1. Anlage zu Ar. 23 der „Schüchterner Ieitung".
preußischen Eisenbahnminister veranlaßt, mit Rücksicht auf die Schulferien in den verschiedenen Landestheilen die gewöhnlichen Rückfahrtkarten von sonst kürzerer Dauer für das laufende Jahr, wie folgt, gelten zu lassen: Ostern 7. bis 27. April einschließlich, Pfingsten 4. bis 10. Juni einschließlich, Weihnachten 18. Dezember bis 6- Januar 1898. Es ist beabsichtigt, falls diese Einrichtung sich bewährt, sie zu einer dauernden zu machen und nur jedes Jahr die Tage neu festzusetzen.
Steinau. In hiesiger Stadt wird die Feier des 100jährigen Geburtstags Kaiser Wilhelm I. wie folgt gefeiert werden. Das Programm ist: Sonntag Vormit- mittag Festgoltesdienst, Abends Theatervorstellung; Montag Abend Fackelzug mit Jllumation, woran sich ein großer Biercommers sämmtlicher Vereine rc. anschließt. Dienstag Nachmittag ist großes Volksfest.
Rückers bei Flieden. Der diejährige März- Vieh- und Krammarkt wird nicht am 21., wie von anderer Seite gemeldet worden ist, sondern am 31. März abgehalten.
Fulda. Herr Oberst z. D. Wilhelm Martelleur, in den 1870er Jahren Bezirks-Kommandeur in Fulda, ist vor einigen Tagen in Marburg im hohen Alter von 86 Jahren gestorben.
Gelnhausen, 16. März. In der gestrigen Sitzung des Kreistags wurde einstimmig beschlossen, nach dem Vorschläge des Kreisausschusses die Erbauung einer normalspurigen Kleinbahn (Spurweite wie bei den Hauptbahnen) von Wächtersbach nach Birstein zur Ausführung zu bringen. Da das Projekt vollständig ausgearbeitet ist, kann nach Eingang der ausstehenden Genehmigung der höheren Behörden alsbald mit dem Bau begonnen werden. Die Ausführung wird der Eisenbahnbaugesellschaft Bering und Wächter in Berlin übertragen.
Frankfurt, 10. März. Die ungültig erklärte Weseler Geldlotterie bildete in Frankfurt a. M. den Gegenstand einer civilgerichtlichen Verhandlung. Eine Anzahl Loose- vertreiber genannter Lotterie hatten, nachdem sie die Ziehungsliste erhalten, sich zu den glücklichen Gewinnern degeben und diesen unter entsprechendem Nachlaß und unter Ueberlassung des Looses den Gewinn ausbezahlt. Nach einigen Tagen erfolgte die Ungültigkeitserklärung der ersten Ziehung, weil wie bekannt, eine Gewinnnummer zu viel im Rad gelegen hatte. Ein Theil der enttäuschten Gewinner gab das erhaltene Geld, soweit sie es noch besaßen, zurück, ein anderer Theil verweigerte jedoch die Rückzahlung, weshalb gegen dieselben Klage erhoben wurde, die nun zur Verhandlung stand. Da die erhaltenen Summen bestritten wurden, so wurde aus Beweiserhebung erkannt.
Ziegenhain, 15. März. Ein noch schulpflichtiger Knabe hat in kurzer Zeit bei einem hiesigen Bäckermeister von zwei geschlachteten fetten Schweinen fast sämmtliche Würste gestohlen und dann verzehrt.
Fritzlar, 16. März. In der letzten Sitzung des Stadlralhs und des Ausschusses wurde in Bezug auf unsere Wasserleitung beschlossen, das Blaumühlenprojekt zur Ausführung zu bringen. Weiter soll noch eine elektrische Beleuchtungs-Anlage jür die Stadt Fritzlar zur Ausführung kommen und in der Blauenmühle einige Mahlgänge neu hergerichtet werden. Die Wasserkraft dieser Mühle wirdsomit auf die ergiebigste Weise ausgenützt.
Ungedauken, 15. März. Vor einigen Wochen hat sich hier ein 1 »jähriges Mädchen einen Schuhnagel in den Fuß getreten, achtete aber nicht weiter darauf. Vor ungefähr 8 Tagen bekam es jedoch heftige Schmerzen
am Fuße. Der nunmehr zu Rathe gezogene Arzt konstatirte, daß bereits Blutvergiftung eingetreten sei. Da die ärztliche Hilfe zu spät in Anspruch genommen war, ist das Mädchen gestern an Blutvergiftung gestorben.
