern mit Strömen von Heldenblut besiegelte Waffenbrüderschaft der deutschen Heere ward der Eckstein des neuen Reiches, des die Fürsten und Völker Deutschlands unauflöslich umschließenden Bundes.
Dieser Einigung ist das hehre Denkmal, welches die mit Ehrfurcht gepaarte Liebe des deutschen Volkes seinem Großen Kaiser, dem Vater des Vaterlandes heute widmet, ein erhebendes Zeugniß. Unauslöschlich wird diese Feier eingezeichnet bleiben in allen Herzen, die für Deutschlands Ehre und Wohlfahrt schlagen, unvergeßlich vor allem denen sein, welche den sieggekrönten Fahnen Wilhelms des Großen gefolgt sind und gewürdigt waren, das Werk seines Lebens vollenden zu helfen.
Eine besondere Weihe will Ich diesem Jubeltage dadurch geben, daß Mein Heer von nun an auch die Farben des gemeinsamen Vaterlandes anlegt: das Wahrzeichen der errungenen Einheit, die Deutsche Kokarde, die nach dem einmütigen Beschlusse Meiner hohen Bundesgenossen in dieser Stunde ihren Truppen ebenfalls verliehen wird, soll ihm eine für alle Zeiten sichtbare Mahnung sein, einzustehen für Deutschlands Ruhm und Größe, es zu schirmen mit Blut und Leben.
Dankerfüllt und voller Zuversicht ruht heute Mein Blick auf Meinem Heere, denn Ich weiß von ihm, dem die fürsorgende Liebe des großen Kaises von Seinen Jugendjahren bis zu den letzten Augenblicke Seines gott- gesegneten Greisenalters gewidmet war, dem Er den Geist der Zucht, des Gehorsams und der Treue, welcher allein zu großen Thaten befähigt, als ein köstliches Erbe hinterlassen hat, daß es seines hohen Berufs immerdar eingedenk sein und jede Aufgabe, die ihm anvertraut, erfüllen wild.
Ihm bestimme Ich deshalb an erster Stelle das Denkzeichen, welches ich zur Erinnerung an den heutigen Tag gestiftet habe. Möge Jeder, der gewürdigt ist, das Bild des erhabenen Kaisers auf seiner Brust zu tragen, Ihm nacheifern in warmer Vaterlandsliebe und hin- gebender Pflichterfüllung, dann wird Deutschland alle Stürme Und alle Gefahren siegreich bestehen, welche ihm nach dem Willen Gottes im Wandel der Zeiten be- schieden sein sollten.
Berlin, den 22, März 1897.
Wilhelm."
Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlich ferner eine kaiserliche Urkunde betreffend die Stiftung einer Medaille znr Erinnerung an Wilhelm den Großen. Die Medaille aus Bronce von eroberten Geschützen I zeigt auf der Vorderseite das Brustbild Wilhelms des'
Großen nebst der Inschrift: Wilhelm der Große, Deutscher Kaiser, König von Preußen. Auf der Rückseite steht die Inschrift: Zum Andenken an den hundertsten Geburtstag des großen Kaisers Wilhelm I. 1797— 22. März 1897, darunter auf einem Lorbeer- und einem Eichenzweige ruhend Kaiserkrone, Reichsapfel und Reichsschwert. Die Medaille ist an orangefarbenen Bande zu tragen und wird nur zum Andenken an den 22. März 1897 verliehen. Ueber die Auswahl der Verleihungen sind weitere Bestimmungen vorbehalten.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. März. Den heutigen Festtag leitete der Besuch des Kaiserpaares im Mausoleum zu Char- lottenburg ein. Tausende erwarteten längs der Feststraße und begrüßten mit brausendem Jubel das Kaiserpaar, welches um 8 Uhr 40 Min. im Mausoleum eintraf; dasselbe verweilte dort eine kurze Stunde im Gebet und kehrte sodann nach Berlin zurück. Die Enthüllungfeier des Kaiser Wilhelm-Denkmals ist programmäßig verlaufen, das Wetter ist kühl und trocken. Ganz Berlin ist festlich bewegt. -
Essen a. R., 20. März. Geheimer Kommerzienrath Alfred Krupp stiftete anläßlich der 100jährigen Wiederkehr des Geburtstages Kaiser Wilhelm I. 1000 000 Mk. zur Ergänzung der staatlichen Arbeiterfürsorge auf seinen Werken. Ferner schenkte er dem Kinderheim in Essen 100000 Mark. In Aussicht genommen ist dann auch noch eine wesentliche Vergrößerung der Krupp'schen Arbeiterkolonien.
Köln, 17. März. Eine empfindliche Strafe verhängte das Schöffengericht über einen hiesigen Butterhändler. Derselbe hatte Margarine als Naturbutter verkauft. Der Vertreter der Anklagebehörde beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 30 Mk. Das Gericht erkannte dagegen auf zwei Wochen Gefängniß-
Poppelsdorf, 18. März. Um 4’/s Uhr hat der Orkan einen Schornstein der Wesselschen Fabrik umge- worfen; ein Mann ist todt, ein Mann schwer verwundet mehrere Arbeiter sind leicht verwundet.
Breslau, 18. März. Wie dem „Br. Gen.-Anz." aus Königshütte berichtet wird, beschlossen gestern Abend die dortigen Stadtverordneten, den Oberbürgermeister Girndt vom 1. April ab zu pensioniren und ihm bis zum Ablauf seiner Amtsperiode das Gehalt zu gewähren. Der Grund hierfür liegt darin, daß seit vier Jahren jährlich an Kreissteuern 4000 Mark zu viel entrichtet worden sind, ohne daß der Bürgermeister hiervon eine Ahnung hatte.
Ausland.
London, 19. März, Das „Reutersche Bureau" meldet aus Montevideo: Bei Paysandu hat zwischen den revolutionären und den Regierungstruppen ein großes Gefecht stattgefunden, in welchem gegen 1000 Mann getödtet und verwundet sein sollen. Der Ausgang des Kampfes ist unbekannt.
Memphis (Tennessee), 21. März. Der Mississippi ist aus seinen Ufern getreten. An einigen Stellen beträgt die Ucberschwemmung 40 Meilen. Der Schaden ist außerordentlich groß. 500 Personen sind ertrunken. 5000 Flüchtlinge befinden sich in Memphis und DyerS- burg. Das Wetterbureau hat Warnungen erlassen, wonach ein beträchtliches Steigen des Wassers für die nächsten 10 Tage erwartet wird und eine ernste Krisis bevorsteht.
Bombay, 18. März. Seit dem Ausbruche der Pest sind hier 9579 Personen an der Pest erkrankt und 8027 gestorben. Die Gesammtsterblichkeit in Bombay betrug in der letzten Woche 1258 gegen 1326 in der Vorwoche. In der ganzen Präsidentschaft sind bis zum 13. d. M. 16,720 Erkrankungen und 13,629 Todesfälle vorgekommen.
In Südafrika verfolgt die englische Regierung bestimmte Pläne, die sich noch nicht klar erkennen lassen. Dem Vernehmen nach hat das erste Bataillon der irrischen Schützen den Befehl erhalten, sich am 13. April nach Südafrika einzuschiffen; das Depot der 7. Husaren fei angewiesen worden, sich bereit zu halten, um im Laufe des April nach Südafrika nachzufolgen, während das dritte und vierte Bataillon der Königs-Schützen Detachements in der Gesammtstärke von 184 Mann am 13. April uach Südafrika senden solle. Vielleicht hängt mit diesen Plänen auch der engere Zusammenschluß Transvaals mit dem.Oranje-Freistaat zusammen.