Altmorschen, 16. März. Am Montag Nachmittag ereignete sich in unserer Gemeinde ein tief bedauerlicher Unglücksfall. Der 4jährige Sohn des Gastwirths N. gerieth auf dem Kurzrocken'schen Hof, wo er spielte, in das Göbelwerk der in Betrieb gesetzten Futtermaschine. Auf die Rufe des Kindes sprangen Arbeiter hinzu und zogen den Knaben, welchem das linke Bein bereits zermalmt war, heraus. Die beiden herbeigerufenen Aerzte befürchten das Schlimmste.
Schmalkalden, 16. März. Der Zimmerman Eck brächte im Streite seiner Frau, die vorher auf das Dach geflüchtet, aber auf Zureden des Sohnes zurückgekehrt war, durch Axthiebe gegen die Stirn tödtliche Verletzungen bei, Eck hatte eine zweijährige Zuchthausstrafe verbüßt wegen unerlaubten Umganges mit seiner Stieftochter; seine Frau hatte Anzeige erstattet.
Vermischtes.
— Beim Mischen künstlicher Dünger beachte man, daß Thomasmehl oder Superphosphat sowohl mit Kainit als mit Chilisalpeter gemischt werden dürfen, dagegen darf man Thomasmehl oder gebrannten Kalk nicht mit Superphosphat und nicht mit Ammoniaksalzen mischen. Wenn man die verschiedenen Dünger z. B. Superphosphat, Kainit, Chilisalpeter und Thomasmehl einzeln bezieht und die Mischungen selbst darstellt, so kosten sie ganz erheblich weniger, als wenn man sie schon gemischt als Kalijuperphosphat, Salpeterphosphat u. s. w. kommen läßt. Beim Mischen der Dünger mit Erde vor ihrer Verwendung findet eine bessere Vertheilung auf dem Felde statt. Die Erde verhindert ferner das Zusammenballen des Düngers, wenn derselbe z. B. in Löcher fällt oder wenn bei breitwürfigem Ausstreuen an einzelne Stellen größere Mengen Kunstdünger gelangen. Endlich wird durch Mischen mit Erde bei Thomasmehl, Oelkuchenmehl und andern pulverförmigen Düngern das lästige Stäuben verhindert.
— Rupfen der Gänse bei lebendigem Leibe. Ein pommerscher Landwirth und Gänsezüchter schreibt hierüber: Eine grausame Thierquälerei ist die leider noch vielfach geübte Unsitte des Rupfens der Gänse bei lebendigem Leibe. Wenn die Landleute sich nicht entschließen können, aus Rücksicht auf die Qualen und Schmerzen, welche sie damit den armen Thieren bereiten, von diesem barbarischen, von Egoismus eingegebenen Brauche abzustehen, so ist das vielleicht eher der Fall, wenn darauf hingewiesen wird, daß der Besitzer, wenn er der Natur in so roher Weise vorgreift, sich weit mehr schadet, als er sich damit zu nützen meint. Der Gewinn der Federn, welcher sich beim dreimaligen Rupfen der Gans im Jahre auf 60 bis 70 Gramm im Werthe von 40—50 Pfennig beläuft, steht durchaus nicht im Verhältnisse zu dem Verbrauch von Futter, welches nöthig ist, um die ansgerupften Federn zu ersetzen, da 15 Gramm Federn einem Verlust von 1 Kilo Fleisch gleichkommen. Geschieht das Rupfen zudem bei ungünstiger kalter Witterung, so ist Krankheit und Tod einzelner, oft vieler Thiere die Folge davon. Freilich giebt der auf das Rupfen und dem ihn scheinbar daraus erwachsenden Nutzen versessene Landmann nicht zu, daß diese unsinnige Behandlung daran Schuld sei. In Pommern ist man hierin humaner, dort werden die
Gänse lebend überhaupt nicht gerupft und diese Humanität bringt dem pommerschen Landmann den reichsten Segen, denn bekanntlich züchtet man dort die schönsten und kräftigsten Thiere, welche nach ihrem Ende einen dreimal werthvolleren Federertrag liefern.
— Gegen Zahnschmerzen. Man gieße sich etwas Rum in die flache Hand, nachdem man zuvor ein wenig geschabte Kreide hineingethan. Von dieser Lösung ziehe man, noch ehe zuviel Kohlensäure aus der geschabten Kreide entweichen kann, möglichst viel in die Nase ein. Ist Letztere gefüllt, so halte man die Nase '/« — '/, Min. lang zu, damit das Eingesaugte nicht sogleich wieder herauslaufen kann. Sofort verschwinden die Zahnschmerzen, gleichviel welcher Art dieselben sind. Dieses Mittel hat vor allen anderen den Vorzug, daß es sehr billig ist und ausnahmslos ganz sicher wirkt.
— Mißverständniß. Vater: „Du mußt, bevor Du in der Schule etwas sprichst, immer erst überlegen." — Karlchen: „Ach, Papa, das Ucberlegen besorgt schon der Herr Lehrer."
— Unangenehme Perspektive. Frau (die in der Ausstellungslotterie einen Kleiderschrank gewonnen hat): »Ach, das ist reizend, Mann, jetzt habe ich wieder Platz für sechs neue Kostüme!"
— Ein Diplomat. Krempelhuber: „Heut hat mir mei Alte n Hausschlüssel scho wieder net gebn!" Wurzen- berger: „Du verstehsts halt net, mit ihr umzugehen — da muß ma diplomatisch sei!" Krempelhuber: „Na, wie denn?" Wurzenburger: „I hau se so lang, bis sien Hergiebt!"
— Das vierfache F, das allgemeine Zeichen der Turner, der Schmuck aller turnerischen Wappen, Wahrzeichen und Drucksachen, feiert in diesem Monat sein goldenes Jubiläum. Es wurde nämlich bei dem ersten deutschen Turnfest, das in Heilbronn im August 1864 gefeiert wurde, von dem Kupferdrucker Heinrich Felsing aus Darmstadt, der es erfunden hat, zur Einführung beantragt und angenommen. Der Wahlspruch selbst ist übrigens an sich älter. Seine Anwendung auf das deutsche Turnwesen wird auf den Sprachforscher G. F. Maßmann (geb. 1797, gest. 1874) zurückgeführt, der ebenfalls ein eifriger Förderer des Turnens war, sonst findet er sich aber schon in folgendem Reim des 16. Jahrhunderts:
„Frisch, frei, fröhlich und frumb
Ist der Studenten Reichthumb." Dieser Reim erfuhr schon früh kleine Wandlungen, z. B. läßt sich 1582 die Form nachweisen:
»Frisch, frei, fröhlich, freundlich und frumb
Ist aller Buchdrucker Reichthumb."
Zeichen und Wahlspruch haben sich übrigens, letzterer in Uebersetzungen und mit geringen Aenderungen, auch in außerdeutschen Ländern eingebürgert, so in Frankreich, in England, in Italien, in Spanien, in Portugal, in Schweden und in Holland (hier sind es aber keine vier F, sondern vier V).
— Richter (zu einem jugendlichen Angeklagten): „BistDuschon vorbestraft?" Junge: „Nee, immer hinten."
— Höchste Aehnlichkeit. Maler: Nun, wie finden Sie das Portrait Ihrer Frau Gemahlin?" Ehemann (sich das Portait seiner Frau ansehend): „Aber das ist ja zankend ähnlich!"
— Kasernenhofblüthe. Unteroffizier (zu einem Soldaten, dem vom Nasenbluten ein Blutströpfen am Kinn hängt): „Krause, wischen Sie den Schauerroman aus Ihrem Gesicht!"
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Am Samstag, den 20. März, Abends 8 Uhr, (2. und letzter Termin) soll in der Wirthschaft des Herrn Leou- hardt Kohlepp dahier der Nachlaß der Joh. Georg Schlingloffs Erben
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tA zm den von einer früheren hiesigen Konkurrenz verbreiteten unwahren Aus- eJ | sagen zu begegnen, theilt der Unterzeichnete den Herren Mühlenbefitzer» und Mühlenbaumeistern zur gefälligen Beachtung ergebenst mit, daß die Eisengußstücke zu den von Herrn Fabrikbesitzer F. Diehm in Fulda s. Z. gefertigten Mühlen sämmtlich in meiner Gießerei nach den seit 1865 hier eingeführten, allgemein beliebten, leichten Modellen der J. F. Muller’fe^en Maschinenfabrik (Krimm), die sich in meinem Besitz befinden, hergestellt, nicht aber, wie unwahr verbreitet worden ist, aus Bayern bezogen wurden. Ausweislich meiner Geschäftsbücher kamen in der Zeit vom Mai 1887 bis März 1893 113854 kg Guß an die F. Diehm’fd)e Maschinenfabrik zur Ablieferung. Gegenwärtig ist wieder ein Konkurrent bemüht, in vorerwähnter Weise das Vertrauen der Kundschaften von meinem Geschäfte abzulenken. Der Grund hierzu ist der, weil ich Gußlieferungen an denselben aus gewissen Gründen ablehnte.
Im Anschluß hieran empfehle mich zur Neu Anlage von Mahl- und Schneidemühlen, Transmissionen rc. nach bestbewährten Systemen, sowie zur Ausführung aller in das Maschinenbaufach einschlagenden Arbeite« und Reparaturen.
Franz Jos. Schneider, Maschinenfabrik, Metall- und Eisengießerei, Heinrichstraße 55, nächst dem Bahnhof, Fulda.
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